Lotus Esprit GT3

Mit aufregender Form und Dynamik, aber an Gewicht und Preis abgespeckt zielt der Lotus Esprit GT3 auf Einsteiger ins Supercar-Segment.

Die Ecken und Kanten wurden dem Lotus Esprit im Laufe seiner 21-jährigen Bauzeit zwar etwas abgeschliffen, aber ein geradliniger Charakter mit Rückgrat ist er trotz allem geblieben. Nach wie vor stützt sich seine Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunstharz auf einen zentralen Kastenrahmen aus verzinktem Blech, und ebenso beharrlich hält die Form des Mittelmotor-Zweisitzers – besonders mit knalligen Farben und schwarzen Rallyestreifen – den Geist der wilden Siebziger lebendig. Obwohl der nur 1,15 Meter flache Keil auch im Umfeld jüngerer Rivalen nichts von seinem optischen Reiz verloren hat, war der 264?PS starke S4 zuletzt weder vom Antrieb noch vom Preis (135 000 Mark) konkurrenzfähig.

Das erste Problem löste vor Jahresfrist das neue Topmodell V8, das zweite die kürzlich hinzugekommene Einstiegsversion GT3. Mit 94 750 Mark tritt sie nun statt gegen Porsches 911 eine Liga tiefer gegen den Boxster an. Möglich wurde die Preissenkung vor allem durch eine abgespeckte Serienausstattung. Der Verzicht auf Airbags, Klimaanlage und Lederpolsterung drückte nicht nur den Preis, sondern auch das Leergewicht (um 48 auf 1285 Kilogramm). Dadurch bleibt die entscheidende Einsparung beim Antrieb ohne spürbare Folgen für die Fahrleistungen. Denn statt des früheren 2,2 Liter-Aggregats mit 264?PS kommt nun wieder jene Zweiliter- Version zum Einsatz, die seit 1989 schon einmal im Programm war. Mit 240?PS bei 6250/min und einem maximalen Drehmoment von 294?Nm bei 3750/min ist sie nur unwesentlich schwächer als ihr Vorgänger, womit das Leistungsgewicht beider Modelle gleich niedrig liegt. Diese Werte lassen aber auch erahnen, daß der GT3 die typische Charakteristik kleinvolumiger Turbomotoren und die Geräuschkulisse eines hochgezüchteten Vierzylinders entfaltet.

Mit giftigem Kreischen im Nacken, das eher an einen Küchenmixer als an einen Sportwagen erinnert, meldet sich das Triebwerk nach Drehen des Zündschlüssels zu Wort, doch der erwartete Schub bleibt aus. Unter 2500/min kommt jeder Kleinwagen flotter in Schwung, und wer sich nicht auf gefühlvolles Gasgeben versteht, wird zudem mit Stottern und Rukkeln im Antriebsstrang bestraft. Für niedertouriges Fahren im Stadtverkehr ist der Esprit offensichtlich nicht gedacht.

Um so vehementer legt sich der Vierventiler ins Zeug, wenn das Turboloch überwunden ist und der Lader seinen vollen Druck aufbaut. Dann stürmt der GT3 wie von einem Katapult beschleunigt los, so daß der Fahrer seine liebe Mühe hat, mit dem Schalten nachzukommen. Schon nach 5,3 Sekunden zeigt der Tacho Tempo 100, und erst bei der Höchstgeschwindigkeit (263 km/h) muß sich der Lotus einem Porsche 911 (275 km/h) geschlagen geben.

Den enormen Fahrleistungen erweist sich sowohl die Bremsanlage wie das Chassis mit doppelten Dreiecksquerlenkern vorn sowie Längs- und Querlenkern hinten gewachsen. Der Esprit verträgt extrem hohe Kurvengeschwindigkeiten und kündigt das Erreichen der Haftgrenze mit weich einsetzendem Übersteuern sowie spürbarer Seitenneigung der Karosserie an. Auf nasser Fahrbahn oder bei abrupten Ausweichmanövern verlangt er jedoch nach einem versierten Piloten, denn mangels Sperrdifferential neigt das Heck schon bei geringem Kraftüberschuß an den Hinterrädern zum Ausbrechen. Ambitionierte Sportfahrer werden dafür mit einem überaus agilen Handling entlohnt. Wer sich erst einmal über die hohen Seitenwände der Fiberglasschale in den Sitz hinabgelassen und seinen Kupplungsfuß untergebracht hat, findet im hautengen Innenraum alle Hebel und Schalter in greifbarer Nähe und dazu ein knakkiges, schnell zu schaltendes Fünfganggetriebe, wie man es noch bei keinem Esprit bediente.

Auch die Servolenkung arbeitet präzise und mit drei Umdrehungen sportlich direkt. So zeigt sich der Lotus in seiner jüngsten Version wiederum als Fahrmaschine reinsten Wassers, die ihre Abstammung von der Rennpiste nicht verleugnen kann. Mit ihrer unübersichtlichen, nachlässig verarbeiteten Karosserie, dem Verzicht auf nennenswerten Stauraum und der gewöhnungsbedürftigen Motorcharakteristik disqualifiziert sie sich für die Anforderungen des Alltags, die nur halb so teure Konkurrenten wie das Fiat Coupé Turbo 20 V ungleich besser erfüllen. Aber an den Sonnentagen des Lebens vermag der GT3 noch immer viel Esprit zu versprühen.

Vor- und Nachteile

  • Ausgezeichnete Fahrleistungen
  • sportliches Handling
  • präzise Lenkung
  • gut abgestuftes Fünfganggetriebe
  • sehr wirksame Bremsen
  • Kritisches Fahrverhalten bei Nässe
  • ausgeprägtes Turboloch
  • knappes Raumangebot
  • mäßige Verarbeitungsqualität
  • lückenhafte Ausstattung
Technische Daten
Lotus Esprit GT3
Grundpreis 61.304 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4415 x 1885 x 1150 mm
Hubraum / Motor 1973 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 179 kW / 244 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 263 km/h
0-100 km/h 5,3 s
Verbrauch 12,4 l/100 km
Testverbrauch 14,6 l/100 km
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