Mini JCW GP, Schirra- Mini JCW GTS, Schirra-Mini

Drei heiße Flitzer im Vergleich

Mini JCW GP, Schirra- Mini JCW GTS, Schirra-Mini, Motoren Foto: Rossen Gargolov 28 Bilder

Wenn Kleinwagen plötzlich Ferrari und Co. um die Ohren fahren, kochen in Hockenheim auch ohne Zuschauer die Emotionen hoch. Wir haben für Sie die schnellsten Mini aus Serie, Tuning und Motorsport im Grenzbereich getestet. Der JCW GP trifft auf den getunten Schirra-JCW GTS und die VLN-Rennversion von Schirra motoring

Wenn der Harald sein spitzbübisches Lächeln aufsetzt, dann sprudelt gleich eine Anekdote aus ihm heraus: "Von Hohe Acht bis Schwalbenschwanz habe ich Strietzel im Audi R8 gejagt, der hatte gegen mich im Mini keine Chance."

Rennfans wissen natürlich sofort, wer "der Harald" ist. Harald "Nippel" Grohs, Ex-DTM-Recke, Le Mans-Pilot und Essener Frohnatur, wird im nächsten Januar 70 Jahre alt und treibt regelmäßig einen Renn-Mini von Schirra motoring über die Nordschleife. Die Schlachtrufe des Mini-Marketing stimmen in diesem Fall scheinbar wirklich: Mini fahren hält jung. Wir haben mit dem Mini John Cooper Works GP, dem JCW GTS, und der Rennversion jeweils von Schirra motoring die heißesten Anti-Aging-Mini getestet.

Mini JCW GP - mehr Motorsport

Heiß, heißer, John Cooper Works GP: Mini hat seinen bisherigen Hot hatch John Cooper Works nachgewürzt und ihm das Kürzel "GP wie Grand Prix" verpasst. Nicht nur der Name klingt nach Motorsport, auch die Optik mit Heckflügel im Stil der Rennboliden aus der Clubsport-Serie Mini Trophy (ehemals Mini Challenge) lässt vermuten, dass der Mini GP mit seiner leichten Leistungssteigerung von 211 auf 218 PS nicht für Viertel-Meile-Sprints, sondern für Trackday-Ausflüge entwickelt wurde.

Hockenheim, wir kommen: Während die straffe Fahrwerksabstimmung des neuen Gewindefahrwerks mit Bilstein-Dämpfern und H&R-Federn auf Bodenwellen im Alltag Kompromissbereitschaft erfordert, krallt sich der Mini GP mit ausgezeichneter Traktion in den Hockenheimer Asphalt.

Im Vergleich mit dem Serien-JCW erhöhten die Fahrwerks-Ingenieure den negativen Sturz an der Vorderachse (JCW Serie: -0°35‘; GP: -1°55‘) und an der Hinterachse (JCW Serie: -1°45‘; GP: -2°25‘). Neben den gründlichen Fahrwerksmodifikationen sind auch breitere Reifen im Format 215/40 R17 (Serien-JCW: 205/45 R17) sowie die Reifenwahl für das hohe Gripniveau verantwortlich. Erstmals trägt ein Mini ab Werk spezielle Sportpneus vom Typ Kumho Ecsta V70A. Im Verbund mit einer verringerten Vorspur an der Vorderachse lenkt der Track-Mini deutlich zackiger und präziser ein als die normale JCW-Variante. Feinfühlige Piloten spüren etwas stärkere Antriebseinflüsse in der Lenkung, die aber ansonsten mit direkter Rückmeldung wie immer Mini-typisch positiv auffällt.

Anders als der JCW neigt der GP mit deaktiviertem DSC beim Herausbeschleunigen aus engen Ecken nicht zu einem durchdrehenden, kurveninneren Vorderrad, sondern punktet auch ohne mechanisches Sperrdifferenzial unter Last mit guter Traktion.

Neuer GP-Modus arbeitet wie ein Renn-DSC

Im Fahrstabilitätsprogramm DSC findet sich erstmals ein spezieller GP-Rennmodus. "Der GP-Mode arbeitet wie ein Renn-DSC. Man hat keinerlei störende Motoreingriffe. Auf der Nordschleife merkt man keinen Unterschied auf der Stoppuhr zwischen deaktiviertem DSC und dem GP-Mode", erklärt Jörg Weidinger, Entwicklungsingenieur Gesamtfahrwerk für die Mini-Produktpalette. Weidinger muss es wissen. Er hetzte den GP in 8.23 Minuten um die Nordschleife und verbesserte die JCW-Ringzeit um satte 12 Sekunden.

Auch in Hockenheim wackelt die bisherige Bestzeit, als das auf 2.000 Exemplare limitierte Sondermodell freudig fauchend über die Ziellinie trommelt. Mit 1.16,3 Minuten kürt sich der GP zum schnellsten Serien-Mini (JCW: 1.18,5 Minuten).

Getunter Schirra-Mini mit Straßenzulassung

Platz da! Plötzlich taucht im GP-Rückspiegel formatfüllend ein oranger Muscle-Mini auf und überholt mit rennwagenähnlichem Gebrüll – Nummernschild DA-SM 3004. Der wird doch wohl jetzt nicht auch schon Straßenautos aufbauen? Doch, Joachim Schirra, Teamchef des Mini-Rennteams Schirra motoring aus Griesheim bei Darmstadt, hat mit seiner Mannschaft erstmals einen getunten Mini mit Straßenzulassung aufgebaut.

Jetzt werden Nörgler sofort ketzerisch fragen, in welcher geistigen Umnachtung der TÜV-Prüfer diesem Renngerät den StVZO-Segen erteilt hat? Joachim Schirra entgegnet dann entspannt: "Bis auf den Heckflügel kann alles eingetragen werden."

Darunter finden sich Tuning-Schmankerl wie ein leichter GFK-Bausatz mit Motorhaube (3,2 kg), Heckdeckel (3,5 kg), Türen (je 4,5 kg), Front- und Heckschürze sowie Kotflügel und Radlaufverbreiterungen. Weiteres Gewicht sparen Seiten- und Heckscheibe aus Kunststoff, der Einsatz von Recaro-Pole-Position-Schalensitzen und der Verzicht auf die Rücksitzbank sowie sämtliche Verkleidungsteile. Mit 1.005 Kilo wiegt der Schirra-JCW GTS 182 Kilo weniger als das GP-Modell.

Klingt nicht nur nach Rennwagen mit Straßenzulassung, sondern schmeckt auch so. Mit KW-Clubsport-Gewindefahrwerk und Motorsport-verdächtigen Sturzwerten (-3°20‘ vorn und -2°20‘ hinten) und Dunlop Direzza 03G-Sportreifen lenkt der getunte Straßen-Mini direkter als ein Renn-Mini aus der Mini Trophy auf Slicks ein. Dank Drexler-Differenzialsperre (Sperrwert 50 %) verhagelt beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven kein wilder Wheelspin das Fahrvergnügen. Bei zu viel Lasteinsatz will der Fronttriebler jedoch seitlich wegziehen, die Traktion reißt ab. Hier wäre eine weniger aggressive Abstimmung der Sperre auf der Suche nach der einen oder anderen Zehntelsekunde wünschenswert.

Mini mit modifiziertem 1,6-Liter-Turbo und 290 PS

Auf Lastwechsel reagiert der orange Mini gutmütig, bleibt weitgehend neutral und setzt nur bei bewussten Provokationen zu einem Seitwärtsschritt an.

Dritter Gang, ziiiiiiiiiiiiiissssssssch, vierter, ziiiisssssscch, fünfter Gang – die vergnügt nach jedem Gangwechsel pfeifende Turbo-Melodie kommt bekannt vor: Unter seiner GFK-Motorhaube trägt der getunte JCW das gleiche Kraftwerk, das Schirra motoring vergangenes Jahr AC Schnitzer für das Mini JCW Coupé namens Raptor zur Verfügung gestellt hat. Bei 1,5 bar Ladedruck leistet der komplett modifizierte 1,6-Liter (Pleuel, Auslass-Nockenwelle, Kolben bearbeitet) 290 PS.

Während der Raptor die Nase bei den Sprintwerten bis 200 km/h leicht vorn hatte (Raptor 0 - 200 km/h: 16,6 s) kommt der schnellste, straßenzugelassene Mini auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim jetzt nicht mehr aus Aachen, sondern aus Griesheim. Mit einer Rundenzeit von 1.10,1 Minuten schlägt der Schirra-GTS nicht nur den bis dato schnellsten Mini (Raptor: 1.10,9 min), sondern lässt auch reinrassige Seriensportler wie den Ferrari 458 Italia (1.10,5 min) und den Audi R8 V10 plus (1.10,6 min) alt aussehen.

Der schnellste Renn-Mini weltweit

Bevor sich Ferrari und Co. erholt haben, faucht der nächste Sportwagen-Schreck auf die Piste. Die letzten Ehrenrunden nimmt der wohl schnellste Renn-Mini weltweit in Angriff. 974 Kilo, zahlreiche Karbonteile, eine im Windkanal entwickelte Aerodynamik mit komplett geschlossenem Unterboden, 309 PS und Michelin-Slicks – in der VLN-Meisterschaft auf der Nordschleife hat der Schirra-Breitbau längst Kultstatus.

Klick, klick, klick – innerhalb von 0,2 Sekunden wechselt ein sequenzielles Sechsganggetriebe über Lenkradwippen die Gänge. Während das Kupplungspedal bei jedem Schaltvorgang Pause hat, röhrt, röchelt und spratzelt der kleine Rennwagen aus seiner Titan-Abgasanlage wie ein Großer.

Kein Mini-Fan? Spätestens nach der ersten Kurve im Schirra-Renn-Mini würde der Faszinationsvirus überspringen. Mit profilloser Rennbereifung lenkt der Mini messerscharf ein und klebt anschließend so beherzt in der Kurve wie Achterbahn-Wägelchen auf ihren Leitschienen. Geradeauslauf ist mit extremer Drexler-Sperre (Sperrwert 70 Prozent) und Sachs-Rennsport-Fahrwerk ohnehin nicht sein Ding.

In Hockenheim hämmert das kleine Kraftpaket trotz Nordschleifen-Abstimmung Querbeschleunigungswerte von bis 1,65 g in den Asphalt. Nach 1.07,1 Minuten endet die Ehrenrunde des VLN-Mini. Mit einem strafferen Setup und einer agileren Hinterachse wären auf dem Kleinen Kurs Zeiten von 1.06 Minute möglich.

Doch dem Schirra-Renn-Mini haben heute in Hockenheim eigentlich nur zwei Dinge gefehlt – das richtige Wetter und die richtigen Gegner. Womit wir abschließend wieder bei Harald "Nippel" Grohs wären: "Bei Regen hängst du den GT3-Koffern mit unserem Mini im Getriebe."

Technische Daten
Schirra Motoring VLN Schirra Motoring JCW GTS Mini John Cooper Works GP
Grundpreis 125.000 € 72.000 € 36.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3774 x 1683 x 1393 mm 3774 x 1683 x 1393 mm 3774 x 1683 x 1393 mm
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 227 kW / 309 PS bei 6250 U/min 213 kW / 290 PS bei 6200 U/min 160 kW / 218 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 255 km/h 260 km/h 242 km/h
0-100 km/h 4,7 s 5,4 s
Verbrauch 7,1 l/100 km
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