Mazda 2 MZI 1.6 im Test

Flotter Zweier

Der neue Mazda 2 kommt hoch und pummelig daher. Technisch ist der kleine Japaner mit dem Ford Fiesta verwandt. Wie sich dieser etwas andere Fiesta fährt, zeigt der Test der 100-PS-Version.

Hoch soll er leben, heißt offensichtlich immer öfter die Parole in dem Segment kleiner Autos. Der Mazda 2 ist ein solches Automobil, gut anderthalb Meter hoch, groß genug, um die meisten Klassenkameraden auf dem Parkplatz erkennbar zu überragen, sofern nicht gerade ein Porsche Cayenne den Blick versperrt. Der hohe Aufbau des etwas betulich geformten neuen japanischen Gebildes hat mehr Vor- als Nachteile. Optisch wird zwar bewusst eine gewisse Unsportlichkeit signalisiert, der praktische Nutzen solcher Karossen ist aber gerade im täglichen Gebrauch nicht von der Hand zu weisen. Ein- und Ausstieg profitieren von der Höhe, auch Menschen mit verschlissenen Gelenken und krummen Rücken finden mühelos ins Cockpit. Das allgemeine Raumgefühl ist durch die großzügige Kopffreiheit sowohl vorne als auch im Wagenfond ebenfalls deutlich besser als bei vielen konventionell geformten Automobilen. Der nichts sagende Vorgänger namens Demio hatte hier weit weniger zu bieten, auch was das restliche Raumangebot betrifft. Mit einer Länge von 3,92 Metern präsentiert sich der Mazda 2 noch erfreulich kompakt, zeigt aber gute Raumökonomie auch jenseits seines Hochbaus. Der Beinraum hinten reicht aus, der Kofferraum ist über eine riesige Klappe zugänglich und weist eine un-gewöhnlich niedrige Ladekante auf. Sein Volumen ist mit fast 270 Litern ausreichend bemessen, wer die im Verhältnis 60: 40 teilbare Rücksitzbank klappt, kommt auf die klassenüblichen 1.000 Liter und ein bisschen mehr. Damit lässt sich leben und dem automobilen Alltag wirkungsvoll begegnen. Der Mazda 2 ist vor allem ein praktisches Auto, das durch eine gewisse Dienstbeflissenheit glänzt, ohne freilich in die schmucklose Rolle eines Aschenputtels zu verfallen. Das zeigt auch das Interieur. Abgesehen von den Bezügen der Sitze wirkt hier nichts billig. Die unvermeidlichen Kunststoffmaterialien sind von der besseren Sorte, eloxierte Metallsegmente verbreiten eine gewisse optische Frische und verbannen den einheitlichen Plastik-Look alter Japan-Tage. Nicht zu überhören sind jedoch Knistergeräusche aus dem Armaturenbrett. Europäisiert wirkt das Ganze, fasst sich gut an, gibt in der Bedienung erwartungsgemäß an keiner Stelle Rätsel auf. Schöne große Rundinstrumente warten auf den Betrachter, das Ausstattungsniveau ist mit elektrischen Fensterhebern vorn und hinten einem Audio-System bei der Topversion ebenfalls hoch. Auch wird die Ford-Verwandtschaft deutlich, etwa an der Pedalerie, den Lenkstockhebeln oder dem Verschluss des Öleinfüllstutzens, den man sogar vom Ford Ka her kennt.

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Einzeltest Mazda 2
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Das ist nur scheinbar verwunderlich, denn der Mazda 2 ist teilweise eben auch ein Ford-Produkt, ähnlich wie Jaguar X-Type Mondeo-Elemente in sich trägt. Beim Mazda ist die technische Basis der Fiesta, mit dem er sich Bodengruppe, Motoren, Getriebe und die meisten Fahrwerkskomponenten teilt. Wer es nicht weiß, den macht es nicht heiß. Die anderen dürfen gespannt sein, wie sich ein Fiesta mit einem ganz anderen Aufbau und einer anderen Fahrwerksabstimmung fahren wird. Dieser Eindruck hängt natürlich stark von der gewählten Motorisierung ab. Die erste Verkostung sollte wohl nicht zu schwächlich wirken, und so hat der Testwagen satte 100 PS aus jenem 1,6 Liter großen Vierzylinder-Vierventiler, den man sich auch im Fiesta und Focus zu Gemüte führen kann. So wie der Mazda am Straßenrand steht, hoch, pummelig und optisch deutlich kürzer wirkend, als er tatsächlich ist, traut man ihm eigentlich höchstens 70 PS zu. Doch in einer Zeit, in der schon Lieferwagen 170 laufen, ist die Leistung eines Ur-Porsche Carrera in einem kompakten Nutzauto gar nicht so verkehrt – und sei es auch nur zur Verblüffung der anderen. Der Doppelnockenwellen-Motor zeigt nämlich beachtliche dynamische Fähigkeiten. Zusammen mit dem exakt schaltbaren Fünfganggetriebe ergibt sich ein flottes Temperament. Null auf 100 km/h in nur 10,7 Sekunden – so schnell lässt sich also ein Einkauf bei Schlecker mit diesem Auto nach Hause jubeln, wobei mit einem recht hohen Verbrauch von 8,7 Liter/100 km gerechnet werden muss. Akustisch erfährt die unerwartete Sportivität gleichermaßen Reiz wie Einbuße. Der laute Motor ist nie zu überhören, auch nicht auf der Autobahn bei hohem Tempo, wo er schon bei leichten Gefällstrecken in den roten Bereich um 6.000 Touren hineindreht.

Doch der Klang ist nicht nur aufdringlich, sondern – dosierter genossen, etwa beim Beschleunigen – auch reizvoll und würde sogar einem kleinen Roadster gut zu Gesicht stehen. Gleichwohl, der Innengeräuschpegel ist hoch – lange Autobahn-Etappen mit hoher Dauerdrehzahl beeinträchtigen den Reisekomfort. Die gute Gasannahme animiert zusammen mit dem spontanen Drehvermögen mehr zu einer frechen Fahrweise, die zu der optischen Erscheinung des Mazda in einem gewissen Kontrast steht. Wenn man so will, entstehen hier ungeahnte dynamische Möglichkeiten. Das kleine Raumwunder zeigt fixe Überholreserven und legt in Handling und Fahrverhalten auf Befehl alles Betuliche ab. Nun geht er aus dem Sinn, der Nutzwert – was bleibt, ist ein kurvenwilliger, agil einlenkender Kleinwagen. Das vom Fiesta stammende Fahrwerk passt also zu dem quirligen Triebwerk, wobei das optionale ESP, hier DSC (Dynamic Stability Control) genannt, nicht nur 520 Euro Aufpreis kostet, sondern auch für zusätzliche Stabilität sorgt. Es setzt weich ein und regelt nicht vorschnell. Im Kurvengrenzbereich zeigt sich ein harmloses Schieben aller vier Räder, in engen Kurven aber auch ein deutlicher Traktionsmangel. Reaktionen auf Lastwechsel, mit abgeschaltetem DSC im Ansatz spürbar, werden wirkungsvoll unterbunden. Auch die Bremsen überzeugen mit guten Verzögerungswerten und Standfestigkeit. Die Lenkung arbeitet exakt, ist um die Mittellage aber etwas steif. Man hat auch dadurch das Gefühl, relativ viel Auto zu bewegen, was vom Gewicht her (1.129 Kilogramm) sogar stimmt. Der Fahrkomfort wird besonders durch die akustische Präsenz des Motors getrübt. Doch auch die Federung ist etwas zu straff ausgefallen, was sich speziell beim Überrollen kleiner Fahrbahnunebenheiten bemerkbar macht. Schwächen im Detail also, denen jedoch ein gutes Raumkonzept und der flotte Motor gegenüberstehen.

Fazit

Der neue Mazda 2 ist ein geräumiges, flottes und fahrsicheres Auto. Störend erweisen sich jedoch der laute Motor und der eingeschränkte Komfort.

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Technische Daten
Mazda 2 1.6 MZI Top
Grundpreis 15.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3925 x 1680 x 1530 mm
KofferraumvolumenVDA 268 bis 1044 l
Hubraum / Motor 1596 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 181 km/h
0-100 km/h 10,7 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 8,7 l/100 km
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