Meister Wünsch Gebrauchtwagen Mercedes A-Klasse Dani Heyne

Mercedes A-Klasse (W169) im Gebrauchtwagen-Check

Komfortabel und variabel, aber auch zuverlässig?

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte Mercedes mit der A-Klasse ein Kompaktmodell im Angebot, das bequem war und über erstaunliche Talente verfügte. Was taugt der W 169 als Gebrauchtwagen?

„Was haben wir denn da?“, freut sich Meister Wünsch von Weitem, als er die schwarze Mercedes A-Klasse vom Typ W 169 auf dem Hof entdeckt. „Den kleinen Stern habe ich ja schon länger nicht mehr gesehen.“

Dann umrundet er den Benz einmal und fügt hinzu: „Schon komisch – als Mercedes den Vorgänger Ende der Neunziger auf den Markt brachte, waren Ansatz und Design ziemlich mutig. Vor allem der Sandwichboden hat uns in der Werkstatt interessiert. Viele Bauteile erreicht man nur von unten, was aber kein Nachteil sein muss. Es war interessant zu sehen, dass ein Hersteller mal das normale Baumuster moderner Autos überdacht hatte und einen neuen Weg gegangen ist.“

Was Meister Wünsch anspricht, hat damals nicht wenige überrascht. Die A-Klasse war schließlich nicht nur der erste Mercedes, der in der Golf-Klasse startete, sondern auch Vorreiter, wenn es darum ging, bequem einzusteigen und hoch und übersichtlich zu sitzen. Eine Eigenschaft, die auch die etwas längere zweite Generation (ab 2004) auszeichnet. Sie bietet ihren Käufern auf 3,84 Metern erstaunlich viel Platz.

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Mit diesem pragmatischen Ansatz, der im Klassenvergleich hohen Verarbeitungsqualität und dem noblen Markenimage gewann der kleine Benz vor allem die Herzen einer Zielgruppe: die der älteren Semester, die keinen großen Schlitten mehr brauchten oder wollten, aber trotzdem gut angezogen durch die Republik reisen wollten.

Rost ist keine Seltenheit

Mit der Einführung des flacheren und dynamischeren Nachfolgers (W 176) im Jahr 2012 fällt diese Rolle seither ausschließlich der B-Klasse zu. Meister Wünsch stimmt uns auf seinen heutigen Check ein: „Das Erste, was man bei einer gebrauchten A-Klasse dieses Typs machen sollte, ist dem Wagen ganz genau aufs Blech zu schauen. Denn Rost ist beim W 169 leider keine Seltenheit.“ Frühe Baujahre mit schlechter Rostvorsorge.. Und noch bevor Meister Wünsch seinen letzten Satz beendet hat, zieht er alle Türen auf und leuchtet mit einer Taschenlampe Stück für Stück die Türunterkanten ab. „Mercedes hatte damals einfach kein glückliches Händchen mit der Hohlraumkonservierung, nicht nur bei der A-Klasse. Und auch wenn die Marke oft kulant reagiert hat, dem Image hat’s geschadet.“

Als auch der untere Falz der Heckklappe (hier gleich die Gasdruckdämpfer checken) ohne Befund überprüft ist, erhellt sich die Miene des Meisters: „Es gibt immer wieder auch solche gepflegten Modelle, bei denen kein Rost zu finden ist. Daher lohnt sich die Suche nach einem guten Exemplar auf jeden Fall.“

Vom Benz zum Transporter

Noch vor der Probefahrt steht der Check des Innenraums an: Sind Armaturenbrett, Türverkleidungen und Sitzpolster ohne Macken? Schalter und Knöpfe tadellos? Funktionieren alle Fensterheber? Lassen sich die hinteren Sitze noch leicht umklappen? Bei diesem Punkt gibt es bei der A-Klasse eine Besonderheit, die damals in der Preisliste bei den Extras als Easy-Vario-Plus- System aufgeführt wurde: Damit lassen sich Rückbank und Beifahrersitz ausbauen, womit der Benz im Handumdrehen zum kleinen Transporter mutiert. So entsteht auf der Beifahrerseite ein drei Meter langer Laderaum. „Das hatte der A-Klasse keiner zugetraut“, schmunzelt der Meister und startet zur Probefahrt.

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„Ein Sportler war der kleine Benz ja nie, das sollte man wissen. Die vergleichsweise hohe Karosserie neigt sich in Kurven deutlich mehr als flachere Fahrzeuge. Dafür ist die Rundumsicht noch immer super“, betont der Meister und überlegt, ob er den Lkw auf der Landstraße überholen soll – oder besser nicht. Er lässt es, denn der 95 PS starke Benziner hat nicht genug Reserven. „Darauf muss man sich bei diesem Modell eben einstellen – es wurde nicht vorrangig für sportliche Fahrer konstruiert. Entsprechend ist auch die Motorenpalette“, erklärt er, wendet und steuert Werkstatt und Hebebühne an.

Bremsen, Reifen, Unterboden – Gut konserviert?

Wir wenden uns derweil den Bremsen zu: An der Vorderachse sollte auf normalen Verschleiß geachtet, hinten das Tragbild der Scheiben genauer beleuchtet werden. Sind viele Riefen und rostige Stellen zu erkennen? Dann ab auf einen Bremsenprüfstand – der verrät, ob die Bremssättel der Hinterachse gleichmäßig zupacken. Mit etwas Glück hat der Vorbesitzer einfach nur zu zaghaft verzögert.

Meister Wünsch ist mit den Bremsen unseres Testkandidaten zufrieden und lässt ihn auf der Hebebühne nach oben schweben. Dabei wirft er gleich noch einen Blick auf das Profil der vorderen Reifen – gleichmäßig abgefahren und ausreichend Profil vorhanden, prima. „Schauen wir uns mal den Unterboden an“, murmelt er und zückt die Taschenlampe. Dabei leuchtet er zuerst die Schwellerkanten ab, dann die übrigen Blechverbindungen des Unterbodens. „Auch hier ist kein Rost zu sehen, der Wagen scheint echt gut konserviert zu sein“, lautet das Urteil. Gute Pflege zahlt sich eben doch aus.

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Alles trocken? Auch hier ein Routineblick: Sind die Unterseiten von Motor und Getriebe so schön trocken, freuen sich Käufer und Umwelt

Gut gepflegt ab 6.000 Euro

Als Nächstes wird die Vorderachse überprüft, dabei vor allem die Gummilager und Spurstangenköpfe. „Nichts ausgeschlagen“, urteilt der Meister zufrieden und schaut sich die Achsmanschetten an. Sie sind zwar verschmutzt, aber nicht beschädigt. Motor und Getriebe hängen wie erwähnt unter dem Unterboden der A-Klasse, beide sind staubtrocken. Mit der Taschenlampe strahlt der Meister den Keilrippenriemen an, dessen Umlenkund Spannrollen manchmal Geräusche machen. „Ist keine große Sache, sollte aber repariert werden“, erklärt er und schaut sich die Brems- und Kraftstoffleistungen an. Auch hier gibt es keine Probleme.

Dieser kleine Mercedes scheint nicht oft draußen übernachtet zu haben. Und sein Besitzer hat ihn gepflegt. „Das zahlt sich nach ein paar Jahren eben doch aus.“ Bei der Hinterachse lässt sich Meister Wünsch etwas mehr Zeit, sie hat diverse Gummilager, die er sich ganz genau ansieht – und am Ende keine Unregelmäßigkeiten feststellt. „Wenn nichts dazwischenkommt, hat diese A-Klasse noch ein langes Leben vor sich. Ein Glücksfall für alle, die solch ein Modell suchen“, lautet das heutige Fazit des Meisters.

Als er den Wagen von der Bühne lässt, checken wir die gängigen Gebrauchtwagenbörsen. Was kostet wohl so eine gut erhaltene A-Klasse mit wenig Kilometern? Ab rund 6.000 Euro gibt es 2007er-Modelle mit 95 PS, guter Ausstattung und 65.000 Kilometern auf der Uhr. Vom Händler, mit Garantie. Klingt fair, wenn sie wie dieses Modell tadellos im Zustand sind. Aber das lässt sich ja leicht überprüfen.

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Fazit

Die Mercedes A-Klasse ist ihr Typ, wenn Ihnen der Inhalt mehr Wert ist als die Verpackung eines Mercedes. Wenn Sie einen mit kompakten Abmessungen wollen, der auch in der Stadt leicht einen Parkplatz findet. In den Sie sehr bequem einsteigen und problemlos rausschauen können – ganz ohne SUV-Zutaten. Dynamisch bewegt sich die A-Klasse dagegen eher nicht, auch von den Motoren sollten keine Wunder erwartet werden. Dafür bietet sie eine erstaunliche Raumausnutzung und ist mit den richtigen Extras an Bord maximal variabel, außerdem gut verarbeitet und sicher.

Das gefällt uns:

Der wunderbare Pragmatismus dieser A-Klasse: einsteigen, rückenschonend Platz nehmen – und wenn es drauf ankommt, in kurzer Zeit Rückbank und Beifahrersitz ausbauen. Und das alles gepaart mit der Solidität von Mercedes – wie toll das war, merkt man im Vergleich zur heutigen A-Klasse, die diese Talente verloren hat.

Das stört uns:

Der Rost! Er zernagt die Falze der Türen und Hauben – ein klares Zeichen von mangelhaftem Korrosionsschutz. Mercedes erklärt es so: „Durch einen Fehler im Produktionsprozess (Juni 2004 bis Juni 2006) wurde an den betroffenen Stellen die elastische Dichtmasse vor der korrosionshemmenden kathodischen Tauchlackierung aufgebracht.“ Schwach.

So ist die Marktlage:

Erstaunlich gut. Obwohl der Benz ja bereits vor fünf Jahren in den Ruhestand geschickt wurde, ist er auf dem Gebrauchtmarkt in großer Stückzahl zu finden. Vom Lockangebot mit hoher Laufleistung bis zum gepflegten Rentnerauto ist alles dabei – was die Suche spannend macht und Interessenten eine gute Verhandlungssituation ermöglicht.

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