Mercedes ML 420 CDI gegen BMW X5 3.0sd

Dampfes Lust

Foto: Hans-Dieter Seufert 43 Bilder

Während der Mercedes ML 420 CDI mit einem 306 PS starken Achtzylinder-Diesel in den Ring steigt, kontert der BMW im neuen X5 3.0sd mit dem doppelt aufgeladenen Dreiliter-Reihensechszylinder mit 286 PS.

Spezifische Leistungen von 95,6 PS pro Liter Hubraum waren noch vor wenigen Jahren meist nur bei Motorrad-Triebwerken zu finden. Nun sind sogar Dieselmotoren in diese Bereiche vorgedrungen. In seiner jüngsten Ausführung produziert der nach Dreier, Fünfer und X3 nun auch im X5 3.0sd eingesetzte Dreiliter-Diesel von BMW 286 PS.
Fairerweise muss allerdings angemerkt werden, dass der Hubraum nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die üppige Ausbeute ist in erster Linie der speziellen Aufladetechnik mit zwei in Reihe geschalteten Turboladern zu verdanken. Ein kleiner, früh ansprechender Turbolader liefert bereits ab Leerlaufdrehzahl genügend Dampf, so dass sich der rund 2,3 Tonnen schwere X5 ohne die geringste Anfahrschwäche sehr temperamentvoll in Bewegung setzt.

Bis 50 km/h sogar schneller als der ML 420 CDI, dessen 306 PS starker Vierliter-V8 zwar auch über zwei Turbolader verfügt, die aber parallel jeweils eine Zylinderbank beatmen. Dagegen greift beim X5 der zweite, deutlich größere Lader erst bei steigenden Drehzahlen zunehmend ins Geschehen ein, um bei hohen Touren die Verdichtungsarbeit weitgehend alleine zu übernehmen.

Daraus resultiert ein sehr breites nutzbares Drehzahlband mit der für einen Selbstzünder ungewöhnlich hohen Nenndrehzahl von 4400 Touren. Der ML 420 CDI gibt seine Höchstleistung bereits bei 3600/min ab. Beim maximalen Drehmoment hingegen überflügelt der Mercedes den BMW mit 700 zu 580 Newtonmetern deutlich.
Entsprechend lässig schiebt der Achtzylinder die nochmals knapp 70 Kilogramm schwerere M-Klasse an, die den Sprint von null auf 100 km/h geradezu beiläufig in unter sieben Sekunden erledigt. Nur eine halbe Sekunde länger benötigt der X5 , doch der Vorsprung der M-Klasse wird bei zunehmendem Tempo immer größer.

Einen gewissen Abstand halten die beiden Sparringspartner auch beim Preis. Beim BMW-Testwagen müssen zum Grundpreis von 59 500 Euro noch 3290 Euro für das Adaptive-Drive-System mit Wankstabilisierung und verstellbaren Dämpfern, 1300 Euro für die Aktivlenkung und 790 Euro für die Luftfederung an der Hinterachse hinzuaddiert werden, da diese entscheidenden Einfluss auf die Bewertung der Eigenschaften haben.
Das ergibt einen für die Punktwertung maßgeblichen Preis von 64 880 Euro. Damit bleibt der X5 immer noch deutlich unter dem knapp 69 500 Euro teuren ML 420 CDI, der seit einer kleinen Modellpflege Mitte des Jahres serienmäßig über 19-Zoll- Räder und Airmatic verfügt.

Im Gegensatz zum BMW ruhen beim Mercedes auch die Vorderräder auf Luftpolstern. Insgesamt ist die Federung des ML spürbar komfortabler ausgelegt und schirmt die Insassen effektiver gegen Fahrbahnunebenheiten jedweder Wellenlänge ab als die des sportlich-straffen X5. Besonders groben Stößen nimmt jedoch auch er wirkungsvoll die Härte.

Der BMW brilliert vor allem in puncto Fahrdynamik.

Im direkten Vergleich fühlt sich der X5 an wie ein hoch gesetztes Kart – nicht zuletzt dank seinen optionalen Fahrdynamik-Systemen.
Auch die perfekt ausbalancierte Gewichtsverteilung von 50:50 durch den leichteren Sechszylindermotor im Bug leistet dazu einen Beitrag. Leichtfüßig tänzelt der massige BMW im Slalom um die Pylonen wie Schwergewichtsboxer Cassius Clay zu seinen besten Zeiten im Ring. Kurven umrundet er mit deutlich weniger Seitenneigung als der stark wankende ML.
Nicht, dass der bei schnellem Einlenken leicht untersteuernde Mercedes deswegen weniger fahrsicher wäre, aber flottes Kurvenfahren erfordert mehr körperlichen Einsatz vom Fahrer. Einerseits, weil der Lenkaufwand durch die indirekte Lenkung merklich höher ist. Andererseits, weil man sich stärker gegen die Wankbewegungen stemmen muss.
Trotz all dieser Nachteile gelingt es dem BMW aber nicht, dem Mercedes auf und davon zu fahren. Denn der zoomt sich dank seinem drehmomentstarken Motor auf der Geraden wieder groß in den Rückspiegel des X5 und holt die in Kurven verlorenen Meter locker wieder auf.
Wo der ML zudem ohne Runterschalten vehement beschleunigt, schaltet der X5 oft erst einen Gang runter. Der Mercedes-V8 ist dabei nicht nur leiser als der BMW-Motor, er klingt auch besser. Die längere Übersetzung des Siebengang- Getriebes im ML senkt die Fahrgeräusche bei hoher Geschwindigkeit zusätzlich.

Der theoretische Vorteil des BMW-Downsizing- Konzepts beim Verbrauch bestätigt sich in der Praxis nur bedingt. Der doppelt aufgeladene Dreiliter ist zwar sparsamer als der V8, aber nicht in dem Maße, wie es der Normverbrauch verspricht.
Am Ende erlangt der ML einen knappen Punkt-, aber keinen K.o.-Sieg über den X5. Größer als die Differenz nach Punkten sind bei den beiden allerdings die Unterschiede im Charakter: komfortabel-souverän der Mercedes ML 420 CDI, sportlich-agil der BMW X5 3.0sd.

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Fazit

1. Mercedes ML 420 CDI
505 Punkte

Der famose Achtzylinder-Diesel und der sehr gute Federungskomfort prädestinieren den ML zu souveränen Begleiter auf langen Strecken.

2. BMW X5 3.0sd
501 Punkte

Die herausragende Stärke des X5 ist seine hohe Fahrdynamik. Der Motor kommt trotz hoher Leistung nicht ganz an die Qualitäten eines Achtzylinders heran.

Technische Daten
Mercedes ML 420 CDI BMW X5 xDrive35d
Grundpreis 70.448 € 60.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4780 x 1911 x 1779 mm 4854 x 1933 x 1739 mm
KofferraumvolumenVDA 551 bis 2010 l 620 bis 1750 l
Hubraum / Motor 3996 cm³ / 8-Zylinder 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 3600 U/min 210 kW / 286 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 235 km/h
0-100 km/h 6,9 s 7,4 s
Verbrauch 11,1 l/100 km 8,3 l/100 km
Testverbrauch 13,4 l/100 km 12,8 l/100 km
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