Foto: Achim Hartmann

Mercedes E 200 K NGT im Test

Gasfreundlich

Der NGT – Natural Gas Technology – ist ein bivalentes Erdgasauto. Er kann also mit Benzin und Gas fahren. Damit wird die E- zur Erdgas-Klasse.

Mercedes riskiert eine große Klappe – Tankklappe. Die hat der E 200 NGT – was für Natural Gas Technology steht – auch nötig, um neben dem Einfüllstutzen für Benzin zusätzlich den fürs Erdgas abzudecken. Der NGT ist ein bivalentes Erdgasauto, kann also mit Benzin und Gas gefahren werden. Neben dem 22 Zentimeter langen Tankdeckel ist das Typschild das einzige äußerliche Kennzeichen der Erdgas-EKlasse. Auch innen erinnert zunächst nichts an das doppelte Tanklager im Heck. Alles ist vertraut E-klassig. Ob man mit Benzin oder dem deutlich emissionsärmeren Gas unterwegs ist – man spürt es nicht. Wegen des ohnehin verhaltenen Temperaments fallen auch die minimal schlechteren Gas- Fahrleistungen nicht auf. Wie der Nur-Benziner E 200 Kompressor leistet auch der E 200 NGT 163 PS. Mit Automatikgetriebe und der 200 Kilogramm schweren Gastechnik ist der 1,8-Liter zwar nicht schwächlich, aber er ist eben nicht so souverän motorisiert, wie man es sich von einer Reiselimousine wünscht. Auch beim trägen Handling merkt man den zusätzlichen Ballast.

Trotz der Extra-Pfunde bleibt die Zuladung erhalten – stattliche 541 Kilo. Die treffen auf ein von 540 auf 400 Liter deutlich geschrumpftes Kofferraumvolumen. Denn direkt hinter der Rücksitzlehne versteckt sich ein Teil der Gasanlage. Der Rest liegt unterm Ladeboden in Form zweier Stahltanks, die 18 Kilo Erdgas bei 200 bar Druck bunkern. Um sie aufzufüllen, muss man erst einmal tanken lernen. Wie zwei Zugwaggons werden der schwere, ungelenke Gas-Zapfhahn und das Auto miteinander verkuppelt. Dann folgt, von lautstarkem Zischen untermalt, der automatische Tankvorgang. Eine Gas-Füllung reicht nur für rund 200 Kilometer. Spätestens dann sind die Vorräte aufgebraucht, der NGT schaltet automatisch und mit einem leichten Ruck auf den 65-Liter-Benzintank um. Wegen des dünnen Tankstellennetzes erinnert die folgende Suche nach Erdgas an die Frühzeit des Katalysators, als man sich auf Reisen an einer Route mit Bleifrei-Zapfsäulen entlang hangelte.

Weite Wege zur Gas-Tankstelle verschlingen derzeit noch einen Großteil des theoretischen Kostenvorteils. So fährt man mangels Gas öfter als gewollt nur mit Benzin und die schweren Stahltanks unnötig spazieren. Mit unschönen Folgen für den Verbrauch: 11,4 Liter Super konsumierte der NGT im reinen Benzinbetrieb pro 100 Kilometer. Kostenpunkt: 13 Euro. Nicht mal halb so teuer ist die gleiche Strecke mit Erdgas. 8,4 Kilo sind davon nötig – machen sechs Euro. Wer es gemütlich angehen lässt, kommt sogar mit 4,7 Kilo und 3,40 Euro aus. Damit sich die 3.422 Euro Aufpreis zum E 200 Kompressor Automatik lohnen, muss man rund 50.000 km nur mit Gas fahren. Das heißt dann nicht nur 250 Mal Gas tanken, sondern auch 250 Mal eine Tankstelle finden.

Besserung ist aber in Sicht: Bis 2007 soll es in Deutschland 1.300 Tankstellen mit Erdgas geben. Wer soll also den E 200 NGT kaufen? Zurzeit am ehesten Kurzstrecken-Fahrer mit hoher Jahresfahrleistung und einer Gastankstelle um die Ecke. Eine vorerst kleine Marktnische für ein Auto mit einer solch großen Klappe.

Vor- und Nachteile

  • Hervorragender Fahrkomfort, im Erdgasbetrieb sehr niedrige Treibstoffkosten, großzügiges Raumangebot
  • Angestrengter und brummiger Motor, kleiner Kofferraum, mit Erdgas sehr geringe Reichweite, erhöhter Benzinverbrauch, hoher Kaufpreis

Technische Daten

Mercedes E 200 Kompressor NGT Classic
Grundpreis 42.688 €
Außenmaße 4818 x 1822 x 1450 mm
Kofferraumvolumen 400 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 120 kW / 163 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 227 km/h
0-100 km/h 11,1 s
Verbrauch 6,1 kg/100 km
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