Mazda MX-5 2.0 MZR im Test

Sturmfortsatz

Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Einst belebte er die Roadsterwelle wieder, nun trägt er die Flamme der kleinen Roadster tapfer weiter: Auch in seiner dritten Generation hat der Mazda MX-5 nichts vom Elan verloren und die Jungs aus Hiroshima treten bei der dritten Generation des heckgetriebenen Trendsetter noch mal richtig aufs Gas.

Die erste erwerbt’s, die zweite vermehrt’s, die dritte verderbt’s. Soweit der Volksmund zum Thema Generationenkonflikt. Hinfort damit, die dritte Auflage der mit 725 000 Stück erfolgreichsten Roadster- Baureihe aller Zeiten beweist verschmitzt scheinwerferlächelnd das Gegenteil.

Während Konkurrenten wie der frontgetriebene Fiat Barchetta oder der Mittelmotor-Brite MG TF bereits auf der Standspur ausgerollt sind, treten die Jungs aus Hiroshima beim heckgetriebenen Trendsetter MX-5 noch mal richtig aufs Gas.

So glättete man die Optik, verabschiedete die taillierte Seitenlinie zu Gunsten einer vergrößerten Innenbreite und wölbte die Radhäuser aus. Durch den Einsatz hochfesten Stahls konnte zudem die Steifigkeit der Karosserie deutlich erhöht werden.

Trotz dezenten Größenzuwachses blieben Proportionen und kurze Überhänge erhalten, während der um 65 Millimeter gestreckte Radstand gemeinsam mit der breiteren Spur für einen stämmigeren Auftritt sorgt. Ohne dass bei Weight Watchers Alarmstimmung ausbrechen muss, wie 1142 Kilogramm Gewicht für das komplett ausgestattete Sondermodell „3rd Generation“ beweisen.

Komplett bedeutet inklusive beheizbarer, in rotes Leder gewandeter Sitze, Soundsystem mit CD-Wechsler und sieben Lautsprechern, Klimaautomatik und Sportfahrwerk. Dort, wo bei Generation eins noch verschlafene Klappscheinwerfer ausfuhren, strahlt beim Sondermodell Xenonlicht.

Die Besitzer der in Deutschland auf 500 Exemplare limitierten, 30 700 Euro teuren Sonderserie bekommen zudem stilechte Bekleidung in Form von Jeans, Poloshirt, Turnschuhen sowie einer Uhr des deutschen Herstellers Sinn.

Die Stunde des MX-5 schlägt aber weniger beim öligen Straßencafé-Posing als beim Fahren. Pilotinnen und Piloten unter 1,85 Meter Größe finden den dazu passenden Arbeitsplatz vor, klassische Rundinstrumente in Höhlen und Öldruckanzeige für interessierte Maschinisten. Schnörkellos, sauber verarbeitet, einfach bedienbar: Der neue MX-5 liefert sympathischen Pragmatismus für Kenner.

Die öffnen ohne Umschweife das Stoffverdeck (siehe Spotlight), loben das Revival der tiefen Sitzposition, registrieren die verbesserte Heizung, strecken eine Hand zum griffigen Lederlenkrad, umfassen mit der anderen den kurzen Schaltknauf – und legen mit einem Zucken des Handgelenks den ersten Gang ein.

Jetzt noch die Simon-and-Garfunkel- Scheibe in den CD-Wechsler, und dann heißt es: Goodbye Alltag und „Hello Mrs. Robinson“. Aus sieben Lautsprechern und vollem Herzen. Der MX-5 weckt offen wie geschlossen den jungen Dustin Hoffman, gibt überzeugend die zeitgenössische Interpretation des Alfa Spider.

Unternehmungslustig vibrierend, aufmüpfig knurrend, selbst bei geschlossenem Dach sturmtosend, spielt er Fluchthelfer aus dem Alltag, gibt dem Weg zur Arbeit neuen Sinn. Alu-Block, ein variables Ansaugsystem, verstellbare Einlass-Steuerzeiten, verringerte Strömungswiderstände: Heraus springen 160 PS und kerniger Klang. Mazda verspricht 500 Hertz im mittleren Drehzahlbereich, der Zweiliter hält es mit sonorem Brummen und streng anschwellendem Röhren Richtung Drehzahlbegrenzer.

Dieser setzt erst bei 7100/min ein, da können die Gänge des wie gehabt kurz und herzhaft klackenden Sechsganggetriebes ruhig etwas länger drin bleiben.

Hilfestellung beim Kurvekratzen leistet die ausgeglichene Gewichtsverteilung von 53 zu 47 Prozent, für die der Motor 13,5 Zentimeter nach hinten und der 50-Liter-Tank Richtung Schwerpunkt rückte. Zudem baut der heckgetriebene Roadster auf der verkürzten Bodengruppe des Wankelmotor-Sportlers RX-8 inklusive Doppeldreiecks- Querlenkern vorn und Multilenker- Hinterachse auf.

Derart gerüstet liefert er beim Fahrdynamik- Test auf Anhieb eine ordentliche Leistung ab. Die aus der Mittellage etwas sperrig ansprechende, beim Einlenken dann leichtgängig, fast spitz agierende Lenkung verlangt dabei einen weichen Fahrstil. Als bremsend erweisen sich die spürbare Seitenneigung und das nachhaltig regelnde elektronische Stabilitätsprogramm (DSC).

Bei voller Zuladung steigt zudem die Lastwechselempfindlichkeit an, das Heck drängt noch etwas stärker, wird aber zuverlässig eingefangen. Unbeeindruckt standfest präsentiert sich die Bremsanlage. Selbst beim zehnten Stopp aus 100 km/h in Folge kommt der Mazda nach rund 38 Metern zum Stehen. Mögen die Karosseriebewegungen der Fahrdynamik auf abgesperrtem Terrain abträglich sein – im wahren Leben profitiert man von der bekömmlichen Abstimmung des Bilstein-Sportfahrwerks.

Ob abgelegene Landes- und Kreisstraßen oder zerfurchte Alpenpässe allerletzter Ordnung, der MX-5 rauscht darüber hinweg, bietet speziell auf langen Wellen geradezu wiegenden Komfort, kappt kurzen Unebenheiten die Spitzen, gibt dennoch ausreichend Rückmeldung. Einzig das Stabilitätsprogramm fährt wilden Reitern bisweilen in die Parade. So regelt die Elektronik noch Leistung weg, wenn die nächste Gerade bereits erreicht ist. Nervig für Könner, sinnvoll bei unsicheren Kandidaten und rutschiger Piste.

Zwei Komponenten, die – unglücklich verkettet – frühere MX-5-Generationen und deren Treiber bisweilen zerknautscht zurückließen. Damit dürfte Schluss sein, Nummer drei bietet neben DSC nunmehr Überrollbügel sowie Front- und Seitenairbags serienmäßig. Dank gerundeter Frontpartie und nachgiebiger Alu-Motorhaube verhält sich der MX-5 nun sogar beim Fußgänger- Crash zuvorkommend.

Fahrdynamisch kann er, speziell bei deaktivierter Elektronik, aber dennoch kräftig zuschnappen. Vom mitlenkenden Heck-Zucken über schwungvolle Herrenfahrer- Schwenks bis zum Challengetauglichen Drift reicht das Repertoire – ganz nach Gusto. Herrenfahrer dürften die neu gewonnene Bewegungsfreiheit im Cockpit einerseits schätzen, andererseits verfluchen, denn mit der intim-kuscheligen Enge ist es vorbei.

Höchstens beim Hantieren mit der Handbremse kann man unauffällig Tuchfühlung mit dem Knie der Beifahrerin aufnehmen. Umso aufdringlicher drücken die unsinnigen Cupholder in den Türverkleidungen gegen Halt suchende Oberschenkel. Aber irgendetwas muss ja für die nächste Generation auch noch zu tun bleiben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –akzeptables Platzangebot –solide Verarbeitung –authentisches Frischlufterlebnis
  • –kleiner Kofferraum
Fahrkomfort
  • –guter Federungskomfort –bequeme Sportsitze –einfache Verdeckbetätigung
  • –hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –ordentliche Drehfreude –knackig-exakte Schaltung –kerniger Klang
  • –leichte Motorvibrationen
Fahreigenschaften
  • –agiles Handling –neutrales Kurvenverhalten –gute Traktion
  • –etwas inhomogene Lenkung
Sicherheit
  • –kräftige Bremsen –gute Sicherheitsvorsorge mit ESP und Seitenairbags –Xenonlicht serienmäßig
Umwelt
  • –angemessener Verbrauch
Kosten
  • –umfangreiche Ausstattung –drei Jahre Garantie

Fazit

Mazda hat an den richtigen Stellen angesetzt: Der MX-5 bietet offen wie geschlossen unverfälschtes Fahrerlebnis verbunden mit Komfort und zeitgemäßer Sicherheit zum korrekten Preis.

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Technische Daten
Mazda MX-5 2.0 MZR 3rd Generation
Grundpreis 30.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3995 x 1720 x 1245 mm
KofferraumvolumenVDA 150 l
Hubraum / Motor 1999 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 118 kW / 160 PS bei 6700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
0-100 km/h 8,1 s
Verbrauch 8,2 l/100 km
Testverbrauch 9,6 l/100 km
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