Mercedes CLK DTM AMG im Test

Race-Gericht

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Hinter einer komplizierten Buchstabenfolge verbirgt sich ein reinrassiger Supersportwagen. Der Zweisitzer, dessen Produktion auf 100 Exemplare limitiert ist, hat unter der Haube einen V8 mit 582 PS.

Deutsche Tourenwagen Masters, Aufrecht, Melcher, Großaspach. Die Entschlüsselung des Codes, den der stärkste Mercedes CLK trägt, würde kaum auf den zierlichen Kofferraumdeckel des Coupés passen. Die Botschaft ist ohnehin klar: Hier kommt ein Rennwagen für die Straße, breithüftig, beflügelt, brutal. Wer nicht gern auffällt, muss nachts fahren. Bi-Xenon-Scheinwerfer sind serienmäßig. Es ist viel Show dabei beim CLK DTM AMG – eigentlich untypisch für ein Auto mit dem Mercedes-Stern. Die Lüftungsgitter in der Kotflügelverbreiterung haben keine echte Funktion.

Das oben und unten abgeflachte Lenkrad ist angesichts der Platzverhältnisse nicht mehr als ein Styling-Gag. Und die kleinen Knöpfe im Lenkrad, die aussehen, als könne der Fahrer damit vitale Funktionen beeinflussen, dienen dem Abrufen der bekannten Bordcomputer- Informationen. Selbst der winzige Schaltknüppel auf der Mittelkonsole, der die Präsenz eines sequenziellen Schaltgetriebes vorgaukelt, stellt nichts anderes dar als den stark geschrumpften Wählhebel einer konventionellen Wandler-Automatik. Tschüs, Super-Sportwagen? Keineswegs. Die Automatik benimmt sich ganz wie ein Schaltgetriebe. Nach dem grollenden Start geht sie grundsätzlich ins Manuell-Programm, in dem mit Paddeln an der Lenksäule geschaltet wird. Und dann unterscheidet sie kaum noch etwas von einer rennmäßigen Kraftübertragung.

Weil die Wandler-Überbrückungskupplung fast ständig im Einsatz ist, wird keinerlei Antriebsschlupf spürbar. Der Motor hängt am Gas wie bei einer mechanischen Kupplung. Die Schaltvorgänge vollziehen sich kurz und knackig, am Ende des Drehzahlbandes läuft der Motor in den Drehzahlbegrenzer. Kurz vorher hat die normalerweise weiße Leuchtdioden- Anzeige des Drehzahlmessers von weiß auf rot geschaltet – letzter Aufruf zum Antippen des rechten Schaltpaddels.

Dass hier ein Automatikgetriebe waltet, wird nur selten spürbar. Beispielsweise im unteren Drehzahlbereich, wenn sich die Überbrückungskupplung mit merklichem Ruck schließt. Oder beim Zurückschalten. Gekonnt dosiertes Zwischengas, das sequenzielle Schaltgetriebe so perfekt beherrschen, gibt es bei der Automatik nicht. Bei hoher Drehzahl wird deshalb ein kräftiges Bremsmoment auf die Hinterräder übertragen. Das kann Unruhe ins Heck bringen – vor allem bei Nässe. Aber da ist mit den optionalen Supersport-Reifen von Dunlop ohnehin höchste Vorsicht geboten. Ein entsprechender Aufkleber warnt. Die spärliche Profil-Landschaft der Pneus ist für Nässe nicht gemacht. ESP hat das DTM-Modell natürlich wie alle Mercedes. Aber es wurde betont sportfahrerfreundlich ausgelegt und erlaubt dem Heck ein fröhliches Eigenleben, bevor der stabilisierende Bremseingriff kommt. Man kann das Stabilitätsprogramm auch ausschalten, gut für die Rennstrecke. Aber auf normalen Straßen, auch wenn sie trocken und griffig sind, gleicht der Verzicht auf die Fahrwerkselektronik dem Jonglieren mit einer entsicherten Handgranate. Denn der CLK beantwortet jeden Tritt aufs Gaspedal mit einem infernalischen Schub.

Der im Prinzip bekannte Kompressor- V8 wurde durch schärfere Auslass-Nockenwellen, neue Fächerkrümmer, eine modifizierte Abgasanlage und nicht zuletzt durch auf 0,85 bar erhöhten Ladedruck zu einem angriffslustigen Monster. Blitzschnell dreht er hoch, mit einem Sound, wie ihn nur großvolumige Rennmotoren zu Wege bringen. Die Beschleunigung vollzieht sich nach digitalem Muster: Gasgeben, und das gewünschte Tempo ist erreicht. 200 km/h, wenige Augenblicke genügen. Weiter auf 300 km/h? Es dauert nicht viel länger, als Sie brauchen, um diesen Absatz bis zum Ende zu lesen.

Der Autor hat zwar keine Ahnung, wie die berühmte gesengte Sau geht. Aber so ähnlich muss es wohl sein. 320 km/h bilden dann den Schluss-Akkord. Auch bei diesem Tempo läuft der CLK so stabil geradeaus wie ein Öltanker. Nicht die Leistung und die Fahrwiderstände, sondern die Motorelektronik setzt das Limit. Um dem nochmals weit teureren SLR McLaren nicht zu nahe zu kommen. Aber dies ändert nichts daran, dass hier der wahre Supersportwagen von Mercedes entstanden ist. Denn im Handling ist der CLK der King. Er scheint mit der Straße verwachsen zu sein. Er gehorcht minimalen Ausschlägen seiner extrem direkten Lenkung, lässt sich millimetergenau dirigieren.

Die mögliche Querbeschleunigung liegt weit höher, als sich dies außerhalb der Rennstrecke verantworten lässt. Das DTM-Modell schneidet so präzise durch die Kurven wie ein Skalpell durch die Bauchdecke. Wie perfekt die Abstimmung des eigens entwickelten Gewinde-Fahrwerks ist, zeigt sich auch, wenn man den Fuß vom Gas nimmt. Und plötzlich feststellt: Das ist ja nicht nur ein Rennwagen, das ist auch ein Mercedes. Kein knüppelharter Racer, sondern nebenbei ein durchaus reisetaugliches Coupé. Die Federung spricht sauber an und verarbeitet selbst grobe Bodenwellen, bei deren Anblick man zunächst vorsorglich das Genick einzieht, so geschmeidig, dass trotz der spärlich gepolsterten Rennsitze aus Carbon gemeine Stöße in den verlängerten Rücken ausbleiben. Der Rennwagen-Charakter teilt sich trotzdem auch bei zivilem Tempo mit. Vielleicht, damit auch der Beifahrer etwas davon hat.

Bei niedrigen Drehzahlen überträgt die stramm aufgehängte Antriebseinheit die Vibrationen des Motors direkt in die Kabine, wo sie sich mit einem die Kraft verkündenden Dröhnen vermischen. Macht Appetit? Leider schon zu spät. 100 Exemplare werden gebaut. Und die sind bereits verkauft.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe Steifigkeit
  • hochwertiger Qualitätseindruck
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • gute Sitzposition
  • harmonische Federungsabstimmung
  • funktionelles Interieur
  • Übertragung von Vibrationen und Dröhngeräuschen
Antrieb
  • extrem durchzugsstarker, drehfreudigerAchtzylinder
  • sehr gutes Ansprechverhalten
  • gut abgestimmtes, sehr schnell reagierendes Automatikgetriebe
  • teilweise rauer Motorlauf
Fahreigenschaften
  • sehr gutes Handling
  • stabiler Geradeauslauf
  • exakte, sehr direkte Lenkung
  • neutrales Kurvenverhalten
  • gute ESP-Abstimmung
Sicherheit
  • sehr gute Bremsen
  • Sechspunktgurte serienmäßig
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • sehr hoher Preis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Enorme Fahrleistungen und hervorragendes Handling machen den CLK DTM zum sportlichsten aller Mercedes-Modelle. Eine ebenso teure wie seltene Fahrmaschine für Menschen, die gern auffallen wollen.

Technische Daten
Mercedes CLK DTM AMG
Grundpreis 236.060 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4650 x 1800 x 1360 mm
KofferraumvolumenVDA 395 l
Hubraum / Motor 5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 428 kW / 582 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 320 km/h
0-100 km/h 4,0 s
Verbrauch 13,6 l/100 km
Testverbrauch 17,2 l/100 km
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