Mercedes A 200 und VW Golf 1.5 TSI im Test

Wie nah kommt die A-Klasse dem Phänomen Golf?

Mercedes A 200, VW Golf 1.5 TSI, Exterieur Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

Es gibt viele Möglichkeiten, sich dem Phänomen Golf anzunähern, Mercedes versucht es mit Dynamik in Design und Fahreigenschaften. Wie nah kommt die A-Klasse so dem Wolfsburger Bestseller?

Womöglich verdeutlichen ein paar Zahlen den Sachverhalt besser als viele Worte: 228.227 zu 29.257. Das sind die Neuzulassungen für Golf und A-Klasse für das Gesamtjahr 2017. Was nun nicht heißt, dass die A-Klasse ein Flop ist, denn kaum ein Golf-Konkurrent kommt auf nennenswert bessere Zahlen.

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Mercedes A 200, VW Golf 1.5 TSI, Exterieur
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Mercedes A 200, VW Golf 1.5 TSI, Exterieur Foto: Rossen Gargolov
In puncto Verkaufszahlen liegt die A-Klasse deutlich hinter dem Golf. Der Mercedes hat mehr Radstand und mehr Länge. Dennoch ist der A 200 nur außen das größere Fahrzeug.

So ist eine Spur noblen Understatements dabei, wenn der Golf in herbstlaubgoldenem Kurkumagelb zum Test anreist, das Gold gebührt nun mal der Nummer eins. Dagegen nimmt sich das Cavansitblau des A 200 etwas bescheiden aus, im Übrigen benannt nach einem leuchtend blauen Mineral. Aufpreis kosten natürlich beide Farben: 702 Euro beim Mercedes, 715 sind es im Falle des VW. Und da wir schon bei Zahlen und beim Geld sind: Der VW ist – nicht ganz überraschend – das preiswertere Auto in diesem Vergleich.

Mit dem 150 PS starken 1.5 TSI kostet er mindestens 24.350 Euro, als Highline nochmals 1.725 Euro mehr. Dabei sei die nobelste Ausstattungsvariante hier warm empfohlen, weil der Golf dann bereits LED-Scheinwerfer, Sportsitze vorn mit Lordosenstütze, Leder-Multifunktionslenkrad, Front Assist mit City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, Einparkhilfe und Klimaautomatik mitbringt, um nur einige Annehmlichkeiten zu nennen.

Beim Mercedes ist schon der Einstandspreis höher, und zu den geforderten 28.905 Euro kommen im Falle des Testwagens 952 Euro für die Style-Linie dazu, die nicht viel mehr als 16-Zoll-Alus umfasst. Ja, Sie haben richtig gelesen, serienmäßig ist der A 200 mit 16-Zoll-Stahlrädern ausstaffiert, und die schmaler motorisierten A-Klassen müssen sogar mit 15-Zoll-Rädern und 195er-Pneus auskommen.

Der Testwagen verfügt allerdings über 17-Zöller (ab 785 Euro) und DCT (2.094 Euro), was den Punkteunterschied zum preiswerteren Golf erklärt. Doch das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kostet ja nicht nur Geld, es erleichtert den Umgang im Alltag natürlich enorm. Im A 200 gefällt es durch schnelle, unaufgeregte Gangwechsel, und außer dem spillerigen Wählhebel an der Lenksäule ist der Kraftübertragung nichts vorzuwerfen, doch damit muss man ja bei fast allen Modellen der Marke leben.

Kultivierter Golf

Im VW ist der Schalthebel des manuellen Sechsganggetriebes jedenfalls praxisgerechter montiert, und er ist so exakt und fix bedienbar, dass kaum der Wunsch nach dem DSG für 2.000 Euro aufkommt. Auch sonst überzeugt der neue Vierzylinder mit feinen Manieren, läuft geschmeidig, schäumt allerdings nicht gerade über vor Temperament. Obwohl der Golf mehr als anderthalb Zentner leichter ist als der A 200, beschleunigt er zudem verhaltener und reagiert nicht so feinfühlig auf Gaspedalbefehle. Das kann der ganze sechs PS kräftigere Mercedes etwas besser, wobei ihm auch das schnelle Doppelkupplungsgetriebe zugutekommt.

VW Golf 1.5 TSI, Interieur Foto: Rossen Gargolov
Für die Passagiere im Fond ist der VW Golf das bessere und bequemere Fahrzeug.

Was der Benz nicht kann: sparsamer sein als der VW. Im Testmittel fließen beim A 200 genau 0,7 Liter mehr durch als beim mit Zylindeabschaltung ausgerüsteten Golf 1.5 TSI – ein etwas größerer Unterschied, als es die Differenz zwischen den Normverbräuchen (0,4 Liter zugunsten des VW) erwarten lässt. Immerhin entspricht der Zuschlag bei einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 km pro Jahr einem Mehraufwand von rund 100 Euro – sicher nicht kaufentscheidend in der Klasse der 30.000-Euro-Kompakten. Zumal die A-Klasse stark auf jene Käufer zielt, denen sportliche Fahreigenschaften wichtiger sind als gediegener Raum- und Fahrkomfort. Daran ändert auch nichts, dass der Mercedes seit dem Facelift von 2015 mit Adaptivdämpfern (1.238 Euro) verfügbar ist. Doch selbst wenn der Fahrer über den Dynamic-Select-Schalter die komfortabelste Kennlinie anwählt, ist der Mercedes immer noch deutlich holperiger unterwegs als der VW.

Der rollt geschmeidiger ab und verdaut selbst gröbere Unebenheiten besser. Beim Golf steht das DCC-Fahrwerk im Übrigen für 1.045 Euro in der Preisliste und ist hier eher verzichtbar als in der strafferen A-Klasse. Schon weil die Sport-Direktlenkung mit dazugehört, lohnt sich das Ankreuzen der Fahrwerksoption. Denn sie agiert spontan und gefühlvoll, verhilft dem Kompakt-Mercedes zu sehr spontanem Einlenken und großer Gelassenheit bei Geradeausfahrt.

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Agiler Mercedes

Ähnlich gut abgestimmt zeigt sich allerdings die elektromechanische Lenkeinheit des VW, die ganz ohne variable Übersetzung auskommt, aber nur im R-Line-Sportpaket als Progressivlenkung ausgelegt ist. Obwohl der Golf bei schnellen Richtungswechseln eine Spur behäbiger wirkt, zeigt ein Blick auf die Messergebnisse, dass er die dynamischen Fahrübungen jeweils einen Hauch schneller absolviert als der A 200, womöglich weil sein ESP etwas später regelnd eingreift. So düst er unaufgeregter und neutraler durch Kurven, während beim Mercedes mitunter etwas künstliche Hektik aufkommt, bevor die Regelsysteme rigoros zupacken.

Leicht beherrschbar und unzickig sind indes beide Fronttriebler, beim Mercedes erinnert nur noch der Name der Baureihe daran, dass vor ziemlich genau 20 Jahren eine beim Elchtest umkippende A-Klasse erst für Aufregung und dann für die serienmäßige Einführung des ESP auf breiter Front sorgte.

Mercedes A 200, Interieur Foto: Rossen Gargolov
Der Monitor im Cockpit der A-Klasse wirkt draufgesteckt, die Position hingegen hat praktische Vorzüge.

Nicht geändert hat sich freilich, dass die A-Klasse wesentlich weniger Platz bietet als ein aktueller Golf. Wer häufiger Passagiere mitnimmt, ist dafür mit dem VW deutlich besser vorbereitet, denn er bietet neben dem Plus an Knie- und Kopffreiheit hinten auch den bequemeren Einstieg. Zudem versperren die ausladenden Mercedes-Frontsitze mit integrierten Kopfstützen die Sicht nach vorn.

Dass der VW das praktischere Auto mit dem besser nutzbaren und größeren Laderaum ist, dürfte ebenfalls nicht überraschen. In seiner Klasse zählt der A da zu den weniger Talentierten. Was die meisten Interessenten scheinbar ebenso nicht zu kümmern scheint: Im Vergleich zum Vorgänger W 169 sank die Sitzhöhe um über 20 Zentimeter von 660 auf 435 Millimeter. Das war nun der letzte Zahlenvergleich in diesem Test, den der Golf übrigens deutlich gewinnt. Denn so richtig nahe kommt ihm die A-Klasse nach Punkten doch nicht.

Fazit

1. VW Golf 1.5 TSI ACT Highline
456 Punkte

Das Facelift beschert dem Golf eine etwas komplexere Bedienung, doch das ändert nichts daran, dass er hier das insgesamt harmonischere und geräumigere Auto ist.

2. Mercedes A 200 Style
407 Punkte

Das knackige Fahrwerk und der muntere Motor reichen nicht, die A-Klasse verliert den Vergleich besonders aufgrund des knappen Raumangebots und der hohen Kosten.

Technische Daten
VW Golf 1.5 TSI ACT Highline Mercedes A 200 Style
Grundpreis 27.325 € 31.952 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4258 x 1790 x 1492 mm 4292 x 1780 x 1433 mm
KofferraumvolumenVDA 380 bis 1270 l 341 bis 1157 l
Hubraum / Motor 1498 cm³ / 4-Zylinder 1595 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 5000 U/min 115 kW / 156 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h 224 km/h
0-100 km/h 8,7 s 8,0 s
Verbrauch 5,0 l/100 km 5,4 l/100 km
Testverbrauch 7,2 l/100 km 7,9 l/100 km
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Neuester Kommentar

@930.engineering
Im Großen und Ganzen volle Zustimmung. Ich denke auch, dass hier ams lieber Kaufberatung betreiben und auf das deutlich günstigere aber nicht wirklich schlechtere, in der bedienung gar bessere Discover Media hinweisen sollte, anstatt auf den (berechtigten) Mängeln des überteuerten Discover pro rumzureiten.

Nur ein Punkt zum Finanzamt: Ich fahre selber einen Passat als Firmenwagen und habe dort übrigens auch "nur" das Discover Media, mit dem ich sehr zufrieden bin. Richtig ist sicherlich, dass für meinen Arbeitgeber es günstiger ist, mir einen Firmenwagen zur Verfügung zu stellen anstatt mir 12.000€ mehr Jahresgehalt zu bezahlen. Für mich bedeutet der Passat als Firmenwagen aber, dass ich jeden Monat 1.000€ geldwerten Vorteil als Einkommen versteuern muss (BLNP: 40.000€, 50km Arbeitsweg, 1%-Regelung plus 0,03% x Arbeitsweg-km = 2,5% von 40.000€)!

Ja, dafür habe ich einen maximal 3 Jahre alten Neuwagen und keine Nebenkosten, keine Reparaturkosten. Also kein Grund zu jammern, immerhin kann ich die 50km Arbeitsweg auch wieder steuerlich absetzen. Aber "umsonst" ist der Firmenwagen auch nicht, denn nicht nur, dass ich die 1.000€ monatlich versteuern muss (und zwar wie reguläres Einkommen, also incl. Kirchensteuer, RV, ALV, PV) erhöht sich dadurch natürlich auch mein Steuersatz.

Ein Firmenwagen ist eben kein Geschenk des Arbeitgebers sondern Teil des Gehalts (deswegen ist es ja auch OK, dass man ihn versteuern muss).

Justubus 22. Januar 2018, 08:34 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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