Mazda 6, Opel Vectra und VW Passat

Wie viel Schwung bringt der apart gestylte Mazda 6 ins Feld der mittelständischen Stufenheck-Limousine? Im Vergleich: Mazda 6, Opel Vectra, VW Passat.

Die bürgerliche Mitte. Der Vernunftkauf ohne Kitzel auf der linken Autobahn-Spur, aber auch ohne Risiko und Bitt-Gespräch beim Bankberater. Autos ohne Eitelkeit und Neid-Faktor. Um die zwei Liter Hubraum, Benzinmotor, Stufenheck und vier Türen: Das Marktsegment ist beinahe so alt wie die Bundesrepublik, und es verspricht noch immer satte Renditen.

Der vollreife Passat zählt daher nach wie vor zu den tragenden Stützen des VW-Programms, wenn auch rund 70 Prozent der Käufer zum Lademeister Variant greifen. Dem Vectra fällt derzeit nicht weniger als die Rolle des Opel-Rettungswagens zu. Und Mazda will mit dem 6 an die gloriosen Zeiten der Achtziger anknüpfen, als der 626 das

populärste Import-Automobil Deutschlands war und als ers-ter Japaner einen Vergleichstest von auto motor und sport gewann.

Dass es mit dem Mazda-Revival klappen könnte, zeigen die Blicke, die der neue 6 auf sich zieht – selbst als Basismodell mit drögen Plastik-Radkappen. Er umgibt sich mit einer unaffektierten Eleganz, die mittelständischen Käufern zu behagen scheint. Speziell sein Heck und hier vor allem das avantgardistische Design der Leuchteinheiten kommen beim Publikum gut an. Ein Mazda? Du glaubst es nicht.

Im Angesicht des Mazda wirkt selbst der Opel japanischer; sein kantiger Hintern irritiert manchen Traditionalisten, der schon hinter dem Lenkrad eines Ascona A saß. Und der Passat? An ihm fällt vor allem auf, dass er nicht auffallen will. Seine Anwesenheit wirkt ähnlich vertraut wie das heimische Ortseingangsschild.

Nichts an ihm ist überraschend, am wenigsten die Tatsache, dass er die Preislisten des Vergleichs-Trios anführt. Schon das Grundmodell kostet 22 450 Euro, empfehlenswerter ist freilich – auch in puncto Wiederverkauf, vor allem aber wegen der bequemeren Sitze – das 725 Euro teurere Comfortline-Paket. Eine Klimaanlage ist in beiden Fällen an Bord; im Vectra gibt es sie erst mit der Comfort-Ausstattung (21 500 Euro) ohne Aufpreis. Der beträgt 1110 Euro beim Grundmodell, das komplette Comfort-Paket aber kostet nur 1250 Euro mehr – und ist damit der bessere Kauf. Der Mazda punktet schon auf der Preisliste: Hier heißt bereits das Einstiegsmodell Comfort und bringt für 19 700 Euro die Klimaanlage und sogar ein Radio mit. Dafür kostet ESP extra (650 Euro); bei VW und Opel ist es serienmäßig an Bord. Und auf ein Schiebedach müssen Käufer der 1,8-Liter-Basismotorisierung ganz verzichten.

Immerhin lässt der Mazda 6 auch im Interieur die Trostlosigkeit seines Vorgängers hinter sich. Die Zeit der Billig-Kunststoffe ist vorbei, das Design der Lüftungsdüsen und der Mittelkonsole könnte aus Mailand stammen – diskutieren lässt sich allenfalls über silberfarben lackiertes Plastik, das kühle Alu-Optik simuliert. Die Funktionalität jedenfalls leidet nicht darunter, und so bleibt der Mazda ein Automobil, in dem man sich auf Anhieb zurechtfindet.

Das gilt auch für seine deutschen Kontrahenten. Allerdings wirkt der Vectra im Detail hochwertiger: In der Anmutung seiner Innenraum-Materialien nähert er sich dem Klassen-Vorbild Passat an. Dessen haptischer Vorsprung ist dünner geworden.

Dumm nur, dass sich Opel einen Schnitzer wie die nervige Betätigung des Blinkers leistet: Wenn sein Hebel – etwa nach dem Überholen auf der Autobahn – per Fingertipp in die Normalstellung gebracht werden muss, blinkt der Vectra-ungewohnte Fahrer erst einmal zur anderen Seite. Beim Passat gibt es einen Abzug für die schlechte Bedienung des Autoradios, beim Mazda für den umständlichen Drehlichtschalter.

Der basismotorisierte Vectra ist eindeutig ein Fall für geduldige Fahrer, und auch der etwas schwerere Passat dient nicht zur Förderung des forcierten Fahrvergnügens. Sicher, weder VW noch Opel sind ernstlich untermotorisiert, aber auch nicht leichtfüßig oder gar überschäumend agil.

Immerhin profitiert der Zweiliter-Passat von seinem Hubraum-Vorteil: Er spricht zwar nicht allzu spontan auf Gaspedal-Bewegungen an, wirkt aber dennoch

etwas muskulöser als der Vectra, der zudem nur unwillig hochdreht. Die ersten ausgelieferten 1.8-Exemplare waren zudem mit einer ellenlangen Übersetzung gehandikapt – ein Lapsus, den Opel erst Anfang August

korrigiert hat. In der Elastizität rangiert der Vectra auch nach dieser Änderung weiter hinter der Konkurrenz.

Und der Mazda? Er schiebt sich ohne Scheu vor hohen Drehzahlen und mit vergleichsweise souveränem Durchzug an beiden Deutschen vorbei. Vor allem aber punktet er nicht nur mit der besten Beschleunigung, sondern auch mit dem geringsten Verbrauch.

Leider ist der Japaner aber nicht leise: Während er bei niedrigen Drehzahlen mit seiner kultivierten Aussprache gefällt, nervt er zwischen 4000 und 4500 Umdrehungen mit einem penetranten Hang zum Dröhnen.

Auch der Passat macht bei engagierter Gangart mit grummeligem Akzent auf sich aufmerksam. Und der Opel überzeugt nur auf dem Papier: Die Geräuschmessung durchläuft er als Leisester des Kandidaten-Trios, im wirklichen Leben aber beschallt er seine Passagiere mit unschönem Brummen, sobald sich die Kurbelwelle mehr als 4000 Mal pro Minute dreht.

Richtig froh macht der Vectra auch mit der straffen Abstimmung seines Fahrwerks nicht. Er wirkt nicht ganz harmonisch wie sein Diesel-Pendant (Heft 9/2002), neigt zum Stuckern und filtert kurze Unebenheiten nicht sauber aus. Das kann der Mazda besser: Er ist weicher abgestimmt und schluckt kurze wie lange Wellen konzilianter. Allerdings stört das laute Abrollgeräusch.

Der Passat hinterlässt mehr das Gefühl des schweren Wagens. Seine Federung erweist sich unter den meisten Umständen als komfortabel, stößt jedoch wegen der nachgiebigen Dämpfung auf groben Wellen an ihre Grenzen. Besonders bei hoher Zuladung kommt es zu langhubigen Vertikalbewegungen. Am wohlsten fühlt er sich auf langen Autobahnetappen; bei forcierter Landstraßenfahrt fällt er mit starkem Karosserieschwingen und behäbigem Handling auf.

Weniger Streuung leisten sich die Probanden in puncto Fahrverhalten. VW-, Opel- und Mazda-Käufer erwarten im Grenzbereich drei sanftmütige Untersteurer. Das besonders weich und wirksam eingreifende ESP des Opel, das einen Bremseneingriff an bis zu drei Rädern vornimmt, beschert dem Vectra jedoch einen Punktvorteil.

Auch die Entschiedenheit ihrer Bremsen lässt keine großen Punkt-Unterschiede zu: Der VW bietet jedoch das beste Pedalgefühl. Im Opel ist es schwammig, im Mazda etwas zu giftig.

Dafür entschädigt er – wie auch der Vectra – mit dem präzisen Ansprechen und der Direktheit seiner Lenkung. Hier bleibt der Passat mit geringerer Exaktheit um die Mittellage zurück. Allerdings hält er die vergnüglichste Schaltung bereit: leichtgängig, mit präziser Führung und kurzen

Wegen. Die Mazda-Schaltung neigt auf dem Weg in den Fünften zum Hakeln, die des Opel lässt eine exakte Führung vermissen.

Ein Haupt-Entscheidungsgrund mag das in der Mittelklasse nicht sein, anders als

etwa die Platzverhältnisse der Limousinen, die ja häufig als Geschäfts- oder Familien-Fahrzeuge genutzt werden. Aber auch hier gibt sich keiner der Kandidaten eine Blöße.

Der Passat überzeugt mit üppiger Innenhöhe und mit entsprechend großzügigem Raumgefühl. Auf den hinteren Opel-Plätzen bleibt etwas weniger Raum für lange Beine, aber die Sitzbank ist bequemer gepolstert. Auch die Sitze des Mazda bieten einen ordentlichen Komfort.

Weil die neue Limousine aus Japan gleichmäßig gut punktet, gelingt ihr der Gesamtsieg. Der Vectra fährt seinen Mitbewerbern im Antriebs-Kapitel hinterher, der Passat verteidigt sich mit der Reife seiner Jahre: Platz drei nur, aber mit hauchdünnem Rückstand.

Fazit

1. VW - Passat 2.0 - 46070
485 Punkte

3. VW Passat 2.0: Der Stufenheck-Klassiker ist zwar teuer, aber auch sehr gut verarbeitet und geräumig. Minuspunkte kassiert er für behäbiges Handling und seine karge Sicherheitsausstattung.

2. Mazda 6 1.8 Comfort
502 Punkte

Das agile Handling, sein durchzugsstarker und drehfreudiger Motor sowie der Preis sind die größten Vorzüge des Mazda. Grobe Schnitzer gehören nicht zu seinem ausgewogenen Naturell.

3. Opel Vectra 1.8 Comfort
486 Punkte

Opels Hoffungsträger verliert in der Antriebswertung wichtige Punkte. Im Komfortkapitel erreicht er ebenfalls nicht das Niveau des Mazda. Überzeugend: die gute Fahrsicherheit.

Technische Daten
Mazda 6 1.8 MZR Comfort Opel Vectra 1.8 16V Comfort VW Passat 2.0 Comfortline
Grundpreis 19.900 € 21.500 € 23.475 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4680 x 1780 x 1435 mm 4596 x 1798 x 1460 mm 4703 x 1746 x 1462 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l 500 l 475 bis 800 l
Hubraum / Motor 1798 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 88 kW / 120 PS bei 5500 U/min 90 kW / 122 PS bei 6000 U/min 85 kW / 115 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 197 km/h 203 km/h 200 km/h
0-100 km/h 10,4 s 11,9 s 12,1 s
Verbrauch 8,3 l/100 km 7,7 l/100 km 8,4 l/100 km
Testverbrauch 9,4 l/100 km 10,1 l/100 km 9,9 l/100 km
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