Mosler MT900 GTR im Test

Beeindruckender Supersportler

Foto: Frank Herzog 8 Bilder

Beeindruckender hätte das Eröffnungskonzert des Mosler MT900 GTR hier zu Lande nicht ausfallen können. Der erste Test in Hockenheim deutet an, dass sich die etablierte Supersportler-Konkurrenz warm anziehen kann.

Die geballte Ausstellungspräsenz diverser Straßen- und Rennversionen des Mosler MT900 GTR auf der Essen Motor Show verfehlte ihre Wirkung nicht. Quantitativ war der ursprünglich aus den USA stammende Supersportler bei seinem ersten offiziellen Auftritt auf deutschem Boden also gut aufgestellt. Aber auch qualitativ entkräftet der Mosler MT900 GTR die Bedenken, er könnte eine weitere exotische Momentaufnahme fernab jeglicher Realität sein. Dieser Respekt einflößende Supersportler tritt tatsächlich festen Fußes und mit dem nötigen technischen Rückgrat an, um der alteingesessenen europäischen Konkurrenz auf Piste und Straße gehörig in die Suppe zu spucken.

Auch das unschuldige Weiß des ersten Testobjekts kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der imposante, 4,8 Meter lange und nur knapp über einen Meter hohe Herausforderer ernste Absichten hegt. Hier steht kein Effekt haschender Blender am Start, sondern ein in Verarbeitung und Details stimmiges großes Ganzes. So schmeichelt der Innenraum dem Auge des Betrachters mit firlefanzloser Sachlichkeit und perfekt verlegtem Leder in Karbon-Optik. Die Recaro-Schalen fassen entschlossen an die Hüften, ergonomisch ist alles makellos arrangiert. Hinter dem griffigen Volant leuchten blau illuminierte, klar und modern wirkende Instrumente. Lediglich der eine oder andere Schalter auf der Mittelkonsole bittet noch um etwas Feinschliff.

Der Mosler kann es mit den ganz Großen der Branche aufnehmen

Jedoch sollte dies als Fingerübung gelten, schließlich stehen weitreichendere technische Herausforderungen wie ein ABS und eine Traktionskontrolle bereits kurz vor der Vollendung. Dann ist der MT900 GTR bestens gewappnet, um es mit den ganz Großen der Branche aufzunehmen. Die Rede ist hier nicht von Lamborghini Gallardo, Porsche Turbo, Dodge Viper und Co., sondern von Alpha-Tieren vom Schlage eines Koeniggsegg, Carrera GT, Murciélago oder Pagani Zonda. Von mangelndem Selbstvertrauen scheint beim deutschen Importeur also nicht der kleinste Hauch einer Spur anzuklingen. Oder nimmt da einer den Mund doch etwas zu voll?

Ganz und gar nicht. Schon bei seinem Antrittsbesuch in Hockenheim straft die erste, hier zu Lande final entwickelte Mosler-Flunder letzte Zweifler Lügen. Der MT900 GTR lässt Taten und auch Daten sprechen, die jegliche Diskussion über die Zielstrebigkeit dieses neuen Supersportlers im Keim ersticken: Nach 3,9 Sekunden sind 100 km/h atomisiert, die 200er-Hürde ist nach unangestrengten 10,6 Sekunden genommen. Noch Fragen?

Nur ein Carrera GT beschleunigt besser

Ein Carrera GT hat 3,8, respektive 10,2 Sekunden zu bieten. Ein Murciélago hinkt beim 200er-Spurt ebenso hinterher wie ein Pagani Zonda F. Der Koenigsegg kann beim Sprint zwar noch dagegen halten, aber spätestens bei den Elastizitätswerten hisst dann auch der Schwede die weiße Fahne.

Der MT900 GTR ist kein Spaß, sondern für die Etablierten tatsächlich bitterer Ernst. Er tritt mit einem technischen Layout an, das in der Theorie viel verspricht und in der Praxis noch mehr hält. Nach einer ganz plausiblen Rechnung: Ein PS trifft auf lediglich 2,3 Kilogramm. Der mit Klimaanlage und Navigations/HiFi-System üppig ausstaffierte Test-MT900 bringt immer noch vergleichsweise schlanke 1.250 Kilogramm auf die Waage. Den unter den schwarzen Jalousien am Heck rebellierenden 550 PS und 675 Newtonmeter Drehmoment entlockt dies insgeheim wohl ein mitleidiges Schmunzeln.

Die nackten Messwerte als unbestechliches Indiz: Die überzeugenden Fähigkeiten der Mosler-Flunder sind kein Zufall, sondern basieren auf technisch messerscharf kalkulierten Grundlagen. Die hochsteife Fahrgastzelle sowie die restliche Außenhaut bestehen aus Kohlefaser. Die daraus gebackene Form hat zweifellos faszinierende Wirkung, folgt jedoch glasklar der Funktion. Ein durchdachter Sportler nach alten und allen Regeln der Kunst. Die flache Nase beherbergt die Kühler sowie die Crashbox. Und zentral ins System eingebettet liegt ein Herz, dessen Pulsschlag bereits im Leerlauf die Schweißperlen auf die Stirn treibt und den MT900 GTR erbeben lässt.

Acht Zylinder atmen durch je zwei Ventile und stemmen bei jeder Kurbelwellenumdrehung ein Volumen von 7.011 Kubikzentimeter ­ da weiß man, was man hat: das brachiale Aggregat aus der Corvette Z06. Wobei die zuverlässige Basis bei V8-Spezialist Henrik’s noch etwas aufgepäppelt wurde. Mit anderen Kolben und weiteren technischen Kniffen an den Zylinderköpfen stehen für die Zukunft sogar bis zu 660 PS im Lastenheft ­ Euro 4-clean, versteht sich.

550 PS können für reichlich Kurzweil sorgen

Aber auch 550 PS sind in der Lage, für reichlich Kurzweil zu sorgen. Das breite Spektrum der schier unbändigen Kraft wird über ein Porsche GT2-Getriebe portionsgerecht filetiert. Womit sich die Frage nach der Exaktheit der Schaltbox erübrigt. Eigentlich drängt sie sich auch gar nicht auf, weil es dem knapp hinter den beiden Passagieren wütenden Bigblock schlichtweg schnurzegal ist, wann er gerufen wird.

Der brutale Punch kommt ansatzlos ­ egal, bei welcher Zahl die Nadel des Drehzahlmessers gerade herumturnt, bevor sie auf Höhe der Sieben rot flackert. Was bis dahin geboten wird, ist Power pur ­ jenseits der 4.000 Schritt für Schritt noch eine spürbare Schippe giftiger, bestialischer, brüllender. Und spätestens dann ist das HiFi-System nur noch von optischem Nutzen.

Viel Power, null Nutzwert

Was soll’s. Der richtige Beat wummert mittschiffs im Viertakt, und der Nutzwert eines Mosler reduziert sich nicht nur angesichts der rudimentären Ladekapazität auf das Wesentliche: auf faszinierende Fahrwerte und auf eine ehrliche Kontaktaufnahme mit dem Grenzbereich auf höchstem Niveau.

Auch ohne Rundenzeit und mit einer Fahrwerkseinstellung, die noch etwas Feinschliff bedarf, zeigt der Mosler MT900 GTR, dass er nicht nur auf Messen für Furore sorgt. Sondern er hat zweifellos das Zeug dazu, auch im Supertest eine eindrucksvolle Duftmarke zu setzen.

Technische Daten
Mosler MT900 GTR
Grundpreis 223.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4801 x 2006 x 1130 mm
Hubraum / Motor 7011 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 405 kW / 550 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 330 km/h
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