Mini Cooper S Clubman im Test

Räume sind Schäume

Foto: Achim Hartmann 22 Bilder

Clubman nennt Mini den Neuen, nicht Kombi – das soll Erwartungen an den Kofferraum dämpfen und den Fokus auf Lifestyle legen. Doch wie steht es mit der legendären Dynamik?

Frühlingsgefühle im Herbst. Handküsse fliegen, verzückte Blicke hinterher. Wieder lässt ein Mini die innere Sonne aufgehen. Vor allem bei Frauen. Mann am Steuer antwortet freundlich lächelnd, wissend, dass die amourösen Zuwendungen weniger dem Fahrer als vielmehr dem Clubman gelten.

Auch als Kombi-Variante ist der Luxus- Kleinwagen ein Flirt-Profi. Sein Bärchenblick wickelt Damen um den Finger, produziert Schmetterlinge im Bauch und anschließend das Haben-will-Gefühl. Scheint, als beseitige die absichtsvoll genährte Nutzwert-Illusion letzte Bedenken: Schau, Schatz, jetzt hat der Mini sogar einen größeren Kofferraum.

Und erst die Zusatz-Türe. Wie praktisch. Der Lifestyle-Aspekt dürfte dagegen bei der Argumentation gegenüber den Freundinnen dominieren: Ihr steigt durch die Clubdoor (gegenläufig öffnende Seiten-Türe) in die Lounge (Rücksitz-Bereich) ein.

Dann fahren wir shoppen und verladen alles durch die zweiteilige Splitdoor (flügeltürige Heckklappen). Spätestens der exzessive Weihnachtseinkauf wird ernüchtern: Der Clubman ist tatsächlich noch mini.

Geht eine Vierer-Clique auf große Tour, dürfen die Schnäppchen nur magere 260 Liter Platz benötigen; das entspricht kaum mehr als einem Jumbo-Hartschalenkoffer. Die Hecktüren beanspruchen Raum. Sie wirken tresorartig dick und sind nach innen mit Staufächern aufgepolstert. Bleibt immerhin ein um 100 Liter größeres Gepäckabteil als im zweitürigen Mini.

Was ein Peugeot 207 SW schon wieder relativiert, weil er noch einmal 77 Liter mehr bietet. Wenigstens ächzt der Clubman nicht unter bleierner Last – er darf 419 kg schleppen.

Einen Mini-Kombi im Wortsinn erhält man erst, wenn die Rücksitzlehne (geteilt) umgeklappt ist. Vorausgesetzt, man hat sich für den empfehlenswerten zusätzlichen Ladeboden entschieden (180 €), entsteht eine ebene, ohne Kante gut zugängliche Fläche – schwere Fracht lässt sich auf diese Weise bequem verstauen.

930 Liter Volumen sind dann verfügbar, was zunächst passabel klingt, aber hinter den 1.258 Litern des Peugeot weit zurückbleibt. 16 Zentimeter mehr Heck-Überhang wandeln den Mini eben nicht zum Maxi, aber das Einkaufstäschchen zur -tasche. Einladend breitet der Clubman seine Wagenschläge aus, wenn die dritte Türe entgegen der Fahrtrichtung aufschwenkt.

Den Beifahrersitz mit Einstiegshilfe schiebt man nach vorn und schreitet fast in den Fond – ohne Origami- Faltung, aber dennoch gebückt, um sich nicht den Kopf am kleinen Dach-Stummel zu stoßen. Er dient der hinteren Türe als Anschlag. Acht Zentimeter mehr Radstand machen aus dem bisherigen Zwei-plus-zwei- zumindest einen passablen Viersitzer.

Mitfahrer bis 180 cm Körpergröße fühlen sich hinten nicht strafversetzt. Die im Testwagen montierte Zweier-Sitzbank (aufpreisfrei optional) ist bequem, das Ambiente modern; es hängt allerdings stark von der persönlichen Konfiguration mit Extras wie etwa Klavierlack (90 €) ab.

Wer links hinten logiert, muss zwar mangels eigener Türe von der Beifahrerseite aus in den Fond klettern, genießt dafür aber Ausblicke durch die breite Panoramascheibe. Vorn beansprucht der Tacho-Riese die Aufmerksamkeit – wobei er mit seiner schlechten Ablesbarkeit wie eine Karikatur wirkt.

Die Konsole darunter veranschaulicht Gewinn-Maximierung: Mag das Design auch narkotisierende Süße verströmen – die Schalter aus kargem Kunststoff sind für einen 23.900-Euro-Kleinwagen nicht standesgemäß.

Es bleibt dennoch ein Spaßfaktor, der selbst kritische Ästheten zu Befürwortern des Frauenschwarms umpolen könnte: das Fahrverhalten. Zu Recht steht die Frage im Raum: Kann er’s noch? Swingt der Mini als Clubman trotz zusätzlicher 80 kg noch immer erfrischend unbelastet ums Eck? Oder hemmt ihn seine neue Nutzwert-Bürde? Von der 175 PS starken Cooper S-Variante darf man dynamisch einiges erwarten. Doch zunächst geht es durch die Stadt.

Schon in der Tempo-30-Zone fällt leichtes Ruckeln auf. Der Vierzylinder-Turbo nimmt eigenwillig Gas an, mal mehr, mal weniger als der rechte Fuß befiehlt. Auch die Start-Stopp-Funktion wirkt ruppig (siehe Spotlight links). Ohnehin gibt sich der Clubman im urbanen Umfeld verhalten, fast ein wenig schwerfällig.

Es geht hinaus ins Grüne. Mit zunehmender Öltemperatur klettern Motor-Drehzahl und Spaß-Niveau. Endlich Druck. Nicht mehr diese Kompressor-Luftpumpe der ersten Mini- Generation. Sechs knackig präsentierte Gänge, in jedem geht es lustvoll vorwärts. Ein Sperrdifferenzial (160 €) verwaltet den Vitalitätsüberschuss am Kurvenausgang – bis vor lauter Traktions-Begeisterung die präzise Lenkung zuckt.

Er tänzelt, er wirbelt, er steppt, benötigt das freie Feld, um sich einzustimmen. Schalten, bremsen, einlenken – Fahren im Fluss. Zwar ist der Clubman bei den Dynamik-Tests etwas langsamer als der Zweitürer. Doch das Gefühl registriert es nicht als Behäbigkeit, sondern als ausgeglichenere Federung.

In seiner bislang gereiftesten Form bleibt sich der Mini treu: Verführer? Ja. Frauenversteher? Ja. Familienmensch? Nein.

Fazit

War der Mini bisher nur ein Hauch zu klein, so ist der Clubman die Lösung. Damit wendet er sich an Ehepaare ohne Kinder, sportbegeisterte Singles oder junge Mütter – dann aber als Zweitwagen.

Technische Daten
Mini Cooper S Clubman
Grundpreis 24.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3958 x 1683 x 1432 mm
KofferraumvolumenVDA 260 bis 930 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 128 kW / 175 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 224 km/h
0-100 km/h 7,6 s
Verbrauch 6,3 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
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