Maserati Gran Turismo 4.2 V8 im Test

Futter für wilde Männerträume

Foto: Hans-Dieter Seufert 32 Bilder

Von Maserati gibt es wieder Futter für wilde Männerträume. Der neue Maserati GranTurismo 4.2 V8 macht sich ganz lang auf deutschen Straßen, füllt die Gehörgänge von Motorfreaks mit feinsten V8-Klängen und fährt bei uns im Test vor.

Was macht diesen Maserati am schnellsten? Sein Überholprestige. Auch wenn du es überhaupt nicht eilig hast, schwenkt die Linksspur-Fraktion beim Anblick der böse zugespitzten Schlitzaugen- Frontpartie hastig nach rechts.

Ob sie Angst hat, vom Staubsauger-Grill des Coupés verschlungen zu werden? Vor allem sammelt der opulente Kühler-Rüssel mit der Reminiszenz an den ebenfalls von Pininfarina gezeichneten Maserati A6GCS Unmengen an Laub, wenn er mit tief gurgelndem V8- Bass über die herbstlichen Straßen fegt.

Hinter sich lässt er immer eine Schleppe staunender Zuschauer. Dreizack- Sportwagen sind seltene Gäste auf deutschen Straßen – zum Glück für ihre Besitzer und zum kaufmännischen Leidwesen von Maserati. Wer sich einen kauft, sichert sich unaufdringliche Exklusivität.

Trotzdem packt einen das zart geschwungene Design dieser Sportwagen-Skulptur nicht bedingungslos. Seit dem unseligen Verschwinden der traumhaft eleganten Bumerang-Rücklichter des 3200 GT suchen die Tridente-Hecks nach Identität. Kein Grund, nicht mit Vergnügen hinter dem GT mit seinen 96 LED-Lämpchen herzufahren.

Das satte Röhren im Bummelbetrieb und der rauchige Bass beim Gasgeben fließen wie warmes Schmieröl über die Ohren von Benzinköpfen. Das ursprünglich von Ferrari entwickelte 405 PS starke 4,2-Liter-Triebwerk gibt sich erst gar nicht die Mühe, besonders seidig zu wirken. Es verbläst mit seinem sexy-schmutzigen Ton für einen kurzen Augenblick jede Klimawandel- Depression.

Der Gran Turismo wäre eben kein echter Italiener, wenn er einen nicht direkt bei den Emotionen packen würde. Sportlich tief kauert der Pilot im Cockpit. Exakt 87,3 Zentimeter Schnauze bauen sich vor ihm auf. Corvette- Kenner verspüren ein spontanes Déjà-vu.

Wer vorwärts einparkt, sieht vom Ende der Front so viel wie vom Espresso in einem Cappuccino. Die azurblauen Instrumente, das griffige Lenkrad mit den Vollmetall-Paddeln und das lecker duftende Poltrona-Frau-Leder der etwas zu breiten Sportsessel erheben einen direkt in den Interieur-Himmel.

Auf die tief liegenden Fondplätze passen sogar Erwachsene. Nicht für 500 Kilometer, aber immerhin. Mit klaffenden Dachverkleidungen, einer schlecht entgrateten Plastik-Dekorleiste, dem eigenwilligen Infotainmentsystem und dem Tchibo-Chromrand der Analoguhr wird man aber wieder auf italienische Weise geerdet.

Besitzer tun gut daran, jedem potenziellen Qualitäts-Meckerer bei Tastversuchen auf die Finger zu hauen. Es hilft aber auch, allzu große Nörgler im Kickdown-Modus in den Ledersitzen zu paralysieren. Wenn der Asphalt trocken wie ein Barolo von Gaja ist, stürmt der GT in artgemäßen 5,4 Sekunden auf Tempo 100.

In 19,9 Sekunden fällt die 200er-Marke, und zwischendurch lädt HP26, der Sechsgang- Wandlerautomat der Zahnradfabrik Friedrichshafen, fast unmerklich einen Gang nach dem anderen nach. Butterweich fließen die Wechsel, und die kernige Al-dente-Vergangenheit der alten sequenziellen Cambiocorsa-Schaltung verblasst.

Dazu tönt noch etwas Zwischengas beim Runterschalten – für die Sinne, nicht aus Notwendigkeit. Technikfans müssen jedoch hinnehmen, dass mit dem Einzug des deutschen Getriebes das Transaxle-Prinzip ausziehen musste: HP26 flanscht direkt am Frontmittelmotor an.

Trotz einer leicht hecklastigen Gewichtsverteilung von 49 zu 51 Prozent und aktivem Sperrdifferenzial schmiert die norditalienische Flunder allerdings beim hektischen Beschleunigen auf glitschigem Untergrund nervös hin und her wie Ledersohlen auf Stracciatella-Eis.

Für harte Wintermomente drückt der clevere Fahrer den Ice-Knopf und sperrt damit nicht nur den ersten Gang, sondern verschiebt auch die Gangwechsel auf maximal 3000/min. Ein Druck auf „Sport“ und das Ganze findet erst jenseits von 7.000 Touren statt, mit spürbar schnellerer Gasannahme.

Schade, dass es eine solche Taste nicht für die effizient zupackenden Brembo-Bremsen gibt. Im ersten Drittel des Pedalbereichs verzögern sie reichlich schüchtern. M139 – so nennt sich die Quattroporte- Plattform, auf der der Gran Turismo aufbaut, nur mit 12,2 Zentimeter weniger Radstand.

Und das hintere Drittel von M139-kurz neigt auch bei eingeschaltetem ESP und sportlicher Kurven-Fahrweise mit Vergnügen dazu, nach außen zu driften. Geübte Piloten juchzen, korrigieren den Schwenk mit schnellem Gegenlenken und spüren dabei Gegensätzliches: Auf eine leichte Taubheit um die Mittellage folgt eine präzise, aber etwas nervös und spurrillenaffin ausgelegte Steuerung.

1.922 kg Gewicht lasten schwer auf großen Handling-Ambitionen, drücken jedoch gleichzeitig mit Erfolg lange Bodenwellen weg. Nur fiese kleine Unebenheiten stören das Komfortidyll bisweilen unfreundlich. Was aber nichts daran ändert, dass sein Name Gran Turismo – großer Reisender – passt. Viel besser als kleiner Raser.

Fazit

Der neue Maserati Gran Turismo 4.2 V8 polarisiert: Auf der einen Seite ist er ein Coupé für die Sinne, schnell schön und stilvoll. Auf der anderen Seite holen einen manche Ungereimtheiten in die Realität zurück.

Technische Daten
Maserati GranTurismo 4.2 V8
Grundpreis 112.760 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4881 x 1915 x 1353 mm
KofferraumvolumenVDA 260 l
Hubraum / Motor 4244 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 298 kW / 405 PS bei 7100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
0-100 km/h 5,4 s
Verbrauch 14,3 l/100 km
Testverbrauch 16,8 l/100 km
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