Mini Cooper S JCW im Test

British Racing Gen

Foto: Hans-Dieter Seufert 8 Bilder

John Cooper Works Kit: gedopter 1,6-Liter-Kompressor-Mini mit 210 PS meets Differenzialsperre plus Sportbremse. Und der Auspuff feuert Salut.

Warum so schüchtern? Ihren Zubehör-Knaller versteckt die Mini-Preisliste auf Seite 17 zwischen Holzdekor und Klimaanlage: den John Cooper Works Kit. Cooper, seit den Swinging Sixties ein Synonym für den ambitionierten David, der muskelprotzenden Goliaths vor der Nase herumtanzt. Nun ist der Cooper-Kit direkt ab Werk zu haben – und das sogar mit Preisvorteil.

Musste man Motor- und Fahrwerkstuning bis dato umständlich selbst zusammenstellen und beim Händler montieren lassen, implantieren die Mini- Jungs das Paket jetzt bereits im Werk Oxford. 40 Mehr-PS, Sportauspuff, -bremse und Sperrdifferenzial sowie spezielle 16-Zoll-Räder kosten 4680 Euro.

Früher waren allein für das Motortuning und die Bremse (mit größeren Scheiben, Zangen und bissigeren Belägen) 5550 Euro fällig – plus Einbau. CNC-gefräster Zylinderkopf, Tausch des Serienkompressors gegen einen mit höherer Drehzahl, modifiziertes Luftfiltersystem, freizügige Edelstahl-Abgasanlage: Der leistungsgesteigerte 1,6-Liter krakeelt nicht nur, sondern schnappt bei Bedarf autoritär zu. Bereits bei niedrigen Drehzahlen riecht er Lunte, bevor er jenseits 4500/min, wenn eine zusätzliche, elektronisch gesteuerte Ansaugklappe im Luftfilter auf Durchzug stellt, endgültig Flamme gibt.

Angefeuert vom erregt jaulenden Kompressor windet sich das in Basiskonfiguration nur zäh antretende Aggregat angriffslustig dem Begrenzer entgegen. Bei knapp 7000/min ist der nächste Gang fällig, die Wechsel mit der knackigen Sechsgangbox sind ein Genuss, untermalt von hintergründigem Auspuffpöttern.

Wer das Potenzial auskostet, muss allerdings mit einem Verbrauch von 20 Litern auf 100 Kilometer rechnen, im Durchschnitt sind es über 14. Schon deswegen taugt der 230 km/h schnelle JCW kaum als talentierter Bahn-Burner.

Sein gestrafftes Fahrwerk gibt zudem kurze wie lange Unebenheiten direkt an die Insassen weiter und vergällt in Zusammenarbeit mit dem höllischen Mix aus Motorbrummen, Kompressorheulen und Windgetöse Gran-Turismo-Anwandlungen. Immerhin hält er selbst auf Längsrillen und beim Bremsen aus hohen Geschwindigkeiten säuberlich Kurs.

Wenn es gilt, kommt der scharfe Mini dann schnell auf den Punkt: ein, zwei Gänge runterschalten, Kurve spät anbremsen und immer schön innen bleiben. Okay, in engen Kehren löst sich trotz der Differenzialsperre nach wie vor einiges der Macht und Herrlichkeit von 245 Newtonmetern in Rauch auf, die optionalen 18-Zöller krallen sich aber spürbar willfähriger in den Straßenbelag als ohne das traktionsfördernde Bauteil.

Erstaunlich gering fallen dabei die Antriebseinflüsse aus. Statt überfallartig am Lenkrad zu zerren und den Mini in Schlangenlinien zu zwingen, wahrt die feinfühlige Lenkung selbst bei voller Beschleunigung die Contenance. Homogen und mit passender Servounterstützung versehen trifft sie haargenau die gewünschte Linie.

Zudem untersteuert der Mini selbst beim zackigen Hineinzoomen in Kurven nur mäßig. Und wenn der Kurvenaußenrand doch ungewollt schnell in Sicht kommen sollte, helfen provozierte Lastwechsel, den Works an die Kandare zu nehmen.

Der Heckschwenk lässt sich dank des akkurat und spontan auf Gasbefehle reagierenden Motors überaus gezielt zum Verkleinern des Radius einsetzen. So wedelt der 3,66-Meter-Sportler mit seinem kurzen Radstand und rhythmischen Schwüngen begabt durch den Slalom, erledigt den Ausweichtest bei rund 140 km/h Einfahrgeschwindigkeit problemlos und sicher. Hinterhältige Konter überlässt er der Konkurrenz, hängt sich lieber glühend an ihre Fersen.

Zum Beispiel auf der Rennstrecke. Dort entfaltet er, speziell bei deaktiviertem elektronischen Stabilitätsprogramm (DSC), ansatzweise sportliche, auf jeden Fall aber fahrspaßige Talente. Tatort Hockenheim, Sachskurve: Ranfahren, runterschalten, reinhalten. Auf Tuchfühlung mit dem inneren Randstein erobert der Kleine die Ideallinie.

Von der Differenzialsperre diszipliniert, kümmern sich nun beide Vorderräder nach Kräften um Vortrieb statt ausschließlich um Abrieb. Ruck, zuck ist die Gerade überwunden, und der Mini kann im anschließenden weiten Bogen erneut im Grenzgebiet zwischen Über- und Untersteuern umherturnen.

Fazit: Das John Cooper Works Kit inklusive Differenzialsperre impft dem Mini das Maß britischer Racing-Gene ein, das man eigentlich schon vom 170 PS starken Cooper S erwartet hätte.

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