Mercedes B 200 CDI im Test

B-Reicherung

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Mit einem hochtrabend Compact Sports Tourer genanten Kompaktvan schließt Mercedes die Lücke zwischen A- und C-Klasse. Ist der neue Mercedes B 200 CDI eine echte Bereicherung oder nur eine verlängerte A-Klasse?

Schluss, aus, vorbei: Nach nur dreieinhalb Jahren und knapp 57.000 Exemplaren endet in diesem Sommer die Produktion des Mercedes Vaneo. Der Versuch, aus der ersten A-Klasse ein trendiges Familien- und Freizeitmobil à la Berlingo oder Kangoo zu machen, muss als gescheitert gelten. Üppiger Laderaum, praktische Schiebetüren sowie Platz für sieben hin oder her: Den einen war der hochformatige Rollcontainer zu teuer, den anderen zu nutzwertig, zu unkomfortabel und einfach zu wenig Mercedes. Grund genug, einen Mantel des Schweigens über den Vaneo zu breiten und die neue B-Klasse trotz ähnlicher Zielsetzung ganz anders zu positionieren. Ein Trendsetter soll sie sein, ein Auto mit „Erlebnis-Mehrwert in Design und Dynamik“, das die Vorteile verschiedener Konzepte vereint und deshalb in schönstem Neudeutsch als Compact Sports Tourer bezeichnet wird.

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Der Begriff Van kommt jedenfalls im Pressetext ebensowenig vor wie die kleinere A-Klasse, die – in zweiter Generation – wiederum als Ausgangsbasis dient. So einzigartig wie behauptet steht der Fronttriebler allerdings nicht auf weiter Flur. Von Format und Abmessungen her entspricht er etwa einem Renault Scénic oder VW Golf Plus, bietet also bei praktisch gleicher Breite und Höhe immerhin 43 Zentimeter mehr Länge und 21 Zentimeter mehr Radstand als der kleine Bruder. Natürlich kostet die B-Klasse auch mehr: Der Aufschlag gegenüber einem A-Viertürer beträgt 2.958 Euro (ausstattungsbereinigt 800 Euro weniger), im Vergleich zur Konkurrenz sogar bis zu 5.000 Euro. Da kommt die formale Nähe zur deutlich größeren, exklusiven R-Klasse durchaus gelegen, selbst wenn das Design nicht nur Zustimmung findet.

Ungeteilten Beifall gibt es hingegen für den bequemen Einstieg durch weit öffnende Türen sowie das lichte, großzügige Interieur. Wie in der A-Klasse schaffen der Platz sparend installierte Quermotor und der Sandwich-Boden ein beachtliches Raumangebot, aber zugleich eine zu flache Beinhaltung.

Obwohl man von hoher Warte auf das Geschehen blickt, sind die Karosserieenden nur zu erahnen. Abgesehen vom Vierspeichen- Lenkrad ist das Cockpit aus dem Baby- Benz bekannt, es wirkt funktional und sauber verarbeitet, ohne neue Qualitätsstandards zu setzen. Statt der üblichen Ausstattungslinien stehen ein Chrom- (Serie bei den stärksten Modellen) und ein Sportpaket mit Leder- und Aluzier zur Wahl, außerdem viele teure Optionen vom Lamellen-Schiebedach bis zum Navigationssystem.

Selbst seitliche Kopfairbags, Kindersitzerkennung und eine Längsverstellung des Lenkrads kosten Aufpreis, ebenso die herausnehmbaren Beifahrer- und Rücksitze für 290 Euro. Damit lässt sich das ohnehin üppige Stauvolumen von 544 bis 1645 Liter (A-Klasse: 435 bis 1370 Liter) nochmals erweitern, 2245 Liter und gut 2,5 Meter Länge sind es dann bis ganz vorne. Den zweistufig arretierbaren Ladeboden, der in der oberen Position auf dem Niveau der Heckkante abschließt, gibt es dagegen serienmäßig. Seine Verstellung funktioniert so leicht und problemlos wie das Umklappen der geteilten Fondbank, zumal die versenkbaren Kopfstützen dabei nicht stören.

Auch die fehlende Möglichkeit, die Rücksitze zu verschieben oder in der Neigung zu justieren, wird selten vermisst. Angesichts der entspannten Sitzposition und der opulenten Beinfreiheit haben die Hinterbänkler keinen Grund zum Klagen – nicht zuletzt, weil man auf eine dritte Reihe verzichtet hat.

Platz und Variabilität bietet der Viertürer also reichlich, nur die Zuladung fällt mit 412 Kilogramm selbst für einen Fünfsitzer etwas knapp aus. So musste das von der AKlasse bekannte Fahrwerk mit McPherson- Vorderachse und Parabel-Hinterachse wenigstens nicht unnötig hart abgestimmt werden, um Komfort und Fahrsicherheit zu erhalten.

Zudem bauen die adaptiven Stoßdämpfer erst bei schwerem Ballast oder verschärfter Gangart vollen Druck auf und stabilisieren den Wagen in Kurven.

Dadurch bleibt die Seitenneigung sehr gering, auch von kurz aufeinander folgen- den Querfugen wird die Karosserie kaum in unangenehmes Wanken oder Stuckern versetzt. Allerdings sind Stöße speziell bei hoher Zuladung trocken zu spüren, ohne den Insassen auf den Magen zu schlagen.

Insgesamt wirkt die Federung mit der Serienabstimmung, aber 17-Zoll-Optionsbereifung kommod und verbindlich, Abroll- und Fahrwerksgeräusche halten sich akustisch ebenso zurück wie der Fahrtwind. Trotz ihrer kopflastigen Gewichtsverteilung (60,6 Prozent auf der Vorderachse) lässt sich die B-Klasse recht agil und handlich bewegen. Selbst bei flotter Kurvenfahrt tritt ihr natürlicher Drang zum Untersteuern nur maßvoll in Erscheinung.

Wer es versehentlich übertreibt, wird durch verstärktes Schieben über die Vorderräder vorgewarnt. Das serienmäßige ESP sieht höchst selten Anlass zum Eingriff, selbst bei Nässe wird meist nur die integrierte Schlupfregelung tätig.

Allerdings spricht die elektromechanische Lenkung etwas zu leicht an und verhärtet bei schnellen Korrekturen, was zu einer eckigen Fahrweise führt. Immerhin dringen Stöße oder Antriebseinflüsse kaum ans Lenkrad durch, obwohl beim Testwagen der Drehmoment-King aus der Palette mit den Hufen scharrt. Aber die 300 Newtonmeter des Power-Diesel entfalten sich so unspektakulär wie die gebotenen 140 PS, trotz variabler Turbinengeometrie legt der Zweiliter-Vierventiler im unteren Drehzahlbereich fast schüchtern los.

Dabei ist er mit einem Testverbrauch von 7,7 Liter auf 100 Kilometer durchaus sparsam und beileibe kein Langweiler. Mit 9,9 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h und stämmigem Durchzug hält er die leer schon 1468 Kilogramm schwere Fuhre munter auf Trab. Im Leerlauf vibrierend und im Fahrbetrieb stets leicht knurrend, empfiehlt sich der B 200 CDI dennoch als stressfreier Begleiter. Das Sechsgang- Getriebe senkt das Geräusch auf ein akzeptables Niveau, lässt sich jedoch etwas hakelig und nicht sonderlich exakt schalten.

Typisch Mercedes eben, was erfreulicherweise auch für die kräftig zupackenden, standfesten Bremsen sowie die umfassende Unfallvorsorge gilt. Selbst die Zuschläge für manche Sicherheitsextras und den Partikelfilter passen ins Bild.

Denn obwohl die B-Klasse ansonsten ein zwar gut gemachter, aber nicht sonderlich herausragender Kompaktvan ist, ist sie zumindest bei der Preisgestaltung einzigartig.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr geräumiges Interieur großer, variabler Laderaum saubere Verarbeitung bequemer Einstieg
  • geringe Zuladung
Fahrkomfort
  • insgesamt harmonische Federung niedriges Geräuschniveau gute Klimatisierung
  • stößig auf groben Bodenwellen
Antrieb
  • hohes Durchzugsvermögen gute Fahrleistungen passende Getriebeübersetzung
  • mäßige Laufkultur
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten gute Handlichkeit
  • unharmonische Lenkung
Sicherheit
  • gute Sicherheitsausstattung kräftige, standfeste Bremsen
  • seitliche Kopfairbags optional
Umwelt
  • niedriger Verbrauch
  • Partikelfilter nur gegen Aufpreis
Kosten
  • hoher Grundpreis teure Extras nur zwei Jahre Gewährleistung

Fazit

Viel Platz und hohe Variabilität bei guter Verarbeitung zeichnen den B 200 CDI aus, dazu ein kraftvoller und sparsamer, aber kerniger Diesel. Auch Bremsen und Fahrsicherheit überzeugen – Lenkung, Preis und Ausstattung weniger.

Technische Daten
Mercedes B 200 CDI
Grundpreis 30.405 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4270 x 1777 x 1604 mm
KofferraumvolumenVDA 544 bis 1645 l
Hubraum / Motor 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
0-100 km/h 9,9 s
Verbrauch 5,6 l/100 km
Testverbrauch 7,7 l/100 km
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