Mazda MX-5 2.0 MZR Roadster-Coupé im Test

Roadster Coupé in Top-Form

Foto: Foto: Achim Hartmann 21 Bilder

Den MX-5, Volksroadster, Verfechter der reinen Lehre und des preiswerten Vergnügens, gibt es jetzt auch mit versenkbarem Hardtop: Opfert Mazda seine Ideale auf dem Altar der Mode? Im Test der MX-5 2.0 MZR als Roadster-Coupé.

Wieder einmal fragt man sich, ob das denn wirklich sein musste. Gerade noch lobten wir den neuen MX-5, weil er seinen Prinzipien treu blieb – klein, leicht, ehrlich, ganz der Roadster, wie er im Buche steht. Und nun das: Mazda setzt ihm ein modisches Falt-Hardtop auf. Die Kapitulation vor den Weichspülern? Zugegeben, der Verdacht liegt nahe.

MX-5 Roadster der beliebteste offene Zweisitzer

Aber man muss fair bleiben. Schließlich ist der MX-5 Roadster der beliebteste offene Zweisitzer der Welt, und das verpflichtet. Es bedeutet zum Beispiel, dass die Händler die rund 30 Prozent der Kundschaft, die den Flitzer laut Mazda-Recherche lieber mit hartem Top haben würden, nicht im Regen stehen lassen wollen. Das ist verständlich. Hinzu kommt, dass die Mazda-Lösung des Dachproblems die Sache auch für Puristen einigermaßen vertretbar macht, und zwar gleich aus mehreren Gründen. Erstens: Das Auto sieht nicht aus wie eine schwangere Auster, was das Roadster-Coupé (so nennt das Mazda) auf das Wohltuendste von anderen Vertretern des Genres unterscheidet. Zweitens: Der Kofferraum bleibt, was er ist, und wird nicht als Dachschober missbraucht. Ob offen oder geschlossen – das Transportvolumen ist immer 150 Liter. Schließlich das Wichtigste: Die ganze Mimik trägt gerade mal 37 Kilogramm auf, versichert Mazda. Das Mehrgewicht des Testwagens gegenüber dem mit Softtop beschränkte sich sogar auf 35 Kilogramm. Halb so schlimm also.

Lobend anzuerkennen ist aber auch, dass die Mazda-Ingenieure den Umbau keineswegs auf die leichte Schulter nahmen. Allenthalben wurde gefeilt und getüftelt. Damit das zweiteilige Hardtop aus Kunststoff in den Verdeckkasten passt, musste dieser etwas vergrößert und verstärkt werden. Außerdem hat das Roadster-Coupé – man sieht es kaum – einen um wenige Zentimeter angehobenen und hinten stärker konturierten Heckdeckel aus Stahlblech (statt Aluminium).


Und weil sich die zusätzlichen Kilos bei geöffnetem Dach an der Hinterachse konzentrieren, schreckte man selbst vor Fahrwerkseingriffen nicht zurück: Federn und Dämpfer verfügen über eine andere Abstimmung, der vordere Querstabilisator wurde im Durchmesser um eine Idee vergrößert. Das nennt man gründliche Arbeit. Für den Benutzer zahlt sie sich zunächst einmal durch reibungslose Funktion aus. Das Dach wird vorn entriegelt (der gleiche Griff wie im Cabrio) und verschwindet sodann auf Knopfdruck ebenso leise wie zügig hinter den Sitzen. Die Angelegenheit dauert nur zwölf Sekunden, was MX-5-Kenner freilich nicht besonders beeindrucken dürfte. Beim manuellen Stoffverdeck genügt ein Viertel der Zeit, und aussteigen muss man ebensowenig.

Für ein Coupédach ist das aber durchaus rekordverdächtig. Ähnliches lässt sich allerdings von den Geräuschen berichten: Wer glaubt, unter dem festen Deckel den vollen Coupé-Komfort zu genießen, der hat sich zu früh gefreut. Spätestens ab Tempo 160 rauscht der Wind derart lautstark um die Seitenfenster, dass an eine Unterhaltung oder das Abhören von Musik nicht mehr zu denken ist. Da unterscheidet sich das Roadster-Coupé nicht wesentlich vom Cabrio – ein Eindruck, den Geräuschmessungen in beiden Varianten bestätigen. Das gilt freilich auch für die sonstigen Qualitäten. Im Gegensatz zum Vormodell absolviert der aktuelle MX-5 Holperpisten ohne zu schlottern, mit aufgepflanztem Hardtop wird die Karosserie sogar noch eine Spur steifer. Außerdem geht es unvermindert flott voran; die Zusatzpfunde machen sich in den Messwerten nicht bemerkbar. Für zügiges Fahren empfiehlt es sich zwar, oberhalb von 3000/min zu bleiben, aber dann vermag der 160 PS starke Zweilitermotor Fahrleistungen zu entfachen, die dem sportlichen Anspruch des Autos entsprechen – bei nur 1177 Kilogramm Eigengewicht kein Kunststück. Nur fürs Gefühl dürfte der MX-5 ruhig etwas mehr bieten: Die Reaktionen auf den Gasfuß kommen in manchen Bereichen etwas verhalten, und mit der Musik ist es auch nicht weit her. Man hofft auf markiges Röhren, doch an die Ohren dringt meist nur ein angestrengtes Dröhnen. Davon abgesehen bleibt der MX-5, ob mit oder ohne Hardtop, jenes Spaßmobil, das er von Anfang an war. Wen wundert’s, dass er namhaften Herstellern noch immer als Schulbeispiel für die einfacheren Freuden des Sportwagens dient? Und wie schön, dass Mazda die Sache bis heute nicht vermasselte.


Andere Roadster werden immer fetter und anspruchsvoller, dieser aber bleibt schlank, rank und erschwinglich, fokussiert auf das Wesentliche. So fällt es leicht, sein sportliches Talent auszuloten. Klar, der MX-5 ist nicht der Schnellste, für Bahnrekorde sind andere zuständig. Aber eine halbe Stunde im Mazda auf abgesperrter Strecke, und man lernt mehr über die Beherrschung eines Autos und dessen dynamische Balance als in einer Woche Golf GTI-Fahren. Wer Kurven schon immer mal richtig schön quer nehmen wollte: Der MX-5 bringt es einem bei. Aber auch auf der Straße, wo man der ESP-Regelung tunlichst das Regiment überlassen sollte, bleibt Mazda- Fahren reizvoll.

Autos, die dermaßen willig den Direktiven ihres Lenkers gehorchen, sind rar. Entsprechend freudig stürzt man sich ins Kurvengeschlängel. Dass dieses Spaßpaket dank großzügig bemessener Federwege auch noch über einen manierlichen Komfort verfügt, ist fast schon wie Weihnachten. Kleiner Wermutstropfen: Die Lenkung war früher zielgenauer. Nun verlässt sie etwas abrupt ihre Mittellage. Bleibt die Preisfrage: Sind 29 100 Euro inklusive Falthardtop, Sperrdifferenzial, Xenonlichter, Klimaautomatik und auch sonst allen Schikanen zuviel? Oder handelt es sich womöglich um ein Schnäppchen? Die Antwort sollte nicht schwer fallen. Falls doch, dann gibt es ja weiterhin das Cabrio – das ist 1700 Euro billiger. Es sei denn, man bestellt es mit dem alten, abnehmbaren Hardtop: Dafür berechnet Mazda nämlich 2073 Euro extra.

Fazit

Auch mit Falthardtop bleibt sich der MX-5 treu. Als kompakter Roadster mit Spaßgarantie braucht er keinen Gegner zu fürchten. Der Komfortvorteil des Coupédachs fällt allerdings gering aus.

Technische Daten
Mazda MX-5 2.0 MZR Roadster-Coupé Expression
Grundpreis 30.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3995 x 1720 x 1255 mm
KofferraumvolumenVDA 150 l
Hubraum / Motor 1999 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 118 kW / 160 PS bei 6700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
0-100 km/h 8,2 s
Verbrauch 8,2 l/100 km
Testverbrauch 9,9 l/100 km
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