Mercedes E 280 vs. R 280

Klassen-Kampf

Foto: Hans-Dieter Seufert 25 Bilder

Als Fünfsitzer ohne Allradantrieb konkurriert der Mercedes R 280 mit dem E 280 T. Wer hat mehr Klasse - der Kombi aus Deutschland oder die Großraum-Limousine aus Amerika?

Seine vorgesehene Flughöhe hat das deutsch-amerikanische Space-Shuttle bisher nicht erreicht. Mit serienmäßigem Allradantrieb, sechs Einzelsitzen in drei Reihen und starken Motoren dümpelte die teure R-Klasse jahrelang vor sich hin. Jetzt soll ihr eine abgespeckte Basisversion mit Hinterradantrieb, klassischer Fünfsitzer-Konfiguration und 231 PS starkem Dreiliter-V6-Benziner neuen Auftrieb verschaffen - zum Einstiegspreis von 47.481 Euro. Zumal ein solcher R 280 mehr hermacht als der identisch motorisierte E 280 T aus gleichem Haus, aber billiger ist. Schon die Basisversion Classic kostet inklusive der optionalen Siebengang- Automatik (2.261 Euro) - serienmäßig beim R 280 - 48.136 Euro.

Die getestete E-Klasse Avantgarde-Variante mit Bi-Xenonlicht, 17-Zoll-Alurädern und 80- statt 70-Liter-Tank kommt auf 51.497 Euro. Auch die Luftfederung an der Hinterachse mit automatischer Niveauregulierung ist beim E-Kombi serienmäßig. Wer das vergleichbare System mit kombinierter Stahl-Luft-Federung - bisher Standard bei der R-Klasse - im R 280 haben will, muss gezwungenermaßen zum 5+2-Sitzer greifen, wo es im Aufpreis von 2.618 Euro enthalten ist. Oder man ordert für den Fünfsitzer gleich das komplette Airmatic-Paket für alle vier Räder inklusive variabler Dämpfer zum Preis von rund 1.970 Euro. Bei der E-Klasse schlägt das mit 1.244 Euro zu Buche.

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Beide Testwagen haben die Airmatic an Bord, jedoch mit unterschiedlicher Auslegung. Während beim R 280 Unebenheiten jedweder Ausprägung von den vier Luftpolstern weitgehend abgefangen werden, bevor sie die Passagiere belästigen, lässt die straffe E-Klasse kaum Fragen über den Fahrbahnzustand offen. Zur Souveränität der R-Klasse im Umgang mit Bodenwellen trägt zudem der um knapp 13 Zentimeter längere Radstand bei. Unziemlich durchgerüttelt werden die Insassen aber auch im Kombi nicht.

Der unterschiedliche Charakter setzt sich in Fahrdynamik und Handling fort. Kurven umrundet der aus den USA stammende R 280 vergleichsweise behäbig und mit großer Seitenneigung. Lässiges Cruisen über den Highway ist eindeutig eher sein Metier. Für ein Auto seines Formats lenkt der teutonische Vorzeige-Kombi recht zackig und präzise ein. Hier spürt man deutlich, dass man im E 280 T ganze 330 Kilogramm weniger um die Ecken wuchten muss. Das Übergewicht drückt natürlich auch aufs Temperament der R-Klasse und treibt gleichzeitig den Benzinverbrauch nach oben. Der identische Motor konsumiert in der E-Klasse deutlich weniger, wirkt beim Beschleunigen nicht so angestrengt und ermöglicht bessere Fahrleistungen. Die Siebenstufenautomatik agiert in beiden Fällen weitgehend unauffällig. Störend ist aber vor allem beim R 280 die träge Reaktion auf Gasgeben, wenn etwa zum flotten Überholen heruntergeschaltet werden soll.

Außerdem erscheint das Getriebe zu lang übersetzt, obwohl es de facto sogar etwas kürzer ausgelegt ist als im E 280. Viel länger ist bei der R-Klasse hingegen die Ladefläche bei umgeklappten Rücksitzen. Allerdings schränkt die kleinere Öffnung die Nutzbarkeit des Laderaums ein, der zudem vom reinen Volumen her nur unwesentlich größer ist als beim Kombi. Ein dickes Plus verbucht der R 280 jedoch bei der Zuladung: Ganze 570 Kilogramm dürfen mit, bei der E-Klasse exakt 100 Kilogramm weniger.

Und welcher bietet den Passagieren mehr?

Obwohl die Messwerte eindeutig die R-Klasse als Platzhirsch ausweisen - vor allem die lichte Breite zwischen den Türverkleidungen beträgt vorne zehn, hinten sogar zwölf Zentimeter mehr -, bietet der E 280 auf den vorderen Plätzen das luftigere Raumgefühl. Die massige Mittelkonsole schränkt das Raumgefühl ebenso ein wie die flacher stehende Windschutzscheibe. Im Fond herrscht Gleichstand. Der R 280 bietet zwar etwas mehr Beinraum, aber die niedrigere Sitzposition zwingt zu stärker angewinkelten Beinen. Der schmale Mittelsitz taugt zudem nur als Notunterkunft für kürzere Distanzen. In der E-Klasse nimmt der fünfte Mann in der Mitte nicht ganz so unwillig Platz. Besten Sitz komfort garantieren in der R-Klasse dagegen die sehr bequemen, voluminös gepolsterten vorderen Sessel, die den Rücken an genau den richtigen Stellen unterstützen. Weniger konturiert sind die härteren E-Klasse-Sitze.
Der R-Innenraum offeriert zudem etwas mehr Variabilität, weil sich die drei Sitze in der zweiten Reihe jeweils separat umklappen lassen, die beiden äußeren sind zusätzlich längs verschiebbar. Bei der E-Klasse findet sich hingegen die traditionelle Ein-Drittel-zu-zwei-Drittel-Teilung. Das passt zur insgesamt traditionellen Ausrichtung des E 280 T. Er ist ein klassischer Kombi - mit viel Platz, handlichen Fahreigenschaften und ordentlichem Komfort. Für Individualisten taugt der E-Klasse-Kombi jedoch weniger. Deutlich extravaganter ist der sogar etwas geräumigere und komfortable, aber auch etwas behäbigere R 280. Er verkörpert in der selben Preisklasse den American way of drive im Hause Mercedes.

Fazit

1. Mercedes E 280 T Avantgarde
492 Punkte

Das Duell gegen den neuen Konkurrenten aus dem eigenen Haus gewinnt der Kombi klar. Bei vergleichbarem Platzangebot bietet er bessere Fahrleistungen, höhere Fahrdynamik und ist zudem sparsamer.

2. Mercedes R 280
474 Punkte

Variabilität, Zuladung und Komfort sind neben seiner Individualität die Stärken des Crossover-Modells. Hoher Verbrauch, schwerfälliges Handling und schlechtere Fahrleistungen sind seine Schwächen.

Technische Daten
Mercedes E 280 T Avantgarde Mercedes R 280
Grundpreis 51.497 € 48.909 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4888 x 1822 x 1506 mm 4938 x 1922 x 1661 mm
KofferraumvolumenVDA 690 bis 1950 l 324 bis 2001 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 6000 U/min 170 kW / 231 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h 222 km/h
0-100 km/h 8,6 s 10,2 s
Verbrauch 9,7 l/100 km 10,9 l/100 km
Testverbrauch 12,5 l/100 km 14,9 l/100 km
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