Mini gegen Suzuki Swift

Kult erwischt

Foto: Rossen Gargolov 16 Bilder

Nicht billig, aber trendy: Der Mini lebt in seiner eigenen Nische. Aber der neue Suzuki Swift könnte vom selben Skizzenblock stammen. Zudem ist er nicht nur größer, sondern auch billiger. Reicht das?

Ach, das große Gestern. Die Legenden aus dem London der Sechziger, Twiggy hinter dem dürren Lenkradkranz des Ur-Mini und Paddy Hopkirk im Clinch um den Monte-Sieg, das klingt natürlich klasse und ganz anders als der synthetische Name des Konkurrenten.

Suzuki Swift, war das nicht der etwas verhärmte, aber gut ausgestattete Achtziger-Jahre- Kleinwagen, der jungen Pragmatikerinnen gerne zum Abi gereicht wurde? Meist war er weiß lackiert, und die spannenderen Mädels fuhren Mini. Klingt schon weniger prickelnd. Aber ist das überhaupt ein Vergleich?

Immerhin geht der Mini-Kult ins Geld: Selbst die Basisversion Mini One kostet 15 100 Euro, aber netter ist natürlich der Upgrade zum Verwöhnpaket namens Seven – macht noch mal 1800 Euro. Für einen Kleinwagen ist er dann sehr ordentlich ausgestattet, mit Metallic-Lack, Klimaanlage und Alurädern.

Nein, zusätzlichen Fußraum hinten gibt es für kein Geld der Welt. Aber gerade Unvernunft macht bekanntlich Spaß. Auch die neueste Swift-Generation will kein dröger Discount-Kleinwagen mehr sein, sondern – so behauptet Suzuki – ein „Stadtsportwagen“. Vor allem aber ein modischer Typ, der die Reizarmut früherer Generationen abgelegt hat. Er könnte – bis hin zu den schwarzen A-Säulen – der größere Bruder des Mini sein, weniger retro und dafür etwas familientauglicher. Nebenbei ist er noch viel billiger.

Die Preisliste beginnt bei 9990 Euro für den betont asketisch ausgestatteten Basistyp Classic. Das nächstbessere Paket heißt Club und kostet 1000 Euro mehr. Macht immer noch fast 6000 Euro Unterschied – genug, um noch einen tadellosen Original-Mini aus den Sechzigern in die Garage zu stellen. Für den endgültigen Cool-Faktor.

Der hätte mit dem Swift die Abwesenheit einer Klimaanlage gemeinsam, Radio und Alus gehen ebenfalls extra. Dafür punktet der Suzuki, wenn es um die praktischen Seiten des Alltags geht: Sein Fond taugt auch für langstreckenreisende Erwachsene, der Mini dagegen fordert eine Art von Presspassung, die ihn mehr als Zweisitzer mit zusätzlicher Gepäckablage qualifiziert.

Im Gegensatz zum Mini bietet der Swift auch einen halbwegs brauchbaren Kofferraum sowie eine umklappbare hintere Sitzfläche. Vorne sitzen selbst große Mini-Fans überraschend bequem, wenn auch sehr tief. Swift-Fahrer fühlen sich dagegen stets wie im Hochparterre, sie registrieren üppige Kopffreiheit und eine dürftige Profilierung der Sitze. Aber womöglich geben sie schon Gas, während Mini-Neulinge im Geiste noch immer die wild verstreuten Bedienungselemente sortieren.

Die Konfusion ist der Preis für das netter aussehende Spielzeug, in dem Plastik wie Chrom glänzt oder silbrig schimmert wie Leichtmetall, die Form jedoch nicht wirklich der Funktion folgt. Der Swift wirkt im Vergleich so charmant wie ein Tiefkühl-Hähnchen, lässt sich aber so simpel bedienen wie ein Kugelschreiber.

Und: Für den Suzuki spricht, dass ihm sein Preis nicht an jeder Kunststoffleiste anzusehen ist. Der Swift unterliegt nicht einmal in der Leistung – jedenfalls beim flüchtigen Blick in den Prospekt: Suzuki mag nicht weniger bieten als einen 1,3-Liter- Motor mit 92 PS. Der Basis-Mini entwickelt 90 PS, allerdings aus 1,6 Litern, und mit diesem Hubraum-Plus gewinnt er in allen Lebenslagen richtig Land. Schüttere 116 Newtonmeter Drehmoment bei 4200 Umdrehungen gibt der Suzuki ab, 140 Newtonmeter sind es beim Mini, und sie werden bereits fällig, wenn die Kurbelwelle 3000 Mal pro Minute rotiert.

Selbst behutsame Fahrer nehmen das Elastizitäts-Plus auf Anhieb wahr, weil der Swift noch dazu unter einer langen Übersetzung leidet.

Das gilt zwar auch für den Mini, der beim Umsteigen dennoch wie ein Bolide wirkt. Dafür verbraucht er kaum mehr, wenngleich er nach Super Plus verlangt. Auf der Autobahn wirkt die Schlappheit des Swift lästiger als auf der Landstraße.

Dem Mini fliegen die Punkte trotzdem regelrecht zu: Seine ebenso direkte wie präzise Lenkung macht ihn auch mit dem Minimal-Motor zum Ideallinien- King – dass sie beim Rangieren höhere Rangierkräfte fordert, verzeiht man ihm gerne. Viel wichtiger: exakte Klock-Klock-Schaltung mit kurzen Wegen, griffige Bremsen, eine straffe, aber gerade noch angenehme Federung, das passt und macht Lust auf die nächsten Serpentinen.

Ein dickes Mini- Manko ist allerdings die Aufpreisigkeit des Stabilitätsprogramms (470 Euro), im BMW-Konzern DSC genannt: Der Mini könnte es – etwa beim abrupten Ausweichen vor einem Hindernis – gebrauchen. So beantwortet er Lastwechsel- Reaktionen mit auskeilendem Heck und straft die falsche Sparsamkeit des Herstellers.

Der Swift benimmt sich in solchen Extremsituationen keinen Deut besser: Auch er schockt ungeübte Fahrer mit plötzlichem Wechsel von Unter- zu Übersteuern – nur gibt es für den Suzuki auch als Option kein ESP. Zudem leidet er unter seiner zwar leichtgängigen, aber reichlich synthetischen Lenkung, auch das Pedalgefühl der Bremsen ist flau. Punkte sammelt er dagegen mit dem komfortabler abgestimmten Fahrwerk.

Für einen Suzuki-Sieg reicht es nicht. Aber der niedrige Preis und ein besseres Garantiepaket lassen den Vorsprung des Mini schmelzen. Ein strahlender Gewinner sieht anders aus. nähert sich der Suzuki Swift dem Mini: Die billigste Swift-Version kostet 9990 Euro.

Fazit

1. Mini One Seven
433 Punkte

Er ist ein kleines, teures Auto mit durchschnittlichem Finish und wenig reizvollem Motor, aber ohne serienmäßiges ESP. Stärkste Seite: das agile Handling. Und sein Charisma. Aber dafür gibt es keine Punkte.

2. Suzuki Swift 1.3 Club
427 Punkte

Preis, Platzangebot und Komfort sprechen für ihn, aber der schlappe Motor ist eine Zumutung, das Fehlen von ESP ein dickes Manko und die gefühllose Lenkung zumindest gewöhnungsbedürftig.

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Technische Daten
Mini One Seven Suzuki Swift 1.3 Club
Grundpreis 17.050 € 12.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3635 x 1688 x 1416 mm 3695 x 1690 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA 150 bis 670 l 213 bis 562 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1328 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5500 U/min 68 kW / 92 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 181 km/h 175 km/h
0-100 km/h 10,6 s 11,4 s
Verbrauch 6,8 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km 7,9 l/100 km
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