Mazda MX-5 und Mini Cabrio im Vergleichstest

Preisgünstiges Frischluftvergnügen

Mini Cooper Cabrio, Mazda MX-5 1.8, beide Fahrzeuge, Wiese, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 30 Bilder

Mazda MX-5 und Mini Cooper Cabrio sind anders als andere Cabrios: Sie eignen sich nicht um verträumt durch die Lande zu streifen und Frühlingsluft zu schnuppern. Im Vergleich die rund 120 PS starken Benziner-Varianten.

Schwupp, weg isses. Viel schneller als sich an einer dieser neumodischen Abenteuerhosen die langen Beine abtrennen oder die Regenjacke abstreifen ließe, verschwindet das Verdeck des Mazda MX-5 durch eine lässige Handbewegung hinter den Sitzen.

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Vergleichstest Mazda MX-5 1.8 und Mini Cooper Cabrio Hart aber Air
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Natürlich reicht dem Mini Cooper Cabrio dazu ein simpler Knopfdruck, denn die überschaubare Liste der Serienausstattung umfasst ein elektrisch betätigtes Verdeck mit einer praktischen Schiebedach-Funktion. Doch im Vergleich zum Mazda MX-5 kommt einem die 15 Sekunden dauernde Entblätterungs-Prozedur so unendlich lang wie die Jahreshauptversammlung des Schützenvereins vor, untermalt von einer Geräuschkulisse, die an einen altersschwachen Paletten-Hubwagen erinnert.

Belebende Frischluftzufuhr statt Romatik

In jedem Fall verordnen Mazda MX-5 und Mini Cooper Cabrio ihren Insassen eine ungefilterte Frischlufttherapie, da weder riesige Windschutzscheiben noch irgendwelche Bügelkonstruktionen den Fahrtwind an ihnen vorbeischleusen. Jetzt noch das Windschott hochklappen und bei einer gemütlichen Landpartie den Morgentau von den Wiesen sammeln – könnten Außenstehende vermuten.

Aber Mini Cooper Cabrio und Mazda MX-5 sind nicht unbedingt für Romantiker konzipiert, was speziell der 4,02 Meter lange Mazda MX-5 bereits beim Einstieg unmissverständlich klar macht. Der Sitz bremst den freien Fall des Fahrers erst kurz über dem Asphalt, und für den perfekten Seitenhalt sorgen Getriebetunnel und Tür. Das mit sparsamen Kunststoffen gleichsam karg wie sehr solide möblierte Cockpit des Mazda MX-5 präsentiert stolz fünf schlichte Rundinstrumente, die unter anderem sogar über den Öldruck informieren. Auch die wenigen Funktionen des Infotainment-Systems wurden mit einer Art 22-Punkt-Schrift, Typ Arial gekennzeichnet, deren Eindeutigkeit nur noch von Notausgangsschildern übertroffen wird.

Als wichtigste Bedienelemente des Roadsters Mazda MX-5 gelten ohnehin der putzige Schalthebel sowie das hübsche Dreispeichenlenkrad. Ein klassischer Zündschlüssel startet den nahezu quadratisch ausgelegten 1,8-Liter-Vierzylinder. Gleichmütig brummt er im Leerlauf vor sich hin und verändert auch bei hohen Drehzahlen seinen drögen Klang kaum – ein braves Triebwerk eben, dessen Arbeitstakt zwei Nockenwellen und über Tassenstößel betätigte Ventile vorgeben.

Leichrtfüßiges Fünfganggetriebe im Mazda MX-5

Ein zäher Hund also? Keinesfalls. Gierig schnappt er nach dem Gasfuß, startet bei 4.000 Umdrehungen nochmals durch, um bis über 6.500/min nicht locker zu lassen. Und jetzt kommt das Beste am Mazda MX-5: der Gangwechsel. Wer sich einmal mit der spielerischen Leichtigkeit durch die Gassen des Fünfganggetriebes geschnippt hat, hinterfragt ernsthaft die Daseinsberechtigung von Doppelkupplungsgetrieben. Schaltwege im Millimeter-Bereich, die Präzision eines Dart-Weltmeisters – besser geht es nicht. Zugegeben, ein sechster Gang könnte den Verbrauch von 8,8 L/100 km noch etwas drücken, aber die Freude am manuellen Gangwechsel sollte auch Käufern kommender Mazda MX-5-Generationen erhalten bleiben.

Gleiches gilt für den Heckantrieb, der allerdings lediglich subjektive Vorteile bietet: Er hält zwar Antriebseinflüsse von der wunderbar direkten Lenkung fern und sorgt für prickelnde Heckschwenks, verschafft damit jedoch auch häufig dem rigide eingreifenden ESP Überstunden – was dem Mazda MX-5 bei den Fahrdynamik-Übungen den Wind aus den Segeln nimmt. Darüber hinaus wankt die steife Karosserie ausgeprägt, was auf zu schwach dimensionierte Stabilisatoren schließen lässt.

Erstaunlicher Federungskomfort im Mazda MX-5

Dafür entschädigt der Mazda MX-5 mit einem erstaunlich guten Federungskomfort – eine Eigenschaft, die beim Mini Cooper Cabrio selbst in der Aufpreisliste von der Länge eines griechischen Dramas nicht zu finden ist. Stattdessen stehen dort 17-Zoll-Räder, die sich nicht besonders positiv auf den Abrollkomfort auswirken. Dafür glänzt das Mini Cooper Cabrio nach wie vor mit einer für einen Fronttriebler unerhörten Querdynamik. Dazu trägt die im Gegensatz zum Mazda MX-5 elektrisch ausgelegte Servolenkung des Mini Cooper Cabrio ihren Teil bei, denn sie bietet eine hohe Exaktheit und gute Rückmeldung. Zudem lassen sich Lenkrad und Sitz optimal zueinander positionieren, was Mini-Freunden eine ideale Arbeitsatmosphäre beschert.

Wer jedoch das Mini Cooper Cabrio nicht als nettes Mode-Accessoire, sondern einfach nur als fahrdynamischen Kleinwagen betrachtet, der muss sich einfach über die Cockpitgestaltung ärgern, gegen die selbst Disneyland wie ein Bauhaus-Produkt erscheint. Die obere Skala des Drehzahlmessers verschwindet hinter dem Lenkradkranz, und der riesige Tacho lässt sich so gut ablesen wie die Börsenkurse in der Tageszeitung. Wobei – wirklich Berauschendes gäbe es auf den Anzeigen nicht zu entdecken, denn das mit einer variablen Ventil- und Nockenwellensteuerung ausgerüstete sowie jüngst um zwei auf 122 PS erstarkte 1,6-Liter-Aggregat muss hart mit dem über 1,2 Tonnen schweren Mini Cooper Cabrio ringen. Beim Sprint von null auf 100 km/h bleibt das Mini Cooper Cabrio 1,6 Sekunden hinter dem Mazda MX-5 zurück und zeigt zudem ein deutlich verhalteneres Drehvermögen.

Mini Cooper Cabrio sparsamer im Verbrauch

Da hilft auch das gut abgestufte und exakt zu schaltende Sechsganggetriebe nicht, das dem Mini Cooper Cabrio mit 8,1 Liter/100 km immerhin einen günstigeren Verbrauch beschert. Günstig ist ansonsten nur der Einstiegspreis, der ein umfangreiches Sicherheitspaket sowie eine variable und geräumigere Karosserie beinhaltet. Doch nicht nur gegenüber dem zweisitzigen Mazda MX-5 bietet das Mini Cooper Cabrio mehr Platz. In ihm können nicht nur der Papierform nach vier Personen Cabrio- und Fahrspaß erleben, und bei unsicherer Wetterlage gestattet das gut gedämmte Stoffverdeck auch im geschlossenen Zustand angeregte Gespräche.

Im Mazda MX-5 funktioniert das nur, wenn für 1.600 Euro das elektrisch betätigte Hardtop mitbestellt wurde – übrigens die einzige Option des Sondermodells Kaminari. Zum Öffnen reicht dann allerdings kein einfaches „Schwupp“ mehr.

Fazit

1. Mini Cooper Cabrio
449 Punkte

Deutliche Vorteile bei der Sicherheitsausstattung und im Karosseriekapitel sichern dem fahrdynamisch begabten Mini Cooper Cabrio den knappen Sieg. Der Antrieb enttäuscht.

2. Mazda MX-5 1.8
446 Punkte

Einen besseren Roadster für weniger Geld kann niemand ernsthaft erwarten. Der vollausgestattete, aber enge Mazda MX-5 überrascht zudem mit einem ordentlichen Federungskomfort.

Technische Daten
Mini Cabrio Cooper Cooper Mazda MX-5 1.8 MZR Kaminari
Grundpreis 23.800 € 23.490 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3723 x 1683 x 1414 mm 4020 x 1720 x 1245 mm
KofferraumvolumenVDA 125 bis 660 l 150 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1798 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 6000 U/min 93 kW / 126 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 198 km/h 194 km/h
0-100 km/h 10,8 s 9,2 s
Verbrauch 5,7 l/100 km 7,1 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km 8,8 l/100 km
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