Mini Cooper Cabrio gegen VW Beetle Cabrio

Wer ist der Beste unter der Sonne?

Mini Cooper Cabrio, VW Beetle Cabrio 1.4 TSI, Ausfahrt Foto: Achim Hartmann 40 Bilder

Irgendwo ist ja immer Sommer, wenn nicht draußen, dann in unseren Herzen - und sowieso im neuen Mini und dem VW Beetle Cabrio. Dach auf, und jetzt wäre Sonne gut.

Wir haben unser ernstes deutsches Autotestergesicht aufgesetzt, Messstrecken, Landstraßen und Autobahnen befahren bei Sonne und Regen, Innenräume ausgemessen, Verdecke geöffnet, Windschotts aufgetakelt und müssen feststellen: Der Zeitpunkt ist da, um sich um Mini Sorgen zu machen. Denn - ja, es gehört sich nicht, ein Ergebnis vorwegzunehmen, aber es passt dramaturgisch so gut - das Mini Cabrio siegt hier. Damit musste man über zwei Generationen und 330.000 Exemplare nie rechnen. Doch dann keimte im Mini-Clan der Wunsch, nicht mehr nur zum Spaß da zu sein, sondern auch als kompetenter Kleinwagen ernst genommen zu werden.

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Mini Cooper Cabrio will nun erwachsen sein

So was kann die charakterstärksten Autos bedrohen, wie der VW zeigt. Der nennt sich seit 2011 ja tatsächlich "The 21st Century Beetle". 2013 kam das Cabrio, dem nichts fehlte - außer der heiteren Gelassenheit des Vorgängers. Aber das ließ sich mit ein paar Jahren des Ignorierens beheben. Während die Entwickler die restliche Palette quermodulierten, behelligten sie den Beetle nur mit kleinen Auffrischungen, auch die kommende im Mai berührt nur Oberflächen.

Mini Cooper Cabrio, VW Beetle Cabrio 1.4 TSI, Verdeck öffnet Foto: Achim Hartmann
Das Mini-Verdeck entriegelt sich nun selbst. Die Heckklappe klappt wieder runter.

Das Mini Cooper Cabrio tritt auf der neuen Basis an, 9,8 Zentimeter länger und 4,4 breiter als bisher, mit gut 40 Litern mehr Kofferraum sowie steiferen Schwellern und verwindungsfesteren Torsionsstreben im vorderen und hinteren Bereich des Unterbodens. Der weist übrigens eine "umfangreiche Verkleidung" auf. "Als Prinzessin oder als Nilpferd?", hätten wir da früher beim Mini noch gekalauert. Stattdessen informieren wir, dass der Überrollschutz nun dezenter integriert ist, die Alubügel bei Gefahr pyrotechnisch ausgelöst binnen 0,15 Sekunden emporschnellen.

18 versus 9 Sekunden

Können wir ganz offen reden? Aber gern, das dauert im Mini 18 Sekunden und reduziert das Volumen des trotz Verdeckanhebefunktion schlecht nutzbaren Kofferraums auf 160 Liter. Bei jedem Tempo lässt sich der vordere Teil des nun dicker gedämmten Softtops wie ein Schiebedach um 40 Zentimeter nach hinten krempeln, bis 30 km/h öffnet es komplett. Wegen der steilen A-Säulen fegt der Fahrtwind stürmisch durch den Mini. Doch bei hochgefahrenen Seitenscheiben kannst du sogar noch ganz gut durch sanften Regen fahren.

Der Beetle verklappt sein Dach in neun Sekunden, doch dann gilt es, die sperrige Persenning über den Verdeckhügel zu knüllen. Das probiert man wohl genau einmal und lässt die Abdeckung fortan zu Hause, auf dass sie dort ungenutzt den halben Keller anstatt im Beetle den ganzen Kofferraum (immerhin 225 Liter) versperre. Bei heruntergefahrenen Seitenscheiben brandet der Wind im Beetle ebenso böig wie im Mini. Sind die höheren Fenster geschlossen, ist es im VW etwas weniger struwwelig als im Mini. Für alle, die es noch geschützter mögen, gibt es die Windschotts. Das des VW kostet 340 Euro, lagert in einer Halterung im Kofferraum und lässt sich noch leichter montieren als das des Mini (290 Euro). Bei dem ist der Gewinn an Komfort durch die Windbremse bedeutsamer als der Verlust an Sitzplätzen. Denn im Fond gibt es trotz der üppigeren Abmessungen nicht mehr Platz als früher. Sitzt da ein Erwachsener, wirkt es immer, als sei er eingesperrt worden. Dafür, dass er 45,7 Zentimeter länger ist, bringt der Beetle Fondpassagiere aber nur unwesentlich bequemer unter.

VW Beetle Cabrio mit bekannt eingängiger Bedienung

Und die Bedienung? Beim VW Beetle Cabrio hat sich seit dem Modellstart wenig getan, alles bekannt eingängig. Außer dem Spurwechselhelfer gibt es keine Assistenzsysteme, aber für 138 Euro kleben sie dem Beetle Kosenamen auf die Flanken. Nicht "Hasimausi" oder "Schnuckelputzel", sondern "Käfer", "Escarabajo" oder, uih, wie verrucht: "Volkswagen". Auch für den Mini gibt es jeden Individualisierungsschnick und Ausstattungsschnack. Dabei sollte der Neue mit dem charmanten Bedienchaos des Vorgängers aufräumen, was zum Teil gelang – der Charme ist reduziert, das Chaos nicht. Über das strukturell von BMWs iDrive übernommene Bediensystem drehdrückst du dich schnell durch die Menüs. Aber Tankuhr und Drehzahlmesser sind zu klein. Und Sie wissen nicht, was der changierende LED-Ring um das Zentraldisplay soll? Ach je, er zeigt natürlich "Eventfunktionen".

VW Beetle Cabrio 1.4 TSI, Seitenansicht Foto: Achim Hartmann
Der VW mag nicht so agil über die Straßen toben wie der Mini, aber immer hart am Wind.

Ja nun, wir schnippen lieber den Motor an. Den Cooper motorisiert der 1,5-Liter-Dreizylinder, der am besten zum aufgedrehten Charakter des Mini passt. Er trommelt motiviert los, dreht flockig, doch dämpft die zu lange Übersetzung der präzisen Sechsgangbox sein Temperament. Aber wie er mit der enorm präzisen, direkten Lenkung in Kurven sticht, sich mit den Vorderrädern fest in die Linie grippt, auf Lastwechsel mit dem Heck hinterherhechtet. Das, ja, das ist nicht mehr gar so ansatzlos und wild wie bisher, aber bei den Fahrdynamiktests viel schneller als der Beetle. Noch immer fährt nur der Mini wie ein Mini.

Mini macht Arschbombe

Der VW kurvt präzise, direkt, distanzierter, untersteuert früher, eben wie ein Golf Cabrio. Man kann das so erklären: Der Mini springt brüllend vom Dreimeterbrett (früher vom Fünfer) und macht eine Arschbombe, dass es bis zur Liegewiese spritzt. Ein Beetle hält sich die Nase zu und hüpft steif vom Startblock. Ungefährlich, aber es klatscht auch keiner. Mit dem 1,4-Liter-Turbobenziner ist er so schnell wie der Mini. Er fühlt sich aber dezenter an, weil der Vierzylinder lieber mit der Wucht seines Drehmoments ziehen als verwegen durch die sechs, nicht gar so präzise schaltbaren Gänge touren mag. All das mit dem Komfort hat der VW Beetle besser drauf, die Sitze sind bequemer, die Federungsgüte liegt höher, das Geräuschniveau niedriger. Der Mini hoppelt über kleine und rumpelt über große Unebenheiten, beeindruckt da aber mit sehr hoher Verwindungsfestigkeit.

Einst hätten wir versucht, Schwächen und Punktrückstand des Mini Cooper Cabrio schönzuschreiben, weil er so unerreicht wunderbar fährt. Jetzt fährt er nicht mehr gar so unerreichbar wunderbar, bremst aber vehementer, hat ein vorzeigbares Assistenzarsenal, ist sparsamer und günstiger. Günstig, der Mini? Ja, echt. Wir sagten doch: Wir machen uns Sorgen.

Fazit

1. Mini Cooper Cabrio
407 Punkte

Darf so ein Lebenskünstler einen Vergleich gewinnen? Der Cooper schafft das mit quirligem Handling, starken Bremsen, guter Assistenz und dem sparsameren Motor.

2. VW Beetle Cabrio 1.4 TSI
395 Punkte

Mehr Platz, der kultiviertere Motor und besserer Komfort ändern nichts daran, dass dem Spaßauto einige ernsthafte Assistenzsysteme fehlen – und Handlingmotivation.

Technische Daten
Mini Cabrio Cooper Cooper VW Beetle Cabriolet 1.4 TSI Design
Grundpreis 25.500 € 26.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3821 x 1727 x 1415 mm 4278 x 1808 x 1473 mm
KofferraumvolumenVDA 160 bis 731 l 225 l
Hubraum / Motor 1499 cm³ / 3-Zylinder 1395 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h 201 km/h
0-100 km/h 8,8 s 8,9 s
Verbrauch 5,2 l/100 km 5,7 l/100 km
Testverbrauch 7,1 l/100 km 7,7 l/100 km
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