Mercedes E 220 CDI im Test

Reines Vergnügen

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 7 Bilder

Mercedes bietet jetzt für die Vierzylinder-Diesel einen Rußpartikelfilter an, der die Selbstzünder auf die Abgaseinstufung Euro 4 bringt. Wie macht er sich im Fahrbetrieb bemerkbar? Test des E 220 CDI.

Partikelfilter – so heißt das aktuelle Zauberwort beim Diesel. Der Filter absorbiert feinste Rußteilchen aus dem Abgas. Das ist gut so, schließlich gelten diese Partikel als Krebs erregend. Die französischen Hersteller Citroën und Peugeot propagieren den Rußsammler schon seit rund vier Jahren und bieten ihn auch an. Die deutschen Autofirmen begegneten dieser Technik – ähnlich wie einst beim Katalysator – bislang sehr zurückhaltend mit dem Hinweis, dass ihre Diesel-Autos auch ohne Filter den gesetzlichen Vorschriften genügen. Das stimmt, hinterließ aber unter Umweltgesichtspunkten einen faden Nachgeschmack. Aber jetzt ist es soweit: Der Rußfilter zieht auch in deutsche Autos ein (siehe Tabelle Seite 62). Für die Vierzylinder-CDILimousinen der C- und E-Klasse bietet Mercedes den Saubermann seit Oktober an. Ab Januar 2004 soll es ihn auch für die Sechszylinder-Typen geben, ab März folgen dann die Kombi- Modelle mit vier Zylindern. Gratis gibt es den Rußfilter aber nicht: Mercedes stellt bei den Vierzylinder-Typen 580 Euro in Rechnung. Dem steht derzeit die mit der EU4-Einstufung verbundene Steuergutschrift von etwa 600 Euro gegenüber. Woran erkennt man den sauberen E 220 CDI? Äußerliche Besonderheiten gibt es keine. Man muss also schon in die Wagenpapiere schauen und wissen, dass sein Bruder ohne Partikelfänger nur schadstoffarm nach EU3 ist. Mit Filter erfüllt der Wagen bereits jetzt jene Bestimmungen (EU4), die ab 2005 zur Pflicht für alle neuen Diesel- Modelle werden. Bei dem von Mercedes favorisierten Reinigungssystem sitzen Oxidationskatalysator und Partikelfilter in einem gemeinsamen Gehäuse, das nahe am Triebwerk untergebracht ist.

Der feinporige, nachgeschaltete Filter reduziert den Partikel- ausstoß von 0,045 auf 0,001 Gramm pro Kilometer – es kommt also fast kein Ruß mehr aus dem Auspuff. Das schwarze Gift bleibt in den Filterwänden hängen, vermehrt sich dort mit zunehmender Kilometerleistung und erhöht kontinuierlich den Abgas- Gegendruck, was die Effizienz des Motors mindert. Um Platz für nachkommenden Ruß zu schaffen, müssen die im Filter angesammelten Partikel in regelmäßigen Abständen entsorgt werden. Mercedes brennt sie einfach ab, je nach Einsatzbedingungen des Motors in Intervallen zwischen 500 und 1000 Kilometern. Sensoren vor und hinter dem Filter ermitteln die Druckdifferenz und veranlassen das Motormanagement, das Abfackeln der Rußmenge einzuleiten. Das geschieht durch gezieltes Erhitzen des Abgasstromes mittels Manipulation diverser Motorsteuerungs-Einrichtungen wie Einspritzung, Ansaugluftdrosselung, Abgasrückführung und Ladedruckregelung. Das Abbrennen der Rußpartikel erfolgt im 220 CDI bei sehr hohen Temperaturen um 600 Grad Celsius und deshalb rückstandsarm. Auf einen Kraftstoffzusatz, der diesen Vorgang bei niedrigerer Temperatur erlaubt, aber relativ viel Asche produziert, verzichtet Mercedes in der Hoffnung auf eine hohe Filter- Haltbarkeit (etwa 150 000 km). Wie macht sich der Partikelfilter im Betrieb bemerkbar? Die ersten, ganz spontanen Eindrücke: überhaupt nicht. Der mit einer Fünfgangautomatik kombinierte, 150 PS starke 2,2- Liter-Vierzylinder hängt ab mittleren Drehzahlen gut am Gas, geht temperamentvoll zur Sache und legt eine erfreuliche Drehwilligkeit bis knapp über 4200 Touren an den Tag. Seine Anfahrschwäche bei niedrigen Drehzahlen – bei der Variante mit Sechsgang-Schaltgetriebe deutlich stärker spürbar und auch wesentlich störender – kaschiert der Wandler der Automatik gut. Das monotone Motorwummern aber verlangt Gewöhnung, wenn der Diesel im Wandler-Arbeitsbereich beim Gasgeben aus dem Leerlauf sofort auf über 2.000 Touren schnellt und den Wagen eine Zeit lang mit konstanter Drehzahl beschleunigt. Akustisch zeigt sich der vibrationsarm laufende Motor bei Geschwindigkeiten unter Tempo 100 arttypisch – mit vernehmlichem Diesel-Brummen speziell im Leerlauf, bei Stopand- go-Betrieb und bei Stadtfahrten.

Mit zunehmender Geschwindigkeit tritt er immer mehr in den Hintergrund und ist bei Autobahntempo trotz unaufdringlicher Fahrgeräusche nur mehr unterschwellig am Werk. Das macht den E 220 CDI zu einem angenehmen Reisewagen. Auch das Freibrennen des Partikelfilters schmälert die guten Umgangsformen des Mo- tors nicht, denn dieser Vorgang konnte trotz Sensibilisierung der Fahrer nicht wahrgenommen werden. Explosionen, Rauchschwaden im Schlepp oder andere Aufsehen erregende Exzesse blieben aus. Ohnehin halten sich die Unterschiede der Autos mit und ohne Rußsammler insgesamt in sehr engen Grenzen. Die Werksangaben für Motor- und Fahrleistungen beispielsweise sind identisch. Dass der Testwagen die vom Werk genannten 10,6 Sekunden in der Beschleunigung aus dem Stand auf Tempo 100 um zwei Zehntel verfehlte, kann man nun wirklich nicht dem Filter anlasten. Den Mehrverbrauch dagegen schon. Er fällt beim Norm- Zyklus mit plus 0,3 Liter pro 100 Kilometer allerdings bescheiden aus. Und in der Praxis? Dazu startete auto motor und sport eine Verbrauchs-Vergleichsfahrt über 1400 Kilometer mit zwei E 220 CDI – der eine mit, der andere ohne Partikelfilter. Das Ergebnis: Trotz weitgehenden Verzichts auf Voll-Last (geringe Rußbildung) gab es auf der Autobahn keine messbare Differenz. In der Stadt (0,3 L) und auf der Landstraße (0,5 L) konsumierte der Filter-CDI dagegen etwas mehr Kraftstoff. Diese Mehrausgabe könnte sich später durch einen höheren Wiederverkaufswert ausgleichen. Ansonsten weist der E 220 CDI all die Eigenschaften auf, die bereits in einem früheren Test beschrieben wurden und ihm fünf Sterne einbrachten. Die hat er auch mit Partikelfilter verdient.

Vor- und Nachteile

  • Kultivierter, genügsamer Motor
  • gute Automatik
  • günstiges Raumangebot
  • gute Verarbeitung
  • einfache Bedienung
  • ausgewogener Federungskomfort
  • gutmütige Fahreigenschaften
  • präzise Lenkung,
  • gute Bremsen
  • Leichte Anfahrschwäche
  • relativ hohe Lenkkräfte
  • hoher Preis

Fazit

Der E 220 CDI mit Partikelfilter weist all die Eigenschaften auf, die bereits den ungereinigten E 220 CDI ausgezeichnet haben und ihm fünf Sterne einbrachten. Die Mehrausgabe für den Filter können sich später durch einen höheren Wiederverkaufswert ausgleichen.

Technische Daten
Mercedes E 220 CDI Partikelfilter Elegance
Grundpreis 42.166 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4818 x 1822 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 540 l
Hubraum / Motor 2148 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 214 km/h
0-100 km/h 10,8 s
Verbrauch 6,8 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km
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