MTM-Audi RS 6 Clubsport im Test

Zweitonnen-Kombi mit 760 PS

MTM-Audi RS 6 Clubsport, Seitenansicht Foto: Rossen Gargolov 15 Bilder

In regelmäßigen Abständen beraubt MTM schweren Audi-Kombis ihrer Rückbank, schnallt ihnen ein modifiziertes Fahrwerk drunter und Cup-Reifen drauf. Jetzt ist es wieder mal so weit: Der 760 PS starke RS 6 Clubsport tritt zum Test an.

Die Schalensitze drücken erbarmungslos in die Flanken, sagen: Keinen Millimeter geben wir nach, nicht einen. Das V8-Triebwerk grantelt missmutig ob des viel zu lange währenden Leerlaufs vor sich hin, es will los. Aber gerne doch, schließlich fehlt den 20-Zoll-Cup-Reifen nicht mehr viel zur optimalen Betriebstemperatur – was für ein Kombi!

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Einzeltest MTM-Audi RS 6 Clubsport
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Ein Kombi? Jep. Einer aus der Kategorie der Alleskönner. Eine Runde Nordschleife? Bitte, gerne. Komfortabel im Alltag fahren, mit Praktikabilität und Sicherheit die Familie umsorgen sowieso, und obendrein mit angetäuschter Geländewagen-Optik noch Verruchtheit suggerieren. Zumindest Letzteres bleibt dem Audi RS 6 Avant erspart, ansonsten fast nichts. Umso beeindruckender, dass er in 1:14,4 Minuten über unsere Referenzstrecke in Hockenheim donnert. Aber weshalb ein derartiges Multitalent einfach mal zurückrüsten? Ihn zweckentfremden? Immerhin taugt die Sohle eines ordentlichen Lederschuhs auch dazu, um Korken aus Weinflaschen zu klopfen.

MTM-Audi RS6 Clubsport speckt ab

Tuner MTM – maximal empfänglich für ausgefallene Ideen – strickt also jenen RS 6 zur Clubsport-Variante um. Der Verzicht auf die Rückbank und leichte Carbon-Schalen für Fahrer und Beifahrer sparen immerhin 13 Kilogramm, wenngleich noch 1.997 kg übrig bleiben. Klingt in etwa so, als würde ein Kettenraucher auf zwei Fluppen pro Tag verzichten? Nun gut, seitdem uns Nissan mit dem GT-R gelehrt hat, das Masse hoher Agilität durchaus zuträglich sein kann. Die Luftfederung schmiss MTM raus, schraubte stattdessen höhenverstellbare Federn (eine mit KW entwickelte Spezialität des Hauses) unter die Karosserie, die nun vorne 25, hinten 20 Millimeter tiefer liegt. Dazu kommen Michelin-Pilot-Sport-Cup-2-Reifen – und schwupps, schon fährt der MTM-Audi RS 6 Clubsport auch um Kurven.

Zugegeben, hierbei stellt sich der aktuelle RS 6 bereits im Serientrimm ziemlich geschickt an, doch durch die Modifikationen gewinnt das Fahrverhalten an Dramatik. Spitz? Nein, dazu fehlt der Lenkung einfach der Wille, sie bleibt markentypisch etwas faul, bietet bestenfalls befriedigende Rückmeldung. Die leicht reduzierten Aufbaubewegungen sowie die bessere Haftung der Reifen ermöglichen schlicht exakteres Abfräsen von Kurvenradien, inklusive noch genauerem Anbremsen und unbeschwerterem Einlenken. Ein wenig lässt sich der MTM-Audi RS 6 Clubsport sogar per Lastwechsel in Stellung bringen, das sogenannte Sportdifferenzial an der Hinterachse unterstützt durch die entsprechende horizontale Verteilung des Antriebsmoments den Einlenkimpuls.

MTM hat 782-PS-Version in petto

Nur mit dem Herausbeschleunigen ist das so eine Sache, denn hier verlieren selbst die sparsam profilierten Sohlen den Kampf gegen die frontlastige Gewichtsverteilung in Kombination mit zu viel Dampf an der Vorderachse.

Wer glaubt, ach, mit Allradantrieb steh ich einfach mal ein paar Meter früher auf dem Gas, rodelt mit dem MTM-Audi RS 6 Clubsport fröhlich untersteuernd gen Kurvenaußenrand. Ein Fehler von MTM? Nein, eher eine arg konservative Auslegung der Regelelektronik des Allradantriebs, die zu früh zu viel Kraft nach vorne schickt. Und Kraft steckt reichlich im Vierliter-TFSI-Triebwerk des MTM-Audi RS 6 Clubsport. Neben einem Zusatzsteuergerät komprimieren nun Turbolader mit aufgeweitetem Abgaskanal und größerem Verdichterrad die Luft, bevor sie in den Brennkammern auf zerstäubtes Super Plus trifft.

Ebenfalls neu: Die Abgasanlage ab den Ladern, bestückt mit Metallkatalysatoren. Durch sie spielt der V8 des MTM-Audi RS 6 Clubsport nun virtuos auf der großen Bassgitarre des Motorenbaus, grollt und brüllt, donnert obendrein beim Gaswegnehmen. Einzig die Fahrleistungen schrammen teils deutlich an den Erwartungen vorbei, die Rundenzeit ebenfalls.

Besser als die 722-PS-Variante? Keine Chance bei 35 Grad Celsius Lufttemperatur. In den milden Nächten des Testzeitraums fühlt sich der MTM-Audi RS 6 Clubsport dagegen deutlich wohler, legt vor allem oberhalb von 230 km/h mit einer Wucht zu, die selbst heiß gemachte Fronttriebler nur in ölfeuchten Träumen realisieren. Den Beweis bleibt der MTM-Audi RS 6 Clubsport vorerst schuldig, was weniger an ihm, sondern an den Umständen liegt.

Da MTM-Chef Roland Mayer aber schon bald eine 782-PS-Version fertig haben will, liegt die zweite Chance nicht allzu fern. Mögen dann die Schalensitze wieder gut zupacken.

Fazit

Dafür, einen fetten RS 6 Avant auszuräumen und ihn zum Tracktool umzustricken, gebührt MTM ein dick goldumrahmtes Bild auf dem Altar der wunderbar schrägen Auto-Ideen. Es ist ja bereits seit 2004 dort. Und, ganz ehrlich, damals war der Tuner konsequenter, holte 200 Kilogramm Gewicht aus dem Audi, schraubte einen Käfig rein. Das fehlt mir bei der neuesten, bis hin zum B&O-Soundsystem voll ausgestatteten Variante, um sie wirklich zu feiern. Schön allerdings, wie das modifizierte Fahrwerk das Handling zuspitzt, und irre, wie das Triebwerk wütet – wenn es nicht gerade bei 35 °C schuften muss …

Technische Daten
MTM RS6 Clubsport
Grundpreis 149.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4979 x 1936 x 1482 mm
KofferraumvolumenVDA 565 bis 1680 l
Hubraum / Motor 3993 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 575 kW / 782 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 350 km/h
0-100 km/h 3,5 s
Verbrauch 9,6 l/100 km
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