Mazda 6 2.5 MZR im Test

Erbe eines erfolgreichen Modells

Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Wachwechsel bei Mazda. Der Mazda 6, der ab Februar bei den Händlern stehen wird, tritt das Erbe eines sehr erfolgreichen Modells an. Im Test die Top-Ausführung mit 170 PS starkem Vierzylindermotor.

Mazda-Käufer haben es einfach, die Liste der Extras für den neuen Mittelklasse-Typ umfasst drei Zeilen: DVD-Navigationssystem (2.300 Euro), Glasschiebedach (790 Euro), Metallic- Lackierung (450 Euro). Die enge Nachbarschaft der Basispreise – 29.900 Euro für den Mazda, 29.500 Euro für einen mit 170 PS gleich starken BMW 320i – ist also reine Augenwischerei.

Wer das deutsche Premium-Produkt mit einer vergleichbaren Ausstattung haben möchte, zahlt rund 7.000 Euro drauf. Das ist ein Wort. So präsentiert sich die Mazda-Limousine als günstiges Angebot. Hier bekommt man einen stattlichen Viertürer, der – wie üblich – gegenüber seinem Vorgänger größer geworden ist.

Am Platzangebot im Innenraum des Mazda 6 gibt es deshalb nichts auszusetzen, auch der Kofferraum ist mit über 500 Litern sehr groß. Die gute Übersichtlichkeit nach vorn zählt zu den weiteren sofort auffallenden Vorzügen der Karosserie. Die gute Laune hält sich bei der Betrachtung des Interieurs.

Die Ansprüche in diesem Bereich sind in den letzten Jahren – als Folge der speziell von den deutschen Nobelherstellern gesetzten Maßstäbe – beträchtlich gestiegen. Für Autotester hat sich die Vokabel Hartplastik zum veritablen Schimpfwort entwickelt, und nach schiefen Passungen fahndet jeder so akribisch wie einst Ferdinand Piëch, als er sich daran machte, den VW-Konzern auf Vordermann zu bringen.

Im Mazda 6 sieht alles so sauber und ordentlich aus, wie sich das gehört, wobei hier noch ein Extra- Pluspunkt dafür vergeben wird, dass keine Leisten aus getürktem Holz zu sehen sind. Nichts wirklich Besonderes also, das den Mazda aus der Masse herausheben würde.

Aber ein paar störende Details, die angesichts des japanischen Perfektionsstrebens unverständlich erscheinen: die schlecht erkennbare, kontrastarme Darstellung des Navigations- Bildschirms beispielsweise oder die Funktionen des Bordcomputers.

Und wer gerne den durchschnittlichen Verbrauch oder die verbliebene Tankreichweite im Blickfeld haben möchte, blendet damit zugleich die Zeituhr aus. Einen roten Strich auf der Minusliste verdienen die – mit Leder bezogenen und elektrisch verstellbaren – Sitze.

Sie betonen optisch mit ihren ausgeprägten Seitenwangen den angestrebten sportlichen Anspruch des Mazda und geben guten seitlichen Halt, aber die kurze Sitzfläche schränkt den Komfort ein. Während des Tests gab es keinen Beifahrer, der auf längeren Strecken nicht über Sitzprobleme geklagt hätte.

Fahrkomfort, das wird schon hier offensichtlich, gehörte nicht zu den Prioritäten bei der Mazda 6-Konzeption. Dies zeigen auch das vergleichsweise laute Abrollgeräusch und die straffe Federung. Der Mazda beutelt seine Insassen auf schlechten Straßen zwar nicht in wirklich ungebührender

Weise, aber der Zustand der Straße wird praktisch immer mitgeteilt, wobei speziell lange Wellen auf der Autobahn die kurzen Federwege überfordern. Das gilt in erster Linie für die Hinterachsfederung, weshalb die Passagiere im Fond mehr zu leiden haben als die beiden Vornsitzenden.

Handling und dynamische Fahreigenschaften genießen klar Vorrang, und dafür hat Mazda einiges getan. Üppige Reifen im 18-Zoll-Format gehören ebenso dazu wie das Bemühen, das Gewicht trotz gewachsener Abmessungen und verbesserter Austattung nicht ausufern zu lassen. 1445 Kilogramm sind es beim Testwagen, was für eine Limousine dieser Größenklasse aller Ehren wert ist.

Der Mazda fährt sich denn auch leicht und handlich, er bremst sehr gut und erzielt bei den Fahrtests nicht nur gute Werte, sondern zeigt auch keine sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten. Leicht untersteuernd, wie das bei Fronttrieblern üblich ist, umrundet er Kurven.

Der einzige Wunsch, der da noch offen bleibt: eine Lenkung, die weniger Fahrbahnstöße ins Lenkrad überträgt und ein besseres Gefühl für die Straße vermittelt.

Mazda gehört zu den Firmen, die gern eigene technische Wege gehen – das zeigt sich beim Motor. Das getestete Topmodell bietet 2,5 Liter Hubraum und liegt damit an jener Grenze, wo der Sechszylinder interessant wird. In früheren Jahren hat die Firma in Hiroshima sogar schon nur zwei Liter Hubraum auf sechs Töpfe verteilt, aber beim neuen Mittelklasse-Modell blieb sie bei vier Zylindern.

Das weckt Skepsis bezüglich der Laufkultur, zumal der neu entwickelte Mazda-Motor mit 100 Millimeter Hub zu den ungewöhnlich langhubigen Triebwerken zählt. Doch grau ist alle Theorie: Nicht zuletzt dank zweier Ausgleichswellen läuft der große Vierzylinder weich und vibrationsarm, selbst bei 6000 Umdrehungen, wenn er seine Spitzenleistung erreicht, wird das Geräusch nicht aufdringlich.

Großer Hubraum und langer Hub sind wirksame Mittel zur Steigerung der Durchzugskraft, wobei eine kurze Achsübersetzung noch ein Übriges tut. Man muss sich nur wenig mit der exakten und leichtgängigen Schaltung beschäftigen – der Vierzylinder hängt in jedem Drehzahlbereich gut am Gas und zieht kräftig durch. Soweit die Vorteile der Übersetzungsauslegung.

Auf der anderen Seiten ergibt sich natürlich ein relativ hohes Drehzahlniveau. Schon bei der Autobahn-Richtgeschwindigkeit von 130 km/h liegen rund 3500 Umdrehungen an, und bei Höchstgeschwindigkeit erreicht die Nadel des Drehzahlmessers den Wert der Nenndrehzahl.

Als der Verbrauch noch nicht Thema Nummer eins war, galt das als perfekte Auslegung, zumal angesichts der guten Laufkultur beim Mazda keine akustische Belästigung entsteht. Aber ein die Drehzahl senkender sechster Schongang wäre eine sinnvolle Ergänzung gewesen, um den Reiseverbrauch zu senken.

Mit einem Testmittel von 11,4 Liter auf 100 Kilometer verdient sich der Mazda wahrlich keine Öko-Lorbeeren, daran ändern auch die sehr guten aerodynamischen Eigenschaften der Karosserie (Cw-Wert 0,27) nichts. Der Fortschritt gegenüber dem Vorgänger wird dennoch in vielen Bereichen erkennbar, ohne dass der Mazda 6 damit in das Spitzenfeld der sehr anspruchsvoll gewordenen Mittelklasse aufrücken könnte. Wer bei auto motor und sport alle Sterne sehen will, darf eben nicht nur mit einem günstigen Preis glänzen.

Fazit

Mit funktioneller, geräumiger Karosserie und dynamischen Fahreigenschaften befindet sich der Mazda 6 2.5 auf Klassen-Standard. Federungskomfort und Benzinverbrauch können nicht befriedigen.

Technische Daten
Mazda 6 2.5 MZR Top
Grundpreis 31.390 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4755 x 1795 x 1440 mm
KofferraumvolumenVDA 519 l
Hubraum / Motor 2488 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 8,6 s
Verbrauch 8,1 l/100 km
Testverbrauch 11,4 l/100 km
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