Mazda 5 2.0 MZR Top im Test

Familien-Sache

Foto: Rossen Gargolov 16 Bilder

Für den Transport von Kind und Kegel werden Vans immer beliebter. Mazda 5 heißt die jüngste Alternative im Segment der kompakten Hochdach-Transporter.

Kompakte Vans gibt es in Hülle und Fülle: Man kann wählen zwischen Fünf-, Sechs- und Siebensitzern, mal mit drei und mal mit zwei Sitzen in der ersten Reihe. Bei einigen Modellen können die Möbel ausgebaut werden, bei anderen verschwinden sie im Boden, wenn zusätzlicher Gepäckraum benötigt wird. Also alles wie bei den Großen? Fast, denn Schiebetüren waren im Segment von Opel Zafira und Co. bislang nicht zu haben. Das wird mit dem Mazda 5 nun anders. Wer beim Aussteigen der Kinder nicht mehr um das Blech des nebenan geparkten Autos bangen möchte, kann jetzt aufatmen.

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Für das leistungsstärkste Modell mit Zweiliter-Benzinmotor und 145 PS fallen mindestens 22.300 Euro an, wobei der Van dann in der Version Exclusive mit sieben Plätzen geliefert wird, im Test ist das Spitzenmodell Top für 24.200 Euro. Lediglich für die Basismodelle kosten die Sitze in der dritten Reihe und seitliche Kopfairbags für alle Passagiere 800 Euro Aufpreis. Eine völlig unbekannte Größe ist der 5 nicht, denn er basiert auf dem Mazda 3, der mit dem Ford Focus die Technik teilt. Auch der Focus C-Max soll nicht vergessen werden, ein weiterer Cousin des Mazda 5. Viel versprechende technische Voraussetzungen dafür, dass dieser Van gut zur neuen Mazda-Generation ohne Hosenträger-Image passt. Optisch besteht daran auch kein Zweifel. Scharf gezeichnete Klarglas-Scheinwerfer, sehr flach stehende Windschutzscheibe und nach hinten ansteigende Gürtellinie lassen den 5 schon im Stand schnell aussehen.

Entriegelt wird ganz aktuell per Knopfdruck am Türgriff, während die Chipkarte (250 Euro Aufpreis) in der Jackentasche bleiben kann. Schlüssel mit Bart gibt es zwar auch, die kommen aber nur zum Einsatz, wenn die Batterien in der elektronischen Zustiegsberechtigung leer sind. Im Auto nehmen Fahrer und Beifahrer auf straffen, aber bequemen Sitzen mit weitem Verstellbereich Platz und genießen das gute Raumangebot. Die Position hinter dem in zwei Ebenen verstellbaren Lenkrad passt auch für groß Gewachsene. Kritik verdient allerdings der Fußraum mit seinen Kanten rund um das Gaspedal, ab Schuhgröße 43 wird es hier eng.

Die Fondpassagiere gelangen mühelos durch die beiden Schiebetüren auf ihre Plätze. Wer nach ganz hinten muss, sollte allerdings ein wenig gelenkig sein. Denn die Sitze der zweiten Reihe gleiten zwar weit nach vorn, stören beim Einstieg aber dennoch. Kinder wird das nicht irritieren, und sie sind ohnehin die Einzigen, die in der letzten Reihe dauerhaft bequem untergebracht sind. Der Mittelsitz in der zweiten Reihe ist für Erwachsene ebenfalls nur ein Notbehelf, denn er fällt extrem schmal aus. Links und rechts außen sitzt man im Fond dagegen auch mit 1,90 Meter Länge sehr bequem.

Anders als beim Focus C-Max lassen sich die äußeren Fondsitze nicht Richtung Fahrzeugmitte verschieben, um so mehr Schulterfreiheit zu gewinnen. Ansonsten kann aber in vielfältiger Form geklappt und umgelegt werden. Das geht leicht von der Hand und ergibt auch ohne Sitzausbau einen ebenen Ladeboden. Das darauf zu transportierende Gepäck sollte allerdings nicht schmutzig oder scharfkantig sein. Denn Dreck wirkt auf den Teppich so anziehend wie ein Schnitzel auf einen hungrigen Hund, und die verwendeten Kunststoffe sind gegen Kratzer etwa so unempfindlich wie Schokoladeneis gegen die Mittagssonne. Aber schwer können die Koffer sein, denn es dürfen 590 Kilogramm zugeladen werden – ein sehr respektabler Wert.

Klar, dass das Gepäckraumvolumen bei voller Bestuhlung nur noch ausreicht, um sieben Zahnbürsten und ebenso viele Sätze frischer Unterwäsche aufzunehmen, aber als Fünfsitzer schluckt der Mazda ausreichend viele Taschen für mehr als einen verlängerten Wochenend-Ausflug. Kommt der Van als zweisitziger Möbeltransporter zum Einsatz, werden sich die Aushilfs-Spediteure außerdem über eine niedrige Ladekante und eine weit aufschwingende Heckklappe freuen. Bedienen lässt sich der Mazda denkbar einfach, die wichtigsten Schalter sind groß dimensioniert und schon nach kurzer Zeit blind zu betätigen. Fummelig wird es, wenn das optionale DVD-Navigationssystem (2.500 Euro) mit Daten gefüttert werden muss. Immerhin überzeugt der elektronische Navigator mit guter Routenführung und klarer Kartendarstellung. Wenig gelungen ist dagegen die LCD-Anzeige, auf der Infos vom Bordcomputer, Radio und der Klimaanlage dargestellt werden. Fährt man am Tag mit Licht, wird die Anzeigenbeleuchtung so weit gedimmt, dass kleinere Symbole nicht mehr zu erkennen sind.

Im Stand macht der neue Konkurrent von Opel Zafira, Renault Scénic und VW Touran also eine gute Figur. Und wie bewegt er sich? Die elektrohydraulische Servolenkung macht das Ausparken zum Kinderspiel, beim Rückwärtsfahren zeigt der Navi-Monitor zudem, was sich hinter dem Auto tut. Leider ist der Blick nach vorn nicht ebenfalls per Kamera unterstützt. Wo der Bug endet, lässt sich nur erahnen. In der Stadt ist der Mazda 5 mit seiner direkten Lenkung sehr handlich. Je höher die Geschwindigkeit ist, desto gewöhnungsbedürftiger agiert jedoch die Lenkung. Sie ist für ein Familienmobil erstaunlich spitz ausgelegt und reagiert fast giftig auf kleine Bewegungen am Lenkrad. Oberhalb der Autobahn-Richtgeschwindigkeit kommt ein leicht instabiler Geradeauslauf hinzu – ein Effekt, den der Mazda 6-Dauertestwagen in ähnlichem Maß gezeigt hat. Unproblematisch, aber auf Dauer doch störend.

Sportlich ausgelegt ist auch die ESP-Abstimmung, hier DSC genannt. Erst wenn die Reifen schon geraume Zeit wimmern, rutschend nach Grip suchen und das Heck leicht nach vorn drängt, greift die elektronische Drossel. Für einen Sportwagen ist das eine gelungene, für einen Van dagegen eine ungewöhnliche Auslegung. Dankenswerterweise hat Mazda dem Premacy-Nachfolger keine übertrieben straffe Federung verordnet. Das führt in Kurven zwar zu kräftigen Aufbaubewegungen, sorgt aber auch für angenehmen Komfort. Schlechte Straßen werden souverän gebügelt. Nur Fahrwerkspoltern und das Abrollgeräusch auf rauen Oberflächen dringen kräftig ans Ohr – auch weil die Windgeräusche gering sind.

Der Motor ist kein Komfort-Triebwerk. Er vibriert leicht, um 5.000/min dröhnt er sogar, dreht aber willig bis in den roten Bereich und beschleunigt den Van in weniger als zehn Sekunden auf 100 km/h. Auf der Autobahn vermisst man den sechsten Gang, der die Tourenzahl senken könnte. Immerhin lassen sich die fünf Gänge leicht und präzise einlegen. Der Mazda 5 ist in einigen Punkten anders als andere Vans. Er ist zweifellos sportlicher, aber er wirkt dadurch auch weniger harmonisch als die Konkurrenten. Auch eine Möglichkeit, das Biedermann-Image los zu werden.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorn
  • Schiebetüren hinten
  • weit öffnende Heckklappe
  • viel Zuladung
  • als Siebensitzer kaum Kofferraum
Fahrkomfort
  • bequeme Vordersitze
  • komfortable Federung
  • wenig Windgeräusche
  • Fahrwerkspoltern
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • präzise Schaltung
  • nur Fünfgangschaltung
  • eingeschränkte Laufkultur
Fahreigenschaften
  • leichtes Handling
  • gute Traktion
  • bei hohen Geschwindigkeiten eingeschränkter Geradeauslauf
  • ESP regelt spät
Sicherheit
  • ESP Serie
  • seitliche Kopfairbags Serie
Umwelt
  • akzeptabler Verbrauch
Kosten
  • angemessener Grundpreis drei Jahre Garantie
  • kurze Inspektions-Intervalle

Fazit

Kaum ein Van ist so dynamisch wie der Mazda 5, dafür ist er beim maximalen Ladevolumen und der Variabilität nur Durchschnitt. Die Abstimmung von Lenkung und ESP passt nicht wirklich zu einem Familien-Auto.

Technische Daten
Mazda 5 2.0 MZR Top
Grundpreis 25.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4505 x 1755 x 1615 mm
KofferraumvolumenVDA 112 bis 1566 l
Hubraum / Motor 1999 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 107 kW / 146 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
0-100 km/h 9,7 s
Verbrauch 8,2 l/100 km
Testverbrauch 9,7 l/100 km
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