Mercedes S 450 im Test

Acht-Wort

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Die 450er-S-Klasse ist zurück. Vor 30 Jahren war ein Mercedes dieses Namens Spitzenmodell der Baureihe W116. Heute ist der S 450 die preisgünstigste Möglichkeit, eine S-Klasse mit Achtzylinder zu fahren.

Ein Billigheimer ist die elegante Limousine keineswegs – und auch nicht die ultimative Möglichkeit, Bescheidenheit auf hohem Niveau vorzuleben. Wer in Zeiten reduzierter Weihnachtsgelder und zunehmenden Sozialneids tiefstapeln will, lässt wenigstens das Typenschild weg. Muss ja nicht jeder wissen, dass man sich einen Achtzylinder leistet. Der S 450 ist ein ausgesprochen feines, gediegenes Auto und keine rollende Verzichtserklärung – trotz etwas weniger Leistung und Ausstattung. Und er ist ein faires Angebot für alle, denen ein S 350 mit Sechszylinder nicht stark und repräsentativ genug, ein um 12 500 Euro kostspieligerer S 500 aber schon zu abgehoben ist.

Den ab sofort lieferbaren S 450 gibt es mit kurzem und langem Radstand, beide auch als 4matic-Version mit zusätzlich angetriebener Vorderachse. Für den Antrieb sorgt ein 4,7-Liter-Motor, der seinen Ersteinsatz im GL erlebte. Peu à peu wird sich das 340 PS starke Flüster-Triebwerk auch in anderen Baureihen wiederfinden. Der neue Vierventiler erweist sich als ein Musterknabe in puncto Laufruhe, lässt sich willig hochdrehen – im Extremfall bis 6400 Touren – und glänzt mit überzeugender Elastizität. Die 460 Nm maximales Drehmoment stehen zwischen 2700 und 5000 Touren an, die 70 Nm Unterschied zum 5,5- Liter-V8 des S 500 spielen im Normalbetrieb keine Rolle.

Mit den laut Messwert über zwei Tonnen Leergewicht des Autos wird der Achtzylinder spielend fertig. Er kommt zwar mit Super-Kraftstoff aus, ist aber kein Kostverächter und genehmigt sich im Durchschnitt über 14 Liter/100 km. Die serienmäßige Siebenstufen-Automatik sorgt für harmonische Anfahrvorgänge, die Gangwechsel sind kaum zu spüren. Entbehrlich ist die manuelle Schalteingriffsmöglichkeit (Direct Select) durch Tasten auf der Rückseite des großen Lenkrads. Man braucht sie allenfalls beim Befahren starker Gefälle. Das ebenfalls zum Lieferumfang gehörende Luftfederfahrwerk mit aktiver Dämpferregelung stellt ein Optimum an Komfort und Dynamik dar.

Beispielhaft ist der Abrollkomfort des mit 18- Zoll-Rädern bestückten Testwagens. Seine Seitenneigung hält sich selbst bei voller Beladung in Grenzen, spürbar ist nur eine leichte Tendenz zum Untersteuern. Optional gibt es ein selbstregelndes ABC-Fahrwerk, aber das braucht man hier nicht. Das Lenkgefühl ist etwas teigig, die Lenkkräfte sind relativ hoch – aber immer noch akzeptabel. Im Vordergrund der Entwicklung stand zweifelsohne der Komfort. Zwar ist die Serienausstattung – kein Leder, keine Sitzheizung, kein Memorypaket, keine Metallic-Lackierung – gegenüber dem S 500 etwas abgespeckt, aber alle wesentlichen Elemente sind an Bord. Beeindruckend ist die Geräuschdämmung, die selbst bei hoher Geschwindigkeit eine Konversation in normaler Lautstärke erlaubt.

Die Sitzposition ist relativ hoch, ohne dass die Kopfhöhe leidet. Als gelungen erweist sich erneut das Comand- Infotainment-System, das trotz aller elektronischer Gimmicks sogar eine stilvolle Uhr zulässt. Kritik verdient jedoch die Betätigung der Fensterheber, die gerade im Dunklen zu Fehlbedienungen führen kann. Als 1973 der damalige 450er kam, war er der Gipfel des Machbaren. Daran änderte selbst der zwei Jahre später nachgereichte 450 SEL 6.9 nichts. Auch heute ist der S 450 ein echtes Spitzenmodell, obwohl er nach Hubraum und Leistung nur im Mittelfeld rangiert.

Fazit

Die 450er S-Klasse überzeugt mit guter Verarbeitung und Qualität, großzügigen Platzverhältnissen, einem sehr guten Federungskomfort und einem geschmeidigen Abrollverhalten. Der Motor ist laufruhig und durchzugsstark. Anzulasten sind ihr nur die etwas reduzierte Ausstattung und der hohe Verbrauch.

Technische Daten
Mercedes S 450
Grundpreis 83.717 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5076 x 1871 x 1473 mm
KofferraumvolumenVDA 560 l
Hubraum / Motor 4663 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 250 kW / 340 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,2 s
Verbrauch 11,2 l/100 km
Testverbrauch 14,6 l/100 km
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