Mercedes C 350 Avantgarde im Test

Die Limo mit dem Stern legt übertriebene Klassik ab

Mercedes C 350 01 Foto: Gargolov 6 Bilder

Maskulin statt filigran, modern statt übertrieben klassisch – mit der aktuellen C-Klasse verabschiedet Mercedes lang gehegte Tugenden. Der Test zeigt, ob das 272 PS starke Topmodell auch sportlich gewonnen hat.

Ob die neue, bewusst maskuline Formensprache der aktuellen C-Klasse nun gefällt oder nicht: Das insbesondere mit dem Kombimodell des Vorgängers assoziierte Wackeldackelund Hutträger-Image hat der Neue damit gründlich abgelegt. Die kräftig gezeichneten Kotflügel, der wuchtige Kühler und die markante Heckpartie mit den formschönen Rückleuchten zielen auf eine deutlich jüngere Klientel ab. Das sichtbar moderner gewordene Innenraumdesign passt ebenso dazu wie die vor allem an der Sitzfläche deutlich besser konturierten Sitze.
 
Wandlergetriebe bevorzugt
 
Vom ersten Eindruck her – so scheint es – könnte das von einem 272 PS starken wassergekühlten 3,5-Liter-Saugmotor befeuerte V6-Topmodell dem Dreier-BMW das Leben demnach durchaus schwer machen. Anders als in München legt die Mehrzahl der Mercedes-Kunden jedoch auch in dieser Wagenklasse Wert auf automatisierte Gangwechsel. Über 80 Prozent der C-Klasse-Käufer, sagt die Statistik, geben dem Wandlergetriebe den Vorzug vor der manuellen Sechsgang-Schaltbox. In Anbetracht der verschliffen-eleganten Arbeitsweise des Siebenstufen-Automaten verwundert das kaum.

7G-Tronic beim C 350
 
Zumal die drei Fahrprogramme Comfort, Sport und Manuell alle wie auch immer gearteten Vorlieben unterstützen. Im Gegensatz zu anderen Automatikgetrieben kann die Mercedes 7G-Tronic beim Herunterschalten im Bedarfsfall sogar einzelne Fahrstufen überspringen, was dem flotten Vorwärtskommen fraglos dienlich ist. Auch in Bezug auf das Fahrwerk geht die intern unter dem Kürzel W 204 firmierende C-Klasse neue Wege. Das elektronisch geregelte adaptive Dämpfungssystem des Newcomers passt seine Kennlinien beständig der herrschenden Fahrsituation respektive den Fahrbahnverhältnissen an.
 
Wer das optional erhältliche und im Testwagen selbstredend an Bord befindliche Fahrdynamik- Paket geordert hat, kann zudem auf Wunsch und Knopfdruck in den Sportfahr- Modus wechseln. Dieser beeinflusst sowohl die Dämpferhärte als auch die Charakteristik des Gaspedals. Der Motor reagiert dann bereits aufs kleinste Zehenzucken – sein Ansprechverhalten mutet direkter an. Spürbar mehr Agilität verleiht dem Baby-Benz, der mit der neuesten Auflage zugleich sein 25-jähriges Jubiläum feiert, die ins Fahrdynamik-Paket integrierte Sport-Parameterlenkung. Auf Grund geänderter Lenkungskennlinien vermittelt sie ebenso wie die von BMW bekannte Aktivlenkung ein sehr viel direkteres Lenkgefühl.

Die V6-Limo mit dem Stern
 
So gerüstet kommt der C 350 vom Gefühl her deutlich sportlicher rüber als alle anderen Mercedes-Serienmodelle. Entsprechend hoch waren vor dem Testtag in Hockenheim die in die V6-Limo mit dem Stern im Kühler gestellten Erwartungen. Tatsächlich ist der Spaßfaktor auf dem 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurs subjektiv auch ein durchaus hoher. Der C 350 geht die ihm gestellten Aufgaben angenehm leichtfüßig an, folgt Lenkbefehlen aufs Wort und tendiert, sofern auf den Sport-Modus verzichtet wird, nicht einmal sonderlich zum Untersteuern.
 
Auf der Uhr überzeugt der kleine Benz schlussendlich jedoch weniger, als es der gefühlte Fahreindruck vermuten lässt: Mit 1.19,6 Minuten liefert der 1652 Kilogramm schwere Viertürer im Badischen zwar eine solide Vorstellung ab. Rekordverdächtig ist die Rundenzeit des hinterradgetriebenen Fünfsitzers jedoch nicht. Die mit 265 PS und 1700 Kilogramm in der gleichen Liga spielende allradgetriebene Konkurrenz von Audi, der auf 19 Zoll großen Pneus und im vollen Sport-Ornat in die Redaktion gerollte A4 3.2 FSI quattro, erledigt die gleiche Aufgabe mit 1.18,0 Minuten einen gutes Stück souveräner (siehe Test ab Seite 38). Im 180 Meter langen Slalomparcours stellt sich die Sache ähnlich dar.

4,58 Meter messende Mittelklasse
 
Wegen des nach wie vor nicht komplett deaktivierbaren ESP bleibt der C 350 mit 62,4 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit hinter den auf Grund seines ausgesprochen agilen Gebarens im Alltagsbetrieb geweckten Erwartungen und zweifellos auch hinter seinen tatsächlichen Möglichkeiten zurück. Sicherheit geht – aller guten Anlagen zum Trotz – beim Mercedes-Mutterhaus halt immer noch klar vor Sportlichkeit. Hingegen überzeugt der neue, inzwischen stattliche 4,58 Meter messende Mittelklässler im täglichen Umgang vollauf.
 
Von dem bereits beschriebenen, deutlich verbesserten Sitzgestühl über die Cockpitanmutung bis hin zur perfekten Bedienbarkeit der nunmehr über einen ausklappbaren Bildschirm verfügenden Multifunktionseinheit herrscht im C 350 auf der ganzen Linie Wohlgefühl. Das aufpreispflichtige Navigationssystem der neuesten Spezifikation zählt in Sachen Logik der Menüführung zum Besten, was der Markt zu bieten hat. Anders als bei älteren Mercedes- Modellen ist es im wahrsten Sinne des Wortes selbsterklärend. Die Kopf- und Beinfreiheit im Fond sind großzügig bemessen, das Raumangebot im Gepäckabteil nicht minder. Mit seinen stattlichen Abmessungen könnte der gar nicht mehr kleine „Baby Benz“, der alte Mercedes-Tugenden gekonnt mit einem frisch-dynamischen Auftritt vereint, den einen oder anderen Kunden der oberen Mittelklasse durchaus zum Tiefstapeln verleiten.

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Technische Daten
Mercedes C 350 Avantgarde
Grundpreis 46.499 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4581 x 1770 x 1447 mm
KofferraumvolumenVDA 475 l
Hubraum / Motor 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 200 kW / 272 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,6 s
Verbrauch 9,9 l/100 km
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