Luxuriöse Diesel-Geländewagen im Test

Mercedes G 350 D gegen Range Rover 2.5 DT

Die beiden luxuriösesten Geländewagen mit Dieselmotorisierung im Vergleich: Kann der neue luftgefederte Range Rover mit BMW-Motor dem langen G-Modell mit 3,5 Liter Hubraum Paroli bieten?

Selten ist ein Bild so häufig strapaziert worden wie das vom Geländewagen, der angeblich auch vor der Oper eine gute Figur macht. Es muß immer dann herhalten, wenn ein Auto beschrieben wird, dessen Grundeigenschaften jeden Holzfäller und Bergbauern jubeln lassen, das aber zusätzlich auch für repräsentative Zwecken zu gebrauchen ist. Obwohl keine Fälle bekannt sind, in denen dem Besitzer eines rustikalen Offroad-Vehikels der Besuch der Wagner-Festspiele in Bayreuth verwehrt wurde, weil er mit dem falschen Auto vorgefahren war, ist die passende Bühne für den Auftritt nobler Geländewagen wie Mercedes G-Modell und Range Rover eher der Steinbruch.

Und das, obwohl die Kundschaft bei Preisen von 81 450 Mark für den Rover und 102 580 Mark für den Mercedes sich durchweg aus Vertretern der oberen Zehntausend rekrutiert. Doch wo immer sie auftauchen, geben die beiden Klassiker unter den Geländewagen ein imponierendes Bild ab. Beide haben mit einer Karosserielänge von 4,70 Meter das Gardemaß gehobener Limousinen und sind mit 1,82 Metern (Rover) und 1,94 Metern (Mercedes) auch hoch aufgeschossen. Überragend sind sie aber auch aus anderen Gründen. Der Mercedes, dessen Design mittlerweile in das 16. Baujahr geht, ist äußerlich vom strengen Schnitt seiner kantigen Karosserie geprägt. Ebene Fensterflächen sind heute ebenso selten geworden wie rechteckige Karosseriekanten.

Der Rover, der nach 24 Jahren Bauzeit im Herbst 1994 renoviert auf den Markt kam, wirkt rundum geschliffener und zeitgemäßer, wegen seiner um neun Zentimeter breiteren Karosserie (1,85 Meter statt 1,76 Meter) auch bulliger als das G-Modell und im Innenraum mit den gleichen neun Zentimeter Vorsprung auf üppige Art geräumiger.

Während bei Mercedes der 136 PS starke 3,5 Liter-Turbodiesel aus der S-Klasse herhalten mußte, um dem schweren Geländewagen (Leergewicht 2310 Kilogramm) einen standesgemäßen, doch nicht allzu durstigen Antriebsmotor mitzugeben, griff man bei Rover zum 2,5 Liter-Sechszylinder aus der Motorenpalette der Konzernmutter BMW. Auch wenn der BMW-Turbodiesel einen ganzen Liter weniger Hubraum aufweist als der Mercedes, steht er ihm in der Höchstleistung (136 PS) nicht nach. Die Angabe für das maximale Drehmoment (Rover: 270 Nm bei 2300/min, Mercedes: 305 Nm bei 1800/min) läßt nicht erwarten, daß der Rover in den Fahrleistungen hinter dem G-Modell weit zurückbleibt.

Dennoch liefert der Rover nach dem Kaltstart, den er ebenso wie der Mercedes ohne allzu aufdringliche Nagelgeräusche bemerkenswert kultiviert erledigt, zunächst eine unangenehme Überraschung: Seine Durchzugsschwäche bei noch kaltem Motor und niedrigen Drehzahlen ist so stark ausgeprägt, daß man den Sechszylinder- Turbodiesel beim Anfahren an parkhaustypischen Rampen leicht abwürgt. Die Gelände- Untersetzung des Getriebes hilft zwar weiter, läßt sich aber nur bei stehenden Rädern schalten, verlangt also nach dem Verlassen der Tiefgarage erst mal nach einem Stopp. Sobald der Motor seine Betriebstemperatur erreicht hat, verliert sich diese Anfahrschwäche ein wenig, aber für Fahrten mit einem schweren Anhänger ist der Rover dennoch nicht die erste Wahl. Hat man aber einmal gelernt, die Drehmomentschwäche unter 1800/min durch leicht erhöhte Anfahrdrehzahl zu überspielen, dann läßt der Rover den großen Mercedes-Diesel in den Fahrleistungen stehen: Beim Sprint von null auf 100 km/h nimmt der Rover dem Mercedes schon knapp fünf Sekunden ab (15,0 statt 19,9 Sekunden). Bis die 120 km/h-Marke erreicht ist, werden daraus sogar mehr als zehn Sekunden Differenz (23,6 statt 35,7 Sekunden). Der Mercedes leidet hier nicht nur unter seinem gegenüber dem Rover um 170 Kilogramm höheren Leergewicht.

Auch die Tatsache, daß der Rover mit seinem nicht sonderlich exakt schaltbaren Fünfganggetriebe eine Gangstufe mehr zur Verfügung hat als der Mercedes mit seiner serienmäßigen Viergang-Automatik, spielt hier eine Rolle. In der Höchstgeschwindigkeit kann der Range (162 km/h) den G (145 km/h) ebenso deklassieren. Im direkten Fahrvergleich wird der Mercedes-Motor deshalb häufig voll gefordert, wenn es darum geht, dem behenderen Rover zu folgen. Kein Wunder, wenn sich dabei ein Verbrauchsunterschied von 12,8 zu 17,3 Liter zugunsten des Rover ergibt, und die Erkenntnis, daß auch ein Diesel nicht sehr sparsam sein muß. Beide Geländewagen verfügen über Starrachsen vorn und hinten und beweisen, daß sich diese Bauweise trotz zentnerschwerer Achskörper durchaus zu manierlichem Komfort erziehen läßt.

Im direkten Vergleich rollt der Mercedes jedoch deutlich steifer über Unebenheiten als der Rover, der von den Vorzügen einer aufwendigen Luftfederung profitiert. Die Grundstellung (Karosseriehöhe 182 Zentimeter) wird beim Überschreiten der 80 km/h-Marke automatisch um 2,5 Zentimeter reduziert, was den Luftwiderstand etwas mindert. Zum Beladen und Befahren von sehr niedrigen Tiefgaragen läßt sich der Rover per Knopfdruck um 6,5 Zentimeter absenken, für Geländeeinsätze kann man ihn um weitere 6,5 Zentimeter über die Grundstellung hinaus anheben, was insgesamt einen Verstellbereich von 13 Zentimetern ergibt.

In der Geländestellung weist der Rover etwa die gleiche Bodenfreiheit auf wie der Mercedes mit seiner Stahlfederung. Auch wenn es darum geht, schweres Gelände unter die großen Räder zu nehmen, folgt der Rover dem anerkannt klettertauglichen G-Modell überraschend flink. Anders als beim Mercedes, wo drei Differentialsperren per Elektroschalter eingelegt werden müssen, sobald die Räder durchzudrehen drohen, greift der Rover auf die automatische Sperrwirkung der Visco-Kupplung im zentralen Differential zurück. Damit gelingt es dem Range, bis auf ganz schwierige Passagen, dem überragenden Klettertalent Mercedes G 350 zu folgen, und wegen des kurzen Reduziergetriebes (Untersetzung 3,27:1) ist von der Anfahrschwäche im Geländebetrieb nichts mehr zu spüren.

Überlegen ist der Rover dem Mercedes vor allem beim Bremsen; denn während der Range auch unter hoher Beanspruchung noch ordentlich verzögert (8,5 m/s2), sackt die Verzögerung des Mercedes G auf 6,8 m/s2 ab. Auch in der Ausstattung mit zwei Airbags, elektrischen Fensterhebern und Zentralverriegelung gelingt es dem Rover, das Vorbild Mercedes in den Schatten zu stellen. Daß sich seine Karosserie trotz verstärkten Rahmens nicht ganz so solide anfühlt wie die des Mercedes, kann man bei einem Preisunterschied von mehr als 20 000 Mark, besserer Ausstattung, höherem Komfort und günstigerem Verbrauch ganz leicht verschmerzen.

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Fazit

1. Range Rover 2.5 DT
102 Punkte

Relativ sparsamer Motor, angemessene Fahrleistungen, sehr üppiges Raumangebot, gute Geländegängigkeit, guter Fahrkomfort. Störende Anfahrschwäche vor allem bei kaltem Motor, unübersichtliche Karosserie, träge ansprechende Heizung, hakelige Schaltung

2. Mercedes G 350 D
99 Punkte

Sehr gute Geländegängigkeit, gutes Raumangebot, solide Verarbeitung, einfache Bedienung, hohe Wertbeständigkeit. Hohes Leergewicht, sehr hoher Verbrauch, sehr hoher Kaufpreis, unter Belastung sehr stark nachlassende Bremsen.

Technische Daten
Range Rover 2.5 DT DSE Mercedes G 350 Turbodiesel lang
Grundpreis 56.789 € 54.712 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4713 x 1853 x 1817 mm 4680 x 1760 x 1936 mm
KofferraumvolumenVDA 520 bis 1640 l 1400 bis 2600 l
Hubraum / Motor 2497 cm³ / 6-Zylinder 3449 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4400 U/min 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 162 km/h 145 km/h
0-100 km/h 17,8 s 19,9 s
Verbrauch 10,9 l/100 km
Testverbrauch 13,7 l/100 km 17,3 l/100 km
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