Mitsubishi Colt 1.5 Instyle im Test

Kleinkaliber

Foto: Achim Hartmann 10 Bilder

Als Kleinwagen mit Vancharakter hat der Colt – japanisches Schwestermodell zum Smart Forfour – mit seinem Vorgänger weder optisch noch technisch etwas gemeinsam.

Verluste, Schulden, Skandale – wie die Wolken eines hartnäckigen Sommertiefs hängen die Negativmeldungen über dem japanischen Hersteller Mitsubishi. Sie lassen kaum Licht auf gute Nachrichten scheinen, wie etwa auf die Ankunft des Hoffnungsträgers in Form des neuen Colt. Er ist der erste Spross aus der mittlerweile schwierigen Liaison mit Daimler-Chrysler und tritt den Test in seiner Top- Version an: mit dem 109 PS starken 1,5-Liter-Vierzylinder und der Instyle-Ausstattung. Das Gesicht mit der Zornesfalte auf der Haube, den grimmig blickenden Scheinwerfern sowie der Diamant-Nase ist typisch für Mitsubishi.

One-Box- Design, kurze Überhänge, kastiges Heck sowie vanartiger Hochbau lassen keine Parallelen zu bisherigen Colt-Modellen zu. Eher zur Mercedes A-Klasse. Die Ähnlichkeiten sind rein äußerlich. Technischer Zwillingsbruder ist der Smart Forfour, mit dem sich der Mitsubishi Bodengruppe sowie Motoren teilt. Und in etwa den Preis. 15 990 Euro kostet der Colt 1.5 mindestens, was ausstattungsbereinigt auf dem Niveau eines Smart Forfour liegt. In der Instyle-Ausstattung bringt es der Mitsubishi gar auf 17 290 Euro. Dann sind elektrische Fensterheber vorn wie hinten, CD-Radio, Klimaanlage, Leder-Lenkrad, Mittelarmlehne hinten, Aluräder sowie Nebelscheinwerfer an Bord.

Nicht jedoch die Fahrdynamikregelung MASC. Sie ist mit Kopfairbags vorn und hinten gekoppelt und kostet 800 Euro. Das ist unverständlich, gehört der japanische Hersteller doch zum Daimler-Chrysler-Konzern, der das Thema Sicherheit predigt wie kein Zweiter. Und der dem baugleichen Smart den Schleuder-Verhinderer serienmäßig auf den Weg gibt. Mimt der zwölf Zentimeter kürzere Smart den quietschfidelen Kleinwagen, so trägt der Colt den Ernst-des-Fahrens- Look. Pragmatisch, praktisch, unaufregend. Wie Schiesser- Feinripp. Erst innen kommt ein wenig Calvin Klein ins Spiel. 

Eine helle Kunststoffsäule ziert die Mittelkonsole. Nachts ist sie sanft illuminiert, könnte so auch Teil einer Szene-Bar sein. Ebenso wie der Aschenbecher, der in seiner Form die Kugelsessel der Siebziger Jahre nachahmt. Eine weitere Variation des sonst eher grau-seriösen Umfelds sind die einfarbig roten Sitzbezüge mit leichtem Muster. Auch sie sorgen dafür, dass sich im Inneraum keine Langeweile breit macht. Zwiespältig präsentiert sich die Qualität der Kunststoffe. Klima-Einstellräder und Kunststoffsäule sind unter IKEANiveau, die Armaturenbrett- Flächen dagegen tendieren Richtung Rolf Benz. Im Straßenbild nahezu unentdeckt, erfreut sich der Colt- Lenker an den praktischen Dingen des Fahrens. Etwa dem Handschuhfach mit Stift-, Münz- sowie Kartenhalter. Und mit Kühlschrankfunktion: In eine tiefe Höhle passt eine 1,5-Liter- Wasserflasche und wird von der Klimaanlage temperiert.

Wer sich mit den enorm variablen Sitzgelegenheiten beschäftigt, greift gerne zur Erfrischung. Die Klapp-, Schiebesowie Falt- und Ausbaumöglichkeiten sind ausufernd, nicht aber schwierig zu nutzen. Im Gegenteil: Selbst zarte Frauenhände scheitern nicht am moderaten Gewicht der Sitze. Wer also die Aus- und Umbauten erledigt hat, kann schließlich sein Päuschen direkt auf dem Rücksitz des Colt abhalten – die Beine auf die umgeklappte Lehne des Vordersitzes gelegt. Auch ohne hoch gelegte Beine lässt es sich im Fond gut aushalten. Das Platzangebot macht den Colt zur Stretch-Limo unter seinesgleichen – dank den verschiebbaren Rücksitzen. Zudem lassen sich die Sitzlehnen in Positionen von lümmelnd bis kerzengerade arretieren, die hoch angebrachten Sitzflächen zwingen den Beinen keinen blutstauenden Winkel auf.

Ganz so grenzenlos wie vorn ist die Weite über den Köpfen der hinteren Passagiere aber nicht. Auch logiert man in der zweiten Reihe nicht so bequem, da die Isofix-Abdeckung wie ein unpassendes Sitzkissen in den Po drückt; das lässt die Fahrgäste auf der Suche nach der passenden Haltung herumrutschen. Dennoch sind Non-stopp- Trips über den Brenner auch ohne mitreisenden Physiotherapeuten erträglich. Was vorwiegend am Fahrwerk liegt: Es reckt und streckt sich in Richtung Kompaktklasse, spricht gut an, lange Bodenwellen werden verdaut, ohne aufzustoßen. Negativ macht es nur durch Poltern auf sich aufmerksam. So wirkt der Colt für einen Kleinwagen sehr erwachsen. Der Wunsch, eine Fahrzeugklasse höher chauffiert zu werden, kommt nur selten auf. 

Dennoch zeigt der neue Mitsubishi auch Schwächen. Weder Fahrwerk noch Lenkung geben konkrete Rückmeldung, was jede Spitzkehren-Ambition untergräbt. Wer den Colt trotzdem durch die Kurven scheucht, erntet unwilliges Untersteuern, beim extremen Ausweichen sogar leichtes Übersteuern. Reagiert der Fahrer nicht, etwa indem er den Lenkeinschlag zurücknimmt, greift die Fahrdynamikregelung ein. Sie agiert spät und unharmonisch, regt die Karosserie zum Pumpen an. Der Colt hoppelt dann wie ein verschreckter Hase. Bei der zweiten wesentlichen Sicherheitsausstattung, den Bremsen, lässt der Colt keinen Zweifel aufkommen. Sie bleibt stets standhaft.

Seine Kleinwagen-Seele kehrt der Mitsubishi an anderer Stelle heraus – wenn der Motor schon bei Autobahn-Richtgeschwindigkeit dröhnt und keucht, als sei seine Kondition erschöpft. Indes beschleunigt er den Kleinen bei Bedarf bis in den Geschwindigkeitsbereich der Großen und benötigt dabei im Durchschnitt akzeptable 8,1 Liter Superbenzin. Allerdings packt der Vierzylinder erst bei hohen Drehzahlen zu und hängt etwas zögerlich am Gas, was zu Ruckeln nach dem Schalten führt. Die passend übersetzten fünf Gänge lassen sich leichtgängig sortieren, wenngleich die Schaltwege konkreter definiert sein könnten, was bei häufigen und schnellen Gangwechseln auffällt. Wesentlich stärker nerven in der Stadt aber die massiven A-Säulen, die keine Panoramasicht zulassen. Ihretwegen muss man sich an Kreuzungen den Hals verrenken, um durch die kleinen Dreiecksfenster zu spähen. Auch nach hinten ist die Übersicht schlecht.

Trotz aller Kritik: Was Mitsubishi auf der Smart-Plattform geschaffen hat, ist aller Anerkennung wert – kein Abklatsch des Forfour, sondern eine erstwagentaugliche Mischung aus Kleinwagen und Van. Dieser Mischung sollte es gelingen, sich auf dem deutschen Markt zu behaupten. Vielleicht hilft der Colt sogar mit, die dunklen Wolken über Mitsubishi zu vertreiben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Raumangebot vanartige Variabilität zahlreiche Ablagen ordentliche Verarbeitung
  • eingeschränkte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • komfortable Federung einfache Bedienung Sitze mit weitem Verstellbereich
  • starke Karosserieneigung bei schnell gefahrenen Kurven
Antrieb
  • kräftiger Vierzylinder gute Fahrleistungen leichtgängige Fünfgangschaltung
  • Motor bei hoher Drehzahl laut
Fahreigenschaften
  • gute Beherrschbarkeit gute Handlichkeit guter Geradeauslauf
  • ESP regelt unharmonisch 6 gefühllose Lenkung
Sicherheit
  • kräftige, standfeste Bremsen
  • ESP nur gegen hohen Aufpreis
Umwelt
  • akzeptabler Verbrauch schadstoffarm nach Euro 4
Kosten
  • angemessener Kaufpreis drei Jahre Garantie
  • hohe Vollkasko-Einstufung

Fazit

Das Comeback des Colt ist gelungen – ein komfortabler und geräumiger Kleinwagen, variabler als mancher Van. Mit dem kräftigen, aber lauten Motor geht es flott vorwärts. Die ESP-Abstimmung bedarf noch des Feintunings.

Technische Daten
Mitsubishi Colt 1.5 Instyle
Grundpreis 17.890 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3870 x 1695 x 1550 mm
KofferraumvolumenVDA 220 bis 1070 l
Hubraum / Motor 1499 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
0-100 km/h 10,1 s
Verbrauch 6,2 l/100 km
Testverbrauch 8,1 l/100 km
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