auto motor und sport im neuen Design
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Mazda 626 2.0i Kombi im Test

Lauf-Masche

Mazda 626 Kombi

Er regt nicht an, er regt nicht auf. Sein größtes Manko ist gleichzeitig das stärkste Kaufargument: 100.000 Kilometer lang blieb der Mazda 626 Kombi seiner Unauffälligkeit treu – auch in der Mängelbilanz.

Schon gegen Ende der Testdistanz gab es Fahrer, die ihre Zeit mit ihm längst vergessen hatten. Erst ein Blick auf die gelbe Dauertest-Karte erinnerte sie an ihre Langstrecken-Törns mit dem violettmetallic lackierten Mazda, der in ihrer Erinnerung so blass geworden war.

Dabei lag ihre Begegnung mit dem 626 nicht allzu lange zurück: Es dauerte nur 18 Monate, bis der Mazda sein Dauertest-Pensum erledigt hatte. Das bedeutet, dass er im Schnitt 5500 Kilometer im Monat und 185 Kilometer am Tag unterwegs war-womit er zu den gefragten Reisebegleitern in der Redaktions-Tiefgarage zählte.

Trotzdem gehört er zu den Automobilen, die sich nicht ins Gedächtnis ihrer Fahrer graben. Und wenn der Mazda könnte, dann würde er sich darüber vermutlich freuen: Auf die leise Tour setzt er eine gewachsene Markentradition fort, eine gekonnte Philosophie des stummen Dienens, die sich mehr der Zuverlässigkeit widmet als dem Geltungstrieb der Käufer.

Oft mögen sie sogar das etwas verquollene, gänzlich uneitle Design seiner Karosserie, und sie stören sich nicht am aschfahlen Armaturenbrett mit den Plastikholz-Einlagen oder den Sitzbezügen, die manche Dauertest-Fahrer an die synthetische Tristesse von Ostblock-Textilien erinnern.

Nur sieben Prozent aller Mazda-Käufer bestellen ihren 626 mit der Spitzenmotorisierung, dem Zweiliter-Triebwerk mit 136 PS Leistung: Den meisten 626-Piloten sind 115 PS genug. Dass 55 Prozent den Kombi ordern, outet sie erst recht als Pragmatiker. Und nur elf Prozent aller 626, die seit Jahresbeginn in Deutschland zugelassen wurden, sind viertürige Stufenheck-Limousinen: Gefragter ist die Schrägheck-Version mit fünf Türen.

Die meisten Mazda-Besteller schätzen nicht nur den Verlässlichkeits-Mythos, mit dem sich die 626-Baureihe seit jeher umgibt, sondern auch ihr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. So kam der Dauertest-Kombi – mit Exclusive-Ausstattung und 115-PS-Motor – auf einen Listenwert von 43 790 Mark.

Zu den Extras, die seinen Grundpreis von rund 39 000 Mark anhoben, zählen die Metallic-Lackierung (740 Mark), ein elektrisches Glasschiebedach (1460 Mark) und das Touring-Paket für 2520 Mark: Es enthält nützliche Goodies wie die wirksame Klima-Automatik, ein Stereo-Cassetten-Radio, Bordcomputer, elektrische Fensterheber für die Fondtüren sowie den Tempomat.

Was will man also mehr? Zeitgemäße Sicherheits-Features wie ESP oder Isofix-Verankerungen für Kindersitze vielleicht – das aber sind Ausstattungs-Features, die auch nach der jüngsten Modellpflege vom Januar dieses Jahres nicht in den Mazda-Prospekten auftauchen. Stattdessen blieb es bei der sanften Straffang einiger Karosseriedetails, modernisierten Polsterdesigns und einem gekräftigten Basistriebwerk, das nun 100 statt 90 PS leistet.

Aber auch die Wertstabilität des Mazda kann seine Käufer, die oft mit spitzem Bleistift rechnen, nicht restlos glücklich machen. Einen Restwert von dürren 20 300 Mark billigt der Gutachter dem Kombi zu, was einem Wertverlust von fast 54 Prozent entspricht. Meist wird er etwas niedriger sein, weil viele 626-Neuwagenkäufer mit Erfolg um Preisnachlässe feilschen: Sie liegen in der Praxis bei rund zehn Prozent.

Dass es rentabel sein kann, einen 626 etwas länger zu fahren, zeigt auch die ausgezeichnete Zuverlässigkeit des violetten Dauertest-Exemplars. Nur zwei Mal lief er außerhalb der Inspektionen die Werkstatt an: Beide Male handelte es sich um Bagatellen.

Bei Tachostand 36 516 monierte Redakteur Christian Bangemann das hakende Schloss des Handschuhfachs, dessen Deckel sich allen Öffnungsversuchen widersetzte. Die fällige Reparatur ging auf Garantiekosten.

Als der Kilometerzähler auf 89 000 stand, fielen Götz Fuchslocher schabende Bremsgeräusche auf: Die hinteren Bremsklötze waren restlos verschlissen, obwohl die Werkstatt kurz zuvor noch Entwarnung gegeben hatte. Denn schon 1500 Kilometer zuvor hörten Mazda-Benutzer laute Schleifgeräusche, die zu einer Sichtprüfung beim Händler führten. Offenbar sahen die Mazda-Experten zu flüchtig hin-und rieten dazu, die Bremsbeläge erst während der 90.000-KilometerInspektion auszutauschen.

Trotz dieser Fehldiagnose steuert der 626 den zweiten Platz im auto motor und sport-Mängelindex an: direkt hinter dem teureren Audi A4, aber auch mit Abstand vor japanischen Mitbewerbern wie Mitsubishi Carisma und Toyota Avensis. Zwei weitere Werkstatt-Besuche bei Tachostand 14 229 und 18 207 waren schließlich nur der Beliebtheit des Mazda bei Mardern zu verdanken: Sie verbissen sich nachts in seinen Zündkabeln, einem Unterdruckschlauch und der Steuerung des Tempomats.

Dass Sparen auch ins Geld gehen kann, zeigen dagegen die hohen Inspektionskosten des 100.000-Kilometer-Marathons. Die Scheckheft-Pflege schlug bei Tachostand 90.000 mit stolzen 1143 Mark ins Kontor – unter anderem wegen eines Zahnriemen-Wechsels -, und selbst Routinewartungen kosteten mindestens 360 Mark.

Auch der Benzinverbrauch setzt keine Maßstäbe: Mit einem durchschnittlichen Konsum von 9,7 Liter Super-Kraftstoffbewegt sich der Mazda nur im Mittelfeld seiner Klasse. Dafür geizte er mit Schmierstoff und ließ sich zwischen den Inspektionen nur 3,8 Liter Öl in die Wanne füllen. Und zudem hielt er sich mit der Produktion von Gummiabrieb zurück: Als nach über 41.000 Kilometern der erste Satz Sommerreifen (Michelin MXV 3A) gewechselt wurde, zeigten die Pneus noch erstaunliche drei Millimeter Restprofil.

Die Michelin-Reifen überzeugen mit guten Komfort- und Nässe-Eigenschaften, während die danach montierten Falken ZE 502 zur leichten Aquaplaning-Schwäche neigen. Die ersten 18.000 Dauertest-Kilometer durchfuhr der Kombi auf Goodyear-Eagle-Winterreifen: Sie taten sich mit ihrer exzellenten Traktion auf verschneiter Piste hervor und passten so zum Ruf des 626, ein fast narrensicheres Auto zu sein.

Nur eine Einschränkung zieht sich durch die Dauertest-Biographie: die schwammige Wirkung der Bremsen. Obwohl sie größerem Verschleiß entsagen, wirken sie im alltäglichen Fahrbetrieb zu schwach. Eine Sichtprüfung zeigte gegen Testende die Hauptursache: zu geringer Abrieb der Bremsscheiben und eine Verglasung ihrer Oberflächen.

Nicht wirklich begeistern können auch die indifferente Servolenkung und die stößige Federung des Mazda. Lob dagegen für das unproblematische Fahrverhalten und die gut beherrschbare Untersteuerneigung im Grenzbereich. „Gutmütig auch bei voller Beladung“, notierte etwa Redakteur Klaus Herder auf der Bordkarte, nachdem er mit großem Gepäck zu einer 5.000-Kilometer-Tour nach Schottland aufgebrochen war.

Wie fast alle Mazda-Piloten nutzte er den Laderaum weidlich aus und lernte die umklappbare Lehne des Beifahrersitzes als pfiffiges Detail kennen: Einem Kollegen half sie, einen Küchenschrank von 2,20 Meter Höhe zu transportieren, während ein anderes Redaktionsmitglied sogar ein halbes Schwein – fachgerecht in Folie verschweißt – in den Laderaum wuchtete. Einig waren sich die Freizeit-Spediteure aber auch über zwei Schwächen des Kombi: den labil wirkenden Gepäckraum-Belag und das betonte Schrägheck, mit dem die Mazda-Designer wertvolle Zulade-Zentimeter verschenkten.

Auf ungeteilte Begeisterung stießen dagegen die üppige Beinfreiheit im Fond und die komfortablen, angenehm straff gepolsterten Vordersitze. Viele Fahrer ärgerten sich allerdings auch über konstruktive Mängel wie lange Schaltwege, das schwache Fernlicht, die teilweise unpraktische Bedienung der Klimaanlage und die mäßige Lüftung. Mit zunehmender Laufleistung schienen auch die Windgeräusche im Bereich der vorderen Türen vernehmlicher zu werden.

Die meisten Finger aber zeigen auf den überfordert wirkenden Motor und die ellenlange Übersetzung des fünften Ganges. Selbst kleinere Steigungen nötigen die Mazda-Fahrer zum sofortigen Zurückschalten – und zum Lauterdrehen des Radios: Denn über 4000 Umdrehungen zeigt ihnen das ansonsten so kultivierte 115-PS-Triebwerk seine knurrige Seite.

So kam es, dass der 626 auf der linken Autobahn-Spur so zurückhaltend wirkte wie in der Mängelbilanz. Und dass es am Ende doch schwer fällt, ihn als Automobil der leisen Töne in Erinnerung zu behalten.

Der jetzige 626 Kombi 2.0 Automatik ist unser fünfter Mazda. Bisher gab es nur einen außerplanmäßigen Werkstatt-Aufenthalt: Bei Ta­chostand 7500 war der Aus­tausch des Airbag-Steuer­geräts erforderlich. Ansons­ten entsprechen Verarbei­tung, Bedienbarkeit und Raumangebot unseren Er­wartungen. Der 115-PS-Mo­tor ist sicher nichts für sportliche Fahrer, harmo­niert aber recht gut mit der Automatik. Nicht anschließen wollen wir uns der häufigen Kritik am tristen Interieur. Die verwen­deten Materialien sind zwar nicht schön, aber zweck­mäßig. Etwas Cockpit-Lotion gibt auch japanischen Kunst­stoffen Softlack-Optik.
Thomas Karl, 53842 Troisdorf
 
Im Mai 1998 kaufte ich einen Mazda 626 Kombi mit 115­PS-Motor, habe mittlerweile 40 000 Kilometer damit zu­rückgelegt und einen durch­schnittlichen Verbrauch von 8,16 Liter auf 100 Kilometer errechnet. Das Fahrzeug blieb zwar nie liegen, weist aber qualitative Mängel auf. So wa­ren sämtliche Bremszangen und die Hebel der Feststell­bremse nach nur zehn Mona­ten völlig verrostet. In beiden Vordertüren und im Armatu­renbrett traten Klapper- und Vibriergeräusche auf. Beide Nebelscheinwerfer und die lin­ke Rückfahrleuchte waren mehrfach voller Kondenswas­ser, was auf Garantie beho­ben wurde. Bei Tachostand 33 500 waren die hinteren Bremszangen völlig festge­rostet; die Bremse ließ sich nicht mehr lösen. Meine große Zufriedenheit mit frü­heren Mazda-Modellen ist in­zwischen einem gewissen Misstrauen gewichen.
Klaus Zanetti, 94107 Untergriesbach

Nach rund 10 000 Kilometern bin ich mit meinem Mazda 626 Kombi (115 PS, Automa­tik) in jeder Hinsicht sehr zu­frieden. Ich musste nur tanken (Durchschnittsverbrauch 10,8 Liter) und Öl kontrollieren.
Matthias Benz, 65329 Hohenstein
 
Im Mai 1998 stieg ich von ei­nem Mercedes 230 CE auf ei­nen neuen Mazda 626 Kombi mit 115-PS-Motor um. Die Ent­scheidung war richtig: Das Fahrwerk hat zwar keine Mercedes-Qualitäten, aber in puncto Motor, Ausstattung und Sitzkomfort hält der 626 dem Vergleich stand. Außerhalb der Inspektionen war das Auto nur einmal in der Werkstatt: Die Befestigung des Fahrersitzes hatte sich gelockert. Ansons­ten gibt es keine Reklamatio­nen.         
Heimo Schrbpel, 64390 Erzhausen

Mit unserem 626 haben wir in drei Jahren rund 30 000 Kilometer zurückgelegt. Trotz anfänglicher Skepsis haben wir keinerlei Klagen: Mazda hat ein Auto gebaut, das bes­te Qualität und Verarbeitung bietet.          
Simon Ecker, 84347 Pfarrkirchen
 
Alles in allem sind wir sehr zufrieden. Ein Lifestyle-Kom­bi ist der Mazda nicht, und auch das Fahrwerk wirkt et­was hart. Dafür ist das Fahr­verhalten absolut narrensi­cher.         
Rainer Mehringer, 80992 München

 

Abgastest: Der Mazda 626 2.Oi wurde nach der bis 1998 gültigen D3­Norm typgeprüft. Von der heuti­gen D3 unterscheidet sie sich durch etwas strengere Limits und einen weniger anspruchs­vollen Fahrzyklus: Vor der ei­gentlichen Messung liegen, wie noch bei der EU2-Norm, 40 Se­kunden Leerlauf, in denen sich der Katalysator schon etwas erwärmen kann.

Die obligatori­sche Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollen­prüfstand der TÜV Automotive GmbH (Unternehmensgruppe TÜV Süddeutschland) in Böb­lingen ergab die folgenden Wer­te (Grenzwerte in Klammern): Kohlenmonoxid (CO) 2,49 (1,50) Gramm pro Kilometer, Stickoxide (NOx) 0,14 (0,14) Gramm pro Kilometer und Kohlenwasserstoffe (HC) 0,79 (0,17) Gramm pro Kilometer­ein schlechtes Ergebnis.

Schwächen im Detail:
Gleich zwei Mal mach­ten sich Marder über die Zündkabel her. Auch den Tempomat nagten sie in die Funktionslosigkeit. Ein gebrochener Plastik­-Riegel sorgte dafür, dass sich das Handschuhfach nicht mehr öffnen ließ: Das Schloss wurde ersetzt

Vor- und Nachteile

  • Hohe Zuverlässigkeit
  • Günstiger Preis
  • Geräumige Karosserie
  • Gutmütige Fahreigenschaften
  • Saubere Verarbeitung
  • Komfortable Sitze
  • Geringer Reifenverschleiß
  • Drei Jahre oder 100 000 Kilometer Garantie
  • Schwammiges Bremsgefühl
  • Kraftlos wirkender Motor
  • Stößige Federung
  • Indirekte Lenkung
  • Schlechtes Fernlicht
  • Schwache Lüftung
  • Zum Teil billig wirkende Materialien
  • Sehr hoher Wertverlust
  • Hohe Inspektionskosten
  • Hohe Versicherungskosten
Technische Daten
Mazda 626 2.0i Kombi
Grundpreis 17.997 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4600 x 1690 x 1465 mm
KofferraumvolumenVDA 430 bis 1315 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 171 km/h
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