Mercedes S 63 AMG

S-presso

Der Mercedes S 63 AMG ist die werksgetunte Variante des Mercedes-Flaggschiffs und bietet Power ohne Ende: 444 PS Leistung und 620 Nm Drehmoment.

Sechs-drei klingt schon mal gut – ganz besonders wenn die Zifferkombination am Heck eines Mercedes prangt. Schließlich ist das neue AMG-Spitzenmodell nicht der erste Sechs-Dreier. Den gab es bereits vor 30 Jahren, und er war schon damals ein Fall für sich.

Mit dem 300 SEL 6.3 verkaufte Mercedes seinerzeit eine S-Klasse, noch dazu mit dem langen Chauffeurs-Radstand, die selbst die besonders hochkarätigen Sportwagen dieser Zeit in Grund und Boden beschleunigen konnte.

Ganz zu schweigen von der AMG-Version, mit der die Mercedes-Tuner aus dem schwäbischen Affalterbach erstmals richtig Furore machten. Von 250 auf 320 PS getunt spurtete die Monsterlimousine im auto motor und sport-Test in 6,7 Sekunden von null auf Tempo 100. Das frühe Kraftwerk ist der Urstoff für den aktuellen S 63.

Die Rezeptur blieb unverändert, nur die Dosierung hat sich geändert. Die Neuauflage trägt in allen Bereichen dicker auf – mehr Zylinder, mehr Leistung, mehr Format, auch mehr Gewicht. Der Sechs-drei von heute basiert auf dem S 600 lang, misst 5,16 Meter und wiegt satte 2.051 Kilogramm. Sein Vorfahre begnügte sich noch mit fünf Metern und 1.868 Kilogramm.

Entsprechend kräftig musste die Leistung zulegen. Um dem Zwölfzylindermotor der Ausgangsbasis die notwendigen Reserven zu entlocken, scheut man bei AMG nicht einmal den Aufwand, das serienmäßige Kurbelgehäuse durch eine Spezialanfertigung mit optimiertem Kühlsystem zu ersetzen, um es sodann mit einer anderen, aus dem Vollen gefrästen Kurbelwelle und mit leichteren Kolben zu bestücken.

Nockenwellen mit mehr Ventilhub, voluminösere Saugrohre, eine widerstandsärmere Auspuffanlage sowie ein neu abgestimmtes Motormanagement runden das Leistungspaket ab. Ein bis 320 km/h reichender Tacho gehört ebenfalls dazu.

Das Ergebnis: Der von 87 auf 93 Millimeter verlängerte Kolbenhub und die um 0,5 Millimeter erweiterte Bohrung vergrößern den Hubraum von 5,8 auf 6,3 Liter. Zugleich schwillt die Nennleistung von 367 auf 444 PS an, und das Drehmoment gipfelt bei 620 Nm, während zuvor 530 Nm zu verzeichnen waren.

Derart aufgerüstet blühen dem S-Klasse-Fahrer Fahrleistungen auf dem Niveau respektabler Sportwagen. Zwar erreichte der Testwagen in der Paradedisziplin von null auf 100 km/h nicht ganz die Werksangaben (5,7 Sekunden), aber auch die gemessenen 5,9 Sekunden sind nicht von schlechten Eltern. In dieser Gewichtsklasse kann da lediglich der A8 W12 von Audi mithalten.

Noch mehr beeindruckt freilich die Gelassenheit, mit der dieses Zweitonnengefährt dabei zu Werke geht. Nur wenige Autos bieten einen derart perfekten Beschleunigungskomfort, wobei der S 63 von der vorbildlich abgestimmten Fünfgangautomatik nach Kräften unterstützt wird. Es ist eine sanfte Gewalt, die einen überfällt, und oft stellt man beim Blick in den Rückspiegel überrascht fest, dass wieder keiner folgen konnte.

Damit der Vorsprung durch Tuning auch auf der Autobahn stets gewahrt bleibt, verzichtet AMG auf besonderen Wunsch sogar auf die im Testwagen eingebaute Tempobegrenzung. Statt 250 sollen dann 280 km/h im Bereich des Möglichen liegen, was in Anbetracht der Vortriebsreserven beim Einschreiten der Abregelung durchaus glaubhaft erscheint.

Bei allem Leistungsüberfluss gilt aber auch für den S 63: Wer von einer Limousine im XXL-Format sportliches Gebaren erwartet, ist auf dem falschen Dampfer. Daran vermögen auch die etwas kernigeren Töne aus dem Motorraum nichts zu ändern. Ein Polo mit leicht angebohrtem Auspuff bereitet akustisch mehr Beschleunigungsvergnügen als dieses unheimlich starke, zugleich aber unheimlich sanfte Auto.

Dazu passen die Fahreigenschaften. Sportliche Härte ist hier kein Thema, denn in weiser Voraussicht ließen die AMG-Tuner das aktiv regelnde ABC-Fahrwerk des S 600 unangetastet. Schließlich verknüpft es erstklassigen Komfort mit verblüffenden Handlingqualitäten. In Anbetracht der Masse, die es hier zu bändigen gilt, dürften sie schwer zu übertreffen sein.

Willkommen sind hingegen die 19-Zoll-Räder an Stelle der serienmäßigen 17-Zöller. Sie ermöglichen nicht nur deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten, sondern nützen obendrein den stark strapazierten Traktionsreserven des drehmomentgewaltigen Hecktrieblers. Da nimmt man auch die höheren Abrollgeräusche gern in Kauf.

Dass dergleichen von AMG gesondert in Rechnung gestellt wird (9.983 Mark, ohne Reifen), wirft zugleich ein Licht auf den besonderen Status des S 63. Im Gegensatz zu den regulären Offerten des Mercedes-Haustuners handelt es sich hier nicht um ein Serienmodell, wie es in den Mercedes-Preislisten zu finden ist.
Stattdessen bekommt man eine maßgeschneiderte Einzelanfertigung. Motto: Des Kunden Wunsch ist sein Himmelreich – vorausgesetzt er ist flüssig genug, um angesichts der AMG-Preise die aufrechte Haltung zu bewahren.

116.747 Mark (zuzüglich 220.070 für die Basis) verlangt die Affalterbacher PS-Klinik für 77 Mehr-PS – oder für das Vergnügen, Tempo 200 1,2 Sekunden schneller erreichen zu können als in einem gewöhnlichen Mercedes S 600. Und rund 70  Kunden pro Jahr, so schätzt man bei AMG aus Erfahrung, wird es das auch wert sein.

Fazit

Leistung im Überfluss, ausgezeichnete Fahreigenschaften, hervorragender Komfort und Platz in Hülle und Fülle - unter den Elitewagen der Welt ist der S 63 unübertroffen. Aber das gilt auch für die Basis, den Mercedes S 600 - und der ist nur unwesentlich langsamer, aber erheblich preiswerter.

Technische Daten
Mercedes S 63 AMG
Grundpreis 163.230 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5158 x 1855 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 6258 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 326 kW / 444 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,9 s
Verbrauch 14,4 l/100 km
Testverbrauch 15,5 l/100 km
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