Mercedes SLK 55 AMG im Test

Baller prima

Foto: Rossen Gargolov 14 Bilder

Unter der Motorhaube des neuen Mercedes SLK 55 AMG ballert ein 360 PS starkes Achtzylinder-Triebwerk. Macht ihn das reif für die Champions League der zweisitzigen Coupé-Cabrios?

Das liegt wahrlich in der Natur der Sache: V8 ist immer gut, aber es gibt noch Steigerungsmöglichkeiten. Verpflanzt man ihn zum Beispiel in einen kompakten Zweisitzer, dann ist bereits spontaner Beifall von der Fantribüne programmiert. Daran vermögen inzwischen auch die Buchstaben SLK nichts mehr zu ändern. Jedenfalls scheinen die Zeiten vorbei, als der Nachwuchsroadster noch als frisurschonendes Transportmittel für Girlies und Besitzer von Bräunungsstudios abgestempelt wurde. Seit der SLK in der zweiten Auflage vorliegt, kommt auch die Liga der Sportfahrer auf ihre Kosten. Beim SLK 350 mit 272 PS zumindest steht dem sportlichen Fahrerlebnis nichts mehr im Weg. Wenig verwunderlich, dass angesichts der neuen Talente zugleich der Ruf nach einer Zugabe laut wird.

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Einzeltest Mercedes SLK 55 AMG
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So winkte Mercedes vorsorglich schon bei der Vorstellung des SLK mit einer AMG-Variante – nun steht sie zur Verfügung. Und es wird, wie von AMG gewohnt, aus dem Vollen geschöpft. Wo bislang sechs Zylinder feuerten, versenkte man den eigenen V8, was den SLK umgehend in eine höhere Liga befördert. Die Ausführung entspricht jener im C 55 AMG. Das 5,4-Liter-Aggregat erreicht 360 PS, dazu 510 Nm Drehmoment, auf den bei anderen Applikationen üblichen Kompressor wird hier verzichtet. Kein Problem: Setzt man die Werte nämlich in Relation zum Gewicht (Testwagen: 1572 Kilogramm), zeigt sich, dass keinesfalls zu knapp kalkuliert wurde. Jedes PS befördert nur 4,4 Kilogramm, ein Porsche 911 (4,5 kg/PS) oder der 476 starke SL 55 AMG (4,0 kg/PS) tun sich kaum leichter.

Entsprechend spielerisch geht der V8 mit dem SLK um. Ohne besondere Anstrengung pfeffert er das Auto über den Asphalt und die Insassen in die Sitze, wobei es ihm ziemlich egal ist, bei welcher Drehzahl man gerade beschleunigt. Genügend Leistung bietet er praktisch immer. Dabei darf sich der Fahrer darauf verlassen, dass ihm so leicht keiner davon fährt. Wer es darauf anlegt, kann in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigen und in elf Sekunden 160 km/h erreichen, Werte, die den Vergleich mit dem erheblich besser bestallten SL 55 aushalten.

Bei 250 km/h hat es sich freilich ausbeschleunigt, wie üblich bei Mercedes auf elektronischen Befehl.

So weit, so gut. Gleichwohl muss sich der SLK 55 die Frage gefallen lassen, ob es reicht, um die erhofften sportlichen Gefühle zu wecken.

PS-Connaisseure wissen: Kraft allein tut es da nicht, denn das Temperament ist der Schlüssel zum Sportwagenglück – ein Merkmal, für das die Achtzylindermotoren von Mercedes bisher nicht gerade berühmt waren.

Daran gemessen ist dieser AMG-V8 ein Schritt in die richtige Richtung. Nein, ganz so aufgeweckt wie etwa die M-Motoren von BMW agiert der überarbeitete Dreiventiler nicht, aber immerhin erfüllen Ansprechverhalten und Drehwilligkeit den geforderten Mindeststandard: Sie machen Laune.

Auch jenseits von 6000 Touren atmen die acht Zylinder noch frei durch. Maximal 6700/min sind erlaubt, ein Angebot, auf das man gern zurückgreift, und sei es auch nur aus akustischen Gründen. Der aggressive AMG-Sound macht es die Sache wert.

Sonst reichen bescheidenere Drehzahlen, um dem V8 die PS zu entlocken. Schon bei 5750/min sind sie vollzählig zur Stelle, bereits ab 3000/min spielt die Musik.

So gesehen brauchte es eigentlich auch keine sieben Gänge, fünf würden dem muskulösen Achtzylinder vollauf genügen. Andererseits liegt die Siebengangautomatik bei Mercedes ja schon griffbereit im Regal (unter anderem für den SLK 350), und anders als bei den kompressorgefütterten V8-Motoren zeigt sie sich beim Sauger drehmomentseitig nicht überfordert.

Sechster und Siebter fungieren wie beim SLK 350 als Schongänge, im Hinblick auf den sportlichen Gebrauch musste sich das aufwendige Aggregat allerdings einige Modifikationen gefallen lassen.

Ein spezielles Schaltprogramm ermöglicht es, manuell die Gänge zu wählen, ohne dass der Automat nach Gutdünken hochschaltet. Außerdem können die Schaltvorgänge wahlweise über Tasten am Lenkrad erfolgen, und im Automatikmodus wird beim Verzögern automatisch zurückgeschaltet.

Die Praxis zeigt, dass es daran kaum etwas auszusetzen gibt, zumal in der Automatikstellung im Normalfall keine übertriebene Schalthektik herrscht.

Damit unterscheidet sich der SLK 55 auch wohltuend vom schmächtiger motorisierten SLK 350.

Den Kraftfluss auf die Hinterräder beaufsichtigt eine Elektronik, die überschüssiges Drehmoment zuverlässig in Schach hält – sicher eine sinnvolle Sache, obgleich ein Sperrdifferenzial zur Verbesserung der Traktion sportlicher wäre.

So aber muss sich der Fahrer damit abfinden, dass auch bei abgeschaltetem ESPSystem die Traktionskontrolle ASR weiterhin aktiv bleibt.

Mit anderen Worten: Wer in Kurven den spektakulären Drift schätzt, sitzt im falschen Auto, gegen kleinere Schräglaufwinkel hat AMG aber nichts einzuwenden.

Die für den Fahrbetrieb eher unmaßgebliche Einschränkung ändert nichts daran, dass der SLK auch auf gewundenen Straßen seinem Anspruch gerecht wird. Das sportlich gestraffte Fahrwerk und reichlich Gummi auf der Fahrbahn (vorn 225/40 R 18, hinten 245/35 R 18) garantieren Kurvengeschwindigkeiten weit jenseits des Üblichen.

Eindrucksvoll ist besonders die Gelassenheit und Präzision in schnellen Wechselkurven, etwas weniger ausgeprägt hingegen sein Talent zum Hakenschlagen: Es gibt agilere Sportwagen, was in Anbetracht der Tatsache, dass hier 54 Prozent des Eigengewichts (845 Kilogramm) auf den Vorderrädern lasten, nicht überrascht – da bewegt sich der SLK 350 auf leichterem Fuß.

Nicht verwunderlich die Komforteinbußen: Die Sportlichkeit hat ihren Preis. Bodenwellen größeren Ausmaßes werden nur unvollkommen geschluckt, auch bei langsamer Fahrt lässt die Federung die Insassen bisweilen heftig zusammenzucken.

Über jeden Zweifel erhaben die Bremsen: Im Test erzielte der SLK 55 Traumwerte.

Wie nicht anders zu erwarten, spiegelt sich die AMG-Kur auch im Preis wider. 63 974 Euro kostet das V8-Vergnügen, 20 590 mehr als ein SLK 350.

Aber man kann es auch anders sehen: Wer ähnliche Fahrleistungen bei Porsche einkauft, muss noch mal 11 226 Euro drauflegen.

Vor- und Nachteile

KAROSSERIE
  • -reichlich Platz für zwei -bei geschlossenem Dach großer Kofferraum -guter Qualitätseindruck -dank Falthardtop Coupé-Komfort
  • -bei offenem Dach kleiner Kofferraum
FAHRKOMFORT
  • -bequeme Sitze -gute Klimatisierung
  • -straffe Federung
ANTRIEB
  • -drehmomentstarker V8-Motor -erstklassige Fahrleistungen -gut angepasste Automatik -anregender Sound
FAHREIGENSCHAFTEN
  • -hohe Fahrstabilität in Wechselkurven -präzises Lenkverhalten -gut abgestimmtes ESP
  • -mäßige Agilität in engen Kurven
SICHERHEIT
  • -reichhaltige Sicherheitsausstattung -sehr gute Bremsen
UMWELT
  • -erfüllt die EU4-Abgasnorm
  • -hoher Verbrauch
KOSTEN
  • -gemessen an der Leistung attraktiver Preis
  • -hohe Unterhaltskosten

Fazit

Die AMG-Version es SLK erfüllt das, was man von ihr erwartet: Der V8-Motor schöpft aus dem Vollen, die Fahrleistungen sind Spitze, und das Fahrwerk kennt keine Schwächen. Allerdings gibt es agilere Sportwagen.

Technische Daten
Mercedes SLK 55 AMG
Grundpreis 68.128 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4087 x 1794 x 1271 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l
Hubraum / Motor 5439 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 265 kW / 360 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 4,9 s
Verbrauch 12,1 l/100 km
Testverbrauch 14,4 l/100 km
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