Mazda RX-8 1.3 im Test

Wankel der Zeit

Foto: Hans-Dieter Seufert

Die Japaner beweisen Wankel-Mut. Das viertürige Sportcoupé ist das einzige Serienauto mit Kreiskolbenmotor. 231 PS warten an der Exzenterwelle auf Freigang.

April 1964. Vor dem NSU-Kasino in Ne-ckarsulm wird staunenden Journalisten ein kleiner roter Sportwagen präsentiert, der auf dem Sportprinz basierende Wankel-Spider. Aus seinem Heck, wo der erste serienreife Motor mit einem kreisenden Kolben seiner Arbeit nachgeht, klingen merkwürdige Geräusche. Das Wankel-Abenteuer, das 1967 mit der Präsentation der großen Limousine NSU Ro 80 und ihrem Zweikammer-Motor mit 115 PS Leistung neuen Glanz erhält, hat begonnen. Vier Jahrzehnte später wissen auch die einstigen Wankel-Protagonisten: Es ist nichts geworden mit dieser vom Prinzip her so einleuchtenden Motor-Revolution. Der „Schüttelhuber“, wie der führerscheinlose Wankel-Erfinder Felix Wankel den Hubkolbenmotor verächtlich nennt, hat obsiegt. Nurein Großserienhersteller hat die einfache und doch so komplizierte Verbrennungsmaschine nach dem Wankel-Prinzip, die das umständliche Hin und Her des Kolbenmotors vermeidet, festgehalten. Seit den Tagendes Mazda Cosmo von 1969 entwickeln die Japaner das schwer abzudichtende Ding,dessen Dichtleisten viel zurasch verschleißen und das Zündkerzen aus der Hand frisst. So, wie das jüngste Kind von Mazda namens RX-8 auf der Straße steht, deutet optisch praktisch nichts auf das geheimnisvolle Wesen unter seinerMotorhaube. Nur wahre Kenner wissen von den zweimal654 Kubikzentimeter Kammervolumen, die da der optimalen Gewichtsverteilung wegen weit hinter der Vorderachse im Verborgenen kauern. Der Testwagen hat das stärkere der beiden lieferbaren Wankel-Aggregate mit einer Leistung von 231 PS bei 8200 Umdrehungen. Wer das kompakte Motörchen unter einem unschönen Gestrüpp von Leitungen und Zusatzaggregaten endlich tief in den Eingeweiden des Motorraums erblickt, ist beeindruckt. Denn die hohe Leistung stammt aus einem wahren Winzling, wenn man die Dimensionen eines vergleichbaren Kolbenmotors daneben hält. Was hat man davon? Zu-nächst einmal, wie vor vier Jahrzehnten, ein ganz anderes Geräusch. Nach dem Anspringen verfällt der Mazda-Wankel mit seiner optimierten Benzineinspritzung und dem auchakustisch nützlichen Seitenauslass in einen stabilen 900-Umdrehungen-Leerlauf. Noch macht der Ton wenig Musik. Doch das Brave in der Akustik, die trotz korrekter Viertakt-Abläufe immer noch ein wenig an den Zweitakter erinnert, ist nur vorübergehend.

Rasch durcheilen die beiden versetzt in der Trochoide kreisenden Kolben die 5.000-Touren-Marke, und aus dem anfänglichen Gesäusel wird kräftiges Sirren, unter voller Lasteinem ganzen Schwarm verärgerter Hornissen nicht unähnlich. Im Gegensatz zu den zahmen 6.500 Touren, die man dem NSU Ro 80 zumuten konnte, geht es nun fröhlich weiter: 7.000, 8.000, schrille neunfünf. Dann folgt ein Glockenton als Warnsignal noch vor dem Abregeln. Der Motor klingelt. Vom Drehzahlniveau her bewegt man sich in den Regionen eines BMW M3.Vom Motor-Vergnügen her liegt man zweifellos darunter, obwohl dem fast vibrationsfrei hochdrehenden Wankel-Motor keinesfalls ein gewisser Lustfaktor abgesprochen werden kann. Hinzu kommt Schaltvergnügen. Die sechs Gänge lasssen sich exakt einlegen, und ihre Betätigung zeigt jene Knackigkeit, die Sportwagenfahrer zu schätzen wissen. Die alte prinzipielle Schwäche des Wankel-Motors, sein schlechtes Durchzugsvermögen, ist im RX-8 zumindest gemildert. Viel Kraft steht bei niedrigen Drehzahlen aber immer noch nicht zur Verfügung, die Drehkolben wollen jubeln, ab 7000 Touren setzt noch so etwas wie ein zweiter Wind ein. Von den Messwerten her zeigt der jüngste Wankel ohnehin echtes Sportwagenformat. Von null auf 100 km/h in nur 6,4 Sekunden, null auf 160 in 16,1 Sekunden – das beweist Rasse. Die Drehfreudigkeit des Triebwerks macht Freude, ebenso die Abwesenheit von störenden Vibrationen. Besser als gute Sechszylinder istder Zweikammer-Motor freilich nicht – die Trauben, mit denen sich Felix Wankels Erfindung messen muss, hängen höher als einst. Das gilt auch für die Bewertung des Benzinverbrauchs, von Anfang an ein Kritikpunktdes pleuelstangenlosen Motors. Die prinzipiell schlechte Brennraumform macht ihn durstig. Bereits der Minimalverbrauchdes Testwagens liegt bei über neun Liter pro 100 Kilometer, der Testverbrauch erreicht 15,5 Liter, es kann aber auch noch mehr werden. Damit muss man leben, ebenso wie mit einem ungewöhnlichen Türkonzept. Offiziell ist der RX-8 ein 2+2-Sportwagen, bietet also hinter denbequemen und gut profilierten Frontsitzen zwei weitere, sehr tief liegende Plätze. Die Besonderheit besteht im Zugang, nämlich durch die nach außen wegklappbare B-Säule. Die Türen sind hinten angeschlagen und können nur nach dem Öffnen der Fronttüren betätigt werden, was manchen Fondpassagier zusammen mit der tiefen Sitzposition beklemmen könnte. Das Mitfahren hinten ist also nichts für Klaustrophobiker, der beste Platz ist eindeutig hinter dem Lenkrad.

Von hier lässt sich auch per Knopfdruck Zugang zu dem zwar zerklüfteten, aber mit 290 Liter Volumen groß geratenen Kofferraum schaffen. Die Position ist bester Sportwagenstil, der Drehzahlmesser liegt genau im Blickfeld, Schalter und Hebel geben keine Rätsel auf. Ungewohnt allein die Tempo-Anzeige mit digitalen Ziffern – hier wäre die ruhige, altmodische Tachonadel zweifellos eine Verbesserung. Die Lenkung arbeitet elektrisch unterstützt und zeigt eine leichte Ungenauigkeit um die Mittellage. Dieser kleine Mangel ändert nichts an der herausragenden Agilität des RX-8, der sich fahrdynamisch nicht hinter den besten Sportwagen dieser Welt verstecken muss. Natürlich schafft er das mit Hinterradantrieb, und natürlich muss man auf nasser Bahn in engen Kurven trotz serienmäßigem ESP den Schwung der kreisenden Kolben mit Gefühl einsetzen. Entschädigt wird man auf trockener Piste mit atemberaubenden Querbeschleunigungen in Kurven und bester Kontrollierbarkeit. Hervorragend auch das Ansprechen in engen Wechselkurven, sehr überzeugend ebenfalls die Bremsanlage. Mazda hat es im Bemühen, einen wirklichen Sportwagen zu bauen, nicht mit der Zähmung des Wankel-Motors belassen. Da passt es ins Bild, dass auch der Federungskomfort nicht enttäuscht. Es gibt zwar die sportwagentypische Steifheit bei kleinen Unebenheiten, aber wahre Härten fehlen, speziell bei schneller Autobahnfahrt. Hier trägt der leise Motor zusammen mit den geringen Windgeräuschen zu einem befriedigenden Komfortbild bei. Mazda befindet selbst, dass dieses Auto „jenseits der Alltäglichkeit“ liege. Gemeint ist der Motor, ein Antrieb, der die Automobilindustrie einst revolutionieren sollte und dessen exotische Seltenheit heute für Exklusivität sorgt. In einer Auto-Welt der Nischen ist auch Platz für die Erfindung des Felix Wankel. Ohne Mazda wäre sie schon im Museum.

Fazit

Mit dem neuen RX-8 hat Mazda bewiesen, dass man auch mit einem Wankel-Motor einen echten Sportwagen bauen kann. Sehr gute Fahrleistungen, befriedigender Komfort und bestes Handling weisen den Weg. Der Verbrauch ist hoch.

Technische Daten
Mazda RX-8 1.3 Revolution
Grundpreis 36.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1770 x 1340 mm
KofferraumvolumenVDA 290 l
Hubraum / Motor 1308 cm³ / 2-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 8200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
0-100 km/h 6,4 s
Verbrauch 11,2 l/100 km
Testverbrauch 15,5 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Mobile Menschen im Hymercar 323 Von der Auszeit zum Vanlife Zwei Vollzeit-Nomaden im Camper Hartnäckiger Schmutz Moos, Regenstreifen, Harz Tipps für hartnäckige Fälle
CARAVANING Tabbert Vivaldi 550 E Tabbert Vivaldi im Supertest Neues, modernes Design für 2019 Bleder Insel Caravan-Tour Slowenien Schöne Städte und Landschaften