Mini Countryman im Test

Boutiquen-Hopper oder Familienkumpel?

Mini Cooper Countryman Foto: Hans-Dieter Seufert 40 Bilder

Als viertüriges Vollwertmodell Countryman muss sich der Mini Cooper endgültig aus der Exotenecke wagen, mitten rein in den rauen Alltag – und ins harte Programm des auto motor und sport-Praxistests.

Wahrscheinlich war es eine Montagsproduktion – wie sonst ist es zu erklären, dass die Handyhalterung im Mini Countryman schon beim ersten Zugriff in mehrere Teile zerfällt – inklusive einer slapstickhaft davonspringenden Spannfeder. China-Schrott? Weit gefehlt, das klapprige Plastikding wurde von einer deutschen Spritzmaschine geboren.

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Mal sehen, ob der Rest des in Graz bei Steyr montierten Mini Countryman seine Sache besser macht. Er, der erste echte Maxi-Mini mit Platz für vier plus Gepäck. Ein passender Proband für den auto motor und sport-Praxistest.

Gewohnt magere Serienausstattung im Mini Countryman

Es tritt an: der besonders beliebte Mini Countryman mit 1,6-Liter-Saugbenziner, 122 PS und Frontantrieb für 22.600 Euro Grundpreis. Kenner wissen – das wird nicht reichen, konfiguriert werden ist schließlich Minis größte Leidenschaft. Manuelle Klimaanlage und Stereo mit CD sind Serie, alles Nette kostet extra – sogar das Lederlenkrad.

Immerhin, es gibt eine ganze Menge, vieles zu Paketen zusammengefasst. Unser Mini Countryman kommt zum Beispiel als Version Red Hot um die Ecke, bringt neben optischen Reizen auch Xenonlicht und Sportsitze mit. Auf das aufpreisfreie Sportfahrwerk haben die Mini-Jungs verzichtet, ziemlich hot fährt der Mini Countryman trotzdem. Verzugfreies Einlenken ohne störendes Untersteuern und das zart drängende Heck machen den Mini zum agilen Kurvenkratzer – wäre ja auch noch schöner, wenn er die Handling-Bastion aufgäbe.

Das aufwendige Fahrwerk des Mini Countryman mit Multilenker-Hinterachse verkraftet jedenfalls deutlich mehr Leistung, als das mit Valvetronic (Einlass ohne Drosselklappe) ausgestattete Triebwerk hergibt. Im Vergleich zur Turbo-Konkurrenz legt es verhalten los, kein Wunder, bis rund 4.000 Umdrehungen ähneln Leistung und Drehmoment der 98 PS starken Basisversion One.

Zackiger Mini Countryman mit Sporttaste

Dennoch animieren das exakte, passend abgestufte Sechsganggetriebe und das spontane Ansprechen des Mini Countryman zum zügigen Fahren. Nach Druck auf die optionale Sporttaste reagiert der Vierzylinder sogar noch zackiger, während die elektromechanische Servolenkung ihre Unterstützung reduziert. Nicht unbedingt zum Vorteil der Präzision, denn nun reagiert sie aus der Mittellage etwas zäh. Ohne Sport fühlt sie sich feinfühliger an.

Was aber nichts an der rundum überzeugenden fahrdynamischen Vorstellung des Mini Countryman ändert – sowohl auf der Straße als auch beim Fahrdynamik-Test. Auf dem Parcours wedelt der 1,3 Tonnen schwere Mini Countryman auf Anhieb zügig durch Slalom und schnellen Wedeltest, bremst auch mit voller Zuladung kräftig und standfest.

Das elektronische Stabilitätsprogramm im Mini Countryman besitzt drei Positionen. Normalerweise regelt es sicherheitsbewusst, lässt im Traction-Modus etwas mehr Dynamik zu, bevor es sich im „Off“-Modus weitgehend verabschiedet und das Regelfeld der elektronischen Differenzialsperre an der Vorderachse überlässt. Diese macht ihre Sache ordentlich.

Kein Wunder angesichts der überschaubaren Leistung und 160 Newtonmetern. Erwartungsgemäß passend fällt auch die Sitzposition in der ersten Reihe des Mini Countryman aus. Der Cooper platziert den Fahrer minitypisch sportiv hinter das Dreispeichenlenkrad mit seinem geringen Verstellbereich.

Mittlerweile höheres Verarbeitungsniveau erreicht

Die Verarbeitung hat bei Mini inzwischen ein ordentliches Niveau erreicht, bis auf hohl klingendes Hardcore-Hartplastik an den Innentürgriffen gibt es wenig zu meckern. Sinnvoll: Die matten Oberflächen des Armaturenbretts verhindern störende Reflexionen in der Frontscheibe des Mini Countryman.

Die Sportsitze trotzen der Querbeschleunigung, könnten aber mehr Schulter- und Lordosenunterstützung bieten. Letztere kostet extra. Serienmäßig liegen hingegen zwei Aluminiumschienen zwischen den Sitzen. Auf dieser Center Rail warten verschiebbare Behälter auf Brillen, Becher und Mobilgeräte. Weitere Staumöglichkeiten bieten das ungepolsterte Handschuhfach (gekühlt), Türablagen sowie zwei Becherhalter in der Mittelkonsole des Mini Countryman. Genug für Boutiquen-Hopper, wenig für einen Familienkumpel. Und wie sieht es hinten aus?

Im Fond des Mini Countryman warten zwei um 13 Zentimeter verschiebbare, in der Lehnenneigung verstellbare Einzelsitze (geteilt umlegbare Dreierbank ohne Aufpreis), die aber auf sportiven Seitenhalt verzichten. Dank des guten Platzangebots, das sich wegen der kubischen Form auch auf die Kopffreiheit erstreckt, nimmt man dort selbst längere Strecken gelassen hin.

Von hinten zieht's

Störend im Mini Countryman: das Fehlen einer Abdeckung zwischen den Sitzen Richtung Kofferraum. Hier besteht eine permanente Durchlade – auch für Zugluft. Letztere ist bei der Klimaautomatik kein Thema. Mit den vier runden, einzeln regelbaren Düsen ist der Luftstrom fein modulierbar.

Modulieren lässt sich auch das Gepäckvolumen im Mini Countryman. Bei voller Besetzung passen 350 Liter hinter die weit genug aufschwingende Klappe, der herausnehmbare Boden schafft zusätzliche Liter. Ebenso wie die so genannte Cargo-Position der Rückenlehnen, die 450 Liter freisetzt. Liegen sie komplett flach und wird das optionale Trennnetz aufgespannt, dürfen Countrymänner bis zu 1.170 Liter mitnehmen – bei locker ausreichenden 415 Kilogramm Zuladung.

Gute Übersicht im Mini Countryman

Rangieren läuft mit dem Mini Countryman problemlos, gute Übersicht und leicht einzuschätzende Karosserieenden paktieren ideal mit der Einparkhilfe samt übersichtlichem Display (350 Euro).

Zwischen Ausparken und erneutem Einparken dürfen ruhig längere Distanzen liegen, der Mini Countryman federt ausreichend komfortabel (die 17-Zöller helfen mit) und verkneift sich störenden Rabatz im Innern. An der Ampel herrscht sowieso Stille – die Start-Stopp-Automatik ist Serie. Sparsam gefahren genügen ihm 6,4 Liter/100 km, im Testschnitt sind es 8,5 Liter. Nicht wenig, aber angemessen für die Kombination aus Fahrspaß und Nutzwert.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Gutes Raumgefühl
  • befriedigende Variabilität
  • ausreichender
  • leicht erweiterbarer Gepäckraum
  • gute Übersicht
  • insgesamt problemlose Bedienung
  • Teils einfache Anmutung
  • kleine Ablagen
Fahrkomfort
  • Ordentlicher Federungskomfort
  • gute Klimatisierung
  • straffe Sportsitze
  • Fahrwerkspoltern auf kurzen Unebenheiten
Antrieb
  • Befriedigende Laufkultur
  • spontanes Ansprechen
  • exakte Schaltung
  • Mäßige Elastizität
Fahreigenschaften
  • Präzise Lenkung
  • agiles Handling
  • einfache Beherrschbarkeit
  • geringe Antriebseinflüsse
  • gute Traktion
Sicherheit
  • Kräftige und standfeste Bremse
  • gut abgestimmtes ESP
  • Kaum Fahrerassistenz
Umwelt
  • Noch angemessener Minimal- und Testverbrauch
Kosten
  • Geringer Wertverlust
  • angemessene Unterhaltskosten
  • Hoher Anschaffungspreis
  • teure Extras

Fazit

Der geräumige Countryman verwässert den konsequenten Mini-Grundgedanken, bietet dafür viel mehr Alltagstauglichkeit zum happigen Preis sowie eine ordentliche Portion Handlingspaß.

Technische Daten
Mini Countryman Cooper Cooper
Grundpreis 22.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4097 x 1789 x 1561 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 1170 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
0-100 km/h 11,5 s
Verbrauch 6,0 l/100 km
Testverbrauch 8,5 l/100 km
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