Lichtsysteme im Test

Ist teures Licht besser?

Lichtsysteme, Testaufbau Foto: Hans-Dieter Seufert 47 Bilder

Teure Lichtsysteme sind in den Preislisten fast aller Hersteller zu finden. Lohnt der Aufpreis? Und welche Technik bringt die besten Ergebnisse im Alltag? 15 Systeme im Test.

Vermutlich wollen Sie hier nichts lesen über Quantenzustände von Elektronen, die in niedrigere Energiezustände wechseln und dabei Photonen emittieren. Dabei entsteht genau so das Licht, das aus Xenon- und LED-Scheinwerfern die Straßen vor dem Auto beleuchtet. Genau daher rührt übrigens der sprichwörtliche Quantensprung, der – anders, als es der Volksmund zu wissen meint – keine große Änderung ist, sondern eine minimale: etwa die eines Elektrons, das vom Leitungsband auf das Valenzband wechselt und dabei Energie in Form eines Photons verliert. Die immer noch gängigen Halogen-Glühlampen sind hier ein Sonderfall, ihr Licht resultiert aus der Erwärmung eines Wolframdrahts.

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Gutes Licht bedeutet Sicherheit

Das alles braucht uns nicht weiter zu kümmern, außer dass aus der technischen Nutzung dieser Quantenzustände die enormen Fortschritte – nicht Quantensprünge – der Lichttechnik bei Automobilen in den letzten Jahren resultieren. Licht heißt beim Autofahren natürlich auch Sicherheit. Über 90 Prozent der Sinneseindrücke nimmt der Mensch über seine eingebauten Lichtsensoren – auch Augen genannt – auf, beim Autofahren kommen fast alle entscheidenden Informationen hier an.

Genug Gründe also, um höchsten Wert auf gutes Sehen – das heißt beim Auto gutes Licht – zu legen. Die Preislisten der Hersteller und Importeure bieten viele Möglichkeiten, Geld für vermeintlich bessere Lichttechnik auszugeben.

So auch Audi beim A8, der mit seinem Matrix-LED-Licht zurzeit das im Serienbau technisch Machbare demonstriert. Im Unterschied zu anderen adaptiven LED-Systemen kommt der Audi-Scheinwerfer ohne mechanisch bewegte Teile aus. Er steuert gezielt über die Abschaltung einzelner LEDs das Licht passend zur Verkehrssituation. Da ihm zu diesem Zweck pro Scheinwerfer 25 Einzel-LEDs zur Verfügung stehen, ergeben sich rechnerisch rund 966 Millionen verschiedene Licht-Kombinationen. Zum Vergleich fuhr ein Audi A8 mit Xenonlicht mit.

Zu unseren Lichttests: H4-Lampen und H7-Lampen

BMW mit anderer LED-Technik

Ebenfalls mit LED-Technik kann der BMW 4er aufwarten, allerdings geschieht bei ihm die Steuerung der Adaptivfunktionen mechanisch. Auch hier dient ein 4er mit serienmäßigem Xenonlicht als Vergleich.

Letzter Vertreter der LED-Fraktion ist hier der Peugeot 308, der in der Allure-Ausstattung immer mit LED-Scheinwerfern ausgerüstet ist. Ein 308 mit H7-Halogenlicht fährt hier als Vergleichsauto mit. Adaptive Xenonsysteme gibt es auch bei der Mercedes A-Klasse, dem Opel Astra und dem VW Golf, wobei jeweils ein Fahrzeug mit Serienlicht zum Vergleich dabei ist.

Dacia und Hyundai überzeugen

Doch gibt es gutes Licht auch für weniger Geld? Dieser Frage gehen wir mit dem Dacia Duster (H7) und dem Hyundai i10 (H4) nach. Wo da der Unterschied liegt? H4-Leuchtmittel sind Bilux, die zwei Glühfäden – je einen fürs Fern- und einen fürs Abblendlicht – haben. Eine H7-Lampe hat nur eine Glühwendel, sie tritt daher je nach Einbaulage und Reflektor als Fern- oder Abblendlicht auf. Vorteil: Wenn der Fernscheinwerfer aufleuchtet, bleibt das Abblendlicht eingeschaltet, die Lichtmenge addiert sich.

Ein Sonderfall ist der BMW i3. Das Elektro-Vorzeigeauto kommt serienmäßig mit altväterlichem Halogenlicht. Gegen Aufpreis erhält es LED-Leuchten, allerdings nur für das Abblend- und Tagfahrlicht. Als Fernlicht dient weiter ein gelblicher H7-Strahler, der im Kontrast zum Klementine-weißen Options-LED-Licht noch fahler auf den Asphalt scheint. Das jedenfalls ist kein Quantensprung, weder ein falscher noch ein echter.

Die Testergebnisse

Kaum Überraschungen beim Lichttest, das beste Licht hat mit Abstand der A8 mit Matrix-LED. Das arbeitet so gut und sauber, dass man sich kaum noch entscheidende Fortschritte durch die künftige Lasertechnik vorstellen kann. Auch dem ebenfalls sehr aufwendigen BMW-LED-Licht gelingt das nicht ganz so gut.

Sehr gut setzt sich dagegen der Golf in Szene. Mit seinem Xenonlicht und den guten Adaptivfunktionen zeigt er, dass es nicht unbedingt LED sein muss. Mit Abstrichen gilt das auch für den Mercedes und den Opel. Am Peugeot ist zu sehen, dass LED-Licht allein nicht besser sein muss. Womit wir wieder bei den Überraschungen sind: Dacia und Hyundai zeigen, wie man mit recht einfachen Mitteln eine sehr ordentliche Ausleuchtung der Straße hinbekommt.

Lichtsysteme – so haben wir getestet

Entscheidend ist, was dabei herauskommt. Das gilt auch für Autoscheinwerfer. Daher haben wir den Lichttest nicht im überdachten Lichtkanal durchgeführt, sondern im wahren Leben. Das hieß in diesem Fall Fahrerlager und Kleiner Kurs in Hockenheim. Auf der großen dunklen Asphaltfläche wurden die Reichweite von Abblend- und Fernlicht sowie die Lichtverteilung und Ausleuchtung bewertet. Anschließend gab eine Fahrt auf der stockfinsteren Rundstrecke Aufschluss über die Funktion der Systeme während der Fahrt. Eine subjektive Landstraßen- und Autobahnfahrt im echten Straßenverkehr in der nächsten Nacht ergänzte die Eindrücke.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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