Morgan Plus 8 4.6 im Test

Nach vielen Jahren zieht ein neuer Morgan herauf – im Wesen kaum anders als die Morgan zuvor, aber mit der Macht eines bärenstarken 4,6 Liter-V8 und zahlreichen Modifikationen.

Auf den Frühling ist in Stuttgart mal wieder kein Verlaß: Eine steife Westbrise pustet dunkle Kumuluswolken über die Stadt, der Regen duscht die Schirme und prasselt auf das geschlossene Verdeck des „first and last of the real sportscars“ nieder. Angesichts der trüben Großwetterlage würde der Morgan- Novize die geplante Eröffnung der Cabriosaison lieber auf übermorgen verschieben, doch das Testprogramm duldet keinen Aufschub. Schließlich kommt ein neuer Morgan nicht alle Tage, und die jüngste Ausführung des Plus 8 weist mehr Neuerungen auf als jede Entwicklungsstufe zuvor.

Zur Beruhigung der Enthusiasten sei allerdings gesagt, daß der Fortschritt im Verborgenen blüht – an Form und Fahrwerk, die schon bei seiner Einführung 1968 von faszinierender RückstaÅNndigkeit waren, hat sich nichts Wesentliches geändert. Die um fünf Zentimeter verlängerten Türen und Sitzschienen fallen kaum auf, erleichtern aber den Einstieg sowie das Finden einer entspannten Position hinter dem Lenkrad. Dabei sollen sie ebenso wie das geänderte, nach vorn gerückte Armaturenbrett in erster Linie der Sicherheit dienen, denn diese Maßnahmen schaffen Platz für die beiden nun auf Wunsch lieferbaren Airbags sowie zusätzliche Knieschutzpolster. Den dadurch bedingten Wegfall der Belüftungsschlitze kompensiert serienmäßig eine heizbare Windschutzscheibe.

Auf größeres Interesse dürfte freilich die neue Spitzenmotorisierung stoßen, die dafür sorgt, daß sich der Plus 8 auch künftig jüngerer Konkurrenten wie BMW M Roadster oder Westfield 200 erwehren kann. Der vom 3,9-Liter abgeleitete 4,6 Liter-Block stammt wiederum aus dem Range Rover, verfügt jedoch aus Platzgründen über geänderte Zylinderköpfe und eine modifizierte Einspritzanlage. Das bringt neben höherer Leistung (220 statt 190 PS) vor allem ein nochmals gesteigertes Drehmoment (353 statt 312 Newtonmeter). Von seinem Charakter her ist der Neue allerdings ganz der Alte geblieben: bärenstark, mit gnadenlosem Durchzug bereits bei niedrigsten Drehzahlen und mit jenem dumpf grollenden Auspuffton, wie ihn nur ein großvolumiger Achtzylinder zuwege bringt.

Bei zugeknöpftem Zeltdach herrscht dagegen gemeiner Lärm und klaustrophobische Enge im rustikal eingerichteten Innenraum. Morgan- Fahren muß man deshalb offen – nur dann wird es auch zum akustischen Erlebnis. Wer sich jetzt noch traut, die seitlichen Steckfenster zu entfernen, fühlt sich in die Urzeit des Automobils zurückversetzt. Man kauert tief unten hinter einer flachen, völlig planen Frontscheibe mit drei kleinen Wischern, den Oberkörper wegen der weit ausgeschnittenen Türen dem freien Spiel der Elemente ausgesetzt. Das neu gestaltete Armaturenbrett stellt allerdings weder in ästhetischer noch in funktionaler Hinsicht eine Verbesserung dar: Die Hebel und Schalter zeigen allzu deutlich ihre Ford-Herkunft, und vom großen Tacho läßt sich nur der effektheischende, aber unrealistische Bereich zwischen 240 und 300 km/h ablesen. 

Das steil stehende Dreispeichenlenkrad verbirgt auch die jeweilige Drehzahl, doch auf diese Information kann man am leichtesten verzichten. Dank der ausgeprägten Elastizität des wohlig vor sich hin brabbelnden Leichtmetallmotors spielt es kaum eine Rolle, welcher der fünf Gänge gerade anliegt. Zur Not würden dem Morgan sogar zwei Übersetzungen genügen – Schalten erweist sich selbst bei zügiger Fahrweise als eine höchstens in Ausnahmefällen nötige Beschäftigung. Der ungestüme Vorwärtsdrang des V8 katapultiert den 1.014 Kilogramm schweren Zweisitzer in sechs Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h, und sein Durchzug macht Überholmanöver zum Fest für Drehmoment-Schlemmer.

Im Vergleich zum 3.9 nimmt sich der Zuwachs allerdings bescheiden aus, woran neben der längeren Achsübersetzung auch das höhere Leergewicht beteiligt sein dürfte. Deshalb muß der 4.6 eher den 30 PS schwächeren, aber 238 kg leichteren Westfield 200 als den 101 PS stärkeren, aber 396 kg schwereren BMW M Roadster fürchten. Als ernsthafter Konkurrent kann der ohnehin nicht gelten, denn für einen echten Roadster ist er einfach zu zivilisiert. Im Morgan hingegen zeigt sich die Freude am Fahren durch gnadenlose Direktheit. Wie in kaum einem anderen Serienauto wird hier die Umwelt noch buchstäblich erfahren – die Bodenbeschaffenheit, der Fahrtwind und nicht zuletzt die Gewalten, die vom Auto selber ausgehen. Mit ihrer ungefilterten Härte erinnern Kupplung und Lenkung jedenfalls eher an Sportwagen der zwanziger als an servounterstützte Boulevard- Cruiser der neunziger Jahre. Selbst die Bremsen und die neuen Sechsblattfedern kommen ihrer Aufgabe nur sehr unvollkommen nach, während die angenehm profilierten Sportsitze wenigstens die gröbsten Stöße dämpfen. Dennoch ändern auch die gutmütigen Fahreigenschaften wenig daran, daß der Plus 8 nach herkömmlichen Kriterien ein Minus-Auto ist. Im automobilen Einerlei bleibt er dagegen ein Pluspunkt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • attraktiv geformte Karosserie e ausreichendes Platzangebot für zwei Personen
  • umständliches, nicht ganz dichtes Verdeck kein Kofferraum schlecht ablesbare Instrumente
Antrieb
  • sehr gute Durchzugskraft sportliche Fahrleistungen exakte Schaltung gut gestuftes Fünfganggetriebe
  • unrunder Leerlauf
Fahrkomfort
  • bequeme Sportsitze
  • harte, wenig schluckfreudige Federung laute Geräuschkulisse hohe Bedienungskräfte schlecht regulierbare Heizung
Fahreigenschaften
  • problemloses Kurvenverhalten ordentlicher Geradeauslauf gute Traktion
  • schwergängige Lenkung großer Wendekreis
Sicherheit
  • schwache Bremsanlage Airbags und Kopfstützen nur gegen Aufpreis Gurtstraffer, Seitenaufprallschutz und Überrollbügel nicht lieferbar
Kosten
  • geringer Wertverlust
  • hohe Anschaffungs- und Unterhaltskosten kurze Wartungsintervalle sehr dünnes Servicenetz
Umwelt
  • angemessener Benzinverbrauch
  • erfüllt nicht D3-Abgasnorm

Fazit

Der Hubraum- und Leistungszuwachs beschert dem Plus 8 nochmals bessere Fahrleistungen, doch dem sehr durchzugsstarken 3.9 fährt der 4.6 nicht weit davon. So bleibt der Morgan, was er war: ein harter und fordernder, aber gerade deshalb faszinierender Roadster der alten Schule.

Technische Daten
Morgan Plus 8 4.6
Grundpreis 49.851 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3960 x 1600 x 1220 mm
Hubraum / Motor 4555 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 142 kW / 193 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 213 km/h
0-100 km/h 6,0 s
Verbrauch 13,8 l/100 km
Testverbrauch 12,5 l/100 km
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