Mini Clubman & Peugeot 207 SW

Familien-Zuwachs

Foto: Hans-Dieter Seufert 39 Bilder

Wer im Kleinwagen-Segment einen Kombi sucht, hat derzeit nur zwei auf den ersten Blick höchst unterschiedliche Alternativen: den Mini Clubman und den Peugeot 207 SW. Gibt es außer dem 120 PS starken 1,6-Liter-Benzinmotor weitere Gemeinsamkeiten?

Wenn aus einer Zweier-Beziehung eine Familie wird, ist das nicht selten ein Grund, von einem schicken, sportlichen Kleinwagen auf einen Kombi umzusteigen. Allerdings muss man heute nicht mehr zwangsläufig die Klasse wechseln, denn auch die Einstiegs-Familien der Hersteller haben Zuwachs bekommen: Der neue Mini Clubman und der Peugeot 207 SW sind die jüngsten Sprösslinge, die beides sein wollen – sportlich- schick und praktisch zugleich. Und doch könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Das gilt nicht nur für den offensichtlichen, optischen Eindruck. Schon beim ersten Platznehmen auf dem Fahrersitz offenbaren sich weitere Unterschiede.
Während man im Peugeot wie in jedem anderen Kombi der Welt recht hoch hinter einer weit vorn angesetzten, flach stehenden Windschutzscheibe sitzt, hockt der Fahrer im Clubman wie in einem Sportwagen deutlich tiefer über dem Asphalt. Scheibe und A-Säulen stehen steiler, das weit vorgezogene Dach kanalisiert den Blick auf die Straße. Die Seitenfenster wirken wie schmale Sehschlitze, und im Rückspiegel fallen sofort die zwei separaten Heckfensterchen der Doppeltür auf. Vorne schaut man auf ein griffiges Dreispeichen-Lederlenkrad und ein verspieltes Cockpit. Hier wird sofort klar, dass der Mini auch als Clubman alles andere als ein Allerwelts-Kombi sein will.

Immerhin bietet er gegenüber dem normalen Mini 100 bis 250 Liter mehr Kofferraum. Der Testwagen besitzt zudem einen ebenen Ladeboden, der zwar sehr praktisch ist, aber 180 Euro Aufpreis kostet. Wem der Platz nicht ausreicht, der kann die Lehnen der Rücksitze mit einem Handgriff umklappen und erhält eine nahezu ebene Ladefläche und einen recht flachen Stauraum für maximal 930 Liter Gepäck.
Die Erweiterung des Laderaums gelingt beim 207 SW ähnlich mühelos wie beim Mini: Rückenlehnen entriegeln und vorklappen, die Sitzflächen werden dabei automatisch abgesenkt, wodurch ebenfalls eine ebene Ladefläche entsteht. Mit bis zu 1258 Liter rangiert beim 207 SW Last jedoch eindeutig vor Lust.

Hoch belastet sind auch die Scharniere der so genannten Clubdoor beim Mini. Denn überall, wo man mit dem Clubman auftaucht, muss man das Schauspiel mit dieser hinten angeschlagenen, kurzen Fondtür mehrmals vorführen: Beifahrertür öffnen, nach innen greifen, Clubdoor entriegeln und durch die großzügige Öffnung ohne störende B-Säule recht komfortabel nach hinten einsteigen.
Wider Erwarten bleibt man auch nicht am in die Tür integrierten Beifahrer-Sicherheitsgurt hängen. Von „Echt cool“ eines zehnjährigen Lausbuben bis „Wer braucht denn so was?“ eines weißhaarigen Audi-Fahrers reichen die Kommentare. Mit dem 207 SW und seinen normalen hinteren Türen erntet man hingegen keine solche Aufmerksamkeit.
Einmal im Fond des Mini angekommen, ist das Platzangebot für ein Auto der Unter-Vier-Meter-Klasse (3,94 Meter) überraschend großzügig. In puncto Beinfreiheit hat es sogar mehr zu bieten als der 22 Zentimeter längere 207 SW. Auch über den Köpfen haben die Clubman- Insassen aufgrund der waagerechten Dachlinie etwas mehr Luft, vor allem hinten. Lediglich in der Breite macht der Mini seinem Namen alle Ehre – hier kommen sich die Passagiere deutlich näher.
Auf seiner körpergerecht ausgeformten Zweier-Sitzbank hockt man zwar tiefer, aber spürbar bequemer als auf der wenig konturierten Bank des 207 SW mit ihrer geringen Oberschenkelauflage.

Die Oberflächen und Materialien im Innenraum des Mini wirken durchweg hochwertiger als im Peugeot .

Angesichts des saftigen Mehrpreises von rund 3000 Euro darf man das wohl erwarten. Zusätzlich muss beim Clubman vieles, was beim 207 SW in der getesteten Sport-Version serienmäßig ist, extra bezahlt werden. Beispiele gefällig? Klimaanlage: 960 Euro. Bordcomputer: 150 Euro. Beheizbare Außenspiegel: 60 Euro.
Mit weiteren Details kommen so noch einmal rund 3000 Euro zugunsten des Peugeot zusammen. Antriebsseitig herrscht dagegen nahezu Gleichstand. Beide verwenden den gleichen, von Peugeot gefertigten und mit Schmankerln aus München wie Doppel-Vanos und Valvetronic verfeinerten 1,6-Liter-Benziner mit 120 PS, der im Mini jedoch kerniger klingt als im 207 SW.
Der Vierzylinder reißt mit seinen 160 Nm maximalem Drehmo ment zwar keinen vom Hocker, ermöglicht aber ordentliche – beim Mini etwas bessere – Fahrleistungen, sofern man vor häufigen Gangwechseln nicht zurückschreckt.

Mit dem auf kurzen Wegen knackig einrastenden Schalthebel seines Sechsgang-Getriebes bereiten die beim Clubman eher Lust als Frust. Dagegen kann man beim Peugeot froh sein, dass die Schaltbox nur fünf Gänge hat, weil die Schaltwege sehr lang sind und der Hebel unpräzise geführt ist. Bis zum fünften Gang sind die Getriebeabstufungen sehr ähnlich.
Der sechste Gang beim Mini hat also eher Schongang-Charakter, weshalb bei zügiger Fahrt an Autobahn-Steigungen auch schon mal heruntergeschaltet werden muss, um das Tempo zu halten. Auch in der Elastizitätsprüfung wirkt sich die längere Übersetzung negativ aus.Sehr sportlich geht es bei den Klein- Kombis in Sachen Federung zu.
Erstaunlicherweise spricht der straffe Mini auf kurze Unebenheiten sensibler an und rollt geschmeidiger ab als der Peugeot, dessen Vorderachse zum Poltern neigt. Und obwohl der 207 SW die gröbsten Verwerfungen dank längerer Federwege besser verdaut, hinterlässt der Clubman in Sachen Federungskomfort insgesamt den ausgewogeneren Eindruck.

Beide bieten gutmütige und sichere Fahreigenschaften, wie es sich für Familienautos – sind sie auch noch so klein – gehört. Sind Papa oder Mama jedoch alleine unterwegs, legt der Mini auch als Clubman deutlich mehr Fahrspaß an den Tag. Er reagiert direkter auf Lenkbefehle, untersteuert weniger, und seine Karosserie neigt sich bei flotter Kurvenfahrt weniger zur Seite.
Der Mini Clubman ist also so sportlich wie sein kleiner Bruder, zeigt vor allem im Fond aber mehr innere Größe, als man auf den ersten Blick vermutet. Das Türkonzept bietet keine funktionalen Vorteile gegenüber dem konventionellen Peugeot 207 SW, der vor allem mit seinem großen Laderaum, der üppigen Ausstattung und dem niedrigen Preis punktet.
Da er sich zudem bis auf die Fahreigenschaften in keinem Kapitel eine Blöße gegenüber dem teuren Mini leistet, hat er in diesem Vergleich am Ende die Nase vorn.

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Fazit

1. Peugeot 207 SW 120 VTi Sport
480 Punkte

Kleiner Kombi mit großem Laderaum und umfangreicher Serienausstattung zu einem günstigen Preis. Sichere, aber nicht sonderlich agile Fahreigenschaften.

2. Mini Cooper Clubman
448 Punkte

Sehr sportlicher Kleinwagen mit erhöhtem Nutzwert und ordentlichem Platzangebot im Fond. Teuer in der Anschaffung, schlechte Basisausstattung.

Technische Daten
Mini Cooper Clubman Peugeot 207 SW 120 VTi Sport
Grundpreis 20.800 € 18.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3937 x 1683 x 1426 mm 4156 x 1748 x 1510 mm
KofferraumvolumenVDA 260 bis 930 l 337 bis 1258 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 6000 U/min 88 kW / 120 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h 200 km/h
0-100 km/h 9,6 s 10,7 s
Verbrauch 5,5 l/100 km 6,3 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km 8,6 l/100 km
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