Mercedes E 500 T Elegance im Test

Neuer Kombi mit Siebengangautomatik

Foto: Achim Hartmann

Ab Herbst 2003 rüstet Mercedes die Achtzylinder-Modelle der großen Baureihen serienmäßig mit einer Siebengangautomatik aus. Was diese Kraftübertragung zu bieten hat, zeigt sie im Test des neuen, dynamischen Mercedes E 500 T.

„Warum fährst du nicht los?“ fragt die junge Frau ihren Mann im aktuellen Mercedes-Fernsehspot zur Siebengangautomatik, während sie sich mit völlig ruhigen Bewegungen die Lippen schminkt. Sie hat nicht bemerkt, dass der große Wagen längst Fahrt aufgenommen hat. Was soll uns diese Botschaft sagen? Dass die neue Siebengangautomatik in Kombination mit dem Achtzylinder perfekt arbeitet. Dass man weder das Losfahren noch das Hochschalten registriert, wenn man gerade anderweitig beschäftigt ist. Wird hier nicht übertrieben? Ein wenig schon. Dennoch sei bereits hier verraten: In Schaltkomfort und Abstimmung stellt der Siebengänger die bekannt gute Fünfgangautomatik von Mercedes klar in den Schatten. Dafür gibt es mehrere Gründe. Beispielsweise resultiert aus der Erweiterung von fünf auf sieben Vorwärtsgänge eine größere Spreizung. So steht für mehr Fahrsituationen eine optimale Übersetzung zur Verfügung, der Drehzahlsprung beim Schalten wird kleiner und der Gangwechsel weicher.

Das 7G-Tronic bietet weitere technische Novitäten. Etwa eine Wandlerüberbrückungskupplung, die sehr weich bereits ab dem ersten Gang eingreift. Premiere feiert auch die Mehrfach-Rückschaltung: Sie ermöglicht das Überspringen eines Ganges, was die Schaltzeit gegenüber den bisher üblichen sequenziellen Gangwechseln verkürzt. Um etwa per Kick-down vom obersten in den dritten Gang zu gelangen, genügen zwei Schaltvorgänge. Doch damit nicht genug: Das auf maximal 700 Newtonmeter Übertragungskraft ausgelegte Getriebe – zu diesem Limit hält der Fünfliter mit 460 Nm gebührenden Abstand – hat zudem zwei Rückwärtsgänge. Einer ist extra lang übersetzt, um sanftes Anfahren auf glattem Untergrund zu erleichtern. Gleichgültig, welches Fahrprogramm – Comfort (früher Winter) oder Standard – vorgewählt ist, die 7G-Tronic zeichnet sich durch schnelle und weiche Schaltmanöver aus. Da sie häufiger als der Fünfgangautomat die Gänge wechselt, was wegen des guten Schaltkomforts aber nicht stört, entsteht das Gefühl, dass der V8 sehr spontan am Gas hängt.

Auch geringe Leistungsanforderungen werden unmittelbar erfüllt. Besonders eindrucksvoll geschieht das jenseits der Richtgeschwindigkeit in den oberen, zueinander eng abgestuften Gängen. Das Streicheln des Gaspedals genügt, um den sechsten Gang einzulegen. Senkt sich der rechte Fuß eine Idee stärker, wird der Sechste übersprungen und direkt der Fünfte eingespannt. Wer die Gangwechsel nachvollziehen will, muss den Drehzahlmesser genau beobachten, denn das Popometer registriert sie kaum. Speziell im Comfort-Programm animiert der 306 PS starke E 500 zu einer sehr gelassenen Fahrweise. Sie wird maßgeblich von hohem Geräuschkomfort geprägt, denn die Automatik schaltet schon bei moderaten 4800 Touren hoch. Bei 100 km/h rotiert die Kurbelwelle des V8 im siebten Gang mit 1600 Touren, bei 150 sind es 2400/min. Da sind kaum Motor-, sondern fast nur Fahr- und Abrollgeräusche zu hören.

Dass der schwere Wagen (1843 kg Leergewicht) im C-Programm träge losfährt, ist ein Schönheitsfehler. Er startet hier stets in der zweiten Stufe und aktiviert beim Rückwärtsfahren auch den langen Retourgang. Im S-Programm geht es etwas hektischer und lauter zu: Der T fährt im Ersten forscher an, und der V8 dreht die Gänge auch weiter aus. Bis 5800 Touren und damit weit in jenen Bereich hinein, in dem er mit kernig-zornigem Klang einen Teil seiner guten Manieren ablegt. Manuelle Eingriffe in die Schaltlogik sind jederzeit möglich, aber im normalen Betrieb nicht notwendig. Gut gelöst: Jede Einmischung beginnt mit einer Rückschaltung, bei Unter- oder Überdrehzahl sorgt die Automatik für einen Gangwechsel. Die Fahrleistungen beeinflusst die Siebengangautomatik ebenfalls positiv. Laut Werksangabe ergeben sich klare Vorteile zum Vorgänger: drei Zehntelsekunden beim Beschleunigen auf 100 km/h und eine ganze Sekunde beim Spurt mit Kickdown von Tempo 60 auf 120.

In der Praxis geht das verbesserte Temperament mit einer Verbrauchsreduzierung einher. Weil die 7G-Tronic bei höheren Geschwindigkeiten fast immer einen gut passenden Gang parat hat, sollte eine Ersparnis von einem Liter realistisch sein. Das ändert aber nichts daran, dass der E 500 T mit einem Testverbrauch von 14,0 Litern zu den trinkfreudigen Autos zählt. Kleine Eigenarten der weitgehend perfekten Antriebseinheit sind der kurzzeitig hohe Leerlauf (1.300 U/min) nach dem Kaltstart und die danach etwas unwilligen Gangwechsel. Der Grund dafür: Um den Katalysator rasch anzuheizen, sind niedrige Drehzahlen zunächst nicht erwünscht. Das unschöne, häufiger nach dem Motorstart hörbare Brummen erzeugt der Kompressor der Luftfederung.

Mit guten kombispezifischen Merkmalen setzt das T-Modell die Messlatte hoch. Dafür sorgen der üppige Stauraum und viele pfiffige Details. Etwa die einstellbare und per Tastendruck steuerbare Schwenkhöhe der hydraulisch öffnenden Heckklappe, die automatische Laderaumabdeckung, die nützliche Ablagebox hinter den Rücksitzen und ein vielfältig und individuell nutzbares Fixkit-System (226 Euro) zur Arretierung von Gegenständen. Die serienmäßige Luftfederung Airmatic hält das Wagenniveau unabhängig von der Beladung stets konstant. Ein wichtiger Vorteil bei der hohen erlaubten Zuladung von 597 Kilogramm. Da kann man dann auch hinnehmen, dass die üblicherweise geschmeidige Federung bei sportlicher Gangart auf kurzen Unebenheiten schwächelt (adaptive Regelung). Abgesehen von gelegentlich störenden Adaptions-Aktivitäten der Servolenkung erfüllen auch Handling und Fahreigenschaften höchste Anforderungen. Ein sehr eindrucksvoller Schnelltransporter also, dieses T-Mobil, das nicht nur mit seiner Siebengangautomatik Maßstäbe setzt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • guter Qualitätseindruck
  • ausgezeichnetes Raumangebot
  • hohe Funktionalität
  • praktische Kombi-Details
Fahrkomfort
  • narrensichere Bedienung
  • ausgewogene Federung
  • bequeme Sitze
  • gute Klimatisierung
  • insgesamt zu viele Adaptions-Aktivitäten
Antrieb
  • ausgezeichnete Fahrleistungen
  • hervorragende Automatik mit
  • hohem Schaltkomfort
  • kultivierter, sehr durchzugsstarker Achtzylinder
Fahreigenschaften
  • gutmütiges Fahrverhalten
  • exakte Lenkung
  • gute Handlichkeit
Sicherheit
  • reichhaltige Sicherheitsausstattung
  • sehr standfeste Bremsen
  • Sidebags im Fond nur gegen 389 Euro Aufpreis lieferbar
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Benzinverbrauch
Kosten
  • lange Wartungsintervalle
  • hoher Anschaffungspreis
  • nur 2 Jahre Gewährleistung

Fazit

Die überzeugende Antriebseinheit, ausgezeichnete Fahrdynamik und ausgewogener Komfort sind die Stärken des Mercedes E 500 T Elegance. Als Kombi bietet das T-Modell zudem ein sehr großzügiges Raumangebot und hohe Variabilität.

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Technische Daten
Mercedes E 500 T Elegance
Grundpreis 62.988 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4850 x 1822 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 690 bis 1950 l
Hubraum / Motor 4966 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,7 s
Verbrauch 11,7 l/100 km
Testverbrauch 14,0 l/100 km
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