Mercedes S 600 im Test

So fährt sich das Luxusmodell

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Es gibt wieder ein S-Klasse-Oberhaupt mit zwölf Zylindern: Der neue Mercedes S 600 ist fast 50.000 Euro teurer als ein langer S 500. Kann der Spitzentyp so viel mehr? Reden wir nicht mehr über Geld, sondern über Schub. Über das Fahren, das eigentlich mehr ein Zoomen ist, obwohl der neue S 600 gut 150 Kilogramm mehr wiegt als sein Vorgänger.

Genug ist nicht zwangsläufig genug. Natürlich muss es nicht der Zwölfzylinder sein, auch ein S 500 macht im Zweifelsfall glücklich. Aber die Vernunftsfrage lässt sich bis hinunter zum S 320 CDI durchreichen und ergibt deshalb nicht wirklich tieferen Sinn. Theoretisch wäre ja auch eine E-Klasse genug. Sehr theoretisch, denn in der Regel lebt ein S 600 bei Menschen, denen der Grundpreis nicht wirklich Kopfzerbrechen bereitet. Er relativiert sich zudem beim näheren Studium der Preisliste.

Ein S 600 kostet 143.724 Euro und ist damit über 48.000 Euro teurer als die Langversion des S 500. Allerdings beinhaltet das Spitzenmodell auch Ausstattungszugaben im Gegenwert von rund 26 000 Euro: Das Rundum-Glücklich-Paket umfasst unter anderem das aktive ABC-Fahrwerk, Comand-Navigationssystem, Harman-Kardon-Soundanlage nebst DVD-Wechsler, Multikontursitze vorne und hinten sowie dickhäutiges Exklusiv-Leder. Das alles müssen Käufer des 500er extra ankreuzen, so dass sich der Aufpreis für den doppelt aufgeladenen Zwölfzylinder auf etwas mehr als 22 000 Euro reduziert. Immerhin, diese Summe würde auch für den neuen A 180 CDI des stellvertretenden Abteilungsleiters reichen.

Aber für den Aufstieg in den Limousinen-Olymp erscheint die Größenordnung nicht vollkommen absurd. Sicher, selbst 600-Aspiranten können leicht noch einmal 20.000 Euro in Sonderwünschen versenken.

Der Nachtsicht- Assistent ist auch bei der Ober-S-Klasse nur optional zu haben, ebenso wie das Panorama-Schiebedach, die Rückfahr-Kamera – und eine Selbstverständlichkeit wie Isofix für die Rückbank. Aber die Relativitäts- Theorie der Premium-Klasse lässt auch eine Gegenrechnung zu: Ein Maybach 57 etwa ist über 220.000 Euro teurer. Den S 600 schiebt der prinzipiell gleiche Motor an, und selbstverständlich erledigt er seinen Job in der S-Klasse entschiedener als im schweren Galakreuzer aus der Kleinserien-Manufaktur.

Reden wir also nicht mehr über Geld, sondern über Schub. Über das Fahren, das eigentlich mehr ein Zoomen ist, obwohl der neue S 600 gut 150 Kilogramm mehr wiegt als sein Vorgänger. Er ist, wie die 2300 Kilogramm des Testwagens zeigen, auch schwerer als im Fahrzeugschein angegeben. Das lässt die erlaubte Zuladung auf 388 Kilogramm schmelzen.

Ein etwas schütterer Wert im Segment der beweglichen Vorstandszimmer – aber glücklicherweise auch das einzige praktisch fühlbare Zugeständnis an die Masse des Topmodells. Er ist ein schwerer Wagen, aber kein behäbiger. Wer vom S 320 CDI in den 600er umsteigt, registriert das um eine Nuance weniger spontane Einlenken, das etwas zähere Handling, den geringfügigen Verlust an Leichtigkeit. Absolut gesehen teilt aber auch der S 600 das subjektive Handlichkeits-Gefühl der schwächeren Modelle: Auf engen Landstraßen oder in der Rushhour fühlt er sich nicht nach 5,20 Metern an, sondern mehr nach E-Klasse.

Vor allem aber begegnet er welligen Straßen noch eine Spur gelassener als die weniger potenten Kurzversionen: Vergebens warten seine Benutzer auf nachlassenden Federungskomfort bei hohem Tempo und die Wahrnehmung von Wellen und Fugen, die ihnen auf der Hausstrecke seit Jahren bekannt vorkamen.

Er macht sie dank höherem Gewicht und langem Radstand mit kommentarloser Samtigkeit platt – vor allem im Comfort-Fahrprogramm, das mit dem Charakter des Chefwagens besser harmoniert als die Sport-Stufe, die allerdings immer noch mit tadellosen Manieren überzeugt. Der Alltag als schwebendes Verfahren. Das passt zur Beiläufigkeit, mit der ein S 600 seine 830 Newtonmeter Drehmoment freisetzt. Ein fernes Fauchen begleitet ihn auf der linken Spur, leise genug, um Windgeräusche und das Atmen der Fahrdynamiksitze als störend wahrzunehmen: Währenddessen drückt er in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf 100 und braucht ganze 15,1 Sekunden bis zur 200er-Marke.

Er hinterlässt dabei die Erkenntnis, dass es ein Porsche 911 Carrera S einen Hauch schlechter kann – und leise Enttäuschung beim vollkommen lakonischen Erreichen der elektronischen 250-km/h-Begrenzung. So führt er als Inkarnation des schnellen Raumgleiters die lange Ahnenreihe der Obendrüber-S-Klassen fort. Doch, die ebenso zarte wie hellwache Fünfgang- Automatik reicht ihm dafür, auch wenn die kleineren Modelle mittlerweile sieben Fahrstufen sortieren.

Nein, vernünftig ist ein S 600 spätestens beim Blick auf die Tankuhr nicht mehr, weil er bei engagierter Fahrweise nach reichlich 20 Liter Super Plus auf 100 Kilometer verlangt. Sicher, Grobmotoriker treiben ihn schneller in den ESP-Regelbereich als einen S 500, dann outet sie sanftes Schwänzeln als Banausen, denen die Botschaft des Bahnburners entgangen ist. Aber nur sie könnte ein S 600 unter Umständen unglücklich machen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Platzangebot
  • großer Kofferraum
  • gediegenes Finish
Fahrkomfort
  • hoher Gesamtkomfort
  • sehr guter Federungskomfort
  • ausgezeichnete Sitze
  • kultivierter und leiser Motor
  • sehr effiziente Klimatisierung
  • störende Windgeräusche
Antrieb
  • erstklassige Fahrleistungen
  • harmonisch abgestimmtes Automatikgetriebe
  • durchschnittliche Reichweite
Fahreigenschaften
  • hohe Fahrsicherheit
  • gute Handlichkeit
  • präzise Lenkung
  • Traktionsschwächen
Sicherheit
  • sehr gute Bremsen
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • umfangreiche Ausstattung
  • hoher Anschaffungspreis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Außerordentliche Fahrleistungen, hohe Sicherheit, exzellenter Komfort und umfangreiche Ausstattung. Aber auch Kaufpreis, Benzinverbrauch und Unterhaltskosten des Mercedes S 600 liegen im High-End-Bereich.

Technische Daten
Mercedes S 600 lang
Grundpreis 154.284 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5206 x 1871 x 1473 mm
KofferraumvolumenVDA 560 l
Hubraum / Motor 5513 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 380 kW / 517 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 4,5 s
Verbrauch 14,3 l/100 km
Testverbrauch 18,2 l/100 km
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