Mercedes 320 CDI, mal als ML-, E und R-Klasse

Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

In der 50.000-Euro-Klasse bietet Mercedes drei langstreckentaugliche Lösungen für den gehobenen Transport-Bedarf: E-Klasse, R-Klasse und ML, alle mit dem Dreiliter-Diesel 320 CDI erhältlich. Welcher Raum-Gleiter meistert seine Aufgabe am souveränsten?

Ob sie die Masse beeindruckt? Das ungewöhnliche Design? Oder die Scheiben-Tönung? Jedenfalls nicken die beiden Viva-Kids anerkennend, umkreisen die Mercedes R-Klasse.

„Cooles Auto“, urteilt der eine, gekleidet wie der US-Rapper Eminem. „Macht was her“, kommentiert der andere, offenbar geprägt von Musik- Videos mit dicken Karossen. Wird der Markt ähnlich positiv reagieren? Schließlich bietet Mercedes bereits Transporter für gehobene Ansprüche an: den In-Geländewagen ML. Und das Kombi-Urmeter E-Klasse TModell, mit Allradantrieb sogar fürs Bergland gerüstet. Beide vor allem als 320 CDI mit dem Dreiliter-Common- Rail-Diesel (224 PS) beliebte Raum- Wagen in der 50 000 Euro-Klasse.

Das E-Klasse T-Modell repräsentiert den grauen Zweireiher unter den Kombis. Praktisch, geräumig und solide. Vor allem in der Ausstattungslinie Elegance (1868 Euro) mit Holz-Einlagen und verchromten Bedienelementen fährt man überall gut gekleidet vor – außer in Szene-Vierteln. Hier flaniert längst der ML. In der zweiten Generation leugnet er seine Geländewagen-Herkunft fast völlig; kiesgrubentauglich ist er erst mit dem Offroad-Paket (1914 Euro). Die M-Klasse schlüpft vielmehr in die Rolle des Edel-Vans für Statusbewusste. Diese wählen sie weniger aus Platz- als aus Prestige-Gründen: Der SUV ist hip, aber nur bedingt großfamiliengeeignet. Bei der Raumausstattung ist der ML sogar weniger trendy als das T-Modell: zwei Vordersitze plus geteilt umklappbare Rückbank – klassisch wie die Drei-zwei-eins-Ledergarnitur im Eltern-Wohnzimmer.

Den E-Klasse-Kombi bietet Mercedes immerhin als Siebensitzer an: mit zwei zusätzlichen Notsitzen im Kofferraum, umgekehrt zur Fahrtrichtung montiert und im Ladeboden versenkbar (916 Euro). Wirklich in Frage stellt allerdings erst die R-Klasse traditionelle Sitzordnungen. Das Konzept im R: kein Kardantunnel, der den Fußraum hinten einschränkt, zwei zusammenklappbare, frei stehende Polstermöbel in der Mitte sowie zwei Einzelsitze hinten, die sich mittels genialem Mechanismus im Ladeboden versenken lassen – das ergibt Platz für sechs Fahrgäste. Nachteil dieser Lösung: Die mittleren, Executive Chairs genannten Sessel sind zu tief montiert, zwingen Erwachsene in eine Kauer-Haltung, die hinteren Sitze sind ausschließlich für Kinder langstreckentauglich. First-Class- Ambiente offeriert die R-Klasse nur in der ersten Reihe. Hier thront man zwar ungewohnt hoch, aber sehr bequem. Andererseits bietet der R das, wovon viele Eltern träumen: zwei Sprösslinge und ein bis zwei Nachbarskinder unterzubringen, ohne Gerangel und Revierkämpfe – oder eingeklemmte Finger beim Versuch, drei Kindersitze auf einer Rückbank zu montieren.

Sechs Personen können allerdings maximal zu einem Tagestrip aufbrechen: 244 Liter Kofferraum reichen kaum fürs Familiengepäck; erst wenn einer der hinteren Sitze flach gelegt wird, entstehen rund 700 Liter. Damit erreicht der R das Transport-Niveau der E-Klasse. Immerhin dürfen in der R-Klasse 610 statt 481 Kilogramm zugeladen werden (ML: 503 Kilogramm). Als Auto fürs Grobe punktet dagegen der ML. Zum Beladen reißt er seine Heckklappe am weitesten auf: Bis zu 79 Zentimeter hohes Speditionsgut passt durch die Luke. Und auch als Zugmaschine profiliert sich der Edel- Geländewagen: 3500 Kilogramm Anhängelast sind für Pferdenarren ein gewichtiges Argument.

Sonst hat der ML mit dem, was man landläufig unter einem Offroader versteht, nur Allradantrieb und Auftritt gemeinsam. Mercedes verschaffte ihm mit der zwischen Komfort und Sport umschaltbaren Luftfederung (1856 Euro) nicht den Charakter eines Arbeitstieres, sondern einer Limousine – gute Reisetauglichkeit und ordentliches Handling eingeschlossen. Mehr noch als die R-Klasse bremst den ML allerdings sein stämmiger Körperbau im Vorwärtsdrang.

Der R hinterlässt den Eindruck, dass Masse federt. Ähnlich wie das T-Modell, das mit Luftfederung (1148 Euro) antritt, ist der R ein Souverän vom Schlage einer Oberklasse-Limousine; amerikanisch-wiegender Langstreckenkomfort ohne Kurven-Torkeln – ein erstaunlich manövrierfähiges Dickschiff. Vor allem die leichtgängige, wenngleich indirekte Lenkung kaschiert viel Gewicht. Nur in der Stadt fühlt sich der Kapitän auf der Kommandobrücke seines Fünf-Meter-Dampfers unsicher; das Fahrwerk poltert hier, das vordere Rumpf-Ende liegt im Ungewissen. Ohne Einparkhilfe (777 Euro) drohen beim Anlanden Lackschäden.

Im direkten Vergleich schrumpft der Riesenkombi E-Klasse zum Kompakten, lässt sich traumwandlerisch dirigieren. Ohnehin vermittelt er den Eindruck eines alten Bekannten – im Falle des Testwagens in Würde ergraut: Der Innenraum wirkt solide, die Gestaltung des aschfarbenen Armaturenbretts jedoch altbacken. Kauftipp: Die Kombination aus schwarzem Kunststoff und beigem Leder hinterlässt einen moderneren und edleren Eindruck.

Ohnehin verliert das T-Modell als Statussymbol gegenüber dem ML langsam, aber sicher an Glanz. Zumal der Neo-Geländewagen Prestige-Gläubigen sogar rationale Kaufgründe liefert: Den Luxus-Aufschlag an der Tankstelle und bei den Versicherungsprämien egalisiert der ML 320 CDI durch seinen niedrigeren Grundpreis und die guten Wiederverkaufschancen. Dafür beruhigt nur die E-Klasse das Umwelt- Gewissen. Der Leichteste im Test stößt die saubersten Abgase aus (siehe Spotlight) – und das, obwohl dem E 320 CDI T 4matic derzeit noch die moderne Siebengang-Automatik verwehrt bleibt, die mit ihrer deutlich breiteren Spreizung sowohl ML als auch R zu erstaunlich günstigen Minimalverbräuchen verhilft. Wer in der E-Klasse dagegen auf Allradantrieb verzichtet, spart nicht nur 2320 Euro, sondern erhält gleichzeitig das wirtschaftlicher und noch unauffälliger arbeitende neue Getriebe.

 Selbst mit dem alten Fünfgang- Wandlerautomat positioniert sich der E-Klasse Kombi im Vergleich zu seinen hausinternen Konkurrenten als Allround-Transporter. Dennoch ist der klassische Multifunktions-Mercedes nicht für jeden die beste Wahl. Gerade kinderreiche Familien finden in der R-Klasse als deutsche Interpretation eines amerikanischen Prestige- Kombis die passende Lösung.

Wem der Platz immer noch nicht reicht, der wählt die um 235 Millimeter gestrecktere Langversion (1740 Euro). Und der ML als Verlierer des Tests? Der repräsentiert den Grund, weshalb auch heute noch viele nach den Mercedes- Sternen greifen: Ansehen.

Fazit

1. Mercedes E 320 CDI T
532 Punkte

Multifunktional, bis zu sieben Sitze, dabei unproblematisch in der Handhabung – der klassische Kombi gewinnt mit der Abgeklärtheit eines mehrfachen Titelverteidigers.

2. Mercedes R 320 CDI
512 Punkte

Der neue Großraum-Wagen hat das variabelste Sitzkonzept, ist aber deutlich behäbiger als die E-Klasse, was sich bis ins Umweltkapitel negativ niederschlägt.

3. Mercedes ML 320 CDI
508 Punkte

Der Geländewagen, der Hochdach-Kombi spielt, kommt bei Komfort und Handling nicht ganz an die Limousinen heran. Zusätzlich wirft ihn der hohe Verbrauch zurück.

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Technische Daten
Mercedes ML 320 CDI Mercedes E 320 CDI T 4-MATIC Elegance Mercedes R 320 CDI
Grundpreis 53.550 € 54.247 € 53.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4780 x 1911 x 1779 mm 4850 x 1822 x 1499 mm 4922 x 1922 x 1659 mm
KofferraumvolumenVDA 551 bis 2010 l 690 bis 1950 l 244 bis 1950 l
Hubraum / Motor 2987 cm³ / 6-Zylinder 2987 cm³ / 6-Zylinder 2987 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h 236 km/h 222 km/h
0-100 km/h 9,6 s 8,4 s 9,3 s
Verbrauch 9,4 l/100 km 8,3 l/100 km 9,3 l/100 km
Testverbrauch 12,4 l/100 km 11,1 l/100 km 10,7 l/100 km
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