Lexus SC 430 im Test

Sein Image ist kein Image

Den klassischen europäischen Standesdünkel umkurvt der Lexus SC 430 ungerührt. Kein Image als Image zu pflegen, bewegt den 4,51 Meter langen 2+2-Sitzer mit Klappdach offensichtlich weniger als manche Bodenunebenheit.

Den klassischen europäischen Standesdünkel umkurvt der Lexus SC 430 ungerührt. Kein Image als Image zu pflegen, bewegt den 4,51 Meter langen 2+2-Sitzer mit Klappdach offensichtlich weniger als manche Bodenunebenheit. Immerhin bleibt dem SC 430 damit auch erspart, die Kulisse für die Rollenwünsche seiner Kundschaft abzugeben, und er kann sich darauf konzentrieren, sich selbst darzustellen: eine Limousine mit zwei Türen, ein Coupé mit 4,3-Liter-V8 und Heckantrieb, ein Cabriolet mit Klappverdeck. Dementsprechend glänzt die Karosserie mit sicherem, selbstbewussten Auftreten. Der Lexus SC 430 fällt im Straßenbild mehr auf als alle anderen Lexus-Modelle zusammen. Dabei leistet sich das im Toyota-Studio Nizza entstandene Styling  genau die richtige Portion an Stilbrüchen, um nicht glatt und beliebig zu wirken. Der Heckspoiler stört die weichen, abfallenden, fraulich wirkenden Rundungen des Hecks, während die Räder zu tief in den Radhäusern sitzen. Ein stämmiger Unterbau mit breiterer Spur samt üppigerer Bereifung würde das sanfte Styling um eine Portion Muskeln bereichern.

Die typische Einrichtung eines fahrenden Chambre Séparée der 134.952-Mark-Klasse – Holz und Leder – wird durch Instrumente, Mittelkonsole und Schalthebel angenehm aufgelockert. Die Rundinstrumente sind von Alfa Romeos Eisbecher-Design beeinflusst, der Automatikwählhebel rastet knochig ein, die Blenden der Mittelkonsole erinnern nicht nur an noble Kompaktmodelle aus der High-End-Branche. Sie verbergen auch entsprechende Geräte des amerikanischen Spezialisten Mark Levinson. Als gelungene Reminiszenz an das Design ist der Sound eher vollschlank als filigran. Das Wurzelholz-Furnier des Armaturenbretts sieht englischer aus als ähnliche Versuche von Mercedes und BMW und kann zwischen den beiden mittleren Luftdüsen auf Knopfdruck in einen Navigations-Bildschirm mit Touchscreen-Menü verwandelt werden (Aufpreis 6.748 Mark). Dessen grafisch aufwendige Routenführung mit einem liebevoll gestalteten 3-D-Modus gehört zum derzeit Feinsten in der Oberklasse.

Die inzwischen üblichen Schalter am Lenkrad suggerieren nicht nur eine kaum Wünsche offen lassende Serienausstattung, sondern demonstrieren auch, dass der Lexus samt seinen Bedienungseinrichtungen dem Fahrer immer näher rückt. Denn obwohl der SC 430 wahrlich nicht zu den unterdimensionierten Cabrios gehört, ist das Platzangebot nicht gerade verschwenderisch. Die Abkürzung 2+2 bedeutet zwei Erwachsene vorn und zwei Taschen auf den hinteren Sitzmulden, in die nur dann Passagiere passen, wenn die Vordersitze quasi unters Lenkrad beziehungsweise Armaturenbrett gefahren werden. Die hohe Gürtellinie umschließt die Passagiere wie ein Schultertuch, um die beträchtliche Sitzhöhe zu kaschieren.

Der große hintere Überhang und der ausladende Kofferraumdeckel verhelfen dem Lexus SC 430 zwar zu ausgewogenen Proportionen. Wie in den entsprechenden Klappdach-Pendants von Mercedes bleibt der nutzbare Stauraum aber bescheiden. Wer mehr als das Wochenendgepäck für zwei Personen unterbringen will, muss gut packen können, über entsprechende Gepäckstücke verfügen und die Fondsitze als Ablage nutzen. Die fehlende Grosszügigkeit sollte zu einem Eintrag ins Lastenheft des Nachfolgemodells führen: zehn Zentimeter länger plus die Raumökonomie Tokioter Hotelzimmer. Komfortable Sitze zeigen, dass sich der Lexus SC 430 eher dem Breitenals dem Spitzensport verpflichtet fühlt. Sonst müsste die Schenkelauflage ein bisschen länger sein und die Sitzlehne mehr Seitenhalt bieten.

Nominell mit 286 PS Leistung alles andere als untermotorisiert, kann der SC 430 dennoch den Eindruck erwecken, die Herde könnte besser im Futter stehen oder noch Zulauf vertragen. Einerseits verpasst der Lexus in der Beschleunigung von null auf 100 km/h die Werksangabe von 6,4 Sekunden mit 7,3 um fast eine Sekunde, andererseits filtert die harmonische, sanfte und kaum hörbare Art der Kraftentfaltung und Leistungsabgabe jeden subjektiven Eindruck von Tempo. Der Lexus SC 430 scheint zu gleiten, nicht zu fahren, und eine Lenkung ohne allzu viel Fahrbahnkontakt und daraus resultierenden spärlichen Rückmeldungen unterstreicht das Gefühl, mehr Kapitän als Pilot zu sein.

Nach der ersten groben Bodenunebenheit fällt dieses Bild aus dem Rahmen. Auf ebener Fahrbahn souverän, auf langen Bodenwellen ordentlich, verliert der SC 430 auf Querfugen oder Schlaglöchern einiges an Ruhe. Dann lässt die Hinterachse Schläge bis in den Innenraum zu, und die Karosserie überfällt ein Zittern. Beim Fahrverhalten werden keine schlechten Manieren geduldet. Zunächst ist der Hecktriebler weit gehend neutral ausgelegt. Untersteuern in engen Kurven ist ebenso problemlos zu kontrollieren wie die natürliche Übersteuerungstendenz im Lastwechsel, die durch das serienmäßige VSC (Vehicle Stability Control entspricht ESP) elektronisch gezügelt wird. Schnelle Wechselkurven meldet der Vorderwagen durch ein leichtes rhythmisches Pendeln um die Hochachse.

Sieht man im Lexus SC 430 keinen kernigen Sportwagen, sondern einen Vergnügungsdampfer für die kalifornischen Abende des Lebens, entpuppt er sich als ernste Alternative zu jeder Art von zwei- oder 2+2-sitzigen Europäern. Zudem leistet sich der SC 430 den Luxus, auf einen Premiumzuschlag im Preis zu verzichten. Ob als Cabrio oder als Coupé, der Lexus SC 430 wird in Deutschland den Duft der Exotik verströmen. Mehr als 100 Stück pro Jahr sind laut Toyota nicht drin. Von so viel Exklusivität können selbst Jaguar und Maserati nur träumen.

Fazit

In Amerika der Renner unter den Luxus-Cabrios, reicht es für den Lexus SC 430 in Europa zur reizvollen Rarität. Antrieb und Langstreckenkomfort brauchen ebenso wenig Vergleiche zu scheuen wie die Ausstattung. Verarbeitung und Qualität sind nicht nur Lexus, sondern sogar Luxus.

Technische Daten
Lexus SC 430
Grundpreis 69.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4515 x 1825 x 1370 mm
KofferraumvolumenVDA 321 l
Hubraum / Motor 4293 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 7,3 s
Verbrauch 12,0 l/100 km
Testverbrauch 14,8 l/100 km
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