Lexus RX 400h im Test

Strom-Linie

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Mit Elektrohilfe mehr Kraft und weniger Verbrauch – das ist das Credo des Lexus RX 400h mit Hybridantrieb. Kann der dreimotorige Geländewagen – mit einem Benzinmotor und zwei Elektroantrieben – auch halten, was er verspricht?

Ein Benzinmotor, zwei Elektroantriebe, zwei Planetengetriebe, ein Generator, ein Satz Batterien – schon die Zutaten können die Vorstellungskraft überfordern. Doch nicht die Ansammlung von Aggregaten macht das Wunder namens Lexus RX 400 h aus. Die wahre Kunst liegt in der Regie des Zusammenspiels.

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Einzeltest Lexus RH 400 h
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Und da ist zumindest eines klar: Lieber würden sich die Ingenieure die Zunge an die Tür nageln, als die staunende Konkurrenz in ihr Geheimnis einzuweihen. Schließlich haben sie sich einen komfortablen Vorsprung erarbeitet: Hybridautos diesen Kalibers hat sonst keiner, schon gar nicht in Serie. Und Hybrid, das riecht stark nach Zukunft, denn es dreht sich – was sonst? – um weniger Verbrauch und um weniger Abgas.

Warum dann ausgerechnet in einem Gelände-Monstrum, dem ökologischen Sündenfall im Autospektrum, das in den USA auf die Abkürzung SUV hört? Einfach: Er kann es gut gebrauchen, der Trend geht nun mal zum SUV. Was man bekommt, gleicht optisch dem bekannten RX 300, die Hybridfeinheiten blühen im Verborgenen. Folglich hält sich auch die Begeisterung zunächst in Grenzen.

Der Lexus ist keine Schönheit. Spur und Radstand wirken unter der 4,8-Meter-Karosse etwas kümmerlich. Jedenfalls taugt das hochbeinige Gefährt ungeachtet des Preises (ab 49 750 Euro) kaum zum Eindruckschinden. Das gilt auch für den Blick ins Innere: viel silbriges Plastik, im Stil eher Ghettoblaster als High-End-Apparat. Nüchtern betrachtet gibt es indes wenig auszusetzen.

Die Verarbeitung weckt Vertrauen, die Bedienung fällt leicht, an Platz mangelt es ebenfalls nicht. Der Fahrer sitzt relativ hoch hinter dem Lenkrad, aber bequem. Auch hinten weilt man gern, zumal zusätzlich zur Längsverstellung noch die Lehnenneigung justiert werden kann. Kein Grund zum Klagen mithin, es sei denn, es muss viel Gepäck verstaut werden. Der hohe Ladeboden lässt das Kofferraumvolumen auf 439 Liter schrumpfen.

In einen BMW Dreier geht mehr, da sind die 1180 Liter bei umgeklappten Rücksitzen kein Trost.

Auf den ersten Blick ein ganz normales Auto also – ein Eindruck, der sich freilich verflüchtigt, sobald der Fahrer den Zündschlüssel dreht. So oft man es auch probiert: Hier zündet nichts. Um so überraschender, dass sich der Lexus beim Gasgeben lautlos in Bewegung setzt. Das Geheimnis: Beim Anfahren bewegt sich der Wagen zunächst rein elektrisch, und wer es nicht eilig hat, kann diesen Zustand bis Tempo 50 und mehr beibehalten. Gespenstisch, nicht zuletzt für Passanten, denen das still anrollende Riesengefährt bisweilen den Schreck in die Glieder jagt.

Das funktioniert, solange die drei unter den Rücksitzen verstauten Batterien genügend Saft haben. Ihnen kommt zugute, dass beim Verzögern des Autos automatisch nachgeladen wird – dann aktiviert das System einen Generator, nutzt also kinetische Energie. Reicht das nicht aus, muss allerdings der Benzinmotor ran. Dabei handelt es sich im Prinzip um den gleichen, der auch im RX 300 Dienst tut – ein V6, der aus 3,3 Liter matte 211 PS und 288 Nm realisiert. Warum dann RX 400? Weil er über die Kraft der drei Herzen verfügt, vergleichbar mit der Stärke eines Vierlitermotors. Und das ist noch untertrieben.

272 PS leistet das Gesamtsystem, doch der Augenöffner sind die 824 Nm Drehmoment, die schon aus dem Stand bis 20 km/h bereitstehen. Dergleichen schafft eben nur ein E-Motor, der hier mit 650 Volt auch noch bis zu 167 Zusatz-PS locker macht. Addiert man die Leistung des zweiten, für den Antrieb der Hinterräder zuständigen Drehstromaggregats (68 PS), kommen 446 PS zusammen – theoretisch zumindest, denn das Antriebsmanagement sorgt dafür, dass sich die Leistungsspitzen nicht summieren, sondern ergänzen.

In der Praxis führt diese Gemengelage zu eindrucksvollen Resultaten. Der Lexus schießt aus den Startlöchern wie von der Tarantel gestochen. Der Effekt erinnert an einen Turbo, nur ohne Verzögerung – so, als wäre eine vorgespannte Feder im Spiel. In 8,2 Sekunden erreicht man 100 km/h, auch danach fehlt es nicht an Vorwärtsdynamik.

Bei Tempo 200 ist allerdings Schluss, denn mehr möchte Toyota der Technik vorerst nicht zumuten. Ein weiterer Wermutstropfen: Die Planetengetriebe des Hybridantriebs fungieren zugleich als stufenlose Automatik – entsprechend ist der akustische Eindruck. Bei sportlicher Fahrweise singt der bei hohen Drehzahlen nicht gerade laufruhige V6 bisweilen ein schauriges Lied. Geschickt ist diese Lösung aber trotzdem.

Die Tatsache, dass man sich ein separates Automatikgetriebe sparen kann, reduziert das Zusatzgewicht der vorderen Hybrideinheit (E-Motor, Generator, Planetenradsätze) auf weniger als 20 Kilogramm. Überhaupt entpuppt sich das beim Hybrid gern gebrauchte Totschlag-Argument – hohes Gewicht – als zahnlos: Mit 2040 Kilogramm ist dieser SUV unter seinesgleichen einer der leichteren.

Die Konzeption des Allradantriebs ist daran nicht unbeteiligt. Die Hinterräder werden nur elektrisch versorgt, so braucht man weder Differenzial und Verteilergetriebe noch Kardanwelle. Allerdings taugt das Auto kaum zur Überwindung natürlicher Hindernisse: Der Heckantrieb dient hier zur Wahrung der Stabilität und wird nach Bedarf von der Fahrdynamikregelung aktiviert. So gebärdet sich dieser SUV auf der Straße auch erfreulich zivil und weitgehend unproblematisch.

Das bei Autos dieses Genres übliche Untersteuern macht sich erst bei höheren Kurvengeschwindigkeiten bemerkbar, der Lexus lässt sich ebenso mühelos wie zügig bewegen. Die Fahrfreude hält sich dabei allerdings in Grenzen, was viel der elektrisch unterstützten und gefühllosen Lenkung sowie der schwer dosierbaren, fadingempfindlichen Bremse anzulasten ist.

Alles in allem angenehm dagegen der Komfort: Nur Querwellen auf der Autobahn und große Unebenheiten bringen die Stahlfederung mitunter aus dem Konzept. Bleibt zum Schluss noch die Frage, um die sich der ganze Aufwand dreht: Wie sparsam ist der Hybrid wirklich? Klare Antwort: Es kommt darauf an. Fest steht, dass der Testwagen mit einem Gesamtdurchschnitt von nur 10,1 Liter/ 100 km im SUV-Vergleich Maßstäbe setzte. Eine detaillierte Betrachtung gibt aber ein zwiespältiges Bild: Mit 7,8 L hervorragend der Verbrauch im reinen Stadtverkehr, was einleuchtet.

Günstig auch die Werte bei gemäßigter Fahrt auf Landstraßen (7,2 L/100 km) und Autobahnen (9,3 L/100 km). Vorbei ist es mit dem Hybridvorteil indes, wenn man die Leistung ausschöpft. Dann konsumierte der Lexus im Verbrauchstest nämlich bis zu 16,7 L/100 km. Wahre Wunder sind offenbar selbst bei Toyota unmöglich.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gute Platzverhältnisse –solide Verarbeitung
  • –kleiner Kofferraum
Fahrkomfort
  • –guter Komfort kein Geräusch im E-Modus –bequeme Sitze
  • –Federungsschwächen auf Querwellen –bei hohen Drehzahlen lauter Motor
Antrieb
  • –hohe Fahrleistungen –gutes Ansprechverhalten –harmonische Antriebssteuerung
  • kleiner Tank (65 Liter) –stufenlose Automatik gewöhnungsbedürftig
Fahreigenschaften
  • –hohe Fahrsicherheit –relativ gute Handlichkeit –sehr gute Traktion
  • –gefühllose Lenkung mit Antriebseinflüssen
Sicherheit
  • ESP serienmäßig
  • –fadingempfindliche Bremsen
Umwelt
  • –besonders schadstoffarm –geringer Verbrauch
Kosten
  • –angemessener Preis –umfangreiche Ausstattung

Fazit

Wer beim Fahren mitdenkt, kann in der Tat Sprit sparen. Beeindruckend die Harmonie des Hybridantriebs, ansonsten beschränken sich die Qualitäten des Nobel-SUV auf guten Durchschnitt.

Technische Daten
Lexus RX 400h Luxury
Grundpreis 58.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4760 x 1845 x 1680 mm
KofferraumvolumenVDA 439 bis 1180 l
Hubraum / Motor 3311 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 155 kW / 211 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
0-100 km/h 8,2 s
Verbrauch 8,2 l/100 km
Testverbrauch 10,1 l/100 km
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