Mercedes CLA 250 Shooting Brake AMG Line, Skoda Octavia Combi RS 2.0 TS Achim Hartmann
Mercedes CLA 250 Shooting Brake AMG Line, Skoda Octavia Combi RS 2.0 TS
Skoda Octavia Combi RS 2.0 TSI, Seitenansicht
Skoda Octavia Combi RS 2.0 TSI, Motor
Mercedes CLA 250 Shooting Brake AMG Line, Seitenansicht 26 Bilder

Mercedes CLA Shooting Brake vs Skoda Octavia Combi RS

Designerstück oder Sportkombi?

Klar, der neue Mercedes CLA Shooting Brake hat eher Designliebhaber als Nutzwertoptimierer im Visier. Doch auch der Skoda Octavia Combi RS ist optisch attraktiv und erfrischend dynamisch, dazu viel günstiger. Start frei für zwei echte Typen.

Ziemlich vernünftig von Mercedes, den vielen pragmatischen Kompaktkombis einen eher unvernünftigen entgegenzustellen. Schon A-Klasse und CLA Coupé auf der gleichen Frontantriebs-Plattform sind ja betont anders als die anderen und damit sehr erfolgreich, und für echte Kombifans gibt es ja weiterhin das geräumigere, aber teurere T-Modell vom C. Allerdings muss der Einstieg zum Aufstieg mit 3500 Euro Aufschlag honoriert werden.

Dabei steht bereits der einfachste und schwächste CLA Shooting Brake (CLA 180, 122 PS) mit 29.810 Euro in der Liste, und für den 211 PS starken CLA 250 inklusive Alufelgen und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DCT werden mal gleich weitere 10.000 Euro fällig. Da tun die 2.559 Euro für die auf Dynamik getrimmte AMG Line (Sportsitze, -lenkrad und -pedale, 18-Zoll-Räder, spezielle Optik) schon gar nicht mehr weh. Höchstens wenn man mal nur so zum Spaß einen Skoda Octavia Combi RS 2.0 TSI konfiguriert und feststellt, dass der für 12.000 Euro weniger einiges mehr zu bieten hat.

Mercedes CLA Shooting Brake mit Abstrichen beim Nutzwert

Deshalb machen wir ernst und wollen wissen, ob der kleine Shooting Brake nicht nur bei Preis und Optik den Vogel abschießt. Dass die flache, gestreckte Silhouette zulasten des Platzangebots und der Übersichtlichkeit geht, dürfte viele Interessenten nur wenig stören, ebenso der beengte Einstieg und der kleinere Gepäckraum mit hoher Ladekante. Aber warum müssen auch die Sitze mit integrierten Kopfstützen härter und die Fondlehne so steil sein, die Instrumente und Bedienung weniger klar und übersichtlich als im Skoda?

Die sprichwörtliche Mercedes-Qualität ist da schon schwerer zu finden. Abgesehen vom funkelnden "Diamantgrill" und vom Alu-Zierrat im Cockpit wirkt der CLA Shooting Brake nicht wirklich edler und solider als sein günstiger Rivale, bei beiden lassen sich neben hochwertigen auch einfache Kunststoffe finden. Mit seiner Fernentriegelung der Rücksitzlehnen vom Heckabteil und Nettigkeiten wie Tickethalter oder Eiskratzer zeigt der Octavia Combi RS sogar mehr Liebe zum Detail sowie eine wesentlich großzügigere Serienausstattung inklusive Bi-Xenon-Scheinwerfer, Sitzheizung vorn und Parkpiepser hinten. Nur das Doppelkupplungsgetriebe schlägt hier mit 1.800 Euro extra zu Buche.

Skoda Octavia Combi RS bietet die besseren Fahrleistungen

Im Testwagen werden die sechs Gänge zwar von Hand, aber mit Leichtigkeit, Präzision und Freude gewechselt. Auch der Zweiliter-Turbo mit 220 PS, bissiger Drehfreude und packendem Sound macht Laune, bietet zugleich viel Durchzugskraft und Laufkultur, falls mal eine schaltfaule, entspannte Fahrweise angesagt ist. Diesen Spagat beherrscht der CLA 250 Shooting Brake weniger gut, denn sein gleich großer Turbo-Benziner wirkt trotz 211 PS und 350 Nm nicht sonderlich engagiert. Gleiches gilt für das Siebengang-DCT, das die Fahrstufen noch immer etwas unmotiviert und ruckelig einlegt.

Für die geringfügig schlechteren Fahrleistungen sind dagegen wohl eher die 115 Kilogramm extra verantwortlich, die der Mercedes mit sich herumschleppt und auch bei der Fahrdynamik nicht verhehlen kann. Trotz seiner betont agilen Grundabstimmung absolviert er den doppelten Spurwechsel langsamer, zeigt ausgeprägte Lastwechselreaktionen und erfordert selbst bei Geradeausfahrt ständig kleine Korrekturen mit der gierig ansprechenden, rückmeldungsintensiven Lenkung. Dabei federt er straff und trocken, aber keineswegs hölzern oder gar bockig.

Der sportliche Tscheche überzeugt mit dem agileren Handling

Gleichwohl: Der Skoda Octavia Combi RS kann es besser. Vor allem bei geringer Zuladung steckt er Querfugen oder lange Wellen geschmeidiger weg, hat bequemere Sportsitze mit gutem Seitenhalt und perfekter Position sowie ein ausgewogeneres Handling. Mit der leichtgängigen Lenkung lässt er sich präziser auf Kurs halten, lenkt definierter ein und stemmt sich strammer aus der Ecke heraus. Außerdem fühlt er sich nicht nur leichter, sondern auch kleiner als der CLA an, obwohl er rundum ein paar Zentimeter mehr misst.

Selbst beim Thema Sicherheit kann sich der Shooting Brake nicht so recht in Szene setzen. Er punktet zwar mit mehr Assistenzsystemen (Spurwechsel, Aufmerksamkeit) und blendfreiem Dauerfernlicht, verliert aber über seine durchweg längeren Bremswege. So kommt er aus Tempo 130 (warm) erst nach 65,2 Metern zum Stillstand, während sein Konkurrent mit gleichem Reifenformat eine ganze Wagenlänge (4,8 m) früher steht. Kein Ruhmesblatt für die Schwaben. Weniger Emissionen produziert er ohnehin nur im Normzyklus, im gemischten Alltagsbetrieb liegen CO2-Ausstoß und Benzinverbrauch hingegen auf gleichem Niveau.

CLA Shooting Brake kann nur mit seinem Design punkten

Das gilt sogar für Fixkosten und Reparaturen, nur bei der Anschaffung des guten Stücks wird weiterhin ein Mercedes-Zuschlag fällig. Ein wirklich schmerzhafter wohlgemerkt, und doch ist das nicht der entscheidende Grund dafür, warum der CLA 250 Shooting Brake nicht am Octavia Combi RS, sondern am Ziel des Testsieges vorbeischießt.

Denn schon wegen der erheblichen Abstriche bei Kosten und Nutzwert sollte auch das Plus an Design und Dynamik erheblich sein. Zumindest bei Letzterem ist es das aber nicht, wie ein Blick auf die Einzelwertungen unseres Vergleichstests zeigt. In Handling und Fahreigenschaften liegt der sportliche Skoda ebenso vorn wie beim Temperament, sogar Mercedes-Domänen wie Komfort oder Sicherheit entscheidet er für sich. Was er aber nicht bieten kann: einen beleuchteten Frontstern für 309 Euro.

Fazit

1. Skoda Octavia Combi RS 2.0 TSI 439 Punkte

Als RS ist der Octavia nicht nur ein praktischer, geräumiger Kombi, sondern auch ein leichtfüßiger, talentierter Sportler. Den erheblichen Preisvorteil gibt es obendrein.

2. Mercedes CLA 250 Shooting Brake AMG Line 388 Punkte

Selbst wenn es nicht nur um Nutzwert und Kosten geht, kann der coole CLA Shooting Brake nirgends groß auftrumpfen. Das gilt aber auch für viele andere Designstücke.

Technische Daten

Skoda Octavia Combi RS 2.0 TSI RS Mercedes CLA 250 Shooting Brake AMG Line
Grundpreis 31.350 € 42.388 €
Außenmaße 4685 x 1814 x 1452 mm 4630 x 1777 x 1435 mm
Kofferraumvolumen 610 bis 1740 l 495 bis 1354 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 162 kW / 220 PS bei 4500 U/min 155 kW / 211 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 244 km/h 240 km/h
0-100 km/h 6,7 s 6,9 s
Verbrauch 6,3 l/100 km 5,5 l/100 km
Testverbrauch 8,6 l/100 km 8,6 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Mittelklasse Tests Mercedes CLA Shooting Brake, Mercedes C-Klasse T-Modell, Draufsicht Mercedes CLA Shooting Brake und C-Klasse im Vergleich Der Kompakte misst sich am T-Modell

Der CLA Shooting Brake ergänzt die Kompakt-Baureihe von Mercedes.

Skoda Octavia
Artikel 0
Tests 0
Generationen 0
Alles über Skoda Octavia