Mini JCW Clubman All4, Exterieur Hans-Dieter Seufert
Mini JCW Clubman All4, Exterieur
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Mini JCW Clubman All4, Exterieur
Mini JCW Clubman All4, Exterieur 16 Bilder

Mini JCW Clubman All4 im Test

Dieser Mini ist eher Maxi

306 PS, 450 Newtonmeter – und das Badge von John Cooper Works. Das klingt verheißungsvoll. die Eckdaten geben die Richtung vor. Der Motor überzeugt, das Fahrwerk weniger – Untypisch für einen Mini.

Die Autos wachsen immer weiter. Selbst die vermeintlich Kleinen sind inzwischen Große. Das Kleine, das Putzige gehört sogar bei Mini der Vergangenheit an. Um seinem Vorfahren, dem Morris Mini Traveller nachzueifern (Länge: 3,4 Meter), müssten man den Clubman hinter den Hintertüren abschneiden.

Sogar im Vergleich zum ersten Clubman der BMW-Ära ist der aktuelle Kombi ausladend. Der R55 (2007) war keine vier Meter lang und keine 1,7 Meter breit. Der F54 streckt sich 4,26 Meter in die Länge und 1,8 Meter in die Breite. Es ist der gleiche Trend wie bei den Handys: Die werden auch immer unhandlicher.

JCW Clubman tollt nicht

Die Abmessungen sind das eine. So ein Mini wusste auf der anderen Seite auch immer durch sein Fahrverhalten zu punkten. Sie kennen den Vergleich, der so oft bemüht wird. Einen Mini zu fahren ist wie Gokart-Fahren: einlenken, durchflitzen, raustanzen und den ganzen Verlauf mit dem Popometer fühlen.

Wie steht’s in dieser Beziehung um den Mini John Cooper Works Clubman? Die schnelle Antwort: Er ist keiner, den du sonntags aus der Garage holst, um mit ihm über die Schwäbische Alb zu fetzen.

Mini JCW Clubman All4, Exterieur
Hans-Dieter Seufert
Mit seinem langen Radstand von 2.670 Millimetern bleibt der Mini im Kurvenverlauf stabil.

Schnelle Kurven liegen dem Kombi mit dem JCW-Badge. Es reicht ein kleiner Impuls über die elektromechanische Lenkung, Lenkrad halten und durchschwingen. Mit seinem langen Radstand von 2.670 Millimetern bleibt der Mini im Kurvenverlauf stabil. Allerdings hat die Landschaft zwischen Stuttgart und Pforzheim nicht nur lang gezogene Kurven mit einem gleichmäßigen Radius zu bieten. Sondern auch Wechselkurven und Spitzkehren.

Der JCW Clubman ist keiner, der auf Landstraßen tollt und durch Kurven jökelt. Er arbeitet sich vielmehr an ihnen ab. Zum Beispiel an der abfälligen Links-rechts-links-Kombination, die in einer langen Rechtskurve endet und mit ein paar Bodenwellen das Fahrwerk schüttelt.

Den ersten Haken schlägt der Mini noch flockig. Doch beim Umlegen von links auf rechts bedrückt ihn das Gewicht. Da reißt ihn die mechanische Differenzialsperre an der Vorderachse auch nicht entscheidend herum. Die 1,6 Tonnen lasten dafür zu schwer auf dem Clubman. Das ist – so ganz nebenbei – überhaupt nicht Mini-like. Stellen Sie sich mal eine Waage vor mit zwei Ur-Mini auf der einen Seite und dem Clubman auf der anderen. Sie können erahnen, wer näher zum Boden ist und wer höher in der Luft steht.

Statt im Sauseschritt durchzueilen, muss man Geschwindigkeit herausnehmen, um nicht abzudriften. Erst wenn er den Kurvenausgang sieht, spielt der Mini seine Stärken aus. Mit dem Allradantrieb wuchtet er sich aus der Ecke und sprintet die Gerade entlang.

Der Motor bringt den Spaß

Der Vierzylinder-Turbo ist der Dreh- und Angelpunkt für seine Performance. Eine Leistung von 306 PS und ein Drehmoment von bis zu 450 Newtonmetern sprudeln aus dem Aggregat heraus. Nach 5,1 Sekunden macht der Mini das Häkchen an den Image-Spurt und zieht in 19,8 Sekunden bis auf 200 Sachen durch. Alle Achtung: Dieser Mini läuft!

Dem BMW M135i xDrive mit demselben Motor brummt der Clubman bis 200 km/h 1,8 Sekunden auf – bei etwas günstigeren Lufttemperaturen während der Standardmessung. Und auch Audi S3 Sportback sowie AMG A 35 sind ein paar Zehntel langsamer.

Mini JCW Clubman All4, Motorraum
Hans-Dieter Seufert
Große Bremse, starker Motor Vierkolbensättel beißen sich vorn in 360er-Scheiben. Der Zweiliter glänzt mit 306 PS.

Über das gesamte Drehzahlband weiß der Vierzylinder zu überzeugen. Das Aggregat spricht schnell an und dreht kraftvoll hoch bis 6.500 Touren. Die Elastizitätsmessungen bestätigen das Fahrgefühl. Dieser Motor macht dem Mini Beine. Im Vergleich zum Vorgänger hat der JCW Clubman um 75 PS und 100 Newtonmeter zugelegt. Der R4-Turbo basiert auf dem Antrieb des Cooper S Clubman und wurde in mehreren Bereichen überarbeitet: Kurbelwelle, Kolben, Hauptlager, Pleuel und Torsionsschwingungsdämpfer.

Allerdings fehlt es dem Mini an Spannung, um mit der gleichen Dynamik wie geradeaus auch durch Kurven zu wirbeln. Die Ingenieure haben zwar den Vorderwagen versteift, das Fahrwerk gestrafft, den Radsturz erhöht, die Kinematik der Hinterachse abgeändert sowie Federn, Dämpfer und Lenkung anders abgestimmt. Doch richtig sportlich gestrafft fühlt sich der Clubman nicht an. Umgedrehte Vorzeichen also: Früher packte dich so ein Mini übers Fahrverhalten in Kurven, heute mehr über die Leistung.

Dass es mehr gebraucht hätte, um aus ihm einen echten Feger zu machen, schlägt im Slalom durch. Da schleppt sich der Mini eher durch, als durchzusausen, wirkt zu weich, etwas träge und schwerfällig beim Richtungswechsel. Er braucht den gezielten Lastwechsel und muss früh eingelenkt werden, um dann recht neutral durchzufahren. Mehr als 67,4 km/h springen nicht heraus. Ähnlich bescheiden fiel das Ergebnis bei seinem BMW-Bruder aus.

Schnelle Rundenzeit

Auf dem Hockenheimring verdichten sich Stärken und Schwächen. Die schnellen Ecken (Nordkurve, Rechts vor Mercedes-Tribüne) schmecken ihm. Die Geraden ebenfalls. 222 km/h auf der Parabolika: Damit ist der Mini sieben km/h schneller als Audi S3 und AMG A 35 sowie sechs km/h flotter als der M135i – bei ähnlichen Temperaturen.

Mini JCW Clubman All4, Hockenheimring
Auto Motor und Sport
Auf dem Hockenheimring verdichten sich Stärken und Schwächen. Die schnellen Ecken (Nordkurve, Rechts vor Mercedes-Tribüne) schmecken ihm. Die Geraden ebenfalls.

Für die restlichen Kurven gilt: lieber langsam rein, um Untersteuern zu minimieren, dafür schnell raus mit dem Allradantrieb. Das ist schneller, weckt aber nicht die großen Emotionen. So wie auf der Landstraße: Der Mini ist komfortabel schnell, vielmehr Freund als Kumpel. Keiner, mit dem man schäkert, in Summe aber ein gutes Auto.

Nach 2.04,9 Minuten donnert der Sechstürer über den Zielstrich. Das ist schon flott. Mal ein etwas „abwegiger“ Vergleich: Ein VW Golf GTI TCR mit 290 PS meistert diese Übung zwar 1,2 Sekunden schneller, ist dafür aber auch rund 180 Kilogramm leichter, und steht auf Semis. Das macht sich in 17 Kurven und drei harten Bremspunkten bemerkbar. Wenn der Clubman nur ein bisschen Mini wäre

Fazit

Der Mini JCW Clubman macht seine Sache vernünftig. Doch die großen Gefühle weckt er nicht beim Fahren. Er ist keiner, der dich in Kurven mitreißt. Schade, denn der Vierzylinder-Turbo bringt ihn schon zackig voran. Der Motor trotzt dem hohen Gewicht, kann aber das Gesamtkonzept nicht retten.

Technische Daten

Mini Clubman Cooper JCW All4 John Cooper Works
Grundpreis 39.800 €
Außenmaße 4253 x 1800 x 1441 mm
Kofferraumvolumen 360 bis 1250 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 238 km/h
Verbrauch 6,8 l/100 km
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