Audi Q7 4.2 TDI gegen Mercedes GL 420 CDI

Rädchen für alles

Foto: Hans-Dieter Seufert 26 Bilder

Sie sind die Autos für alle Fälle: Familienurlaub, Großtransport, Autobahn und Gelände. Großvolumige Diesel-Achtzylinder sorgen dafür, dass es dabei flott und noch einigermaßen wirtschaftlich vorangeht.

Auch für große Autos gibt es immer noch eine Lücke. Audi glaubt eine entdeckt zu haben. Der Allradriese Q7 entfernt sich sowohl im Design seiner Karosserie wie auch in der Fokussierung der fahrdynamischen Eigenschaften deutlich von dem, was als klassische Machart galt, als man noch von Geländewagen sprach.
Heute hat sich der amerikanische Begriff Sport Utility Vehicle eingebürgert. Das lässt sich nicht sinnvoll übersetzen, weshalb man besser bei SUV bleibt und einfach glaubt, dass damit Rädchen für alles gemeint sind. In den USA, dem Ursprungsland der Saurier-Gattung, dienen die größten SUV traditionell als Beförderungsmittel für meist ebenso zierliche wie finanziell gut versorgte Damen.
Für diesen Markt, wo die Uhren immer noch anders ticken als bei uns, sind Audi Q7 und Mercedes GL in erster Linie gemacht. Der GL bedient sich dabei konventioneller Mittel – mit einer mächtigen Kombikarosserie, auch für widrigste Bedingungen ausgelegter Allradtechnik und der Betonung auf geschmeidigen Reisekomfort.

Audi fasst den Begriff des universellen Autos etwas anders, natürlich ebenfalls mit Blick auf den US-Markt, der von herkömmlichen SUV ohnehin überflutet ist.
Da macht es Sinn, eine ganz private Lücke anzusteuern, gerade wenn man wie der Q7 relativ spät ins Geschehen eingreift. Vor der steht als bei Audi gängiges Merkmal ein großes Schild mit der Aufschrift „Sportlichkeit“. Für ernsthaften Geländeeinsatz ist der Q7 nicht gedacht, weshalb auch auf ein zweistufiges Verteilergetriebe verzichtet wurde, das der Mercedes serienmäßig besitzt.

Wer also an Expeditionen in abenteuerliche Landstriche denkt, ist mit dem Audi auf dem falschen Weg. Alltagsqualitäten freilich, jeder weiß das, sind auch im SUV-Segment längst wichtiger als die Fähigkeit, über jeden Stock und jeden Stein zu krabbeln. Aber auch auf diesem Gebiet hat der vergleichsweise konservative Mercedes die Nase vorn.

Seine Karosserie ist weit übersichtlicher, was man bei so großen Autos noch weit mehr zu schätzen weiß als bei Kompaktmodellen. Einen Fünf- Meter-Brocken wie den Audi derart unübersichtlich zu gestalten, macht den Umgang im üblichen Verkehrsdickicht unnötig schwer.
Die modische, sportlich angehauchte Linienführung hat noch einen anderen Nachteil. Beim Q7, der vor dem Betrachter steht wie ein Wohnblock, ist die maximale Gepäckraum-Kapazität eingeschränkt. Rund 2000 Liter sind zwar kein Pappenstiel, aber der Mercedes zeigt sich doch besser gerüstet für echte Transportaufgaben. Auch die menschliche Fracht bekommt positiv zu spüren, dass sie in einem so großen Auto unterwegs ist.

Das Raumgefühl ist großzügig und luftig, während der Audi mit seinen viel kleineren Fensterflächen den subjektiven Eindruck eines beträchtlich enger geschnittenen Mobils hervorruft. Ansonsten herrscht weitgehend Gleichstand. Beide präsentieren ein leicht verständliches Bedienungsschema, beide verfügen über eine reichhaltige Ausstattung, und beide rechtfertigen ihre stolzen Preise durch hochwertige Materialien und sorgfältige Verarbeitung bis ins Detail.

Zudem können sie bei Bedarf Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen. Dabei bewährt sich die das Karosserieniveau konstant haltende Luftfederung, die in beiden Fällen zur Serienausstattung gehört. Sie ist beim Mercedes höchst komfortabel abgestimmt, Bodenwellen werden zur Nebensache.
Weil alles seinen Preis hat, gehört enthusiastisches Fahren auf kurvenreichen Strecken nicht zu den Stärken des nur mäßig handlichen und mit kreischenden Reifen protestierenden Mercedes.

Ganz im Gegensatz zum Audi, der sich trotz seines enormen Gewichts als sportlich- dynamisches Auto präsentiert.

Seine flinken Lenkreaktionen und das neutrale Fahrverhalten stellen eine Besonderheit im SUV-Segment dar. Die Resultate der Fahrdynamik-Tests unterstreichen das, doch die Bestnoten dafür werden relativiert durch ein nur mäßiges Ansprechvermögen der Federung. Der Reisekomfort hält deshalb einem Vergleich mit dem des Mercedes nicht stand.
Gerade unter dem Gesichtspunkt des Komforts spielen die überaus kräftigen Motoren der beiden Konkurrenten eine wichtige Rolle. Es sind die stärksten Diesel, die derzeit bei Audi und Mercedes zu haben sind, und sie sorgen für Fahrleistungswerte, die noch vor wenigen Jahren einem Sportwagen gut zu Gesicht gestanden hätten.

Der Audi sprintet noch etwas besser als der Mercedes, aber weil die Straße kein Dragstrip ist, sollte man das nicht überbewerten. Entscheidend ist in beiden Fällen, dass jederzeit ein Drehmoment-Überfluss zur Verfügung steht, der von erstklassigen Automatikgetrieben aufbereitet wird, Steigungen glattbügelt und das Erreichen des gewünschten Reisetempos auf eine sekundenkurze Bewegung des rechten Fußes reduziert.

Das Fahren wird damit von einer souveränen Gelassenheit geprägt, was den Blick auf die Verbrauchswerte gleich deutlich milder macht. Bemerkenswert ist immerhin, dass der nochmals stärkere Audi erheblich sparsamer läuft als der schwerere und im Luftwiderstand geringfügig unterlegene Mercedes. Der punktet, was die Eigenschaften angeht, vor allem mit Karosserie- und Komfortqualitäten erfolgreicher als der Audi, muss dem aber dann doch den Gesamtsieg überlassen. Das ist nun einmal die logische Folge, wenn zwei gute Autos so unterschiedlich teuer sind.

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Fazit

1. Audi Q7 4.2 TDI
521 Punkte

Die vergleichsweise günstige Kostenbilanz sorgt für den Sieg des überzeugend auf Fahrdynamik ausgelegten Q7.

2. Mercedes GL 420 CDI
505 Punkte

Der GL gewinnt die Eigenschaftswertung, weil er die klassischen Vorzüge eines SUV mit hohem Komfort vereint.

Technische Daten
Audi Q7 4.2 TDI Quattro Luftfederung Mercedes GL 420 CDI
Grundpreis 71.700 € 85.442 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5086 x 1983 x 1697 mm 5088 x 1920 x 1840 mm
KofferraumvolumenVDA 775 bis 2035 l 620 bis 2300 l
Hubraum / Motor 4134 cm³ / 8-Zylinder 3996 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 240 kW / 326 PS bei 3750 U/min 225 kW / 306 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 236 km/h 230 km/h
0-100 km/h 6,7 s 7,9 s
Verbrauch 11,1 l/100 km 11,6 l/100 km
Testverbrauch 13,3 l/100 km 14,6 l/100 km
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