Mini One

Black Box

Nach dem Mini Cooper mit 115 PS bietet die BMW Group mit dem One nun auch eine Einstiegsversion mit 90 PS und etwas veränderter Optik an.

Ob man mit dem Cooper herumfährt oder mit dem schwächeren, fast 4.000 Mark billigeren Mini One, ist, zumindest vom optischen Auftritt her, völlig egal. Die Menschen drehen sich um nach dem neuen 3,63-Meter-Zwerg in seinem gekonnten Retro-Design, auch wenn er vorne am Grill auf etwas Chrom verzichtet, das Wagendach immer in Wagenfarbe lackiert hat und acht Millimeter höher in die Landschaft schaut.

Der Testwagen ist in modischem Schwarz gehalten und findet fast noch mehr Beachtung als der rote Cooper mit seinem weißen Dach, den auto motor und sport zuerst verkostete – ganz nach dem bewährten Muster, dass bei einer neuen Modellreihe in der Regel die potenteren Versionen als Erste das Licht der Öffentlichkeit erblicken dürfen. Den schöneren Namen hat der Cooper, benannt nach dem einstigen Rennwagen-Konstrukteur John Cooper, ja sowieso.

Nun also One, Mini der Erste. Basismodelle haben manchmal den auch vom Hersteller gewünschten Effekt einer optischen Degradierung gegenüber den teureren und gewinnbringenderen Luxus und Power-Versionen. Beim Mini One ist das nicht so.

Keine Spur von dem, was sonst häufig von der Basis ausgeht, kein bisschen Rangminderung. Die Uni- Lackierung, die es wahlweise auch für den Cooper gibt, steht dem muskulös gestylten Zwerg eigentlich noch besser, und die wenigen optischen Differenzen, nämlich schwarze Streben im Kühlergrill und ein nicht verchromter Griff an der Heckklappe, registriert nur der Kenner.

Der Verzicht auf eine serienmäßige Ausrüstung mit einem Drehzahlmesser mag da noch am schwersten wiegen. Der Testwagen hat ihn trotzdem und lässt damit erkenntnisreiche Einblicke in das Wesen des 90-PS-Motors zu, der den Mini One am meisten vom Cooper unterscheidet.

Es ist der gleiche Motor, jener gemeinsam von BMW und Chrysler entwickelte Vierzylinder, der mit 1,6 Liter Hubraum, einer oben liegenden Nockenwelle und vier Ventilen pro Zylinder im Einstiegs-Mini 90 PS bei 5.500 Umdrehungen leistet.

Die hauptsächlich durch ein anderes Motor-Management erreichte Leistungsreduktion hat auch eine Verschlechterung des Drehmoments zur Folge. Beim Mini One sind es 140 Newtonmeter, beim Cooper 149, allerdings bei wesentlich höherer Drehzahl.

Schon beim Test des Cooper erlebt auto motor und sport einen Antrieb, der zwar gute Fahrleistungen, aber wenig Spaß bietet. Beim Mini One verstärken sich die negativen Eigenschaften dieses Triebwerks, so auch seine Belanglosigkeit. Es ist ein Motor ohne Ausstrahlung, ohne Verve, und er könnte genauso gut in einem Kleintransporter stecken.

So gesehen besteht zwischen dem lifestyligen Fun-Charakter des Out- und Infits eine beträchtliche Diskrepanz, bei der es nur ein milder Trost ist, dass das seelenlose Aggregat keine störenden Vibrationen verursacht und mit einem Testverbrauch von 7,5 Litern pro 100 Kilometer sparsam ist.

Einen beträchtlichen Anteil am schwachen motorischen Gesamtbild hat die viel zu lange Gesamtübersetzung, mit der sich der Mini One abermals vom Cooper unterscheidet. Im One trifft der müdere Motor auf die längere Achse, und heraus schaut ein Temperament, das man Ende der sechziger Jahre schon mit einem NSU TTS realisierte: null auf 100 km/h in 11,6 Sekunden (Cooper: 9,3), null auf 140 km/h in 25,7 Sekunden (Cooper: 19 s). Enttäuschend auch das schlechte Durchzugsvermögen. Von 80 auf 120 km/h nimmt sich der Mini One im fünften Gang über 20 Sekunden Zeit.

Zeit also, um mit dem kalt in der Hand liegenden Schalthebelknauf zurückzuschalten, am besten gleich zwei Mal. Der Mini One hat Gangbereiche fast wie ein Super-Sportwagen. Schon der Zweite reicht bis nahezu 110 km/h, im Dritten kommt man auf 155 km/h.

Die guten Seiten einer solchen Auslegung sollen, vom günstigen Verbrauch einmal abgesehen, nicht verschwiegen werden. Der Mini One ist gerade auf langen Autobahn-Etappen ein motorisch angenehmer Begleiter, der mit den Drehzahlen großer Limousinen seine Bahn zieht und, wie auch die Phonwerte sehr deutlich beweisen, akustisch so dezent wie weit größere Autos bleibt.

Ein unerwartet angenehmes Langstrecken-Triebwerk also, der 90 PS starke 1,6-Liter, leise, vibrationsarm, kultiviert. Auf der Suche nach Sound wird man, wie schon beim Cooper, nicht fündig.

Das Leistungsgebaren wird durch nichtssagende Töne ergänzt – ein wahres Kontrastprogramm zu den emotionalen Reizen, die der Mini auch in der Basis-Version zu bieten hat. Man kauft ihn mit dem Auge, man liebt ihn mit dem Auge, vielleicht auch noch seines spielerischen Handlings und seiner Kurvenkünste wegen.

Auch wenn der schwächere One gegenüber dem Cooper keinen zusätzlichen Stabilisator an der raumsparenden Hinterachse aufweist und weniger sportlich abgestimmt ist, wird dies beim schnellen Kurvenfahren nicht als Mangel empfunden. Die Fahreigenschaften des One gehören mit zum Besten, was in der Kleinwagen-Kategorie einzukaufen ist, ohne dass sie deshalb einen Meilenstein markieren. Das war einst nur dem Ur-Mini in seinem damaligen Konkurrenz-Umfeld vergönnt.

Gleichwohl wird der Mini-Fahrer der alten These, dass die Kurve die schönste Verbindung zwischen zwei Punkten sei, mit Freude zustimmen. Er wird auch die Federung insgesamt als passabel empfinden, vor allem, wenn er jemals länger in einem alten Mini gesessen hat. Damit kann man leben, auch wenn es manchmal, fast wie zu Ur-Zeiten, ein paar trockene kurze Haken von unten gibt.

Mehr Komfort als der Cooper bietet der One also nicht, nur spürbar weniger Temperament. Doch die Zeiten haben sich geändert. Auch der Cooper ist nicht mehr der Zwerg, mit dem man immer die Großen ärgert, denn dazu sind auch sie zu schnell geworden. Mit dem One fährt man irgendwo dazwischen, mit einer hervorragend steifen Karosse, einem Tachometer groß wie eine Küchenuhr, guten Sitzen und einem winzigen Kofferraum.

Im Publikum recken sich die Hälse. Man ist wer, the One and only.

Fazit

Ein reizendes Auto mit einem reizlosen Motor - so lautet das vereinfachte Fazit über den Mini One. Mit seiner langen Übersetzung mangelt es ihm an Durchzugskraft, das Raumangebot hinten ist sehr knapp. Freude machen Form und Stabilität der Karosse.

Technische Daten
Mini One
Grundpreis 14.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3626 x 1688 x 1408 mm
KofferraumvolumenVDA 150 bis 670 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h
0-100 km/h 11,6 s
Verbrauch 6,6 l/100 km
Testverbrauch 8,3 l/100 km
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