Lotus Exige S2 im Test

Sergeant Pepper

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Scharf wie Paprika und wendig wie Tony Blair: Der Lotus Exige ist die heißeste Mischung im Programm der englischen Marke. Exige S2 heißt das Teufelswerk, klein, eng und böse, der Punk unter den Sportwagen, roh wie die Sex Pistols.

Und natürlich die reine Unvernunft: Der Spaß kostet so viel wie ein Porsche Boxster (44.900 Euro), bietet aber viel weniger, zumindest wenn man den üblichen Maßstab anlegt – kein ESP, keine Airbags, keine Satelliten-Navigation, keine Traktionskontrolle, keine Servolenkung, kein High-Tech- Brimborium. Teppiche, Klimaanlage und Sonnenblenden nur gegen Aufpreis. Die Hölle also.
Sie kommt in Gestalt eines Lotus Elise, wenngleich mit fest installiertem Dach – ziemlich schnuckelig eigentlich, wären da nicht die verdächtigen Zutaten. Auf dem Exige-Heck reckt sich vielsagend ein Flügelchen, unter dem Bug ragt ein Airsplitter hervor, und auf dem Dach japst eine Hutze nach Fahrtwind.

Das ist Rennwagen-Look im Modellmaßstab: Ein Exige ist keine 3,8 Meter lang und flach genug, um aus Versehen draufzutreten. Den Dimensionen entsprechend schwierig gestaltet sich der Einstieg. Etwa so, als versuchte man, in einen Briefkasten zu schlüpfen. Außer sich selbst kann der Exige nur zwei Personen und eine Reisetasche transportieren, auch in diesem Punkt gleicht er dem zivileren Elise. Das bedeutet auch, dass im Innern mehr Platz geboten wird, als man von außen betrachtet erwartet. Auf den dünnen Schalensitzen fühlt man sich überraschend´wohl, und wer dem Verzicht aufgeschlossen gegenübersteht, muss die Abwesenheit von Plüsch und Plunder als Wohltat empfinden.Etwas Plastik und Alcantara, etwas nacktes Aluminium, ein sparsam bestücktes Armaturenbrett, viel mehr gibt es nicht.

S2 steht beim Exige für zweite Serie, die als wichtigste Neuheit eine andere Antriebsquelle aus gutem Haus mit sich bringt. Wie schon beim Elise 111R handelt es sich um den 1,8-Liter-Vierzylinder von Toyota mitsamt Sechsganggetriebe und 192 PS, ein Drehzahlstürmer par excellence. Wenn jedes PS nur 4,8 Kilogramm schleppen muss, ist das kaum mehr, als einem Porsche 911-PS aufgebürdet wird. Alter Lotus-Trick: Abspecken bis auf die Knochen, dann kann man beim Antrieb sparen. Beim Exige heißt das 916 Kilogramm Lebendgewicht, was dazu führt, dass die Toyota-Ponys ihre Fracht in nur 5,8 Sekunden auf Tempo 100 befördern und nach weiteren 8,5 Sekunden im gestreckten Galopp 160 km/h anliegen.

Feuer entwickelt der Treibsatz aber erst ganz oben, ab 6.200/min, und den Leistungspeak, eine Nanosekunde vor dem Abregeln bei 8.400/min, erklimmt man höchstens in Ausnahmesituationen. Schon im Interesse der Trommelfelle. Man kann einen Exige ausbeschleunigen, ihn aber abzuhängen – das dürfte schwer fallen. Schließlich folgt auf jede Gerade eine Kurve. Ein Teil des Exige-Geheimnises fällt unter das Stichwort Abtrieb. Wie in der Formel 1 stellen die Spoiler und der flache Unterboden sicher, dass der Fahrwind das Auto nicht anhebt, sondern nach unten drückt. Mit anderen Worten: Je schneller man fährt, desto schwerer wird es.

Teil zwei: die Reifen, speziell für den Lotus entwickelt und halbe Renngummis. Und so haften sie auch: wie Sekundenkleber, vorausgesetzt sie sind warm und die Straße ist trocken. Der Cocktail, den Lotus hier mixt, verfehlt seine Wirkung nicht. Die Basis mag die gleiche sein, aber im Vergleich bewegt sich selbst das Agilitätswunder Elise wie die Kuh auf dem Eis. Dagegen hat Kurvenfahren im Exige etwas vom Ritt auf einer Stubenfliege. Richtungswechsel erfolgen fast schon cartoonmäßig: Die Brille zieht es von der Nase, das Kleingeld aus der Hosentasche, die Augen tränen, aber das Auto hält eisern Kurs.

Fazit

Eine Sterne-Wertung erfolgt nicht.

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Technische Daten
Lotus Exige 1.8
Grundpreis 44.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3797 x 1727 x 1149 mm
KofferraumvolumenVDA 112 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 141 kW / 192 PS bei 7800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 237 km/h
0-100 km/h 5,8 s
Verbrauch 8,8 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
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