Mazda MX-5 gegen Mini Cabrio

Frisch auf

Foto: Rossen Gargolov 30 Bilder

Klein, kräftig und nach oben offen: Der neue Mazda MX-5 und das bewährte Mini Cooper S Cabrio laden ein zu einem erfrischenden Wettstreit. Wer von beiden besser ist, zeigt der Doppeltest.

Null Bock auf Catchen oder Sumo- Ringen? Keine Lust auf Schwergewichte wie Mike Tyson und Evander Holyfield? Lieber leicht und beweglich wie ein Florettfechter sein und eine scharfe Klinge führen? Dann sind diese beiden sportlichen Cabrios genau das Richtige, denn neben Kraft und Technik bringen sie auch eine beflügelnde Agilität und Dynamik mit. Ganz so leicht wie ihre Vorgänger sind sie allerdings nicht mehr, mit seinem Kampfgewicht von 1320 Kilogramm hat besonders das Mini Cooper S Cabrio viele Pfunde auf den Rippen.

Auch der neue Mazda MX-5 bringt als 3rd Generation genanntes Sondermodell 1143 Kilogramm auf die Waage, bietet dafür aber frei Haus Sechsganggetriebe, Stoffdach, Ledersitze, Klimaautomatik, Xenon-Licht, Soundsystem, Sportfahrwerk und 17-Zoll-Räder. ESP ist ohnehin Serie. Ganz anders beim Mini. Sein Basispreis liegt zwar gut 6000 Euro unter dem des Mazda, reicht jedoch bei vergleichbarer Ausstattung nahe an dessen Komplettpreis heran. Selbst ESP muss extra bezahlt werden – eine fragwürdige Aufpreispolitik der BMWTochtermarke. Teuer und edel gemacht wirkt das Mini Cabrio deswegen nicht. Die im Interieur verwendeten Kunststoffe sind nicht sonderlich gut verarbeitet.

Neben der Optik verhindert aber vor allem die Akustik einen hochwertigen Eindruck, denn die Karosserie verwindet sich hörbar. Die Mini-Hintergrundmusik gleicht so einem Knisterkonzert. Im Mazda dagegen knarzt nichts, er vermittelt die Solidität einer Eisenbahnschiene. Ganz klar, der Mini hat mehr Platz. Er ist zwar nur solange ein Viersitzer, wie die Fondpassagiere nicht älter als vier Jahre sind oder auf die Namen Rex und Arco hören, aber als Zweisitzer ist sein Platzangebot schon fast verschwenderisch. Außerdem lässt sich die Rückbanklehne umlegen.

Da muss der MX-5 passen. Sein Kofferraum ist gegenüber dem Vormodell kaum gewachsen, und von Variabilität ist keine Spur zu entdecken. Gut nutzbare Ablagen gibt es ebensowenig. Zugegeben, diese Autos kauft man nicht zum Transportieren. Sie sollen fahren und dabei Spaß machen. Beim MX-5 geht es schon beim Einsteigen los, wobei groß Gewachsene das Auto anlegen wie einen Sportschuh.

Was kein Nachteil ist. Die Beine ruhen zwar in einem Schacht, aber man will ja nicht tanzen. Das soll das Auto machen. Doch erst muss das Dach auf. Entriegeln und nach hinten werfen, fertig. So einfach kann das sein. Das elektrische Mini-Verdeck bietet hier keinen Vorteil. Es kann losgehen.

Im Mazda sitzt man mit dem Hintern nur wenige Zentimeter über der Straße und ist dabei trotz Bilstein-Sportfahrwerk erstaunlich komfortabel unterwegs. Die Lenkung bietet ebenfalls kaum Anlass zur Kritik. Sie agiert zielgenau, spricht aus der Mittellage aber eine Spur zögerlich an – wir klagen auf hohem Niveau. Dass es besser geht, zeigt der Mini. Bei ihm stimmt das oft beschworene Bild vom Kart-Handling. Die Vorderräder und das Fahrer-Hirn scheinen unmittelbar miteinander verbunden, so zackig lenkt der Kleine ein. Für die Landstraße passt diese Abstimmung sehr gut, auf der Autobahn dagegen sorgt sie für Unruhe. So richtig geradeaus fährt man hier nicht. Die Fernstraßen sind ohnehin nicht das Revier des Cooper S. Denn dort fallen die Schwächen seines Sportfahrwerks besonders ins Gewicht. Ständig lässt ihn seine straffe Abstimmung wippen. Geschmeidig ansprechen mag die Federung auch nicht, Komfort ist kaum vorhanden. Lob gilt hingegen den Sound-Designern, denen ein Mini Cabrio mit niedrigen Windgeräuschen und angenehm kehligem Motorgeräusch gelungen ist.

Der Lader gibt dem Ganzen eine eigene Note, und im Schiebebetrieb sprotzelt es sogar frech aus den Endrohren. In dieser Disziplin kann der Mazda nicht mithalten. Sein Vierzylinder klingt beliebig, schlimmer sind jedoch die lauten Windgeräusche, die das Dach bei Geschwindigkeiten jenseits von 150 km/h produziert.

Lange Autobahnetappen werden regelrecht unangenehm. Also offen fahren, denn das kleine Windschott und die Seitenscheiben bieten eine Menge Schutz, der Sturm dringt nicht bis ins Cockpit. Im Mini Cabrio weht hingegen nur noch ein laues Lüftchen, wenn man das Schott entfaltet hat.

Es geht sogar weniger turbulent zu als in manchen Autos mit Schiebedach. So unterschiedlich wie die Dächer sind auch die Antriebe. Mazda baut den Motor längs und hinter der Vorderachse ein, um damit die Hinterräder anzutreiben. Mini wiederum schraubt das Kompressor-Aggregat quer über die Vorderachse und versorgt die Vorderräder mit Kraft. In beiden Fällen ist ein Sechsganggetriebe zwischengeschaltet, und Differenzialsperren verbessern den Vortrieb (beim Mini für 120 Euro Aufpreis). Leistungen von 160 respektive 170 PS klingen sehr respektabel für diese Klasse, übermotorisiert fühlt man sich dennoch nicht. Immerhin geht es munter voran – auch weil Getriebe-Abstufung und Motorcharakteristik bei beiden gut zusammenpassen.

Mehr Freude bereitet der Gangwechsel jedoch im Mazda, weil er kurze Schaltwege und eine klare Führung bietet. Der lange Mini-Schalthebel mit dem klobigen Knauf muss wesentlich bewusster bewegt werden. Zudem braucht der Brite im Schnitt fast zwei Liter pro 100 Kilometer mehr als der MX-5. Beim Bremsenkapitel hat dann wieder der Mini die Nase vorn, besonders auf unterschiedlich griffigem Grund (μ-split-Bremsung). Er bleibt ruhig und leicht beherrschbar, während der Mazda per Lenkrad an der kurzen Leine gehalten werden muss. Diesen Wesenszug hat er mit vielen anderen Sportwagen gemein, der MX-5 ist das handliche, etwas unpraktische Spaßmobil geblieben.

Der Mini dagegen kann selbst als Cooper S Cabrio seine Kleinwagen-Gene nicht verbergen. Für einen Sieg über den MX-5 reicht es deshalb nicht.

Fazit

1. Mazda MX-5 3dr. Generation
458 Punkte

So viel Spaß wie mit dem MX-5 hat man mit ganz wenigen Autos. Dabei überrascht der gute Restkomfort ebenso wie der hohe Einstandspreis des Sondermodells. Dafür gibt es eine umfangreiche Ausstattung.

2. Mini Cooper S Cabrio
442 Punkte

Viel Platz, Cabrio-Verdeck und Kleinwagen-Abmessungen machen den Mini einzigartig. Schlechter Komfort, magere Ausstattung und unzeitgemäß hoher Verbrauch kosten aber viele Punkte.

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Technische Daten
Mini Cabrio Cooper S Mazda MX-5 2.0 MZR 3rd Generation
Grundpreis 25.300 € 30.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3655 x 1688 x 1415 mm 3995 x 1720 x 1245 mm
KofferraumvolumenVDA 165 bis 605 l 150 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1999 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6000 U/min 118 kW / 160 PS bei 6700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h 210 km/h
0-100 km/h 7,3 s 7,4 s
Verbrauch 8,3 l/100 km 8,2 l/100 km
Testverbrauch 12,0 l/100 km 10,1 l/100 km
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