Master-Test

Elf Mittelklasse-Limos

Foto: Uli Jooß 184 Bilder

Die Spitzenkräfte der Limousinen-Mittelklasse, vom neuen Audi A4 über die ebenfalls knackfrischen Renault Laguna und Mazda 6 bis hin zum bewährten VW Passat, treffen sich zum Master-Test. Unter der Haube: rund 150 PS starke Benzinmotoren.

Das Segment der Mittelklasse- Limousinen erweist sich als zäh und hartleibig. Obwohl es von Kombis, Kompakt-SUV und Vans schmerzhaft angeknabbert wird, ist das Tortenstück immer noch ganz schön groß. So groß jedenfalls, dass die Hersteller sich beim Backen mächtig Mühe geben. Ablesbar am aktuellen Jahrgang, mit den Neuauflagen von Audi A4, Mazda 6 und Renault Laguna. Auch wenn die Ausstattung mit ESP, Airbags und weiteren Sicherheitselementen in dieser Klasse weitgehend zufriedenstellend ausfällt (Ausnahmen: siehe Seite 61), lohnt es sich dennoch, genau hinzusehen. Dazu hat auto motor und sport gemeinsam mit den europäischen Partnerzeitschriften die elf Probanden nicht nur rund 4000 Kilometer über Autobahnen und Landstraßen gescheucht, sondern weitere aufwendige Tests durchgeführt. Etwa eine Vermessung der Rundumsicht in Zusammenarbeit mit der Dekra, einen Lichttest im Hella- Lichtkanal mit einer anschließenden Nachtausfahrt sowie Fahrversuche mit dem Schwerpunkt Sicherheit – etwa Ausweichen auf Nässe oder Stabilität in schnellen Kurven. Lediglich der Preis bleibt wegen der großen Schwankungen in Europa unberücksichtigt: So kostet etwa ein Audi A4 in der Schweiz 26 335 Euro, in Norwegen dagegen satte 43 078 Euro.

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Master-Test Audi, BMW, Chrysler, Ford, Mazda, Mercedes, Opel, Peugeot, Renault, Saab, VW
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Audi A4 1.8 TFSI

Ob es am Platztausch von Kupplung und Vorderachsdifferenzial liegt, dass der neue A4 im Master-Test auf Rang eins landet? Nicht nur, aber auch. Schließlich rückte die Vorderachse damit weiter nach vorn, der Motor ein Stück nach hinten. Mit Erfolg: Hinfort mit Kopflastigkeit, Stuckerneigung und erzwungen harter Fahrwerksabstimmung, her mit ausgeglichener Gewichtsverteilung, neutralem Handling und präziser Lenkung. Stimmt, schlecht war der Vorgänger ja auch nicht, doch der Neue hat in einigen Kriterien spürbar zugelegt. Er verbindet neutrales Handling mit ausgewogenem Federungskomfort, rollt leise ab, kassiert Flickstellen im Asphalt ebenso gelassen wie derbe Aufbrüche. Die Fahreigenschaften profitieren stärker vom verlängerten Radstand als der Innenraum von der auf 4,70 Meter gewachsenen Außenlänge. Das Raumgefühl fällt jedenfalls nicht viel besser aus als bei manch kürzerem Konkurrenten. Was auch daran liegt, dass sich das A4-Cockpit stärker als bisher um den Fahrer schmiegt. Dieser inhaliert Piloten- Aroma, genießt den gewaltigen Verstellbereich seines Sitzes sowie dessen hervorragende Körperunterstützung inklusive Seitenhalt. Hinten geht es bis auf den breiten Mitteltunnel ebenfalls reisetauglich zu. Doch beim A4 spielt die Musik ja eigentlich vorn. Buchstäblich, wenn das optionale Soundsystem von Bang & Olufsen loslegt. Von wegen ätherischer Dänen-Sound: Das 505- Watt-Paket kann ebenso fein auflösen wie trocken zuschlagen. Trocken zuschlagen kann der Audi auch beim Bremsen, wo er mit präzisem Pedalgefühl und rennsportlich kurzen Wegen aufwartet. Folgebremsungen tangieren ihn ebenso wenig wie unterschiedlich griffige Oberflächen (μ-Split) oder die Aufgaben des Fahrdynamik-Parcours, die er ebenfalls als Klassenbester abschließt. Kalkuliert man nun noch die problemlose Bedienbarkeit, (optionale) Sicherheitsangebote wie den Spurwechselassistenten, seine solide Verarbeitung und den kräftig antretenden, sparsamen 1,8-Liter-Direkteinspritzer mit Turboaufladung ein, erklärt sich die Top-Platzierung von selbst. Nicht nur wegen des neu platzierten Differenzials.

VW Passat 1.8 TSI

Er ist nicht mehr der Jüngste, im Master- Test aber dennoch Zweitbester. Was an den zeitlosen Tugenden des Passat liegt: Üppiges Platzangebot trifft auf ausgeprägten Fahrkomfort und einfache Bedienung. Hinzu kommt der neue, 160 PS starke 1,8-Liter-Motor, der ein druckvoll- geschmeidiges Plädoyer für das Downsizing hält. Enorm kultiviert, spontan ansprechend und kräftig durchziehend, liefert der Turbo-Direkteinspritzer die besten Fahrleistungen des Master-Tests und bleibt beim Durchschnittsverbrauch dennoch einstellig. Bei dezenter Fahrweise sind noch deutlich günstigere Werte drin. Ebenfalls aufgefrischt und zeitgemäß präsentiert sich das neue Infotainment- System, das über 30-Gigabyte-Festplatte und Berührungsbildschirm verfügt. In Verbindung mit klassischen Tasten ist es damit selbst für Novizen auf Anhieb bedienbar. Gleiches gilt für Standards wie Lichtschalter, Fensterheber und Warnblinktaster. Die Sitze könnten jedoch etwas mehr Kontur vertragen, speziell Sitzflächen und Schulterbereich bieten zu wenig Seitenhalt. Dafür überzeugen Raumangebot und Ablagen des VW : So fassen die Türtaschen auch große Plastikflaschen, der Kofferraum gar 565 Liter. Bei Zuladung (602 Kilogramm) und Anhängelast (1500 Kilogramm) liegt er ebenfalls weit vorn. Im Gegensatz zu Übersicht und Lichtausbeute: Hier langt es nur fürs Mittelfeld. Vor allem das Fernlicht der Halogenscheinwerfer reicht nicht an die Bixenon-Brenner der Konkurrenz heran. Auch bei den Fahrdynamik- Tests taucht der Passat im Mittelfeld unter. Sein tendenziell ruhiges Handling mit Untersteuertendenz ist stärker auf Sicherheit als auf Tempo ausgelegt – was weniger Versierten ebenso entgegenkommen dürfte wie die sämige, bei höheren Tempi zähe Lenkung und das komfortabel dämpfende Fahrwerk.

Mercedes C 180 K

Im Lichtkanal und auf der Straße leuchtet die neue C-Klasse der Konkurrenz kräftig heim: Ihre optionalen Bixenon- Scheinwerfer mit getrennter Schwenkmöglichkeit je nach Fahrsituation plus Abbiegelicht bieten derzeit das Ideal in der Mittelklasse. Auch in anderen Kriterien nähert sich der Mercedes dem Optimum, obwohl es am Ende nur zu Platz drei reicht. So zaubert er aus den moderaten Außenabmessungen ein ordentliches Raumgefühl für die Passagiere sowie genug Platz fürs Gepäck (475 Liter). Entspanntes Vorankommen ist die Domäne des 1,5-Tonners. Er ist nicht nur übersichtlich und leise, sondern auch komfortabel gefedert. Kleine und mittlere Unebenheiten behelligen die Insassen nur am Rande, erst auf ganz dicken Brechern geraten die mechanisch- adaptiven Dämpfer an ihre Grenzen und die Fuhre zart ins Pumpen. Im Normalfall gleitet man trotz der etwas schwach konturierten, straff gepolsterten Vordersitze gediegen dahin, registriert das sachliche, sauber verarbeitete Interieur und die übersichtlichen Rundinstrumente mit dem vorbildlich ablesbaren Digitaldisplay ebenso wohlwollend wie die gut strukturierte Bedienung und die derzeit beste Sprachsteuerung. Auch der Dreh-Drück-Steller und die klar beschrifteten Tasten erfordern nur kurze Eingewöhnung. Eine saubere Linie gelingt ebenfalls auf Anhieb: Die Lenkung verbindet Rückmeldung, Präzision und notwendige Ruhe, das Handling ermöglicht hohe Kurvengeschwindigkeiten und schnelle Kurswechsel, ohne ins Nervöse abzugleiten. So schiebt sich der C 180 K bei den Fahrdynamiktests ganz nach vorn und bewältigt sie ohne besonderen fahrerischen Aufwand. Kommt es ganz dick, meldet sich das optionale Presafe-System und zieht die Gurte stramm. Sein per Kompressor aufgeladener 1,8-Liter-Motor unterstützt den ausgewogenen Charakter durch gleichmäßige Kraftentfaltung mit Temperament bereits bei niedrigen Drehzahlen. Auch das ausreichend präzise Sechsganggetriebe spielt willig mit.

Fazit

1. Audi A4 1.8 TFSI
434 Punkte

Der neue A4 gewinnt drei Kategorien und liegt in den übrigen ganz vorn. Ob Sitzkomfort, Federung, Sicherheit, Handling, Bedienung oder Bremsen: Der kräftige, sparsame Audi mit Turbo-Direkteinspritzer zeigt, was geht. Störend: die unübersichtliche Karosserie.

2. VW Passat 1.8 TSI
424 Punkte

Seien VW-Typische Ausgewogenheit bringt den geräumig geschnittenen, praxisgerecht gestalteten Passat weit nach vorn. Er ist komfortabel, intuitiv bedienbar und einfach zufahren. Zudem brilliert er mit dem kräftigen, kultivierten und sparsamen TSI- Motor.

3. Mercedes C 180 Kompressor
422 Punkte

Komfort, Sicherheit und eine problemlose Bedienung sind die stärken des sauber verarbeiteten, aber knapp geschnittenen C-Klasse. Der Kompressor-Motor gibt sich angemessen kultiviert und durchzugsstark.

4. Ford Mondeo 2.0
405 Punkte

Im Mondeo vereinen sich opulentes Platzangebot, feiner Federungskomfort, zielgenaues Handling sowie ausgeprägte Fahrsicherheit. Partielle Bedienungsmängel trüben das Bild aber ebenso wie der unkultivierte Zweiliter.

5. BMW 318i
401 Punkte

Dynamisch, agil, präzise - so fährt der top verarbeitete, übersichtliche und sparsame Dreier in die Punkte. Das Platzangebot des kompakten BMW fällt aber mäßig aus.

6. Renault Laguna 2.0 16V
395 Punkte

Der Laguna verbindet ein luftiges Platzangebot mit eleganter Innenraumausstattung und einem kräftigen Motor. Federung und Sitzposition überzeugen weniger.

7. Mazda 6 2.0 MZR
368 Punkte

Ob Lenkung, Schaltung, Handling oder Motor - alles orientiert sich hier am Sport-Gedanken. Vorbildlich: das geringe Gewicht und die gute Übersicht. Enttäuschend: der stark eingeschränkte Federungskomfort.

8. Opel Vectra 2.2 direct
365 Punkte

Dem geräumigen Vectra merkt man seine lange Bauzeit an: Weder Handling noch Komfort überzeugen. Besser: Der 2,2-Liter-Direkteinspritzer.

9. Saab 9-3 1.8t Sport-Limousine
365 Punkte

Der Saab schüttelt das Stigma des letzten Platzes beim vormaligen Master-Test ab. Er verbindet Fahrsicherheit mit ausreichendem Komfort. Sehr gut: das Xenon-Licht. Auffallend träge: das Handling.

10. Peugeot 407 140
364 Punkte

Der komfortabel gefederte, vorn bequeme Peugeot enttäuscht mit seinem teil diffizilen Fahrverhalten, einer erschwerten Bedienung, mäßigem Platzangebot im Fond, schwachem Licht und einem schlappen Motor.

11. Chrysler Sebring 2.0
299 Punkte

Außen groß, innen schwach: Träges Handling, schwache Qualität, mäßiges Platzangebot und ein durchzugsschwacher Antrieb vereinen sich zu einem enttäuschenden Mix.

Übersicht: Master-Test
Technische Daten
Audi A4 1.8 TFSI Ambition VW Passat 1.8 TSI Comfortline Mercedes C 180 Kompressor Avantgarde Ford Mondeo 2.0 Titanium X BMW 318i Renault Laguna 2.0 16V 140 Dynamique Mazda 6 2.5 MZR Top Opel Vectra 2.2 direct Edition Plus Saab 9-3 1.8t Sport-Limousine Vector Peugeot 407 140 Sport Chrysler Sebring 2.0 Touring
Grundpreis 33.100 € 28.800 € 33.207 € 28.000 € 27.300 € 26.350 € 31.390 € 28.120 € 30.950 € 25.650 € 24.890 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4701 x 1826 x 1427 mm 4765 x 1820 x 1472 mm 4581 x 1770 x 1447 mm 4844 x 1886 x 1500 mm 4520 x 1817 x 1421 mm 4695 x 1811 x 1445 mm 4755 x 1795 x 1440 mm 4611 x 1798 x 1460 mm 4647 x 1802 x 1450 mm 4691 x 1811 x 1452 mm 4850 x 1843 x 1497 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 962 l 565 l 475 l 550 l 460 l 462 bis 1377 l 519 l 500 l 461 l 407 l 386 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder 1798 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder 1999 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder 2488 cm³ / 4-Zylinder 2198 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 3800 U/min 118 kW / 160 PS bei 5000 U/min 115 kW / 156 PS bei 5200 U/min 107 kW / 145 PS bei 6000 U/min 105 kW / 143 PS bei 6000 U/min 103 kW / 140 PS bei 5500 U/min 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min 114 kW / 155 PS bei 5600 U/min 110 kW / 150 PS bei 5500 U/min 103 kW / 140 PS bei 6000 U/min 115 kW / 156 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 220 km/h 223 km/h 210 km/h 210 km/h 210 km/h 220 km/h 216 km/h 210 km/h 213 km/h 190 km/h
0-100 km/h 8,4 s 8,1 s 9,1 s 9,5 s 9,2 s 10,0 s 8,6 s 8,9 s 9,1 s 10,0 s 10,0 s
Verbrauch 5,7 l/100 km 7,6 l/100 km 7,4 l/100 km 7,9 l/100 km 5,9 l/100 km 7,9 l/100 km 8,1 l/100 km 7,5 l/100 km 7,4 l/100 km 8,1 l/100 km 7,8 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km 9,9 l/100 km 10,0 l/100 km 9,7 l/100 km 9,2 l/100 km 9,7 l/100 km 11,4 l/100 km 10,1 l/100 km 10,2 l/100 km 10,3 l/100 km
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