Mercedes Viano gegen VW Multivan

Business-Masse

Foto: Achim Hartmann

Die Alleskönner bewegen sich auf dem schmalen Grat zwischen Transporter und Großraumlimousine. Im Test die jeweils stärksten Dieselvarianten mit 150 respektive 174 PS.

Während VW in der Oberklasse mit dem Phaeton versucht, in der Domäne von Mercedes Fuß zu fassen, findet das Duell im Segment der großen Vans mit umgekehrten Vorzeichen statt. Im letzten Jahr standen den knapp 35 000 Einheiten des VW T4 nur gut 10 000 Mercedes-Vans gegenüber. 2003 steht im Zeichen der Neuauflagen: Volkswagen T5 gegen den V-Klasse-Nachfolger Viano, bei dem nicht nur der Name geändert wurde. Wie bei den Mercedes-Limousinen ist der Motor nun längs eingebaut und treibt die Hinterräder an. Auch die Gestaltung des Cockpits sowie Materialien und Oberflächen im wohnlichen Innenraum orientieren sich am Stil der reinen Personenwagen des Hauses. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man jedoch schlecht sitzende Holzdekor-Leisten, und auch diverse Klapper- und Knarzgeräusche aus dem Fahrgastraum rufen in Erinnerung, dass der Viano aus der Nutzfahrzeugsparte des Unternehmens kommt. Obwohl das auch für den Multivan gilt, wirkt dessen Verarbeitung im Innenraum insgesamt sorgfältiger, wenngleich auch er nicht ganz klapperfrei bleibt. Die klaren Instrumente und die einfache Bedienung des VW sind vorbildlich. Er bietet zudem die praxisgerechteren – weil größeren – Außenspiegel. Schiere Größe kennzeichnet auch die Innenräume. Von gut viereinhalb Kubikmetern (4500 Liter) Ladekapazität ist beim VW die Rede. Mercedes bietet mit der Werksangabe von rund 3300 Litern für die getestete Langversion des Viano auf den ersten Blick deutlich weniger. Die Differenz beruht aber in erster Linie auf unterschiedlichen Messmethoden. In der Praxis dürfte es kaum Transportaufgaben geben, die der Multivan erledigt, vor denen der Viano jedoch kapitulieren müsste. Das zeigen auch die Quadermaße, die die Abmessungen des größtmöglich zu ladenden Quaders angeben – in beiden Fällen gut 3200 Liter. Wichtiger noch als der Gütertransport ist die kommode Beförderung von Passagieren. Deren sechs dürfen es sich im Viano mit der gehobenen Ambiente- Ausstattung auf lederbezogenen Einzelsitzen bequem machen. Der Multivan bietet sieben Personen Platz, wobei in der dritten Reihe selbst drei Erwachsene auf der üppig dimensionierten Sitzbank gut untergebracht sind. Dagegen sind die Sitzflächen der in Comfortline-Ausstattung serienmäßig um 180 Grad drehbaren Einzelsitze in der zweiten Reihe zu kurz geraten. Zutritt zu den variablen Innenräumen hat man in beiden Fällen über zwei Schiebetüren.

Mercedes verlangt für die linke jedoch 696 Euro Aufpreis. Tische und Stühle sind jeweils in Schienen geführt. Der Viano erlaubt aber nur eine recht grobe Verstellung in 25-Millimeter- Schritten. Beim VW können die Sitze fast stufenlos verschoben werden. Weiter reichende Umbauten der Möblierung sind aber nicht immer so simpel, wie es die Prospekte verheißen. Die Sitzbank des Multivan kann erst dann verschoben werden, wenn vorher die Rückenlehne auf die Sitzfläche geklappt wurde. Beim Viano etwa muss zum Ausbau der – im Vergleich zur V-Klasse spürbar abgespeckten – Sitze peinlich genau auf die Reihenfolge geachtet werden, in welcher die diversen Hebelchen betätigt werden sollen. Vorteil Mercedes: Durch die Einzelsitze, die sich zudem zusammengefaltet nach vorne Übersetzung zur Verfügung, die Schaltvorgänge laufen aber weniger weich ab. Weil das Drehzahlniveau höher ist als beim VW und der kleinere Motor mehr gefordert wird, konsumiert der Mercedes-Van im Durchschnitt glatt einen Liter Diesel mehr. Dagegen verbucht der Viano Vorteile bei Fahrverhalten und -sicherheit. Wo der VW in engen Kurven stark über die Vorderräder schiebt, bleibt der Viano weitgehend neutral. Außerdem benötigt der Mercedes bei den Ausweichversuchen weniger Korrekturen durch den Fahrer als der durch seine weichere Fahrwerksauslegung und die langen Federwege in diesen Disziplinen gehandikapte Multivan. Beim Fahrkomfort hat der sensibler ansprechende VW dafür die Nase wieder vorn, wenngleich auch er wie der Mercedes bei langsamer Fahrt mit geringer Zuladung beim Überfahren von Kanaldeckeln und Unebenheiten zum Poltern neigt. Dem Viano machen zusätzlich bei jedem Tempo vor allem Querfugen zu schaffen. Enttäuschend sind die Leistungen des VW beim Bremsen. Schon bei der Standard-Bremsung aus 100 km/h ohne Beladung braucht der T5 zwei Meter mehr bis zum Stillstand als der Viano. Und während dieser selbst mit voller Zuladung bei der zehnten Vollbremsung in Folge nur einen Meter mehr benötigt, verlängert sich der Bremsweg des VW um sechs auf unakzeptable 52 Meter. Trotzdem behält der Multivan am Ende in der Summe seiner Eigenschaften in der Business-Klasse der Luxus-Vans gegenüber dem Mercedes Viano – wenn auch nur knapp – die Oberhand.

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Technische Daten
VW Multivan 2.5 TDI Comfortline Mercedes Viano 2.2 CDI lang Ambiente
Grundpreis 45.043 € 47.310 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4890 x 1904 x 1945 mm 4993 x 1901 x 1875 mm
KofferraumvolumenVDA 664 bis 4525 l 730 bis 3310 l
Hubraum / Motor 2460 cm³ / 5-Zylinder 2148 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 128 kW / 174 PS bei 3500 U/min 110 kW / 150 PS bei 3800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 183 km/h 174 km/h
0-100 km/h 12,9 s 13,6 s
Verbrauch 8,9 l/100 km 8,6 l/100 km
Testverbrauch 10,8 l/100 km 11,8 l/100 km
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