Mercedes C220 CDI und VW Passat 2.0

Zweites Gericht

Foto: Hans-Dieter Seufert 32 Bilder

In der Mittelklasse ist mit der jüngsten Mercedes C-Klasse-Generation ein neuer Stern aufgegangen. Kann der zwei Jahre ältere VW Passat 2.0 TDI dem gleich starken Mercedes C 220 CDI immer noch Paroli bieten?

Vor gut einem Jahr standen sich die beiden Mittelklasse-Bestseller zuletzt gegenüber. Der Passat 2.0 TDI war noch ein Youngster auf dem Markt, der C 220 CDI dagegen schon ein wenig in die Jahre gekommen. Dementsprechend deutlich fiel 2006 das Test- Ergebnis aus: Platz eins für den VW mit immerhin 24 Punkten Vorsprung.
Nun ist der neue Mercedes C 220 CDI angetreten, um diese Scharte auszuwetzen. Wie der VW leistet er in der aktuellen Generation 170 PS, ist also 20 PS stärker als sein Vorgänger. Länger, breiter und höher ist er obendrein, was sich natürlich auch im Innenraum positiv bemerkbar macht. Denn das knappe Platzangebot war stets einer der Hauptkritikpunkte der C-Klasse. Am Ranking der beiden ändert sich freilich wenig:

Die C-Klasse ist nach wie vor deutlich kleiner als der Konkurrent von VW – innen wie außen. Selbst die Sitze des Mercedes fallen kleiner aus als die des VW. Vor allem bei Bein- und Schulterfreiheit gibt sich der Passat sehr generös, während der Mercedes besonders im Fond Großgewachsenen aufs Haupt drückt und die Knie sehr nah an die Vordersitze rückt.
Drei Kindersitze nebeneinander im Fond der C-Klasse sind nicht möglich, beim Passat aber schon. Vom Raumgefühl ist der Passat der E-Klasse näher als dem kleineren C-Modell.

Zudem bekommt man bei VW mehr Auto fürs Geld.

Die beiden Testwagen trennen in den Ausstattungslinien Comfortline (VW) und Avantgarde (Mercedes) saftige 6312 Euro. Ein genauer Blick auf die Liste der Serien-Ausrüstung relativiert diese Differenz allerdings, weil der Mercedes besser ausgestattet ist.
17- Zoll-Räder, eine Reifendruck-Kontroll- Anzeige, Multifunktionslenkrad und Klimaautomatik sind bei dieser C-Klasse serienmäßig an Bord, müssen bei VW jedoch extra bezahlt werden. Passat-Comfortline-Fahrer kommen allerdings stets in den Genuss eines Tempomaten und können sogar die intelligente Variante mit automatischer Abstandsregelung (ACC) für 840 Euro ordern. Mercedes verwehrt dieses Komfort- Detail der C-Klasse-Kundschaft, und selbst der bislang serienmäßige Standard-Tempomat kostet heute 214 Euro Aufpreis.
Natürlich ist das Navigationssystem in beiden Autos kostenpflichtig. 2750 Euro ruft VW für das DVD-Gerät mit großem Bildschirm und integriertem Soundsystem auf, bei Mercedes kostet die Festplatten-Navigation mit integriertem Radio und sechsfachem DVDWechsler respektable 3403 Euro.

Immerhin bekommt man dafür eine sehr gute Anlage, die sich leicht bedienen lässt, über eine hervorragende Anzeige verfügt und deren wegklappbarer Monitor vorbildlich weit oben im Armaturenbrett eingebaut ist. Die grobkörnige Anzeige der VW-Navigation wirkt dagegen ziemlich antiquiert, und auch die Position des Monitors ist nicht optimal. An der Bedienung des VW-Systems gibt es allerdings ebenfalls wenig auszusetzen.
Wer die Europa-Navigation für die große Reise braucht, dürfte an einem üppigen Kofferraum Gefallen finden. Erneut trumpft der Passat mit mehr Platz und zudem mit 100 Kilogramm mehr Zuladung auf. Wer jetzt glaubt, die halbe Tonne Gepäck würde das Pas sat-Fahrwerk möglicherweise überfordern, sieht sich auf angenehme Weise überrascht.
Denn egal, ob der VW voll beladen oder nur durch den Fahrer besetzt ist – er federt gelassen und komfortabel. Wirklich üble Passagen mit tiefen Löchern entlocken dem Fahrwerk allerdings gelegentliche Klappergeräusche, und hin und wieder dringen Erschütterungen bis ins Lenkrad durch.

Bei diesen Bedingungen schlägt die Stunde des Mercedes.

Ihm ist es beinahe egal, wie die Straße unter seinen Rädern aussieht. Er federt geschmeidig und verkneift sich jede Poltrigkeit. In der Mittelklasse setzt sein Federungskomfort Maßstäbe, was entscheidend dazu beiträgt, den ersten Platz in der Eigenschaftswertung zu erobern. Auch der positive Geräuscheindruck trägt dazu bei, obwohl sich bei den Messwerten kaum Unterschiede zeigen.
Subjektiv brummt der Pumpe-Düse-Diesel im VW jedoch deutlich hörbar, während sich der Mercedes-Vierzylinder mit Common- Rail-Einspritzung vornehm zurückhält. Dem guten Komfort stehen die dynamischen Qualitäten kaum nach. Klare Vorteile für den Fronttriebler Passat oder den Hecktriebler C 220 CDI sind jedenfalls nicht zu erkennen, beide fühlen sich sogar verblüffend ähnlich an.

Fährt man den hoch liegenden Grenzbereich an, beginnen sie leicht zu untersteuern, werden aber von weich einsetzendem ESP vor dem Verlassen der Fahrbahn bewahrt. Wer einfach vom Gas geht, provoziert keinerlei heimtückische Lastwechsel-Reaktionen. Dem VW-Piloten steht eine sehr direkt, aber nicht nervös ansprechende Lenkung zur Verfügung, das Pendant von Mercedes reagiert aus der Mittellage eine Spur verzögert. Was die sportlich ambitionierte Klientel jedoch stärker stören dürfte, ist die unpräzise Führung des Schalthebels, die ein unbeabsichtigtes Verschalten in den fünften statt in den dritten Gang begünstigt.
Die Sechsgangbox des VW gibt sich hier verbindlicher, und die Anschlüsse zwischen den Gängen passen besser. Auch beim Testverbrauch verbucht der TDI mit angemessenen 7,7 Liter/100 km einen klaren Vorteil. Tatsächlich ist die neue C-Klasse sogar durstiger als der Vorgänger, was den C 220 CDI im Kostenkapitel neben dem hohen Anschaffungspreis weiter zurückwirft. Es bleibt also wie gehabt: Wahre Größe zeigt Mercedes vor allem beim Preis.

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Fazit

1. VW Passat 2.0 TDI
497 Punkte

Der geräumige, ausgewogene Passat ist in der Mittelklasse kaum zu schlagen, auch nicht von der C-Klasse. Er ist gut verarbeitet, bietet das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis und ist spürbar sparsamer.

2. Mercedes C 220 CDI
472 Punkte

In der Summe ihrer Eigenschaften kann die etwas knapp geschnittene C-Klasse überzeugen. Sie ist fahrsicher und komfortabel und damit ein echter Mercedes – was der happige Anschaffungspreis unterstreicht.

Technische Daten
VW Passat 2.0 TDI Comfortline Mercedes C 220 CDI Avantgarde
Grundpreis 30.500 € 37.967 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4765 x 1820 x 1472 mm 4581 x 1770 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 565 l 475 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 2148 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min 125 kW / 170 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 223 km/h 229 km/h
0-100 km/h 9,4 s 9,2 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,7 l/100 km 8,8 l/100 km
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